KTM-Adventure-Treffen auf der Panzerpiste Bure



Tag 1 – Bure, für den einen oder anderen wohl ein Begriff, wenn er/sie einmal Militärdienst in der Schweiz geleistet hat, denn Bure ist der Waffenplatz mit dem grössten Off-Road-Gelände, sprich Panzerpiste, der Schweiz. Bekannt vor allem deshalb, weil es hier entweder Staub oder Schlamm gibt, nichts dazwischen. Nicht ohne Grund haben die Organisatoren des Events vom KTM-Adventure-Club dieses Militärgebiet ausgesucht, schliesslich soll es ja eine Herausforderung werden und das ist bei diesem riesigen Gebiet sicher.

Für uns „kampferprobte“ KTM-ler soll eben jenes, zu Soldatenzeiten noch gehasstes Gelände, heute seinen Schrecken verlieren und bei uns dafür für grobe Schweissausbrüche sorgen, den einen oder anderen Adrenalinstoss auslösen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein absolut cooles Motorrad-Wochenende bieten.

Die Sonne steht zwar bereits tief über dem Horizont, als wir über die kleine Brücke vor der Ortschaft Bure fahren, trotzdem ist es noch ziemlich warm. Unter der Brücke können wir für einen kurzen Moment einen ersten kleinen Eindruck der Panzerpiste erhaschen, die morgen auf unsere Erkundung wartet. Freudige Glückswogen rollen wie ein kalte Schauer über den Rücken und in meinem Gedanken rattere und holpere ich auf meiner LC8 bereits die ersten Kilometer über den staubigen Untergrund und beisse mit meinen neuen TKC80-Pneu meine eigene Spur in den braunen Boden.

In Nalé, einer Häuserkampfanlage etwas südwestlich der Ortschaft Bure, finden wir bereits eine stattliche Anzahl KTMs in Reih und Glied vor der Versammlungshalle stehend vor. Sogar einige Deutsche KTM-Besitzer haben sich eingefunden. Kein Wunder bei der einzigartigen Möglichkeit. Bevor wir uns daran machen, mit den anderen das Nachtessen zu verschlingen, bauen wir noch unser Zelt auf und rüsten dann unsere Katis für den „Kampf“ –  das heisst, Rückspiegel weg, Topcase und Fusspads abschrauben und allenfalls noch locker sitzende Schrauben auf das Härteste anziehen!

Nun, da die Mägen gefüllt und die KTMs auf das Schlimmste vorbereitet sind, geht’s ans Geniessen. Bei einem gemütlichen Dia-Vortrag eines Club-Mitgliedes über seine lange Reise durch einen anderen Kontinenten erinnere ich mich selbst an meine lange Südamerikatour (siehe Touren-Bericht) und gerate dabei so richtig ins Träumen.

Leider ist der Vortrag viel zu früh zu Ende, doch bei intensiven Benzingesprächen geht’s noch bis tief in die Nacht, bevor sich jeder voller Vorfreude auf den nächsten Morgen in sein Zelt verkriecht.

Tag 2 – Schon um 5 Uhr früh werde ich unsanft von intensivem Geschnarche rund um mich herum geweckt. Leider war ich so naiv und habe mein Zelt in der Mitte aller anderen aufgestellt und so werde ich nun in Stereo so intensiv beschallt, dass mir gar Ohrenstöpsel nicht mehr zu weiterem Schlaf verhelfen können.

Viel zu lange dauert es, bis es Frühstück gibt, und dann gefühlt gleich nochmals so lange, bis es endlich Zeit ist, in Richtung Panzerpiste aufzubrechen. Einige können es kaum noch erwarten, donnern und knattern mit Wheelies davon, auch wenn sie danach vor der Piste warten müssen, denn zuerst gibt’s noch wichtige Infos.

Dann endlich ist es soweit, Raffi, der das Ganze hauptsächlich organisiert hat (Gratulation übrigens, es war fantastisch!), gibt die Strecke frei. Und keine fünf Sekunden später grollen voller Freude überall die Motoren. Keiner will es sich nehmen lassen und innerhalb der ersten 5 Minuten die etwas weniger anspruchsvolle Harley-Runde und danach die leicht schwierigere KTM-Runde unter die Räder zu nehmen.

Einerseits haben wir Glück, denn die Sonne scheint vom Himmel, als gäbe es kein morgen, andererseits bestätigt sich ein weiteres Mal die Aussage „Schlamm oder Staub“ – und heute ist es Staub!!! Kaum donnert einer mit etwas erhöhter Geschwindigkeit an der „Boxengasse“ vorbei (und das kommt je länger je mehr vor), drängt sich ein bleierner Staubschleier zwischen ihn und den nächsten Fahrer und macht jegliche Bodensicht zu Nichte. Je nach Wind bleibt er länger an Ort und Stelle oder wird schneller weggeblasen. Naja, halt ganz so wie auf meiner grossen Motorradtour durch Südamerika. Ich wusste damals schon, weshalb ich lieber vorneweg fuhr, als hinten dran „Staub zu fressen“! Und das ist nicht übertrieben, denn nur zu bald spürt man im Mund ein feines aber stetig zunehmendes Knirschen zwischen den Zähnen.

Sehr lange hält es aber keiner auf der Piste aus, dann muss Wasser nachgetankt, der Helm ausgelüftet und neue Kraft gesammelt werden. So verteilt sich das Fahrerfeld von gut 60 Fahrern schön auf die von Raffi und seinem Team kontinuierlich ausgebaute Strecke, die so dem fahrerischen Können der Teilnehmer stetig angepasst wird.

Parallel dazu bieten „Guides“ geführte Touren auf dem riesigen, ca. 8 km2 grossen Gelände an. Und eins sei vorweg gesagt, wer sich nicht wirklich gut auskennt, sollte den Guide nie aus den Augen verlieren, es ist in diesem hügeligen und schwer überschaubaren Gebiet äusserst schwierig sich zu orientieren. Ausserdem hält die Panzerpiste die eine oder andere Gemeinheit bereit. Einige Schlammlöcher, die sich auch über die längere Trockenperiode retten konnten, haben lange und äusserst gierige Finger und greifen schnell zu, sobald sich ein Fahrer nur ein wenig zu tief in sie hinein wagt. Das Gefährliche daran, sie halten danach eisern an dem fest, den sie erwischt haben.

Das musste auch David erfahren bzw. „erstehen“, als er mit seiner LC4 in einer Schlammgrube stecken bleibt und sein sonst so treues Motorrad  keinen Wank mehr macht, als wäre es mit Stahlklammern an den Boden getackert worden. Nur mit vereinten Kräften seiner Gruppe gelingt es, seine KTM dem gierigen Schlund zu entreissen. Etwas Gutes hat das Ganze ja, diese Erfahrung bleibt sicherlich dem einen oder anderen in Erinnerung und wird auch bei späteren Treffen immer wieder zum Besten gegeben werden.

Mit 50 km/h über die Hügel der Panzerpiste zu sausen, zwischen Büschen hindurch und steile Hänge hinauf, macht hungrig und durstig und so ist bereits um 12.00 Uhr für zwei Stunden Pause angesagt, die wohl jeder gerne in Anspruch nimmt, um seine Kräftedepots wieder aufzufüllen.

Auch am Nachmittag steht nochmals das Gleiche an. Der eine bügelt an der hinteren, leicht seitlich geneigten, zweiten Kurve, der andere am Beschleunigungsdrift aus der Kurve vor Start und Ziel. So hat jeder sein Ziel und wiederum vergeht die Zeit viel zu schnell, bevor um 17.00 Uhr die Strecke bis zum nächsten Morgen geschlossen wird, zum Glück ohne grössere Blessuren bei den Fahrern zu hinterlassen.

Während ich mich für die Heimreise bereit und damit die Kati wieder strassentauglich mache, geniessen andere noch gemütlich den späten Nachmittag und bereiten sich seelisch wahrscheinlich schon auf den nächsten Diavortrag vom Abend vor. Für mich reicht die Zeit leider nicht, aber eins ist sicher, wenn’s das nächste Jahr wieder heisst „KTM-Adventure-Treffen in Bure“, dann ist dieser Termin bestimmt rot in meiner Agenda markiert, bevor man weiss, wie das Wetter wird, denn schlechtes Wetter geschweige denn schlechtes Gelände gibt’s ja bekanntlich nicht, nur schlechte bzw. ungeeignete Motorräder, und meins gehört bestimmt nicht in diese Kategorie ;-)