Loveride 2008

 

Auf Grund des als sehr gut angekündigten Wetters haben wir gestern extra unsere Elsasstour frühzeitig abgebrochen, um heute am Loveride teilnehmen zu können. Immerhin könnte heute der Besucherrekord aus dem Jahre 2003 gebrochen werden. Dieser stand damals bei über 10`000 Motorrädern bzw. 20`000 Besuchern und das möchten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Schon seit den frühen Morgenstunden donnern Bikes der verschiedensten Grössen und Sorten an unserem Haus vorbei, nur um uns sicher davor zu bewahren, das heutige Grossereignis in Dübendorf zu verschlafen.

Wie jedes Jahr versammeln sich tausende Motorradfahrer beim ehemaligen Militärflugplatz Dübendorf, um ihre Solidarität mit benachteiligten Mitmenschen zu bekunden. Einige davon haben jeweils die Möglichkeit, im Seitenwagen eines Bikes  oder auf einem Trike den Ride zu begleiten. Bei den sicherheitstechnisch komplett ausgerüsteten „Teilzeit-Bikern“ glänzen die Augen vor Aufregung. Aber auch alle anderen freuen sich auf dieses einmalige Erlebnis. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat Petrus heute allerdings ein Einsehen und lässt keine Regenfront am Himmel aufziehen. Im Gegenteil, es ist nicht zu heiss, aber trotzdem sonnig und angenehm warm – schlicht perfekt für den Ride.

Bereits am Morgen wird heftig gefeiert. Neben dem teilweise an der Strecke angebotenen „Bikerfrühstück“ wird auf dem Flughafenareal schon um 10.00 Uhr eine Stuntshow geboten, ausserdem gibt es eine Ausstellung mit diversen Costumbikes zu bestaunen. Aber auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Verschiedenste Menu-Variationen lassen kaum einen Wunsch offen. Wer nun denkt, dies klinge nach einem langweiligen Coach-Potato-Anlass, der irrt sich gewaltig. Auf einer grossen Showbühne geben verschiedene Musikgruppen ihren Hard-Rock zum Besten und heizen den Besuchern tüchtig ein.

Doch wer das alles geniessen will, der muss erst mal rein in das Areal. Das ist leichter gesagt als getan: Erstmal heisst es anstehen, nicht etwa vor der Kasse, sondern schon auf der Überlandstrasse vor der Einfahrt in den Flughafen. Doch das ist erst die Vorspeise. Dröhnend und knatternd reihen sich die vielen Bikes vor der Kasse auf. 20 CHF sind als Eintrittspreis fällig. Davon geht allerdings ein Grossteil für wohltätige Zwecke an Menschen mit Handicap, also sozusagen eine „soziale Spende“.

Hat man die Kasse erst mal hinter sich, so traut man seinen Augen kaum, Bikes so weit das Auge reicht. Überall glitzert und blinkt es. Silbern glänzendes Chrom ist heute Trumpf! Doch im Gegensatz zu früher finden sich inzwischen nicht mehr nur Chopperfahrer bei diesem Grossanlass ein, sondern auch Fahrer von Strassen-, Touren- und Reisemaschinen, ja sogar Quads fühlen sich von dem ganzen Grollen und Dröhnen wie magisch angezogen.

Es ist 11.00 Uhr und plötzlich bebt ein tiefes Grollen über den Platz. Aha, es scheint loszugehen. Hunderte, ja tausende Biker steuern zu ihren Bikes und lassen diese auf Betriebstemperatur warmlaufen. Wie eine ganze Schar B52-Bomer klingt es, als ein Block nach dem anderen das Flughafenareal in Richtung Ausgang verlässt, um sich auf den „Ride“ zu begeben.

Auch wir verlassen Dübendorf und schliessen uns den nicht enden wollenden Kolonnen von knatternden Zweirädern an. Durch Dübendorf und Brüttisellen in Richtung Effretikon führt uns der voranfahrende Polizist, logischerweise per Motorrad. Am Strassenrand stehen die Leute, winken uns zu. Kinder jauchzen und ich glaube beim Einen oder Anderen an den Augen ablesen zu können, dass soeben ein Traum für die Zukunft entstanden ist.

Die Fahrt geht weiter an Lindau vorbei durch blühende Wiesen in Richtung Nürensdorf. Zwischendurch bietet etwas Wald eine leichte Abkühlung. Nicht nur in den Ortschaften, nein sogar an den Strassenrändern zwischendurch haben sich Leute installiert, mit kompletter Campingausrüstung inklusive Grill, teils sogar mit eigens mitgebrachten Festbänken.

Bei jeder engen Kurve innerhalb einer Ortschaft, wo freiwillige Helfer des Loveride die Strassen für den restlichen Verkehr blockieren, versammeln sich ganze Scharen, winken und applaudieren. Irgendwie fühlt man sich wie ein kleiner Alex Zülle, der an einem Berg von den Menschenmassen angefeuert wird, noch ein wenig mehr zu geben. Soweit ist das auch gar nicht von der Realität entfernt. Neben den üblichen Aufforderungen zum „Abklatschen“, die man übrigens nicht unbedingt annehmen sollte, weil es gefährlich sein kann und es deshalb schon zu Unfällen gekommen ist, hat es auch Leute, die mit Plakaten zum „Hupen“ auffordern. Einige Zuschauer nutzen denn auch die Gunst der Stunde und bieten am Fahrbahnrand ihr Occasions-Bike oder Motorradkombi zum Verkauf an.

Nach Neuburg geht es ein kleines Pässchen hinauf nach Brütten. So wie sich hier die Bikes zuvor gestaut haben, so ziehen sich die Reihen nun auseinander. Wie an einer Perlenkette aufgereiht zieht eine Heerschar von Bikes die Kurven empor. In Brütten selbst ist der Loveride inzwischen zu einer Art Volksfest geworden. Festzelte und Verpflegungsstände und viele klatschende Zuschauer an der engen Kehre im Dorf sind auch für uns Biker interessant. Der eine oder andere Biker schert hier aus, um die nachfolgenden „Blocks, die in regelmässigem Abstand folgen, bei einem kühlen Getränk und einer Bratwurst zu geniessen.

Vor Winterberg führt das grosse Motorrad-Aufkommen bei den Golfern, die für ihr weiteres Spiel die Strasse passieren müssen, zu Staunen. Doch nicht allzu lange, dann werden sie von ein paar netten Motorradfahrern durchgelassen.

In Grafstal biegt man gegenüber der Madzagarage Quici in Richtung Kyburg ab. Einige Kurven kann man mal etwas Gas geben, doch schon stauen sich die Bikes bei Ettenhausen wieder vor einer engen Kurve. Gemütlich geht es übers Feld weiter nach Weisslingen, Fehraltdorf, dann nach Illnau. Und nachdem man in Hegnau zwei Kreisel hinter sich gebracht hat, erreicht man auch schon die Überlandstrasse und somit bereits wieder den Ausgangspunkt des Rides, wo die Party weiter in vollem Gange ist.

Wer nun Lust verspürt das nächste Mal ebenfalls dabei zu sein, der findet die aktuellen Daten jeweils auf www.loveride.ch . Aber auch sonst ist die Strecke für eine Sonntags- oder Feierabendausfahrt zu empfehlen.

 

Allgemeine Informationen

  • Den Loveride gibt es in der Schweiz seit 1993
  • Grösster Bikerevent zu Gunsten muskelkranker und behinderter Menschen in Europa
  • Den Ursprung hat der Loveride in Glendale, Kalifornien, USA. Dort fand der erste Ride 1984 statt, siehe www.loveride.org
  • Die Teilnahme am Loveride findet auf eigenes Risiko statt, insbesondere bei Nichtbeachtung von Anordnungen der Organisatoren (z.B. Abklatschen)