Ein Tag in der Ostschweiz

Eigentlich wollten wir erst so gegen 10.00 Uhr abfahren, aber mein Bruder steht ganz unerwartet schon um 8.30 Uhr bei mir vor der Tür. Glücklicherweise gehöre ich nicht zu jenen Personen, welche übermässig viel Zeit brauchen am Morgen, und so sind wir schon bald auf unseren Hobeln.  Als erstes muss ich jedoch noch schnell meine Maschine mit energiereichem Saft verpflegen, damit sie dann nicht plötzlich irgendwo auf der Strecke stehen bleibt.


Wir knattern also los. Ich muss mich zuerst an die ziemlich starke Kraftentwicklung meiner Sugi gewöhnen, bin ich mich doch an eine liebenswürdige Africa Twin gewohnt. Heute fahre ich zum ersten Mal mit der Suzuki SV 1000 S. Wirklich ein Funbike, und genau so sitzt man auch drauf.

Anstelle der grossen Verbindungsstrassen nehmen wir als erstes den Weg über die Felder, vorbei an Bisikon. Den grossen Autobahnzubringer, von Pfäffikon kommend, kreuzen wir in Illnau. Da der Weg aber das Ziel sein soll, folgen wir trotz gleichem Ziel nicht der Hauptstrasse. Über diverse kleinere und daher schwach frequentierte Nebenstrassen fahren wir bis nach Pfäffikon, wo uns erstmals eine Baustelle stoppt. Die zur Zeit kiesige Baustellendurchfahrt ist für die Enduro meines Bruders natürlich kein Problem, und er ist schneller durch, als ich meinen Anlasser betätigen kann.

Aber auch für meine SV stellt sich für das Durchkommen bloss die Frage, was für Vibrationen ich meinem Hinterteil zumuten will, denn das harte Fahrwerk überträgt gnadenlos alle Unebenheiten auf meinen Rücken. Wir schwenken kurz auf die Hauptstrasse in Richtung Hinwil ein, nur um sie keine drei Kilometer weiter wieder nach links zu verlassen. Einige schöne Kehren führen uns, den Hang langsam erklimmend, bis hinauf zur Abzweigung nach Adetswil.

Links und rechts blühen viele Blumen und zu meinem Nachteil vor allem auch viele Gräser. Sehr oft quittiere ich feine Duftwolken, die von den Wiesen über die Strasse wehen, mit lang anhaltenden Niesanfällen. Auch die beissenden Augen bleiben nicht lange aus. Nur blöde, dass ich meine Antiallergietabletten zu Hause vergessen habe. Inzwischen haben wir unser nächstes Ziel erreicht – Bäretswil. Nach Bettswil, einem kleinen Dörfchen auf dem Weg ins Tösstal, folgt ein sehr kurviges Strässchen, das zum Teil durch Wäldchen über schön schwingbare Kurven auf die Waltsberghöchi, einem kleinen Pass, führt. Die Abfahrt auf der anderen Seite bis nach Gibswil bietet heute, dank schönem Wetter und guter Weitsicht, ein ausserordentlich gutes Panorama auf die Alpen.

In Richtung Süden geht’s weiter, doch die grossen Strassen sind heute einfach nicht unser Ding und so verkriechen wir uns keine 500m weiter schon wieder auf „heimelig“ enge Weglein in Richtung Hub. Anstatt dann aber direkt nach Wald zu gondeln, wie eigentlich unser ursprünglicher Plan war, entscheiden wir uns für eine alternative Route. Da es inzwischen auch schon ziemlich warm geworden ist in meinem nicht gerade sehr atmungsaktiven Lederkombi, lockt auf dem Bachtel eine kühle Erfrischung. Die Strasse hoch zu diesem Ausflugsziel allerdings könnte ein wenig ruhiger sein. Mein Allerwertester wird dank des harten Fahrwerks der Sugi ziemlich durchmassiert, auch wenn das von mir gar nicht gewünscht wird. Der Versuchung in Form von kühlem Eistee wollen und können wir nach dieser Vibrationskur natürlich nicht widerstehen.

Schön erfrischt wollen wir über Wernetshausen und Fägswil retour nach Wald. Doch schon kurz nach dem Restaurant ist die Strasse infolge Bauarbeiten gesperrt. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als ein Stück weit den selben Weg zurück zu nehmen. Auf den abschüssigen Weglein kann ich einmal mehr auf die starke Kompression des V2-Motors zählen. Es ist kaum nötig, dass ich die Bremse betätige, so stark verlangsamt der Motor, sobald ich vom Gas gehe. Auch eine gute und für mich sehr angenehme Gemeinsamkeit mit meiner Africa Twin. Nur bei Gegenverkehr muss man dann doch noch auf die Bremse tippen, denn die Wege sind nicht sonderlich breit und deshalb ist beim Passieren anderer Fahrzeuge auf den eher unübersichtlichen Strecken immer doppelte Vorsicht geboten.

Unterhalb des Bachtels hat es übrigens auch noch eine Start- und Landepiste für Hobbypiloten, der sogenannte Hasenstrick. Die Piste reicht über die vorbei führende Strasse hinaus, weshalb wir heute vor verschlossener Barriere warten müssen, bis sich die kleine, einmotorige Maschine zur Landung entschliesst. Doch dann geht es wieder weiter. Nebenbei sei erwähnt, dass man in Laupen über einen kleinen, aber nichts desto trotz sehr schönen Umweg die Rodelbahn auf dem Atzmänig erreichen kann. Da man in Bürg wieder auf unseren Weg stossen kann, ist damit auch kein doppeltes Fahren einer Strecke verbunden.

Wir visieren unser nächstes „grosses“ Ziel an – Sankt Gallenkappel. Gross ist übertrieben, aber wichtig um die Abzweigung nicht zu verpassen. Durch das ganze Dorf hindurch haben wir das Gefühl die Abzweigung übersehen zu haben, denn wir finden sie einfach nicht. Ganz falsch liegen wir nicht, denn die Linksabzweigung folgt erst ganz Ausgangs des Dorfes. Wir halten also nach links. Es wird immer wärmer, auch unter dem Helm. Trotz guter Ventilation lasse ich das Visier immer ein wenig offen, so dass ein feiner Windhauch stets meine heisse Stirn kühlen kann. Da kommen mir auch unsere Fotostopps gerade gelegen. Dabei kann ich meine überhitzungsgefährdete Denkmaschine jeweils gleich wieder ein wenig auslüften und abkühlen lassen.

Ist der Ricken normalerweise ein eher unspektakulärer Pass, der üblicherweise nur als schnellste Strecke nach Wattwil dient, so ist die fast parallel liegende Strasse über Rüeterswil und Walde sehr schön, abwechslungsreich und sehr verkehrsarm. Sie führt in der Nähe des Chollochs vorbei, von wo man auch schöne Wanderungen auf die Tweralpspitze unternehmen kann. Ausserdem ist dort ein bedeutender Militärtruppenübungsplatz.

Hinter einem langen Tross von Autos hottern wir vom Ricken dann hinunter nach Wattwil. Nun weiss ich einmal mehr, weshalb ich die grösseren Strassen meide. Nur wenige Kutschen fallen unseren erheblich beschleunigungsstärkeren Motos zum Opfer, mehr lassen der enorme, sonntägliche Gegenverkehr und viele Sicherheitslinien nicht zu. Nach dem Betanken unserer Gummikühe hängen wir uns gleich an eine Gruppe vorbei rasselnder Chopper an. Doch schon kurz nach der Dorfausfahrt in Richtung Hemberg hält es uns nicht mehr hinter dieser Schar gemütlich tuckernder Zweiräder. Die Biker winken uns zum überholen, wir lassen uns nicht zweimal bitten und sausen vorbei. Der Wind braust uns um die Ohren und während wir so durch die kurzen Waldabschnitte dampfen, wird mir einmal mehr bewusst, was für ein Glück wir doch mit der Schweiz haben. So viele unterschiedliche Gebiete, dass für alle und jeden etwas dabei ist. Die Abenteurer können sich in den Klettergärten oder mit den Gleitschirmen austoben, die Gemütlichen machen Spaziergänge oder längere Wanderungen in den Ebenen oder den nahen Bergen. Genuss-Süchtige lassen sich an einem der unzähligen Seen nieder, während wir Biker uns die Pass-Strassen mit den Sonntagsfahrern teilen.

Vom gemütlichen, sehr typisch urschweizerisch wirkenden Hemberg, wo sich am Dorfausgang in Richtung Urnäsch übrigens ein Motorradtreff befindet, rollen wir die Handvoll Kehren hinab. Auf den Geraden rohrt meine SV das Zeug vom Himmel, schade habe ich kein Aufnahmegerät dabei, wie richtige Musik klingt es aus meinen zwei Endrohren. In Sankt Peterzell bleiben wir nur bis zum Dorfausgang auf der grösseren Strasse und biegen auch gleich nach dem Dorf schon wieder rechts ab in Richtung Bächli. Bald nach dem Dorf folgt eine kurze Betonbrücke und von dort steigt die Strasse nur noch bergaufwärts. Früher war diese Strecke noch seltener befahren als heute, inzwischen aber haben viele dieses ruhige Fleckchen Erde entdeckt. Zwischen den einzelnen Höfen hat es noch weite Abstände und auf den Weiden tummelt sich das Vieh unter den verstreut stehenden Obstbäumen, um der gleissenden Sonne zu entgehen.

Schön erholsame Ruhe bietet da der Campingplatz im abgeschiedenen Bächli, wo sich meines Erachtens Fuchs und Hase gute Nacht sagen. An Ausgangsmöglichkeiten gleich in der Nähe mangelt es dort vielleicht ein wenig, aber dafür hat diese Ortschaft als Ausgangspunkt für diverse Touren im Toggenburg und Appenzell seine Berechtigung.

Wir kreuzen die Druchfahrtsstrasse nach Schönengrund und fahren über eine kleine Anhöhe, sowie einige engere Kehren, wo uns heute sogar ein grosser Camper entgegen schleicht und sich um die Kurven zwängt, in Richtung Urnäsch. Bevor wir das Dorf jedoch erreichen folgt eine schöne Abfahrt, von wo man schon einen Blick auf den fast immer verschneiten Säntis werfen kann. In Urnäsch selbst klärt sich, weshalb heute ein so starker Gegenverkehr herrscht. Eigentlich wollten wir nämlich hier in Richtung Schwägalp einschwenken. Doch aus diesem Plan wird nun nichts. Ein übler Unfall mit ungewollten Kaltmetallverformungen soll sich gleich hinter Urnäsch zugetragen haben und dadurch soll die Strasse auf die Schwägalp noch einige Stunden gesperrt bleiben, weshalb der ganze Verkehr umgeleitet wird.

Wie wir am folgenden Tag aus der Presse entnehmen können, hat ein Motorradfahrer in einer leichten Rechtskurve, talwärts fahrend, die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren und ist in eine Gruppe von vier korrekt entgegen kommenden Fahrradfahrern geprallt. Die fünf Beteiligten sind zum Teil schwer verletzt, so dass gleich zwei Rettungshelikopter im Einsatz stehen. Den einen sehen wir vor Ort noch wegfliegen.

Warten wollen wir nicht und es würde wohl auch kaum etwas bringen. Zudem hat es in dieser Gegend noch genügend andere schöne Strecken. Wir disponieren um, und so heisst unser nächstes Ziel nun Degersheim, wo wir uns einen guten Zmittag gönnen wollen.

Übrigens kann Mann oder Frau sich ganz in der Nähe von Urnäsch von evtl. eingefahrenen Poüberbeanspruchungen entlasten. Dafür eignet sich u.a. das Naturmoorbad in Gonten, welches im etwa fünf Kilometer entfernt liegenden Gonten zu finden ist. Allerdings ist darunter kein Bad in der freien Natur zu verstehen, sondern ein Bad in Moorwasser, das aus dem nahe gelegenen Moor kommt. Allerdings befindet sich das Bad Indoor mit vom Moor abgepumpen Wasser. Wen es nicht so weit zieht, der kann sich auch in Jakobsbad z.B. im Kurhaus vom Wasser verwöhnen bzw. seinen Po vom Sattelpressen erholen lassen.

Über Waldstadt geht es nach Schwellbrunn, dass sich auf einer Krete geradezu zusammen quetscht. Dieses Dörfchen widerspiegelt genau das Image, welches Japanische Touristen von der Schweiz haben. Die Kirche ist noch im Dorf und schöne alte Häuser drängen sich möglichst nahe an die Dorfstrasse, wodurch es für ein Trottoir keinen Platz mehr hat. Einige wenige Leute, die eher ein ruhiges Leben führen, so scheint es, schlendern gemächlich durch das Örtchen und die Zeit scheint fast still zu stehen.

Über, für diese Region typische, enge Strässchen geht es durch Felder, Wälder und Wiesen bis nach Degersheim. Bevor man dann nach Degersheim kommt, wird man von einem grossen Viadukt der Eisenbahn begrüsst, welcher sich quer durch das ganze kleine Tal zieht. Wie auch sonst, ist die Strasse, obwohl nicht sehr breit, in einem sehr guten Zustand.

Über den Wolfensberg verlassen wir das in einem Tal eingebettet und doch auf der Wasserscheide zwischen Glatt und Necker liegende Dorf und machen uns über einspurige Weglein zuerst durch Wald, dann über Felder talwärts in Richtung Nassen. Bevor wir diese Ortschaft allerdings erreichen, biegen wir in Richtung Hoffeld ab. Über Dicken bei Degersheim machen wir noch einen kleinen Umweg. Schon bei der Anfahrt nach Dicken hat man eine schöne Übersicht über die nun anstehende Strecke. Unterwegs treffen wir in einem kleinen Ort auf unsere Motorradfahrerzukunft. Nicht in Form von neuartigen Bikes, aber in Form von schon in jüngsten Jahren trainierenden Motocrösslern. Während wir uns eine Pause gönnen holpern zwei kleine Jungs um den 50m langen Parcours und kämpfen um jede Zehntelsekunde Abstand.

Von Sankt Peterzell aus biegen wir diesmal von unten her kommend wieder nach Hemberg ab. Erneut passieren wir die kurvenreiche Rigelschwendi, aber diesmal knurrt der Motor nicht vom Bremsen, sondern heult vor Begeisterung, dass er endlich mal seine Beschleunigungskräfte demonstrieren darf. Leider sind aber die Geraden zwischen den 180 Grad-Kehren nicht wirklich lang und so hallt schon kurz nach dem Aufdrehen schon wieder der Befehl „In die Eisen steigen, aber dalli“ durch meine Gedanken. Die Steigung ist viel zu kurz und schon sind wir wieder in Hemberg.

Nach Süden bringt uns die Strasse nach Bendel, wo wir anstelle der grossen Abfahrt über einen kleineren Weg nach Ebnat-Kappel hinunter stechen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Als Leitplanke müssen Baumstämme herhalten, welche bei einem heftigen Ausweichmanöver wahrscheinlich sehr schnell übersprungen würden. Dafür ist die Aussicht auf das Tal und die dahinter liegenden Ausläufer der Churfirsten eindrücklich. Erst bei der Dorfeinfahrt von Ebnat-Kappel, nachdem wir über die Autoschnellstrasse gefahren sind, werden wir durch eine Baustelle gestoppt. Das Lichtsignal ist noch von der alten Garde und reagiert nicht gleich auf uns, und so stehen wir in der vollen Sonne sicherlich 10 Minuten, bis es sich endlich entscheidet uns durch zu lassen. Wie wir dann auch feststellen können, war auch die Baustellen nicht so lange, so dass wir diese Saunaeinlage eigentlich durch langsames Rollen locker hätten umgehen können (wenn auch unerlaubt).

Bis nach Lichtensteig bleiben wir dann der grossen Strasse treu, bevor wir uns wieder in die Büsche bzw. die Passstrassen schlagen. Es steht das nächste kurze Pässchen an, die Wasserfluh. Mein Bruder hat die bessere Wahl getroffen und überholt die zwei langsamen Autos noch bevor wir zu den ersten Kurven kommen. Mir steht das noch bevor. Aber zum Glück kann ich auf die eklatanten Beschleunigungskräfte meiner Sugi zählen, sobald ich nur ein wenig am Gasgriff drehe. So habe ich meinen Bruder wortwörtlich im Handumdrehen wieder eingeholt und wir brausen gemeinsam hinauf bis nach Bunnadern.

Da der Tag auch nur eine begrenzte Anzahl Sonnenstunden hat, machen wir uns von hier aus schlussendlich doch noch auf den Heimweg. Bis Dietfurt können wir nochmals so richtig Kurven wetzen, dort angekommen allerdings müssen wir uns eine Weile anstellen, denn eine riesige Fahrzeugkolonne wälzt sich hinunter in Richtung Will und niemand ist willig, uns rein zulassen. Zum Glück können wir gleich nach der kurzen Brücke erneut weg von dieser Blechlawine, und steuern so Kengelbach an.

Wieder rauschen wir über enge Verbindungssträsschen durch Wälder und entlang grün leuchtender Wiesen. Auch hat mich mein Nasen und Augenjucken noch nicht verlassen, so weiss ich wenigstens, dass ich nicht träume, während ich mich an den vielen schönen Aussichten satt sehe. Je weniger Häuser wir sehen, desto besser ist es. Hier kommt es einem zum Teil vor, als befände man sich irgendwo in den sparsam bewohnten italienischen Alpen oder aber in Sackgasse-Tälern wie dem hinteren Maggiatal.

Die Strasse führt uns bis nach Libingen, kurz bevor wir dieses kleine, abgeschnittene Dörfchen erreichen, überqueren wir eine hübsche kleine Holzbrücke. Im kleinen Zentrum biegen wir dann nach rechts in Richtung Mosnang ab. Eigentlich können wir nicht wählen, wollen wir doch irgendwie den Heimweg einschlagen und wenn wir nicht denselben Weg zurück nehmen wollen, bleibt kein anderer übrig.

Auf dem Weg zur Hulftegg, dem Bikertreffpunkt des Tösstals, muss vor allem in Mühlrüti aufgepasst werden, denn dort gibt’s einen schlecht einsehbaren Rechtsvortritt mitten im Dörfchen, doch danach kann es los gehen. Nach einer langen Geraden sollten die ersten Kurven mit Vorsicht genossen werden. Die Erste, zwar gut sicht- und einsehbar, macht immer weiter zu, bei der nächsten 180°-Kurve kündigen diverse schwarze Bremsspuren schon an, dass sie schon vielen anfangs unterschätzt wurde. Die folgenden Turns kann man geniessen, kommt einem nicht per Zufall ein kurvenschneidendes Geschoss entgegen.
Im Gegensatz zu den lässig kurven- und abwechslungsreichen Strassen bisher kommt uns die breite, ruhig geschwungene Hauptstrasse sehr langweilig vor. Wir beschliessen daher nicht etwa bis Winterthur auf diesem Asphaltband zu verweilen und die langweilig in die Länge gezogenen Bogen hinter uns zu bringen, sondern nehmen uns die unzähligen Windungen der Hügel bis und um Sternenberg vor.

Vor allem jetzt, gegen Abend nach einem langen und schönen Tag muss man sich ganz besonders zusammen nehmen, um nicht an Konzentration zu verlieren. Allerdings ist das auch kaum möglich. Die engen, verwinkelten und ans Centovalli erinnernden Weglein über die Hügel oberhalb des Tösstals verlangen absolute Aufmerksamkeit.

Kurz vor Sternenberg hat es auf der rechten Strassenseite eine kleine Erhöhung, wo man regelmässig Motorradfahrer beim Grillen sieht. Warum also nicht auch sich dazu gesellen, frage ich mich. Ein Blick auf meine Uhr zeigt mir aber, dass ich mir das heute nicht mehr erlauben kann, will ich zu einer normalen Tageszeit noch nach Hause kommen.

Weiter geht es über Roth und Bichelsee heimwärts in Richtung Turbenthal. Die langen Strecken sind nun gegen Abend eher angenehm. Für wen es aber noch ein wenig mehr sein darf, der sollte statt dessen über den Sitzberg nach Wila fahren, da bieten sich ihm noch einige weitere schöne Strecken.

Aber für uns ist es langsam genug, werden wir doch seit Rikon von einem uns folgenden Polizeiwagen genauestens beäugt. Wahrscheinlich würde nur die geringste Geschwindigkeitsübertretung genügen und schon wären wir dran. Aber diese Blösse geben wir uns nicht, und obwohl wir beinahe einen Krampf im Handgelenk kriegen, fahren wir mehr als korrekt. Bis nach Sennhof folgt er uns immer schön mit geringem Abstand. Als wir dann jedoch über die Kyburg abbiegen, gibt er endlich auf und zieht ohne Bussen verteilt zu haben weiter nach Weisslingen.

Wir geniessen die letzten Kurven über Billikon und lassen die Motoren bis Effretikon nochmals knurren, bevor wir unseren Motos eine wirklich sehr verdiente Ruhepause in der Garage gönnen.