Wellness-Tour durch das Valsertal

Tag 1 - Von 1994 bis 1996 baute die Gemeinde Vals in Zusammenarbeit mit Peter Zumthor in moderner Architektur einen neuen Wellnesstempel, um so Vals als Wohlfühloase noch weiter zu stärken. Der Besuch der Therme ist zwar der Grund, weshalb wir nach Vals pilgern, aber wie bei Motorradfahrern üblich, ist der Weg das eigentliche Ziel.

Von Chur her zweigen wir also schon bei Reichenau von der Autobahn ab und kommen so an all den berühmten Wintersportorten vorbei. Flims ist sicherlich eines der bekanntesten und grössten. Wenn auch kleiner muss Laax in Sachen Bekanntheit den anderen nicht nachstehen. Die Sonne steht bereits sehr tief und mag kaum noch über die Hügel schauen, als wir bei Ilanz ins Valsertal einbiegen. Anfangs führt die Strasse noch in einem breiteren Talkessel der Glenner entlang. Je weiter wir kommen, desto schmaler und kurviger wird der Weg.  

Nach einigen Kilometern beginnt sich die anfangs noch gute Strassenqualität zu verschlechtern. Kein Wunder, fahren hier doch tagtäglich mehrere dutzend LKWs mit Valserwasser ins Tal hinunter. Es wird holprig und da es inzwischen schon fast dunkel ist, kommt einem die kurvenreiche Strecke gleich noch etwas extremer vor. Vor allem aber die teils fast rechtwinkligen Richtungswechsel sind eine Gefahr, denn damit rechnet man normalerweise nicht. Mit eingeschaltetem Scheinwerfer suchen wir uns unseren Weg durch die etlichen Galerien. Unter uns tost der Fluss, der hier oben Valser Rhein heisst, und neben uns verdunkelt der Wald die weitere Aussicht. Nach gut 15 Kilometern erreichen wir den Dorfeingang von Vals. Als erstes fallen einem zwei grosse Bauten auf: Das eine ist die Firma Valser mit ihrem Verteilhof und unzähligen Harrassen, das andere ist das Hotel Therme, hinter welchem sich die bekannte Therme befindet.

Unser Tagesziel liegt aber im alten Dorfkern und der ist noch etwa 500 Meter weiter entfernt. Über ein schmales Brücklein gelangt man nach links auf den alten Dorfplatz. Gegenüber der Kirche und zwischen einigen alten Häusern, die einen an das Freilichtmuseum Ballenberg erinnern, liegt unser Hotel Edelweiss. Es ist das günstigste Hotel in Vals, aber nichts desto trotz eine gute Stube und für Biker genau ideal. Kein Wunder treffen wir hier auch noch auf andere Motorradfahrer.

Ein feiner Znacht mit Wild lässt unsere knurrenden Mägen verstummen und das bequeme Bett erfreut die Müden Gelenke.

Tag 2:
Nach einem reichlichen und gemütlichen Frühstück erkunden wir etwas das kleine ruhige Dorf, bevor wir uns zur Therme begeben, denn diese öffnet erst um 11.00Uhr für Gäste, die nicht im Hotel Therme logieren.

Anthrazitfarben und edelmatt erstrahlt die Fassade aus einheimischem Quarzit in der Sonne. Das Gebäude der Therme ist eckig, wo man hinschaut. Grosse, kleine und winzige Fenster durchstossen die mächtige dunkle Wand und bilden an sich schon ein Kunstwerk. Bei diesem Anblick nimmt es uns umso mehr wunder, was uns drinnen erwartet.

Schon nach dem Eingang werden wir von einer Art geheimnisvoller Aura umgeben. Es ist etwas dämmrig, zu unserer Linken rieselt in regelmässigen Abständen Quellwasser der Wand entlang zu Boden. Die Umkleidekabinen sind nicht gerade gross, aber auch hier herrscht mystische Stimmung, ganz wie es uns die „Werbung“ versprochen hat.

Die Bäder selbst, von denen im Ganzen mehr als ein halbes Dutzend in unterschiedlicher Art und Temperatur zur Verfügung stehen und in den beruhigenden kleinen Erholungsräumen, kann man die Zeit vergessen.

Völlig relaxt und ganz und gar zufrieden packen wir unsere Sachen in die Koffern der KTM und machen uns wieder auf den Heimweg.

Kurz nach der Abzweigung nach Lunschania halten wir rechts hinauf. Ein schmales Kiesweglein führt uns gleich von Anfang an steil den Berg hinauf. In gut 20 wirklich engen Spitzkehren, die meist nur im ersten Gang und mit Einsatz der Kupplung gefahren werden können, erreicht man das kleine aus knapp einem Dutzend Häusern bestehende Örtchen. Schluss ist da noch lange nicht, denn etwas weiter oben kommt eine Verzweigung. Die eine Strasse führt hinauf auf eine kleine Alp, während die andere bis in Richtung Bauernhof bei Traversasch abzweigt. Kaum zu glauben, aber diese einsam gelegenen Hofe, weit über dem Talgrund, werden das ganze Jahr, also auch im Winter, bewohnt. Noch unglaublicher erscheint einem nach der engen Auffahrt aber, dass die auch noch per PKW hier hinauf fahren, und das bei Schnee und Eis!

Die Abfahrt dauert dann mit knapp 20km/h und dem ersten Gang etwa gleich lang, dafür können wir nun die wunderbare Aussicht in Richtung Valsertal geniessen, das weit unter uns liegt.

Wer möchte, kann über Peiden noch ins parallel zum Valsertal verlaufende Val Lumnezia wechseln und dieses bis ans Ende befahren. Die Strassen sind meist gut. Allerdings muss man an verschiedenen Stellen mit Kiesstrecken rechnen. Mit der entsprechenden Vorsicht ist es aber ein Vergnügen entlang den Hängen dieses Tals zu gondeln. Ganz am Ende der Strecke, bei einem kleinen Parkplatz steht dann noch ein „Käsespender“, ein kleiner Kasten mit der Möglichkeit, frischen, echten Ziegenkäse zu kaufen. Ein ideales Mitbringsel für die zu Hause gebliebenen oder schlicht um den zu hause gebliebenen beim nächsten mal das mitkommen schmackhafter zu machen. Die einsam daliegenden Dörfer vermitteln eine unglaubliche Gemütlichkeit. Total macht ein Abstecher bis ganz ans Ende des Tals zwischen einer bis eineinhalb Stunden Mehrfahrt aus und hat seinen eigenen Reiz.

Anmerkung: Diese Route kann übrigens ideal eingebaut werden auf dem Weg von Nord nach Süd über den San Bernadino.