Peru der Extreme - von eisigen Höhen und tropischer Hitze

Tag 1 - Seit wir gestern aus dem Flieger ins Hotel gekommen waren, haben wir uns inzwischen an die etwas kühle und neblige Atmosphäre gewöhnt. Es ist fast immer trüb und irgendwie feucht. Das Gefühl wird noch von den meist nicht geheizten Zimmern verstärkt. Aber was will ich mich beklagen, unter der Decke wars angenehm warm.

So kämpfen wir uns dann halt schon um 7.30 Uhr aus dem Bett und machen uns auf den einstündigen Weg zum Flughafen, wo wir nach einer halbstündigen Autokontrolle das kleine, aber nichts desto trotz gute Fahrzeug übernehmen. Danach machen wir uns erstmal auf den Weg ins Zentrum, um uns mit den nötigen Lebensmitteln zu versorgen.

Als allererstes aber muss ich mich wieder an den etwas anderen Fahrstil hier in Lima gewöhnen. Vielen Leuten treibt das reine Zusehen des Gedränges Angstschweiss auf die Stirn, aber wer mal geschnallt hat, dass man einfach mitdrängeln und vor allem hupen muss, der hat keine Probleme mehr. Hupen ist so oder so das A und O hier in Lima. Es ist weniger ein Zeichen, um vor einer Gefahr zu warnen, als den anderen mitzuteilen, „Hallo, ich bin dann hier, hörst Du mich?!“

Um 11.30 Uhr haben wir unser Auto vollgepackt mit unseren Materialien, Food und was wir so alles brauchen. Wir hupen uns über die Panamericana Norte in Richtung „Puente Piedra“. Anfangs ist die Strasse auch noch gut, als wir auf die 18 wechseln, doch je länger wir ihr folgen, desto weiter hinaus in die Slums der Stadt gelangen wir. Die Strasse weisst je länger je mehr Schlaglöcher auf, so dass man immer auf alles gefasst sein muss und wie schon auf meiner letzten Südamerikareise säumen Hunde die Strasse.

Je länger wir fahren, desto weniger gemauerte Häuser sehen wir. Dafür häufen sich nun die Lehmhäuser mit Strohdach, also die eher typischen Behausungen der einheimischen Landbevölkerung.

Die Strasse steigt stetig etwas an und kurz nachdem wir 800 Höhenmeter zwischen uns und das Meer gebracht haben, tauchen wir aus der trostlosen Nebelsuppe von Lima auf und die Sonne beginnt unser Auto zünftig aufzuheizen. In Canta machen wir kurz Halt und tanken noch einmal ganz auf, bevor wir endgültig in die Andenwelt eintauchen. Für die vielen kleinen Läden der Einheimischen, die Pullover und andere schöne Sachen verkaufen, haben wir zu der Zeit keine Augen, denn uns ruft der Berg.

Schon kurz nach Canta steigt die Strasse stark an und auch der Asphalt bleibt plötzlich aus. Die Landschaft wird karger, anstelle von Bäumen wachsen hier Büsche und anstatt des grünen, weichflauschigen Grases ringen braune, harte, stechende Halme dem Boden die letzten Reserven ab.

Das letzte Bisschen Grün, das meine Augen am Ufer eines Flüsschen finden, grasen Pferde mit gefesselten Vorderläufen ab. Auch Ziegen-, Schaf- und Kuhherden sind eine ganze Weile lang treue Begleiter des allgemeinen Erscheinungsbildes dieser Gegend.

Plötzlich verschwindet das Weglein, dem wir folgen, in einer tiefen Schlucht. Links und rechts ragen 50-100 Meter hohe, senkrechte Felswände empor. Es rüttelt und schüttelt, dass es eine wahre Freude ist. Auch mit einem normalen Auto hätte man hier hinauf fahren können, aber mit unserem kleinen 4x4 macht es gleich doppelt so viel Spass.

Gegenverkehr haben wir schon eine ganze Weile keinen mehr gesehen und das kleine Dörfchen, das wir zwischendurch kurz durchquerten, war eher eine Hüttenansammlung als ein richtiges Dorf.

Auf ca. 4450 Metern Höhe treffen wir dann auf einen schönen, stahlblauen Stausee. Hier müssen wir einfach einen kleinen Halt einlegen, auch wenn es windet und inzwischen schon etwas kühler geworden ist: kein Wunder, in dieser Höhe. Unser Ziel haben wir aber noch nicht erreicht. Gut 300 Höhenmeter weiter oben gelangen wir auf die Passhöhe und damit zu unserem Nachtlagerplatz. (Achtung: Wer nicht aklimatisiert und/oder aber körperlich nicht fit ist, sollte es unterlassen, innerhalb eines Tages diesen Höhenunterschied zu machen! Dies kann evtl. zu Höhenkrankheit führen, die im Extremfall tödlich enden kann!)

Wir packen unser Zelt aus und schlagen es etwas links der „Strasse“ hinter einem kleinen Hügel auf. Ausser dem leichten Wind stört nichts die befreiende Ruhe hier in den Anden. Es ist gar so ruhig, dass wir das „Sprudeln“ der Kohlensäure in der Red-Bull-Dose als äusserst laut empfinden.

Eigentlich wollten wir nun etwas Warmes kochen, doch leider müssen wir feststellen, dass wir vergessen haben, die Brennstoff-Flasche zu füllen. Einen Schlauch haben wir leider auch nicht, um aus dem Autotank etwas zu entnehmen. So bleibt der Traum von einer warmen Suppe leider unerfüllt. Dies ist insofern umso ärgerlicher, als dass es inzwischen empfindlich kalt geworden ist.

Wir packen uns dick ein und verkriechen uns ins Zelt und den Schlafsack. Doch schon um 2.15 Uhr ist es derart unangenehm kalt, dass ich mich nach draussen begebe, um mich durch Übungen aufzuwärmen. An eine angenehme Nacht ist in keinster Weise mehr zu denken, dafür entschädigt uns der fantastisch klare Himmel für die Unannehmlichkeiten.

Da ich nicht in der Nacht weiterfahren will, was wir aber immerhin in Betracht ziehen, verkriechen wir uns samt Jacken und komplett angezogen dick umhüllt mit dem Schlafsack ins Auto, in der Hoffnung auf einen etwas wärmeren Platz. Naja wirklich wärmer ist es da auch nicht, aber dafür können wir uns an den Eisblumen erfreuen, die sich auf der Innenseite der Autoscheibe auf Grund unseres Atems bilden.

Tag 2 – Um 6.30 Uhr schimmert der Himmel endlich hellblau und die Dämmerung vertreibt die einkalte Nacht. Während die Helligkeit langsam über den Horizont kriecht, packe ich rasch meinen Fotoapparat und mache mich an die Besteigung des Bergkammes hinter uns.

Während ich keuchend und um Atem ringend den Berg erklimme, realisiere ich, dass in der ganzen Nacht seit wir gestern Abend hier das Zelt aufgestellt haben, genau zwei Fahrzeuge vorbei gekommen sind. Schon irgendwie extrem, immerhin sind wir nicht allzu weit weg von Lima, einer Millionenmetropole.

Nachdem ich einige Schnappschüsse der Stimmung mit der aufgehenden Sonne auf der Speicherkarte verewigt habe, machen wir uns auf die Weiterfahrt. Nächstes Ziel ist Cerro de Pasco, wo wir wieder Einkäufe tätigen wollen.

Die Strasse fällt nun eigentlich immer mehr ab, wenn auch konstant langsam. Sie ist aber immerhin so gut, dass wir mit gut 50km/h fahren können. Zugute kommt uns hierbei vor allem die schmalere Spurbreite des Suzuki Jimny, denn so können wir mit dem einen Rad ganz am Rand des Weges fahren und mit dem anderen fast in der Mitte der Strasse. So ist es nicht nur sehr viel vibrationsärmer, sondern auch sicherer, denn immer mal wieder finden sich üble Schlaglöcher auf der Fahrspur, die wir so einfach umfahren.

Die Gegend wird immer verlassener. Von Zeit zu Zeit lässt sich irgendwo auf der Fläche ein kleines Lehmhäuschen ausmachen. Braun in braun verschmilzt es mit der Umgebung und verrät sich nur durch ein feines, sich kräuselndes Räuchlein aus dem Kamin. Bäume hat es hier schon lange nicht mehr, weshalb die Bauern als Brennstoff auf getrocknete Mooskacheln zurückgreifen, die sie aus dem Boden schneiden.

Im Auto ist es angenehm warm, aber verlässt man es, so schneidet einem ein eiskalter Wind ins Gesicht. Kein Wunder, bewegen wir uns doch nun ständig zwischen 4400 und 4700m über Meer. Die kleinen Tümpel, an welchen wir vorbei kommen, sind meist noch gefrohren, denn die Sonne ist noch nicht lange genug am Himmel, um das Eis zu schmelzen und die wenigen Bäche, die man zu sehen bekommt, bilden an ihren Ufern oft kleinere Eiszapfen aus. Nun wissen wir genauer, warum wir so kalt hatten.

Die Region, durch die wir fahren, ist einfach umwerfend. Neben dem Braun-beige der ausgedorrten Gebirgsgräser ragen im Hintergrund Schneegipfel auf und immer wieder ändern sich die Farben der Felsen auf grün, rot-orange oder gar violett. Mich wundert es nicht mehr, dass wir hier andauernd auf Minenunternehmen treffen, die diverse Erze abbauen.

Unsere Strasse folgt einem ziemlich neu erbauten Wasserkanal und führt uns durch absolut einsame Gegenden. Vereinzelt treffen wir auf Lamaherden, doch die Lamas haben überhaupt keine Angst vor uns, sondern scheinen eher etwas verwundert über unsere Anwesenheit. Auch die Umgebung hat es mal wieder in sich. Teile der Region sind so schön, dass ich gar das Monument Valley dagegen eintauschen würde.

Sobald unsere Strasse für Unterhalt oder eben durch die Minen-Unternehmen stärker befahren wird, so kann man das gleich an der abnehmenden Qualität der Fahrbahn ablesen. Und die Abfahrt nach Huallay gehört zu den stärker befahrenen Strecken. Diese kann man definitiv in die Sparte „Hardcore Stossdämpfertest“ einstufen. Ich möchte gar nicht wissen, in wie vielen Einzelteilen wir das Auto nach unseren Ferien zurückgeben müssen, sollten die Strassen weiterhin diese Qualtität aufweisen. Der Ort selbst ist grösser als man zuerst denkt. Sogar eine grosse Schule findet sich hier. Ausserdem hat es auch den einen oder anderen Laden am Strassenrand.

Nachdem sich der Kiesweg, den hier auch oft Busse und LKWs benutzen, durch die ganze Ortschaft gewunden hat, treffen wir zur Freude unserer Bandscheiben auf eine wunderbar glatte Asphaltstrecke. So können wir uns umso mehr am „Bosque de Piedras“, also dem Wald aus Steinen erfreuen. Allerdings habe ich mir dieses „Naturschauspiel“ etwas anders vorgestellt. Aber es sieht beeindruckend aus, wie die vielen hundert Steinsäulen wie ein Wald in den Himmel ragen. Man müsste sich evtl. Zeit nehmen und mit dem Rucksack etwas durch die Felsennadeln wandern.

Nach nur 10 Kilometern wunderbarer Asphaltstrecke ging den Behörden offenbar das Geld aus und wir müssen uns wieder mühsam über Wellblechpisten in Richtung Cerro de Pasco voran kämpfen. Kämpfen ist in diesem Fall wirklich der richtige Ausdruck, denn die Strecke ist pickelhart und immer wieder versetzt mit grossen Bollensteinen. Da wäre man nun mit dem Motorrad sicherlich besser bedient. Das sieht unser kleines Auto offenbar ebenfalls so und beginnt sich plötzlich in rythmischen Abständen durch lautes Knarren im Bereich der Radlager zu beschweren, was das Zeug hält.

Cerro de Pasco ist dann nicht eine im Sinne der Touristen schöne Stadt (wie z.B. Arequipa oder Sucre), aber man findet in den wuseligen Strassen und Gässchen alles, was man braucht. Neben Internet und Musik-CDs natürlich auch Früchte und Brot. Die Farbe hält sich meist in einem Braun oder Grau und die Häuser sind nicht gepflegt. Ausserdem muss man aufpassen, wo man langfährt, denn es hat überall Einbahnstrassen, die der allgemeinen Orientierung nicht gerade hilfreich sind.

Nach dem kleinen Zwischenstopp, wo wir auch gleich kurz unsere Position nach Europa gemailt haben, geniessen wir die nun ziemlich gute Strasse runter nach Huanuco. Sie führt uns von 4300 M.ü.M. runter auf ca. 2000 M.ü.M. und das meist auf einer guten Strasse. Allerdings hat es auch hier zwischendurch ganz üble Abschnitte, die maximal mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden können, will man nicht das Risiko eingehen, am Ende das Auto in seinen Einzelteilen zusammensammeln zu müssen.

Allerdings ist es auch sonst äusserst ratsam für den Fahrer, die Augen nicht zu lange von der Strasse  zu nehmen, denn es könnte gut sein, dass die Räder sonst des öfteren tiefe Schlaglöcher finden, die sicherlich die Achse ausreissen würden, auch wenn man nur mit 50km/h reindonnert.

Im Verhältnis zu Cerro de Pasco ist Huanuco eine riesige Stadt. Da wir aber gar nicht vor haben hier länger zu verweilen, folgen wir einfach dem Flusslauf quer durch die Stadt. Wer übrigens einen kleinen Tank hat, der sollte hier unbedingt nochmals tanken, es könnte für einen geraume Weile die letzte Gelegenheit gewesen sein.

Wir folgen dem Tal, bevor die Strasse wieder langsam an Höhe gewinnt. In der Zwischenzeit hat es begonnen zu nieseln. Überall ist es nass, obwohl es nicht richtig regnet. Trotzdem benötigen wir den Scheibenwischer. Nun bin ich für einmal froh, in einem Auto unterwegs zu sein, anstatt auf einem Motorrad sitzend den kalten, nassen Wind im Nacken und an den Findergkuppen zu spüren.  

Je höher die Strasse steigt und je mehr wir uns von der Stadt entfernen, desto mehr finden sich wieder die typischen Campesino-Behausungen an der Strasse. Aber auch Pneumechs, sogenannte Vulcanizadores haben sich an der Strasse eingerichtet. Sie sind vor allem für LKW-Fahrer wichtig, die einen Platten haben. Uns fallen auch die vielen Früchtestände auf, die sich vor der Passhöhe angesammelt haben. Lustigerweise rotten sich immer alle am selben Ort zusammen, die das Gleiche anbieten. Eigentlich idiotisch, denn so macht man sich ja gegenseitig die Preise kaputt bzw. man könnte evtl. mehr Kunden anlocken, wenn man die Produkte etwas mehr auf eine Strecke verteilt anbieten würde. Aber so ist das halt hier, denn kaum einer hat je etwas von Marktwirtschaftlichen Prinzipen gehört. Andererseits kennen wir natürlich auch nicht alle Eigenheiten des hiesigen Marktes und daher können wir uns auch kein richtiges Urteil erlauben. So wundern wir uns dann auch nicht mehr besonders, als wir auf gut 2650 m Höhe ein gutes Dutzend Toilettenhäuschen am Strassenrand erspähen, die alle „geschäftliche“ Dienste anbieten. Es scheint, als müssten alle Fernfahrer immer zur gleichen Zeit am selben Ort auf die Toilette.

Kurze Zeit später und knappe 100 Höhenmeter weiter oben tauchen wir in einen dunklen, unbeleuchteten Tunnel ein. Nebelschwaden haben sich hinein verirrt, verhindern eine weite Sicht und hüllen alles in eine mystische Atmosphäre, denn ausser unseren Scheinwerfern hat es keine Beleuchtung.

Kaum sind wir aus dem Loch raus, geht es schon runter. In unzählbaren Kurven und Kehren geht es abwärts. Jetzt bin ich schon fast etwas enttäuscht, dass ich auf vier Rädern runter fahren muss, allerdings relativiert sich das auch gleich wieder, denn meist sind gerade die Kurven nicht asphaltiert und liegen auf Grund des vom Tal aufsteigenden Regens wie von einer braunen, glitschigen Sauce überzogen da. Beim Befahren ist also Vorsicht geboten, vor allem, weil sich hier auch immer mal wieder grosse 40-Tonner hinab und auch wieder hinauf quälen.

Zwischendurch trifft man auch mal auf die wirklich armen Leute, die sich nicht mehr anders zu helfen wissen, als Seile über die Strasse zu spannen, um von den vorbei fahrenden „reichen“ Leuten einige Soles „zu erpressen“, bzw. zu erbetteln.

Etwas weiter unten im Tal bieten auf einigen Kilometern mal wieder alle das Gleiche an, nämlich LKWs, Busse aber auch Autos mit frischen Andenwasser zu waschen. Erkennen kann man dies an den vielen Wasserschläuchen, die bei den steinigen Parkplätzen neben dem Abgrund positioniert sind und in hohem Bogen ständig frisches Wasser in die Luft spritzen. Nun, Strom verbrauchen die Peruaner nicht für das, denn so geschickt wie sie sind, haben sie die Schläuche einige Dutzend Meter weiter oben am Berg in einen Bergbach gelegt und haben so einen tüchtigen, natürlichen Druck auf dem Schlauch.

Auch etwas weiter unten ist Waschtag. Überall an der Strasse, wo es noch etwas Wasser in den Seitengräben hat, sind Frauen daran in gebückter Haltung ihre Wäsche zu waschen. Die bereits „sauberen“ Teile sind grosszügig über den Boden verstreut oder auch mal über einen Busch gehängt. Lange können wir uns allerdings nicht dem ganzen Wäschekram widmen, denn wir kommen in eine Polizeikontrolle. Schnell decke ich das GPS zu, welches verlockend an der Frontscheibe haftet. Ich kenne das von meinem letzte Südamerikatrip, solche GPS sind gefundenes Fressen für arme Polizisten.

Fahrausweis und Pass will er sehen. Wie auch beim letzten Mal zücken wir ohne mit der Wimper zu zucken Kopien unserer Pässe, wohlbemerkt, schwarz-weiss-Kopien. Der Polizist schaut uns kurz etwas unsicher und fragend an, aber als er bei uns null Reaktion darauf sieht gibt er uns die Papiere zurück und wir dürfen weiter fahren.

Bald erreichen wir danach Tingo Maria, sozusagen die letzte Bastion vor dem gefährlichen Dschungel. Eingangs Ortschaft auf der linken Seite finden wir unsere Bleibe, ein ziemlich schönes und vor allem ruhig gelegenes Hotel mit etwas Komfort – man wird sich ja in seinen teuer erarbeiten Ferien etwas leisten dürfen.

Tag 3 – Dank eines angenehm weichen Bettes haben wir heute ziemlich lange ausgeschlafen. Jedoch zieht es mich immer noch früher raus, als meinen Bruder, und so mache ich mich auf dem Hotelgelände als Fotograf ans Werk, denn viele tropische Blumen und Insekten wollen von mir dokumentiert und in Bits und Bytes abgespeichert werden.

Mit frischem Papaya-Saft und einem Kaffee aus Konzentrat (warum bloss, hier sind die doch an der Quelle des guten Kaffees?) gestärkt möchten wir den heutigen Tag langsam angehen lassen. Leider bleibt das eine Wunschvorstellung, denn der Weg zu den bekannten „Cuevas de las Lechuzas“ macht mal wieder einen Schüttelbecher aus unserem Fahrzeug. Mit dem Moto wärs wohl etwas einfacher gewesen, aber wir können ja nicht wählen.

Vor der Petroperu-Tankstelle in Tingo Maria muss man nach links abzweigen und die Brücke über den Fluss nehmen. Dann gleich nach der Brücke erneut links den Berg hinauf halten und schon fängt es an mit dem Schwanken und Schlagen. Eigentlich sollte es ja eine kurze, gemütliche Fahrt werden, aber so einfach wird das nicht. Nicht dass die Strasse schwierig zu befahren wäre, aber die ewigen Schläge, wenn man über die wie Pilzköpfe aus dem Boden ragenden Bollensteine rattert, machen einem echt zu schaffen.

Man merkt, dass man langsam ans Ende der uns bekannten Zivilisation gelangt und sich dem undurchdringbaren Dschungel nähert. Es wird immer flacher und kurz bevor man die Höhlen erreicht, bekommt man richtig weite Wälder zu Gesicht. Das Strässchen wird danach auch immer schmaler und führt zu abgelegenen Siedlungen, wo sogar Affen als Haustiere gehalten werden. Wir kehren zurück zu den Höhlen.

Wie überall wo es etwas Touristisches zu sehen gibt, wird man auch hier zur Kasse gebeten. Da wir leider unsere Lampen im Hotel vergessen haben, „mieten“ wir eine. Wie sich herausstellt ist diese erstens völlig unbrauchbar und zweitens eh unnötig, da man nicht so weit in die Höhle rein kann, um überhaupt eine zu benötigen. Wir schreiben die geringen „Kosten“ daher als Entwicklungshilfe ab.

Die Höhle selbst ist interessant und irgendwie wuchtig. Von den „Eulenvögeln“ sehen wir aber nichts, sondern müssen uns lediglich mit deren Gegurre abfinden. Die Höhle ist so hoch und an der Decke dann so dunkel, dass wir leider nicht einen einzigen Vogel ausmachen können.

Dafür finden wir eine ganze Anzahl riesiger blauer Schmetterlinge mit einer Flügelspannweite von gut 20cm. Aber auch kleinere, dafür mit durchsichtigen Flügeln ausgestattete Schmetterlinge gibt’s zu sehen, ja sie setzen sich sogar auf einen drauf. Man kommt sich vor wie im Papillorama.

Wir wandern noch etwas dem Fluss entlang und stechen mal hier mal dort in den fast undurchdringlichen Dschungel. Weit kommen wir wegen eben jener Dschungeleigenschaft aber nie, zumal wir leider keine Machete dabei haben, um uns einen Weg freizuschlagen. Zwischendurch finden wir tief im Wald auch kleine Bauernhäuschen und darum herum kleine Bananenplantagen. Ich würde mal behaupten, diese Leute leben echt „ab vom Schiff“ bzw. voll „im Schilf“ draussen!

Obwohl nicht sonderlich anstrengend war unsere Wandertour ziemlich schweisstreibend, denn die Luftfeuchtigkeit liegt in der Nähe von 100%. Wir kehren deshalb nach 1 Stunde um und fahren zurück nach Tingo Maria.

In Tingo selbst machen wir noch einige Besorgungen. So kaufen wir ein paar einheimische Hosen (natürlich nicht zum erst genannten Preis, sondern um einiges günstiger), frische Mandarinen etc. Sogar Red Bull hat seinen Weg hierher gefunden, weshalb wir unseren Vorrat auch gleich wieder auffüllen. Auf die Suche nach Silberschmuck begeben wir uns allerdings ohne Erfolg. Hier gibt es nur einfache Artesania (einheimische Kunst) ohne Silber.

Zurück im Hotel werden wir von den Inhabern mit einem 2-Klauen-Faultierbaby erwartet. Sie ziehen es auf, weil es von seiner Mutter getrennt wurde und alleine nicht überleben könnte.


Tag 4 – Voll getankt und mit Inka-Cola, einem gelben, einheimischen, supersüssen, leicht nach Gummibärchen schmeckenden Getränk, ausgerüstet, geht’s retour in die Anden. In der Nacht hat es, wie hier normal, viel geregnet und damit verbunden waren auch einige Erdrutsche der Strasse entlang. Arbeiter sind schon mehr oder weniger fleissig daran, die Erdhaufen beiseite zu schaffen. Für uns mit unserem 4x4 ist das natürlich kein Problem.

Auch die kleinen „Seilspanner“, die wir bei der Fahrt runter in den Dschungel gesehen haben, sind wieder da. Doch diesmal haben sie sich etwas einfallen lassen. Sie füllen die durch den Regen ausgewaschenen Stellen in der Strasse mit Erde auf, so dass man mit den Auto besser drüber fahren kann. Diesmal halten wir und geben den Jungen etwas Geld, denn schliesslich haben sie ja auch etwas geleistet und das soll belohnt werden. Nicht dass die Strasse morgen nicht schon wieder so verlöchert wäre, aber das ist ja auch gut so, denn so haben diese Jungen immerhin eine sich dauernd erneuernde Einnahmequelle.

Zwischendurch kommen wir an einem Bergwerk vorbei, dessen Eindruck schon von aussen ziemlich abschreckend ist. Wie ich später höre, liegt die Lebenserwartung eines Bergbauarbeiters in dieser Mine ca. bei 41 Jahren, nicht gerade erbauend.

Die Strasse ab Cerro de Pasco ist in einem sehr guten Zustand und so kommen wir schneller voran als gedacht. Wir halten nach Osten in Richtung Lago Junin. Von weitem sehen wir wieder den „Bosque de piedras“, durch den wir bei der Hinfahrt gekommen sind.

Vor uns breitet sich die Hochebene des Altiplano aus. Beige Töne beherrschen das Bild, hervorgerufen durch ausgedorrte Grasbüschel. Auch hier haben die Bauern die feine moosige Erboberfläche in Ziegeln von der Erde abgeschält und lassen die Brennstoff-„Pellets“ an der Sonne trocknen. So sieht man hier überall lustige Muster „abgeschälter“ Erde.

Gleich neben der Strasse führt das Gleis der Eisenbahn auf einem kleinen Damm durch die flache Gegend. Eigentlich erwarteten wir gemäss Karte einen grossen See, aber rechts neben der Strasse auf der Ebene finden wir vor allem sumpfige Landschaften. Der See verlandet immer mehr. Uns kommt ein Zug entgegen, der sich schon von weitem durch seine enorme Dieselrauchwolke verraten hat.

Als wir über eine schmale Wiese für einige Fotos zum Bahndamm rüber laufen wollen, ziehen wir gleich beide einen dicken, nassen Schlammschuh raus, denn das Bild trügt. Was sich als ausgedorrte Wiese tarnt, ist in Wahrheit eine Moosmatte über einem schlammigen, nassen Untergrund, dem Lago Junin eben. Gegen Ende des Sees gelangen wir nach Junin. Dünne Räuchlein kräuseln sich aus den Kaminen der Hütten und alles macht einen ruhigen und beschaulichen Anschein. Da die grosse Strasse aber an der Stadt vorbei führt, halten wir uns hier nicht länger auf. Ausserdem müssen wir uns nun erst mal wieder mit den Polizisten rumschlagen, die gerade einen Kontrolle durchführen und Ausländer meist genauer unter die Lupe nehmen.

Auf der Fahrt nach Tarma wird uns immer wieder gelichthupt. Das kenne ich schon von meinem letzten Besuch. Die Peruaner wollen uns damit auf nette Art sagen, dass wir unnötigerweise das Licht am Tag anhaben. Sie können nämlich nicht verstehen, weshalb man das bei uns macht. Daher machen wir ihnen jeweils kurz die Freude, stellen es ab, winken dankend dem entgegen kommenden Auto und sobald sie ausser Sichtweite sind, stellen wir das Licht wieder an, nur um bald darauf das gleiche Spiel von vorn zu beginnen.

Ab der Abzweigung nach Junin in Richtung Tarma wird die Strasse wieder etwas schlechter. Über einen kleinen Pass geht es danach stetig und teilweise heftig ins Tal hinab, und da wir es nicht eilig haben, nehmen wir gleich eine 4-WD-„Abkürzung“, die in gerader Linie, dafür aber noch steiler ins Tal runter führt. Nun ja, fahren ist wohl etwas übertrieben, wir kriechen beinahe, dafür macht es umso mehr Spass! Das Wort „Abkürzung“ ist daher also eher mit Vorsicht zu geniessen.

Erst als es eindunkelt, erreichen wir Tarma. Das macht aber auch nichts, denn Tarma ist nun nicht die Art von schöner Stadt, wie man sie von Arequipa oder Sucre kennt. Allerdings gibt sie ein gutes Bild davon, wie es in den meisten Orten und Städtchen in Peru aussieht. Meist herrscht da nämlich ein ziemliches Durcheinander. Nichts desto trotz sind die Menschen da sehr nett.

Tag 5 – Am Stadion vorbei fahren wir heute Morgen weiter dem Tal entlang vorbei an so bekannten Ortschaften wie „Las Vegas“, oder „Buenos Aires“. Hinunter nach la Merced geht es. Bevor wir diese Stadt allerdings hinter uns lassen, kaufen wir für knapp 20 Rappen noch ein Kilo supersüsse Minibananen, die wir dann auf der Weiterfahrt genüsslich vertilgen.

Weiter unten an der Strasse, nach einer Mautstation, finden wir einige Stände, welche neben feinem Kaffee und Honig auch Cacao-Tafeln verkaufen. Aber Achtung, ich meine Cacao und nicht Schokolade. Gut gebrauchen kann man diese zum Beispiel für Gebäck.

Wieder einmal kommen wir danach an einer Polizeikontrolle vorbei, aber diesmal lassen sie uns fahren und wollen noch nicht mal unsere Ausweise sehen. Die Strasse ist zu unserem Glück ziemlich gut. Wir fahren immer weiter in eine Schlucht hinab. Neben uns wachsen riesige Felswände in die Höhe und wir fahren über schöne Stahlkonstuktionen, die uns über den im Tal dahin donnernden Fluss führen.

Etwas weiter unten finden wir einen Flussarm, über welchen es zwar eine Brücke gibt, aber wir wollen doch nicht von Peru zurück kehren, ohne dabei einen einzigen Fluss durchquert zu haben. Wir schalten also den 4x4 ein (für irgendwas ist der ja da…) und fahren vorsichtig durch eine etwa knietiefe Stelle. Mit dem Motorrad wärs noch einfacher gewesen, aber immerhin, unser Auto ist jetzt sozusagen getauft.

Die Strasse ist in einem echt guten Zustand und so kommen wir sehr schnell voran. 100km/h ist meist kein Problem, allerdings muss man die Augen immer auf der Strasse haben, denn es kann schon mal das eine oder andere auch grössere Loch in der Strasse haben. Bei dieser Geschwindigkeit würde einem das glatt die Achse unter dem Auto wegreissen. Daher halten wir die Geschwindigkeit meist tiefer. Als wir dann endlich zur Abzweigung nach Oxapampa kommen, werden wir jäh gebremst. Die Strasse verändert sich innert Kürze zu einem schmalen, mit aggressiv hervorstehenden Bollensteinen regelrecht verseuchten Weglein, auf dem kaum mehr ein Vorankommen ist. Es schüttelt und rüttelt derart, dass ich kaum mehr die Karte studieren kann. Kein Wunder treffen wir kaum mehr auf Gegenverkehr!

Gute 20 mit höchster Konzentration und im Schleichgang gefahrene Kilometer später treffen wir auf eine sehr verarmt wirkende Siedlung bei einer Brücke. Wie im Fernsehen stauben die Hühner aus dem Weg, als wir sie mit unserem Auto aufscheuchen und wir haben das Gefühl, wie Marsmenschen begafft zu werden. Wie wundern wir uns, als nach der Brücke plötzlich beste, neu asphaltierte Strasse beginnt. Wir trauen unseren Augen nicht und machen erst mal Stopp, um unsere Karte zu konsultieren.

Wie es scheint, haben sich die Planer der Strasse einen kleinen Scherz erlaubt. Um zu verhindern, dass allzu vielen Leute auf dem neuen Strassenabschnitt bzw. im Baustellenbereich rasen und Arbeiter gefährden, haben sie dieses 20km Stück übrig gelassen. So rasen hier also normalerweise nur Einheimische, die so oder so gefahren wären. Touristen wie uns, die im Verhältnis zu den Einheimischen meist oberanständig fahren, hält man damit mit wenigen Ausnahmen erfolgreich fern.

Über mehrere Kilometer sind viele Arbeiter daran, dem Berg einige Meter Platz an deren Flanke anzubringen, um dort die neue Strasse aufzuhäufen. Brücken sind aber noch keine gebaut und so gibt es hier erneut die eine oder andere Bachdurchfahrt. Aber inzwischen ist unser kleines Auto das ja gewohnt und wir meistern es schon beinahe im Schlaf. Die Strasse selbst ist aber echt cool. Eine richtige Passstrasse wird dereinst daraus werden, wenn die Arbeiten fertig sind!

Kurz nach der Passhöhe erreicht man Oxapampa, eine Kleinstadt mit einigen Hotels, Tankstelle und allem, was dazu gehört. Doch im Gegensatz zu allen anderen Touristen, die es bis hierher noch geschafft haben, hier aber „aufgeben“, geht es für uns nach einer letzten Tankfüllung weiter. Gemäss Angabe der Tankstellenwärterin dauert die Fahrt nach Pozuzo, unserem heutigen Ziel, ca. 8 Stunden, bei sehr guten Verhältnissen evt. 6 Stunden.

Entlang eines schmalen Kiesweges fahren wir durch trockene Buschlandschaft über die Hochebene. Etwas später werden wir teilweise von mehrere Meter hohen Schilffeldern verschluckt, einfach fantastisch, die Natur. Doch die Fahrt wird zusehends mühsamer, denn auf der „Strasse“ liegen bis zu 50cm hohe Kieshaufen, so dass wir, obwohl ziemlich schräg fahrend, immer wieder mit der Bodenplatte des Autos streifen. Die uns teilweise entgegen kommenden LKWs haben damit natürlich keine Mühe, denn ihre Bodenfreiheit reicht uns ja fast bis zum Autodach. Kein Wunder dauert die Fahrt so lange.

Nach ca. einer halben Stunde finden wir dann heraus, was es auf sich hat mit dem Kies und den LKWs. Zur Zeit wird die Strecke ausgebessert, indem einfach weiter unten im Tal Kies von einer Felswand abgebaut wird und mit LKW`s auf der Strasse verteilt wird, um es danach mit einer Art Walze möglichst ideal zu verteilen. Das ergibt dann die neue Strasse. Es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, dass die „neue“ Strasse nach einem Monat mit viel Regen genauso aussehen wird, wie die „alte“ darunter.

Als wir die „Abbaustelle“ hinter uns haben, geht’s zügiger voran. Zwar ist die Strasse nun besser, wobei es immer noch extrem holpert und man oft sehr nahe am Strassenrand fahren muss, um den grossen Schlaglöchern zu entkommen, dafür tut sich nun ein Tal auf und neben der Strasse geht es teilweise 100-200m steil in eine Schlucht hinunter. Logischerweise gibt es hier keine Leitplanken. Irgendwie erinnert mich das stark an die „Todesstrasse“ bei La Paz in Bolivien, nur dass man hier weniger Verkehr hat. Auch von den Naturgewalten bekommt man hier mehr mit als anderswo. So hatte es zwar hier früher mal eine schöne Brücke, diese wurde aber offensichtlich auf Grund von starken Regenfällen und den damit verbundenen reissenden Bergbächen einfach weggeschwemmt bzw. aus der Verankerungen gerissen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter hinten im Seitental das nun zum Glück ruhige Bergflüsschen zu durchfahren.

Aber auch sonst ist es teils echt idyllisch. Des öfteren fallen gleich neben der Strasse Wasserfälle zu Tal. Inzwischen haben wir viele Höhenmeter zurückgelegt und sind tiefer in den Dschungel eingedrungen. Es ist tropisch warm, überall flattern Schmetterlinge und man hört das Gezwitscher von uns fremden Vögeln in den Baumkronen. Von den Bäumen hängen Lianen und Moos wächst überall, wo noch ein wenig Licht hinkommt. Die Strasse ist dauernass und wenn irgendwo eine Wurzel eines Baumes über eine kleine Felswand ragt, so dient sie als „Tropfnase“.
 
Wir folgen dem Tal immer tiefer und durch den Wald um uns herum wird es auch etwas kühler. Etwas steilere Streckenabschnitte müssen wir besonders vorsichtig befahren, da es teilweise schlammig und damit rutschig ist. Auf Grund der hohen Feuchtigkeit haben sich hier die Schlaglöcher und Auswaschungen schlagartig vermehrt und ermöglichen oft nur ein Vorwärtskommen im Schritttempo – wir sind im Dschungel angekommen!

Gegen 18.00 Uhr also gute vier Stunden später und ca. 2 Stunden bevor wir es erwartet hatten, erreichen wir das grosse, weisse Tor, welches Pozuzo, die ehemalige Deutsch/Österreichische Kolonie, ankündigt. Wir fahren ins Dorf hinein auf der Suche nach den Häusern in Europäischem Stil, wie uns überall erzählt wurde. Nun gut, mit viel Fantasie gelingt es einem, eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen, aber speziell ist es deswegen noch lange nicht hier. Das einzige wirklich ähnliche Gebäude ist das „Museum“ in Zentrum Pozuzos. Eine Österreicherin kommt fast jedes Jahr her und hilft alte Gebäude zu sanieren und etwas Geschichte zu erhalten.

Viel spezieller ist dagegen, dass man hier plötzlich auf Leute mit blonden Haaren trifft. Nach einer Pause auf dem Dorfplatz machen wir kehrt und suchen uns eine Unterkunft in Prusia, dem kleinen Ort, der beim grossen Tor liegt. Dort hat es auch gleich eine Discothek. Der Vermieter der „Chalets“ neben der Disco ist auch gleich der Betreiber der Disco und so kommen wir mit ihm ins Gespräch. Lustig wird es, als die Kinder des Hauses kommen, das gleich oberhalb der Strasse liegt. Das eine ist ein blondes, blauäugiges, zurückhaltendes Mädchen, aber so völlig untypisch. Und sie hat vor allem an mir Freude, weil ich ebenfalls blond und blauäugig bin. Der Junge ist ein richtiger Fussballfan. Allerdings kann ich längstens nicht mit seinem Wissen um den Ball mithalten, zumal er ja in Spanisch spricht, obwohl sie auch Deutsch in der Schule lernen.

Zusammen kochen wir unsere Spaghetti mit Tomatensauce und lassen den Tag ausklingen, nachdem wir für morgenfrüh abgemacht haben. Der Junge möchte uns dann einen kleinen Badebach zeigen, das lehnen wir natürlich nicht ab.

Tag 6 – Schon um 7.30 Uhr stehen wir auf und machen mit dem Jungen einen Besuch in dessen Haus gleich oberhalb der Strasse. Er erklärt uns, wie man Kaffee macht (den machen sie für den Eigengebrauch gleich selbst), welche Früchte sie haben (Bananen, Mangos, Papaya, Orangen, Zitronen, Mandarinen,.....) und alles findet sich gleich neben dem Haus und ist ganzjährig am Blühen. So können sie sich immer direkt ab dem Baum verpflegen. Ausserdem ist es so warm und das Klima so ausgeglichen, dass das Haus keiner Heizung bedarf. Ja sogar Fenstergläser sind unnötig, ausser man will sich vor Mücken schützen. Aber auch die obligaten Meerschweinchen werden hier zum Verzehr gezüchtet und daneben Hasen und Hühner gehalten. Wobei die sich diese beinahe selbst versorgen.

Nach dieser Führung zeigt er uns den Bach, wo man baden kann. Gleich vor der Brücke (in Richtung Pozuzo) muss man rechts den Hang hinauf zu einem Haus, wo man gegen eine kleine Gebühr ins enge Tal gelangt. Ein Bach mit absolut frischem, sauberen Wasser fliesst da gemächlich durch drei natürliche Becken. Ein Seil ist weit oben an einem dicken Ast befestigt und so schwingen wir uns wie einst Tarzan im Film über und dann ins Wasser.

Gegen Mittag machen wir uns auf den Rückweg. Nun da wir den Weg kennen, halten wir die Geschwindigkeit etwas höher und heizen im Ralley-Stil zurück nach Oxapampa, wo wir nach gut 2,5 Stunden ankommen. Im Gegensatz zu uns scheint das Auto allerdings etwas gegen diese Fahrweise zu haben. In regelmässigen Abständen knarrt es verdächtig aus den Radlagern. Nachdem man jeweils ein wenig an den Rädern rüttelt, verschwindet das kratzende Geräusch aber für die nächsten 5-10 Kilometer. Sobald wir aber auf der Asphaltstrasse sind, hört das ganz auf und uns fällt ein Stein vom Herzen: Evtl. wars ja auch bloss Staub, der sich irgendwo festgesetzt hatte.

In La Merced kaufen wir wie bei der Hinfahrt am gleichen Stand erneut eine ganze Menge Früchte für unsere Verpflegung auf der Rückfahrt nach Tarma. Den ganzen Nachmittag lang folgen wir der Strasse, die uns langsam aber sicher wieder in die Höhe bringt. Doch noch lange bevor wir nur ansatzweise in die Nähe von Tarma gelangen, bricht die Dämmerung über uns herein.

Wir heften uns an einen Toyota, der als Taxi unterwegs ist. Das habe ich auch immer so gemacht, als ich mit dem Bike da unten unterwegs war. Diese Leute wissen, wo’s gefährlich ist und wo man wie schnell fahren kann. Mit diesem „Opfer-Fahrzeug“ vorne dran geht’s dann immer noch mit gut 80 Sachen dem Tal entlang stetig etwas höher. Idealerweise hat er auch noch einen 3-fach Scheinwerfer, so dass die Strasse vor uns wunderbar ausgeleuchtet ist und wir so den Strassenverlauf viel besser sehen, als allein mit unserem Lichtlein. Gut für uns ist zudem, dass wir ja das GPS dabei haben und so den Routenverlauf sehen, den wir hergekommen sind.

Als wir hinter einer ganzen Schar langsamer fahrender Autos herfahren, kommen wir wieder an den Fluss, den wir als erstes durchfahren haben. Uns kommt zu gute, dass wir wissen, wie es da aussieht und so heizen wir mit 4x4 Antrieb und angeschalteten Scheinwerfern durch den Fluss, dass es eine wahre Freude ist. Natürlich sind jene, welche den kleinen Umweg über die Brücke machen müssen, langsamer und so haben wir sie ohne ein tatsächliches und eben meist mit Risiken verbundenes Überholmanöver stehen gelassen.

Nachdem wir uns in Tarma noch einmal so richtig mit Hühnchen voll gestopft haben (etwas anderes gibt es da kaum, ausser man hat gerne Fisch), lassen wir uns in die weichen Betten es Hotels Los Portales fallen, das wir ja schon von der Hinfahrt her kennen.

Tag 7 – Keuchend und schnaufend, aber für einen kleinen 1,5 Liter Motor doch erstaunlich kräftig, schleppt sich unser kleines Auto auf das Altiplano, wo wir bei der Abzweigung nach Junin in die entgegen gesetzte Richtung den Bahngleisen nach La Oroya folgen. Durch eine Schlucht einem Fluss folgend gelangt man von Norden her an die Stadt Oroya heran.

Von einem grossen Fabrikschloot, der in die Gegend hinaus pafft, wird man schon von weitem willkommen geheissen. Neben vielen Baubaraken und einer Unzahl stinkender, Dieselrusswolken ausstossender LKW’s wimmelt es vor Minen mit ihren Grubenkranen und irgendwie fühlt man sich von den beidseitig der Stadt aufsteigenden, steilen Felswänden eingekerkert. Da es für uns eigentlich nur eine Durchfahrtstation zum Ticliopass ist, der uns als nächstes erwartet, sind wir froh, bald wieder aus dem Ort raus zu sein, denn dieser Ort gehört nicht zu den Schönheiten Perus.

Schon kurz nach dem Ort, der selbst schon auf ca. 3700 Metern über Meer liegt, beginnt die Strasse erneut zu steigen. Etwa 1200 Meter macht die Strasse gut, bevor man mit Morococha die höchste Stadt Perus vorfindet, welche gleich neben der Laguna Huacracocha liegt. Eigentlich wäre das ein sehr schöner Ort, nur ist er halt einfach „saukalt“. Der Wind pfeifft einem um die Ohren und kein Baum steht weit und breit, um sich diesem in den Weg zu stellen, und Schnee liegt auf den umgebenden Andengipfeln. Ausserdem ist das Wasser der grossen Lagune tief blau, was man vom Wasser des gleich darauf folgenden Absetzbeckens einer Mine leider ganz und gar nicht behaupten kann.

Die Passhöhe des Ticlio selbst ist ziemlich unspektakulär und man ist vorbei, bevor man es eigentlich richtig gemerkt hat, denn nur ein kleines Schild am Strassenrand weist darauf hin. Dafür merkt man danach ziemlich schnell, dass Perus LKW-Fahrer eindeutig auf das Recht des Stärkeren pochen, wenn sie im Stil eines Elefantenrennens einen um 0,5km/h langsameren LKW zu überholen versuchen und dabei fast kilometerweit nebeneinander her fahren, ohne dass einer der beiden auf den Gegenverkehr achtet.

Ansonsten ist die Umgebung einfach fantastisch. Riesige Berggipfel umgeben uns, rötliches Gestein umklammert schwarzen Fels und zwischendrin glitzert wie hingepudert Schneezucker in der Sonne. Diverse alte Brücken schmücken den Weg runter von den Anden und in gross geschwungenen Kurven verlieren wir an Höhe.

Als wir gerade unter einer Eisenbahnunterführung durch fahren wollen, muss ich plötzlich mit Schrecken feststellen, dass da irgendwie ein Hindernis im Weg ist und trete plötzlich voll in die Eisen. Nicht nur völlig unerwartet, sondern auch absolut gefährlich parkt gleich hinter bzw. mit einem Teil noch in der nicht einsehbaren Unterführung stehend ein LKW. Einmal mehr bestätigt sich, dass der Besuch eines Schleuderkurses gute Gründe hatte und sich hiermit schon bezahlt gemacht hat, denn unser Auto hat kein ABS und die Räder haben ob meines brüsken Bremsmanövers natürlich sofort blockiert. Hätte ich nicht sofort reagiert und wie gelernt die Bremsen soweit gelöst, dass die Räder wieder drehen und ich somit lenken kann, wären wir entweder im Anhänger oder aber im Gegenverkehr gelandet.

Etwas weiter unten im Tal kurz vor San Mateo, als wir mal wieder eine tiefe Schlucht durchfahren, treffen wir auf alte, rostige Eisenbahnbrücken, die allerdings immer noch in Betrieb sind und daher auch ein gutes Fotomotiv abgeben (GPS: S11°44’ 22.65“, W076°16’51.16“) Wer übrigens Lust hat eine der Felswände mit dem Auto zu erklimmen, kann kurz darauf (GPS: S11°45’19,98“, W76°17’44,95“), sofern es die Arbeiter erlauben, nach links abzweigen und findet sich auf einer schönen Kiesstrecke wieder, die in gut 15 Spitzkehren hinauf zu einer Fabrik und an dieser vorbei der Felswand entlang ziemlich weit hinauf führt (auf eigenes Risiko). Doch auch ohne diesen Abstecher ist diese Gegend wirklich sehr schön und man kommt sich neben den riesigen, aufragenden Wänden ziemlich winzig vor.

Langsam wird es grüner und neben dem Geschiebe des Flusses kämpfen Büsche um die Vorherrschaft des ewig graubraunen Felsens und Sandes. Die Ortschaften entlang der Strasse häufen sich auch immer mehr und die Häuser sehen teilweise auch schon wieder ziemlich gut aus.

Zwischenzeitlich haben sich sogar einige Bäume durchsetzen können, ein Zeichen, dass wir massiv an Höhe verlieren. In Chosica, das noch auf ca. 700 Meter Meereshöhe liegt, kann sich die Sonne noch gegen die Dunstglocke durchsetzen, welche Lima fast rund ums Jahr bedeckt. Kein Wunder finden sich gerade hier Naherholungsclubs mit Swimmingpools und viel Wiese gleich reihenweise der Strasse entlang. Viele Bewohner Limas fliehen so regelmässig aus der nervig lauten und überdichten Stadt hinaus „aufs Lande“ bzw. hier in die Berge.

Etwas weiter runter erreicht man die Grenzen Limas und damit die Slums und die vielen Einheimischenmärkte, die sich der Eisenbahnlinie entlang ziehen. Ein Glück, haben wir ein Zimmer in unserem Hotel auf sicher, denn ein anständiges Hotel in Lima suchen zu müssen gehört wohl eher zu den mühsameren Sachen, die man sich auferlegen kann.

Da wir erst morgen zurück fliegen, haben wir heute noch einiges vor. Wir fahren nach Miraflores, wo uns eine Bekannte einige gute Einkaufsmöglichkeiten für Silberschmuck und Alpaca-Kleidung zeigt. Dabei muss übrigens nicht der volle, angeschriebene Preis bezahlt werden. Es lässt sich durchaus ein Rabatt von 30% heraus handeln.

Nach einem Besuch im „Largomar“, einem Vergnügungszentrum für eher Gutbetuchte (und da gehören wir als Europäer glücklicherweise automatisch mit dazu) lassen wir im Mangos, einer Bar mit super Aussicht aufs Meer, bei einigen Pisco Sour unsere Ferien nochmals Revue passieren.