Rumänien durchgestanden - Eine Tour durch das Apusenigebirge und die Karpaten

 

(Autoren: Dominique Werner / Severin Werner)

Tag 1: Donnerstag, 21.08.2008
Wetter: Sonnig, ca. 25°C

Es ist gepackt, aber wie üblich, erst auf dem letzten Drücker. Ich kann einfach nicht am Vorabend packen, bereitlegen ist im Moment das höchste der Gefühle. Und dann ruft Severin an, dass in ganz Winterthur keine Rumänischen Lei erhältlich seien. Also mache ich mich erst mal auf den Weg zum Flughafen, dort hat die UBS so ziemlich alles vorrätig, was sich mit Flügeln erreichen lässt.
Gegen 17 Uhr treffe ich bei Severin ein. Wir beschliessen, sein Moped normal zu packen, die Stollenreifen lassen wir auf meiner 990er, ich hab sie ja schon für die Fahrt zu ihm fest verzurren müssen.
Kurz vor 18 Uhr sind dann beide bereit, und es reicht gerade noch, so dass sich Severin standesgemäss von seiner sonstigen Sozia, die eben von der Arbeit kommt, verabschieden kann.

Und dann sind wir unterwegs. Unser Rumänien-Abenteuer ist offiziell eröffnet. Zu Beginn ist es aber alles andere als abenteuerlich, Schweizer Autobahnen, Tempolimiten, feierabendlicher Stossverkehr. Nun gut, das wird sich wohl in naher Zukunft ändern.
Über St. Gallen und das Rheintal fahren wir nach Feldkirch. Dort werden wir für die nächsten rund 750 Kilometer das Kommando einem Lokführer übergeben und während dessen eine Kappe Schlaf beziehen.

In der Station lasse ich mir die per Internet bestellten Tickets für Severin aushändigen und erfahre, dass wir infolge Umbauarbeiten erstens Abfahrtsverspätung haben und zweitens an einem anderen Ort zu verladen hätten. Also lassen wir die Beiz links liegen und gehen auf die Suche. Wir verpassen zwar erst mal gleich den richtigen Abzweiger, die Ausschilderung ist aber auch mit der Lupe kaum zu finden. Dann aber schaffen wir es und die kleine Strasse auf die Hinterseite des Bahnhofs Feldkirch ist dann dank der Unterführung, die für unsere knallenden Motoren wie geschaffen ist, noch ganz spassig.

Angekommen müssen wir dann aber noch eine ganze Weile warten bis, die Passagiere für Graz fertig verladen haben. Kurz nach unserer Ankunft gesellen sich zwei Bündner Biker zu uns, die auch nach Rumänien unterwegs sind. Doch dann vergeht uns das Lachen. Zwei Motorrad Clubs fahren vor, insgesamt rund 25 Mopeds. Die Mitglieder des einen sind ein bunt gemischter Haufen. Frohen Mutes steigen sie ab und wir wechseln ein paar Worte über Destinationen und so weiter. Der zweite Club, alle in Military gekleidet, möchte lieber das Image des bösen Buben vermitteln – böses Outfit, böser Blick und so. Und doch sind es nur kleine Jungs mit ihren Spielzeugen, wie wir alle…

Die Verladeaktion verläuft dann sehr schnell und abgesehen von den beengten Platzverhältnissen (wohin mit dem Kopf, wenn der Tankrucksack im Weg ist?) auch problemlos, und in Kürze sind die Motorräder mit Keilen blockiert und sauber verzurrt.

Die Zugfahrt beginnt mit einer rund einstündigen Verspätung, unter anderem weil wir auf ein paar verspätete Autos warten mussten. Severin und ich belegen die beiden oberen Betten in einem Viererabteil. Es lässt sich hier festhalten, man schläft besser als befürchtet. Ob das für Severin auch stimmt, kann ich allerdings nicht sagen.

Tag 2: Freitag, 22.08.2008
Wetter: Sonnig, warm bzw. noch viel wärmer (so gegen 35°C werden es wohl gewesen sein)

Kurz vor Sieben Uhr werden alle geweckt und gleich darauf erscheint der Schaffner mit dampfendem Kaffe, heissem  Tee und Brötchen. Die Landschaft zieht immer noch unaufhörlich an uns vorbei und bietet einen feinen Morgennebel. Auf einer Lichtung entdecken wir, noch immer mit dem Kaffe in der Hand, drei Rehe, die sich noch nicht in den Schutz des Waldes zurück gezogen haben.

Trotz Umweg über Bregenz – München (statt durch den Arlberg) hält sich die Verspätung mit knapp einer halben Stunde durchaus in Grenzen. Dann geht’s endlich los. Noch schnell die neue Route ins Garmin geladen und auf geht’s. Über den Ring geht es Richtung A4 die uns südöstlich von Wien wegbringen soll. Aber kaum richtig auf der Autobahn signalisiert mir Severin ein Problem, überholt mich und fährt sofort auf den Pannenstreifen. Und dann beliebt er ein Scherzchen zu reissen – er meint, seine Kupplung hätte ihn wieder verlassen. Pardon, Deine Kupplung ist gerade mal 5 Wochen alt und hat kaum 3000 km hinter sich. Leider muss ich mich aber davon überzeugen, dass das Scherzchen weniger lustig ist, als angenommen. Ein Blick zum Nehmerzylinder und dann ein weiterer in das Ausgleichsgefäss am Lenker sprechen eine klare Sprache.

Was können wir da tun. Gemäss Ratschlag meines KTM Spezialisten in Frauenfeld die Flüssigkeit mit Wasser ergänzen, und keines Falls mit irgendwelchen anderen Ölen. Dazu muss Severin aber erst mal die Kohlensäure aus dem einzigen Wasser, das wir dabei haben, rausschütteln. Ein Telefon zu seiner Freundin bringt uns die Adressen der KTM Vertretungen in Wien, es hat erstaunlicherweise nur deren 2. Wir wählen die näher liegende.

Möglichst ohne überhaupt schalten bzw. kuppeln zu müssen, sprich wenn immer möglich im zweiten Gang, so dass man auch in der Stadt von Ampel zu Ampel möglichst nie Schalten muss, hottert Sevi vor mir her zurück nach Wien.

Die Informationen des Garagisten sind dann aber alles andere als erhebend. Das benötigte Ersatzteil (der Kupplungsnehmerzylinder) sei nicht vorrätig, beim zweiten KTM Geschäft übrigens auch nicht. Die Lieferfrist beträgt NUR drei Werktage. Da kann ich gerade so gut alleine nach Rumänien, oder wir machen Ferien in Wien, denn es ist Freitag und drei Werktage heisst mindestens Dienstag oder Mittwoch.

Ich weiss nich,t wie Severin die Leute bezirzt hat (es kostet ihn aber neben viel Überredungskunst eine grosse Toblerone zusätzlich zum eigentlichen Preis), aber schliesslich erklärt sich das Geschäft bereit, den benötigten Nehmerzylinder aus einer fabrikneuen 990er SuperDuke aus und in Severins Adventure einzubauen.

Mit weiteren zweieinhalb Stunden Verzögerung können wir dann unsere Reise fortsetzen. Die heutige Strecke ist ja noch nicht die fahrerische Herausforderung. Es geht eher darum möglichst effizient durch den dichten Verkehr von Budapest zu kommen und in der darauf folgenden Flachetappe bei grosser Hitze nicht auf dem Bike zu dehydrieren. Regelmässige Pausen (nach jeweils einer Tankfüllung, oder etwa 250 km) helfen dies zu verhindern. Allerdings merkt man dann wegen des fehlenden Fahrtwindes die Hitze noch deutlicher.

Gegen halb fünf erreichen wir Debrecen. Hier wollen wir unsere abgefahrenen Strassenreifen loswerden und die neuen Stollenreifen, die seit unserer Abfahrt zu Hause für Aufsehen gesorgt haben, aufziehen lassen. Leichter gesagt als getan. Es hat zwar unzählige Geschäfte die sich um die Bedürfnisse der Automobilisten kümmern, ein Geschäft für Motorräder suchen wir aber vergeblich. Zudem ist es Freitagabend und es geht hart auf 17 Uhr zu. Ich befürchte schreckliches, denn am Samstag haben die Geschäfte hier alle zu.

Dann sehen wir auf der Gegenfahrbahn zwei neue F 800 GS, winken ihnen verzweifelt zu und können von der internationalen Bikersolidarität profitieren. Wir brechen zwar alle Regeln, indem wir fix die Sicherheitslinie kreuzen, um zu den zwei zu gelangen, die bei einer Bushaltestelle warten. Mit Händen und Füssen versuchen wir uns verständlich zu machen. Ein junger Mann, der auf den Bus wartet hilft mit seinen Deutschkenntnissen aus. An eine BMW Vertretung verwiesen machen wir uns sofort auf den Weg, offenbar geht hier Freitags um 17 Uhr alles zu. Und in der Tat, BMW sieht sich nicht im Stande, uns die Stollenreifen aufzuziehen. Aber einer telefoniert noch umher. Er bringt die Rettung, gibt uns eine Adresse etwa 4 km entfernt. Es stellt sich heraus, dass sich das Geschäft im Kernbusiness um Tuning-Bedürfnisse der Autofahrer kümmert.

Und dann staune ich Bauklötze. Erstens bearbeiten die beiden Mechaniker die Adventures in einem Eilzugstempo, das ich noch nicht gesehen habe und um die Wartezeit zusätzlich zu verkürzen kommt die Frau des Chefs und schiesst den Vogel ab. Weil sie im Nebengebäude am grillieren sind, bringt sie uns je ein Brot mit zwei Steaks darauf, frisch aufgeschnittene Peperoni und der Chef selbst serviert uns eisgekühlte Getränke – kostenlos versteht sich.

Damit nicht genug. Wir fragen unseren Kontaktmann nach einem Hotel mit privatem Parkplatz. Er bucht uns gleich ein Zimmer und gibt uns die Adresse und versichert uns, dass es sehr ok und zu einem fairen Preis sei. Er ist selbst auch Mopedfahrer und nennt eine Triumph Speed Tripple sein eigen. Ich lade ihn ein ob dieser äusserst freundlichen Geste ein, uns in der Schweiz zu besuchen, damit ich ihm mal die grossen Alpenpässe zeigen kann.

Der Zimmerbezug ist dann schnell gemacht und nach einer Dusche (mit Wäschewaschen) gehen Severin und ich noch schnell Richtung Stadtmitte, um mehr ungarisches Geld und etwas Verpflegung für morgen zu besorgen und was von der Stadt zu sehen.
Zurück im Hotel ein kurzer Routen Check für morgen, ein Telefonat an meine Frau, die auch auf Reisen ist, dann heisst es schlafen, um fit für die morgige Tour zu sein.

Tag 3: Samstag, 23.08.2008
Wetter: Schön, siedend heiss und ein kleiner Spritzer zur Abkühlung

Wir sind bei Zeiten wach, lassen uns mit dem Frühstück aber Zeit, schliesslich sind ja Ferien. Die Hotelbetreiberin wir schon nervös, als wir mit den ersten Taschen zu den Mopeds gehen, wir haben unseren Zimmerschlüssel noch nicht abgegeben. Nur keine Panik, wir fahren ja noch nicht gleich los, erst muss gepackt werden, was doch einige Zeit beansprucht.
Gegen halb neun sind wir dann soweit, der Mann der Betreiberin gibt uns noch die Grobrichtung an – GPS-Geräte sind ihm noch nicht so vertraut und daher verlässt er sich auf seine eigenen Erfahrungen.

Wir finden den Weg in Richtung Oradea problemlos. Die Strasse ist gut besucht und es hat immer wieder kleine Schuhmachers, die das Überholen nicht lassen können, und zwar auch in den Gegenverkehr hinein. Das bewegt mich dazu, nicht nur die Nebellampe anzuhaben sonder voll aufzublenden, inklusive des ordentlich starken Xenon-Scheinwerfers. Dies scheint die Pflöcke tatsächlich auf ihre eigene Spur zurück zu drängen.

Plötzlich stelle ich fest dass Severin nicht mehr hinter mir ist. Also fahre ich bei der nächsten Möglichkeit auch von der Strasse ab. Ich nehme mal die Kamera zur Hand und warte. Und warte. Irgendwann wird es mir etwas ungeheuer. Entweder wir warteten nun beide mit der Kamera in der Hand, oder er hat ein Problem. Besser also, wenn ich mal etwas zurück fahre. Als ich eben den Helm montiere trifft er ein, etwas stinkig, weil ich nicht eher umgekehrt bin. Aber das Pano sieht auch ohne mich gut aus…
Ein kühles RedBull, dann geht es weiter, es ist hier nämlich schon wieder saumässig heiss.

Endlich passieren wir die Grenze nach Rumänien. Man merkt dies sofort an der Strassenqualität. Über die E60 fahren wir südöstlich in Richtung Oradea. An den alten, riesigen, verlassen wirkenden Fabrikhallen, an denen sich der Rost verbissen ha,t und an den überall eingeschlagenen Fenstern erkennt man, dass man eine zumindest ehemalige Industriestadt ansteuert.

Die Stadt ist dann doch noch etwas grösser, als ich erwartet hatte. Aber die Zusatz-Karten-Software RO.A.D.2006 (für Rumänien), die ich für das Garmin beschafft habe, zeigt sich hier als sehr wertvoll und lotst uns flüssig durch die Stadt auf die nach Deva führende Schnellstrasse. Eine solche ist nicht 1:1 mit einer Autobahn westeuropäischen Zuschnitts zu vergleichen. Sehr unebene Beläge und hin und wieder ein Schlagloch bedingen hohe Konzentration des Fahrers.

Im Dörfchen Ceica legen wir einen Tankstop ein und beschaffen uns kühles Nass. Die Chefin überreicht uns neben einer Lukoil Tankstellenkarte für Rumänien auch noch ein Feuerzeug. Damit sollen wir nun wohl Werbung machen für genau ihre Tankstelle… Der Fleissige von uns beiden bezieht noch schnell einen Sprachkurs, so dass wir nun wenigstens die Zahlen etwas besser verstehen.

Kurz vor Sudrifiu biegen wir von der „Schnellstrasse“ ab und folgen der Dj763 nach Osten. Ach ja, die Tempolimite ausserorts in Rumänien ist 100 km/h. Wer die ausreizt ist allerdings selbst schuld. Uns genügen mit wenigen Ausnahmen auch 80, so kriegen wir unsere Fuhre auch bei Bodenwellen ohne Ende sicher durch die Kurven.

Inzwischen haben wir die Ausläufer des Apuseni Gebirges erreicht. Gebirge ist natürlich masslos übertrieben. Die Hügel erreichen kaum 2000 M.ü.M. und sind mehrheitlich bewaldet. Ein paar Kilometer nach Osten gefahren und endlich hört der Teerbelag auf. Wir stoppen kurz, um das ABS auszuschalten, und machen uns auf Schotterunterlage an unseren ersten Pass in Rumänien. Wir überholen ein paar mutige Autofahrer und schrauben uns höher und höher. Erstaunlicherweise findet man Autos bis zu oberst. Und dann schlägt der Fehlerteufel zu. Das GPS meint, wir müssten für den kürzesten Weg nach rechts abbiegen. Technikhörig wir sind tun wir das natürlich. Nach einer kurzen Pause, die von interrumänischen Touristen genutzt wird, um uns zu fotografieren, kommen wir an einen Zeltplatz, der recht gut ausgelastet zu sein scheint. Wir wollen aber sofort weiter. Das GPS will, dass wir genau hier links den Hang hinauf abbiegen. Nur ist da leider nicht im Entferntesten eine Piste, noch nicht mal ein Trampelpfad. Also folgen wir der Strasse weiter gerade aus. Aber auch dieser Weg wird zunehmend abenteuerlich klein und schmal, vor allem nach dem Zeltplatz, der offenbar als Basis für Wanderferien dient, bis er nach vielleicht 5 Kilometern und ein paar weiteren Höhenmetern irgendwo im Nirwana endet. Es bleibt uns nichts anderes übrig als den ganzen Weg bis zu unserem Rechtsabbieger auf der Passhöhe zurück zu fahren, natürlich nicht ohne die einen oder anderen Wanderer zu erschrecken, die uns schon bei der Hinfahrt etwas schräg angekuckt haben.

Schliesslich sind wir wieder zurück auf der Passhöhe und setzen den Weg nach Osten und damit entlang der Dj763 fort. Wald und Wiese wechseln sich ab, es sieht zum Teil fast aus, wie im Jura. Auch wenn dort die Holzfäller fehlen. Einige dieser wettergegerbten Kerle müssen wir dann doch noch mal um Rat fragen, als uns das GPS ein weiteres Mal in die Irre zu führen droht. Dabei wird Severin mal kurz von einer halben Milliarde Fliegen in Beschlag genommen, die von den Pferden, die frei umher stehen, kurzfristig ablassen. Frischer Schweiss scheint leckerer zu sein. Die Waldarbeiter weisen uns den Weg, laut GPS eine Sackgasse, der zuerst der Hochebene folgt, dann aber in südöstlicher Richtung allmählich weiter an Höhe gewinnt. Wir meinen, bereits irgendwo in Ostsibirien zu sein, nur die PWs die sich im Schritt-Tempo über die nun doch deutlich schlechter werdende Strasse quälen stören den Eindruck etwas. Beeindruckend sind aber die Holztransporter. Die Lastwagen, sicher an die 40 Tonnen, zirkeln sich über diese schmalen, holprigen Schotterpistchen wie in der Schweiz über den San Bernadino, mit dem Unterschied, dass die Piste eben gerade mal knapp so breit ist wie der Transporter. Ich möchte hier nicht wirklich mit dem Auto unterwegs sein und so einen Truck kreuzen müssen. Selbst wir müssen sehr genau zirkeln beim Überholen.

Die Strecke ist sehr abwechslungsreich. Auf Grund der schlechten Strassenqualität ist aber andauerndes, stehendes Fahren angesagt. Im sitzenden Fahren ist es bei normaler durchschnittlicher Reisegeschwindigkeit in den Wäldern (ca. 40km/h) ist es kaum möglich Schlaglöcher und andersartige Strassenunebenheiten frühzeitig zu erkennen und ihnen auszuweichen. Das kann zwar schon mal etwas in die Beine und die Arme gehen, aber es ist auch irgendwie interessanter und vermittelt etwas mehr Abenteuerfeeling. Zum Glück verfügen unsere beiden Maschinen über die Lenkererhöhungen und so ist es dann bald so, dass wir uns an der „mangelnden Aussicht“ stören, sobald wir sitzend fahren.

Etwas weiter passieren wir dann mehrere Waldarbeitersiedlungen, die mich stark an alte Wild West Filme aus der Zeit der Goldgräber erinnern. Einfachste Behausungen, und doch leben offensichtlich ganze Familien darin. Mit all den Spalten und Ritzen in den Wänden dürfte das im harten und meist sehr kalten rumänischen Winter ziemlich frisch sein.

Fast zu oberst auf den Pass fahren wir wieder an einem Touristen Jeep vorbei, der uns während einer Pause auf dem Weg zum Zeltplatz passierte. Und wieder haben alle die Kamera im Anschlag , um uns zu filmen und Datenträger zu bannen. So häufig sieht man hier Motorräder offenbar nicht. Dann erhalte ich noch kurz eine Kostprobe der rumänischen Fahrkünste. In einer halbblinden Rechtskurve muss ich mit einem recht wilden Manöver einem kurvenschneidenden Idioten ausweichen, der, kaum vorbei, mich auch noch anhupt. Was für ein A… Severin hat zum Glück genügend Abstand und kann den Pflock gut passieren.

Nach etwas vorsichtiger Fahrt zu Tale machen wir im kleinen Dörfchen Albac eine Rast, lassen uns ein paar gekühlte Getränke munden und beobachten den hier wieder stärkeren Verkehr. Noch während wir so da sitzen schafft es der 40 Tönner, den wir weiter oben mal überholt haben auch vom Berg runter auf die ab hier wieder asphaltierte Strasse. Der Fahrer erkennt uns, wir winken und ein Hupkonzert seinerseits lässt die herumsitzenden Dorfbewohner staunen. Was uns während der Pause auch auffällt, sind die Spikes an den Hufeisen der Pferdegespanne, die hier noch absolut gegenwärtig sind. Das dürfte den Berg hoch auf der Dreckpiste hilfreich sein, vor allem bei Nässe und Schnee. Hier auf Teer rutschen die armen Pferde jedoch immer etwas.

Wir beschliessen noch bis Alba Iulia weiter zu fahren und dort eine Unterkunft zu suchen. Die Fahrt ist nun nicht mehr ganz so anspruchsvoll. Ausserdem kommt man sich sitzend hinter dem Lenker plötzlich etwas klein vor, nachdem man die letzten 4 Stunden rein stehend verbracht hat. Wir kommen flüssig voran, tanken in Abrud auf und erreichen kurz vor Sonnenuntergang Alba Julia. Im Stadtzentrum sehen wir genau ein Hotel, und das ist wegen einer Hochzeit komplett ausgebucht. Überhaupt scheint Hochsaison für Hochzeiten zu sein. Wir passieren innerhalb der nächsten halben Stunde mindestens zwei blumengeschmückte Konvois. Wir enden schliesslich am südlichen Ortsausgang in einem Hotel gleich neben dem Fluss. Und auch hier werden wir bis in die frühen Morgenstunden mit super Musik bedudelt, weil eine Hochzeit läuft.


Tag 4: Sonntag, 24.08.2008
Wetter: Früh Morgens etwas Regen, dann schön und heiss und gegen Abend fast etwas Regen (aber eben nur fast)

Dank Severin`s Aversion gegen Mücken bzw. deren mühsamer Summ-Frequenz mussten wir die Fenster Nachts geschlossen halten und nun erwache ich mit mindestens 45°C Körpertemperatur. Nun schaue ich raus, und in der Tat, meine Schwiegermutter hatte recht – es ist bedeckt, und beginnt sogar zu regnen. Also lassen wir es mit dem Packen gemütlich angehen. Aber schon zehn Minuten später setzt sich die Sonne durch und sofort wird es drückend heiss.

Wenig später sind wir schon auf dem Weg. Heute geht es weiter nach Süden, ja eigentlich fast gerade nach Süden. Wir wollen nach dem Apusenigebirge ein erstes Mal die Karpaten passieren. Unsere Routenwahl führt uns von Sebes südlich in die Berge. Die Rumänische GPS Karte schlägt mal wieder alles. Severin hatte noch ein komisches Gefühl, als ich von der Kiespiste, breit und voller Schlaglöcher, auf eine kleine Betonspur abbiege. Aber das ist die angegebene Route. Wenig später stehen wir auf der trockenen Seite einer hoch aufragenden Staumauer und hoffen dass sie hält. Weiter weist uns das GPS den Weg über eine kleine Stahlleiter, die zum oberen Ende der Mauer führt, nämlich dorthin wo wir ein paar Minuten später über die Piste auch hin kommen…

Weiter geht es über die Staumauer und dann dem See (Lacul Oasa) entlang, bevor wir weiter an Höhe gewinnen. Der Grossteil der Strecke ist nun nur noch Schotter. Und auch wenn hin und wieder ein Stück Asphalt auftaucht, wirklich entspannen kann man da dank dauernd drohender Schlaglöcher der heftigen Sorte auch nicht. Auch hier ist es sehr empfehlenswert stehend zu fahren, will man in einem angenehmen Tempo fahren und keine Kaffeekränzchen halten.

Wir fühlen uns so richtig wohl auf diesen Kiespisten. Es ist ja auch erheiternd, wenn man die hin und wieder vor einem auftauchenden grossen, aber äussert langsam dahin kriechenden Geländewagen spielend hinter sich lassen kann. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit, inklusive Pausen, Einkauf und Tanken liegt zwar „nur“ bei ca. 40 km/h, aber auf den Kiesstrecken, die permanent mit Bodenwellen, Auswaschungen, Pfützen und anderen Überraschungen aufwarten, sind Autos meist höchstens mit Schritttempo unterwegs, wollen Sie keinen Rahmenbruch riskieren.

Je tiefer wir auf der Südseite kommen, desto heisser wird es und desto häufiger sehen wir Camper. An der T-Kreuzung in Obarsia Lotrului angekommen fragen wir uns, ob wir es mit der aktuellen Tankfüllung noch bis Berzoi schaffen, oder doch besser knapp einen Drittel dieser Distanz nach Petrosani fahren sollen. Wir entscheiden uns für Petrosani. Eine gute Wahl, denn die Strecke dahin präsentiert sich für uns als wahre Kies-Rennstrecke. Rauf und runter geht’s, immer wieder können wir langsame Autos stehen lassen und wir freuen uns an den reichlichen Kurven. Die Strecke können wir wirklich empfehlen.

In Petrosani ist der Sonntag für die Geschäfte offenbar nicht wirklich ein Ruhetag. Wir können also neben dem Tank auch unsere Getränkespeicher und Nahrungsmittelvorräte ergänzen. Voller Vorfreude zucken unsere Gashände im Hinblick auf die Rückfahrt, denn wir wissen ja jetzt was auf uns zukommt. Ganze 30km voller Kurven, Kies und Fahrvergnügen sind uns gewiss. , um wieder auf unsere geplante Route zu kommen. Dieser Weg nach Petrosani ist zwar teilweise gepflastert, aber wie schon erwähnt, die Schlaglöcher sind auch da allgegenwärtig.

Wieder auf unserer Route setzen wir den Weg nach Berzoi fort und von dort weiter in Richtung Süden. Noch vor Berzoi ereilt mich dann das Schicksal. In einer Linkskurve, die ich etwas zu flüssig angefahren bin, muss ich verlangsamen, kann dadurch aber den Radius nicht halten. Mehrfach blockiere ich auf dem Teer-Kies-Gemisch das Vorderrad, vermag es leider nur n-1 von n mal zu lösen, verliere am Schluss aber das Vorderrad dennoch. Zur Kollision mit dem genau dort geparkten Fiat kommt es zum Glück nicht, aber ich schlage einen Purzelbaum die Böschung hinunter. Sofort sind ein paar der Camper zur Stelle und helfen mir die schwer bepackte Maschine wieder auf die Räder zu stellen und ich erreiche etwas später Severin, gerade als er zu wenden beginnt, um nachsehen zu kommen, ob es ein Problem gibt. Den abgeknickten Blinker kann ich mit etwas Gewebeklebband fixieren, aber der Kofferträger ist etwas verzogen. Aber darum kümmere ich mich später. Erst geht es nun weiter bis zum Lacul Lotru, wo wir ein Päuschen einlegen.

Schon kurz nach Berzoi geraten wir in einen übel langen Stau. Das wird bei der Hitze für Mensch und Maschine zur Belastungsprobe, und so beginnen wir wo immer möglich zu überholen und möglich ist vieles, wenn das Auge des Gesetzeshüter nicht gerade an un s haftet. Etwas weiter vorne sehen wir dann aber zum Glück gerade noch rechtzeitig einen Streifenwagen und lassen es mit dem Überholen mal für eine Weile sein. Irgendwann wird es uns dann aber zu bunt. Wir beschliessen kurzerhand etwas vorzeitig tanken zu gehen, um nachher ohne Polizeipräsenz wieder etwas schneller vorwärts zu kommen.

Wir sind nun in Ramnicu Valcea und damit definitiv wieder im Flachland, diesmal südlich der Karpaten. Woher wir das so genau wissen? Unsere Schweissdrüsen melden das auf ihre ganz eigene Art. Wir traversieren weiter nach Osten, um über die bekannte Transfagrasan-Strecke wieder in die Berge zu kommen. Severin ist bei den ersten Tropfen der festen Überzeugung, dass wir nun doch noch endlich so richtig verschifft werden, ja er richt es offenbar schon. Ich zweifle daran, bin auf Grund meines Wetterglücks eher der Meinung, die Wolken werden weiter nach Osten abgedrängt. Als ich eine Viertelstunde später im Rückspiegel sehe, dass sich Severin nun doch daran macht, den Regenschutz zu montieren, mache ich es ihm nach. Meiner ist ja noch jungfräulich und so darf er nun im grellst möglichen Leuchtgelb und mit den Reflektoren mit der nun tief stehenden Sonne wetteifern. Tiefstehende Sonne ? Kühlere Temperaturen? Fehlanzeige. Es ist halb sechs und Severin teilt mir die an einer Anzeige abgelesene Temperatur mit: 35°C.

Wir fahren nun wie erwartet auf nasser Strasse in Richtung Norden und geniessen die interessante Streckenführung hoch zum Lacul Vidraru. Auf dessen Staumauer wimmelt es nur so von Touristen. Einzig interessantes Detail ist der metallene Held à la Robocop mit Blitz in der Hand, welcher als grosse Statue über dem Elektrizitätswerk thront. Wir fahren nach wenigen Bildern gleich weiter, nun auf der Suche nach einem Nachtlager. Wir finden bald eines, kurz vor dem Eindunkeln. So wie es auf der Anhöhe steht und dem Alter nach geschätzt, muss es sich hier um eine ehemalige Absteige für Rumäniens Nomenklatura gehandelt haben. Die angegebenen 4 Sterne mögen für die Aussicht stimmen, alles andere im Haus könnte man mit sehr wohlwollenden 1-2 Sterne bewerten, man sehe sich die Bilder an. Das grillierte Schweinskotlett und die Pommes Frites sind zwar nur lauwarm, aber geschmacklich in Ordnung. Nach einem spannenden Thriller, auf dem erst auf Anfrage vor die Tür gestellten Fernseher, ist nun Lichterlöschen angesagt.

Tag 5: Montag, 25.08.2008
Wetter: sonnig und frisch

Nach dem fettigen Frühstückskaffee (es schwammen tatsächlich Fettaugen auf dem Morgenkaffee) geht’s direkt vom Parkplatz des Staatsbunkers auf Transfgarasan. Anfangs noch folgt die Strasse flach dem Stausee, aber immerhin dürfen wir in unaufhörlichen Kurven dem ebenso unaufhörlichen Flickteppich, welcher sich als Strasse tarnt, folgen. Kaum gerät der Stausee aus den Augen, beginnt der wahre Pass und die Strasse steigt auch gleich an. Vergleichbar mit einem langen und leeren Pass a la Klausen oder Susten brennt er sich in unser Gedächtnis. Die Kurvenradien und der magere Gegenverkehr erlauben heftiges Funkenschlagen unserer Stiefelschleifer und uns einen freudigen Adrenalinschub.

Unsere Endtöpfe böllern in die Alpenwelt hinaus, so dass die hin und wieder an der Strasse pausierenden Einheimischen ihre wahre Freude haben und uns zuwinken. Nach einem kurzen aber sicher sehr empfehlenswerten Halt noch auf der Südseite der Passhöhe gelangen wir an den auf der Nordseite liegenden Lagul Balea. Leider ist dieser etwas sehr vertouristisiert, weshalb wir nicht lange verweilen. Von hier oben aus sieht es doch tatsächlich nach schlechtem Wetter aus, als wir nach Norden ins Tal runter blicken. Sollten wir tatsächlich noch so richtig nass werden auf unserer Tour und sollen die Wetterfrösche doch noch recht behalten mit ihren äusserst reiseunfreundlichen, regenreichen Wetterprognosen? Kaum tauchen wir ins das vermeintliche Nebelmeer ein und glauben die ersten Regentropfen auf unsere Helme trommeln zu hören, reisst die Wolkenwand auf und es wird rundum schön und sonnig. Ausserdem wird’s auf Grund der tieferen Lage auch zunehmend heisser.

Da wir gehört haben, dass Sibiu ein Abstecher wert sein soll, biegen wir an der E68 nach Osten ab und donnern mit dem Verkehr nach Sibiu. Allerdings scheint es so, dass wir entweder das schöne der Stadt irgendwie verpasst haben, oder es gibt es schlicht nicht. Es ist aus unserer Sicht recht enttäuschend, weshalb wir nach dem Auffüllen aller Lebensmittelvorräte und der Motorradbäuche ziemlich schnell wieder auf dem Sattel sind. Das einzig Erwähnenswerte ist wohl die beinahe einzige KTM Vertretung in Rumänien, die wir am Ortsausgang gesehen haben.

Die Verbindungsstrecke von Sibiu in Richtung Brasov ist dann gespickt mit vielen Baustellen und viel Verkehr. Lustigerweise haben die Rumänen evtl. auf Grund finanzieller Engpässe Polizei-Auto-Attrappen am Strassenrand aufgestellt. Von Weiten ist es tatsächlich schwer festzustellen, ob es sich um echte Fahrzeuge handelt oder nur um Pappkartons.

In Ucea de Jos zweigen wir dann von der gut ausgebauten, dafür vor Verkehr strotzenden E68 ab und folgen einer kleineren Strecke nach Viktoria. Diese Strecke führt uns mehr oder weniger parallel, aber auf kleinen Strassen und durch kleine, noch unberührte Örtchen und über einige kleine Pässchen in Richtung Bran, zum eigentlichen Wahrzeichen Rumäniens, das Dracula-Schloss. Bei einem kleinen Zwischenstopp muss ich mich aber mal kurz erleichtern, was angesichts fehlender Toiletten zu einer interessanten Spitzenleistung führt. Ich muss nämlich in „Kampfmontur“ über einen Bach hechten, um ein ruhiges Plätzchen zu finden. Logischerweise schaffe ich dass nicht bevor Sevi seine Kamera in Position gebracht hat und das Ganze fotographisch festhält.

In Bran angekommen müssen wir leider feststellen, dass die Ortschaft sich zur blanken Katastrophe mutiert ist. Im Vergleich zu meinem Besuch 1999 ist es heute leider zu einer touristischen Abzockerei verkommen. Überall stehen blöde Souveniershops, in welchen den Touristen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Wir ergreifen daher schon nach einer kurzen Umrundung die Flucht nach Norden.
 
Von der DN73 kommend zweigen wir in Raznov nach Osten auf die Dj101h ab. Als wären wir in Hollywood ist hier die mächtige über der Ortschaft thronende Festung in grossen, weissen Lettern angeschrieben, was ein schönes Foto so ziemlich verunmöglicht, wenn auch die Ortschaft darunter noch so idyllische erscheinen mag. Die Abkürzung ist ein wahrer Leckerbissen was die Strassenführung betrifft. Kurve an Kuve reihen sich die Fahrgenüsse. Auch der Belag ist meist von guter Qualität und erlaubt teilweise auch mal richtig tiefe Kurvenlagen. Poiana Brasov, ein Wintersportort mit Golfresort stellt dann sozusagen die Passhöhe dar, von wo es wieder runter geht. Allerdings ist ein kurzer Halt auf der Abfahrt nach Brasov runter empfehlenswert, denn man kann eine weite Aussicht über die Stadt geniessen.

Ein gutes und auch sicheres Hotel findet sich dann idealerweise gleich im absoluten Zentrum der Altstadt. So können wir die Bikes getrost stehen lassen und die alte Stadtmauer und die Altstadt mit der schwarzen Kirche (heisst so, weil die Mauern auf Grund des mehrmaligen Abbrennens durch den Russ teilweise schwarz verfärbt wurden) bestaunen gehen. Ausserdem finden wir im Zentrum ein wahres Paradies für das Partyvolk und Nachtschwärmer.

Tag 6: Dienstag, 26.08.2008
Wetter: Sonnig, noch etwas frisch, es wärmt aber bald auf und wird wieder schwitzig

Ab heute geht es mehr oder weniger wieder auf den Rückweg. Allerdings fahren wir nun zuerst mal noch etwas in die Nordkarapaten, aber es ist Halbzeit unserer Ferien, auch wenn wir noch lange nicht alles gesehen haben, was z.B. die alte, aber sehr schön renovierte Stadt zu bieten hat. Unser zeitliches Ferienbudget lässt aber leider nicht mehr zu.

Wir verlassen Brasov in Richtung Norden. Schon kurz ausserhalb der Stadt machen wir einen Tanksstopp und kühlen uns auf Grund der bereits zu dieser morgendlichen Stunde heissen Temperaturen auch gleich noch mit einem Eis und einem eiskalten RedBull ab – unter dem Helm wird es dann schnell genug wieder heiss.

Das Wetter meint es auch heute sehr gut mit uns. Während wir die nicht gerade so schönen Aussenbezirke mit ihren altkommunistischen Plattenbau-Wohnblöcken durchfahren und die hässlichen Fassaden „bestaunen“, werden wir beinahe von der dicken, schweren, abgasgeschwängerten Luft vergiftet. Das erinnert uns dann schon fast wieder etwas an Lima, nur dass hier erstens die Autos besser sind und zweitens die Leute vor einem roten Lichtsignal halten, wo es denn solche hat.

Die E577 leitet uns dann definitiv auf Flachland hinaus. Es ist heiss und während wir durch die Ebene fahren brüten wir in der Hitze vor uns hin. Dasselbe gilt auch für die vielen Storche, welche es sich in den Dörfern auf diversen Hausdächern auf selbst gebauten Horsten gemütlich gemacht haben.

Unterwegs treffen wir vor einem kleinen Restaurant wieder auf die beiden Bündner vom Autozug, doch da wir beide etwas in „Zeitnot“ sind, bleibt es bei einem kurzen Gedanken- und Erfahrungsaustausch.

Da sich die geplante Strecke als ziemlich langweilig entpuppt und wir ja nicht zum Asphaltwälzen nach Rumänien gekommen sind, planen wir unsere Route kurzerhand um. Leider scheint das meiner KTM nicht wirklich zu gefallen, denn als wir wieder weiter wollen, streikt der Anlasser – die Batterie hat den kurzen Zwischenstopp offenbar nicht beherzigt. So bleibt Sevi nichts anderes übrig, als mich anzuschieben. Allerdings ist die Kompression nur allein mit „Laufgeschwindigkeit“ selbst im dritten Gang nicht zu überwinden. So müssen wir dann auf das etwas heiklere Anschiebeprozedere mittels Motorrad zurückgreifen. Sevi schiebt mich also mit beinahe ausgestrecktem Bein von seinem Bike aus und bringt mich so auf eine höhere Geschwindigkeit. Bevor ich einkupple bremst Sevi ab, um nicht etwa noch sein Knie zu „verhauen“. So funktioniert es dann.

In Busenica (Poiana Serata) zweigen wir von der grossen Strasse ab und folgen einem kleinen Waldsträsschen den waldigen Berg hinauf. Zum Glück ist es trocken, denn in der Strasse zeigen sich teilweise böse Auswaschungen im Dreck, die bei nasser Witterung bestimmt den einen oder anderen Absteiger verursachen könnten. Wegen einem der seltenen Holz-LKWs, die sich mühsam und quälend langsam über das viel zu enge Strässchen ins Tal drängt müssen wir einmal mächtig in den Sumpf ausweichen, weil auf der engen Strasse einfach nicht genug Platz ist. Glücklicherweise ist der Schlamm etwas angetrocknet und unsere TKC80 noch in guter Form.

Auf Kiesstrassen fahren wir dann mehr oder weniger parallel zur E577 nach Norden, erfreulicherweise haben wir hier eigentlich keinen Gegenverkehr und zudem ist es viel ruhiger und viel abwechslungsreicher.

Auf einer kleinen Lichtung machen wir Mittaghalt und freuen uns über die gefundene, interessante „Abkürzung“. Kilometermässig stimmt dies nämlich, nur zeitlich nicht. Besonders interessant finden wir dann unsere erste Entdeckung einer Erdölpumpe. Wie zu Wildwestzeiten hebt und senkt sich ein langer Hebel und erinnert mich stark an die Zeichnungen aus Lucky Luke. Noch viel interessanter ist allerdings der Fakt, dass es keine besonderen Wasserschutzeinrichtung gibt, welche das Öl davon abhalten könnten, das umliegende Gelände zu verseuchen. Die Bearbeiter dieser Pumpen werden sich wohl gedacht haben, dass es genügend viel Wald und Natur in der Nähe gäbe, dass auch die weiteren Pumpen, die sich danach am Rande des Waldweges noch finden, wohl kaum einen riesigen, negativen Einfluss haben könnten.

Auf der Abfahrt haben wir dann besonders an einer sehr steilen Stelle unsere wahre Freude. Wir sind echt froh, dass es nicht nass ist, denn bei Regen wäre es hier mehr als ungemütlich, rutschen wir doch selbst mit unseren Stollenpneus auf der trockenen Stelle mehr als dass wir fahren.

Aus dem Wald gelangen wir fast direkt in die Ortschaft Slanic Moldova. Dieser Ort scheint zumindest früher ein blühender Kurort gewesen zu sein. Inzwischen ist es wohl „nur noch“ ein Kurort. Viele Leute treffen wir auch nicht an, wobei das nichts heissen mag. Offenbar gibt es in diesem Ort grosse salinische Heilquellen. Wir überlassen diese aber den anderen Interessierten und fahren weiter das Tal hinab. Leider ist dieses aber ziemlich übel verbaut.

Auch die folgende Strecke von Targu Ocna entlang der DN12A nach Nordwesten bis Comanesti ist eher mit einer Italienischen Überlangstrasse zu vergleichen, denn mit den erwarteten rumänischen Schotterpisten. Sie ist neu ausgebaut und gibt Null Anlass für Reklamationen, sofern man eben nicht auf der Suche nach schönen Kiesstrecken ist.

Kurz nach Moinesti zweigen wir auf unserer Suche nach etwas mehr Abwechslung von der Hauptstrasse ab und folgen einer kleineren Strasse. Wir tanken vorsichtshalber nochmals auf
Wir folgen der anfangs noch guten Betonpiste, doch bald schon wird diese immer schlechter und wechselt dann bald auf Schotter, was uns sehr entgegen kommt.

Trotz eines Fahrverbotes, das offenbar wegen der dort viel zu findenden Ölvorkommen und deren Förderung besteht, folgen wir weiter der Strecke, schliesslich sprechen und lesen wir äusserst schlecht Rumänisch. So bleibt uns der wahre Inhalt der Verbotsschilder, zumindest im Falle, dass wir von einer Patroullie angehalten würden, absolut verborgen.

Auf kaputtem Kopfsteinpflaster geniessen wir eine wahre Serpentinen-Orgie, die uns andauernd an weitere Ölpumpen führt. Leider hat es auf dieser Hügelkette aber derart viele Wege, die nicht auf der Karte oder GPS vermerkt sind, dass wir bald nur noch nach Gefühl fahren (müssen). Irgendwann stossen wir auf einen alten Bauarbeiterwohnanhänger mitten im Wald, der doch tatsächlich noch bewohnt ist. Mit einem Gemisch aus südamerikanischem Spanisch und Handzeichen verständigen wir uns mit dem nur Rumänisch sprechenden Ölarbeiter, was interessanterweise ziemlich gut funktioniert. So meistern wir anhand seiner guten Beschreibung den restlichen Weg problemlos. Weiter unten im Tal folgt die Kies- und Dreckstrecke dann mehrheitlich einem vor sich hin gurgelnden Fluss. Zunehmend können wir hier das Tempo steigern, so dass wir am Ende das Gefühl haben, auf einer Hochgeschwindigkeitspiste gelandet zu sein.

Bei Borlesti geniessen wir dass eine wirklich herrliche Aussicht über die Hügel. Leider werden unsere Erinnerungen kurz darauf in Piatra Neamt fast ausgelöscht. Diese Ortschaft ist echt hässlich wie die Nacht schwarz.

In Bicaz machen wir einen kurzen Tankhalt am Eingang der Ortschaft. Auf der anderen Seite der Ortschaft finden wir ein Hotel, das von aussen ganz ansprechend aussieht. Leider bestätigt sich das nicht, wenn man sich ins Hotel hinein wagt, weshalb wir uns für die Weiterfahrt entscheiden.

Entlang eines schönen Sees geht es in einem wahren Kurvenfestival weiter, so dass wir gar nicht wirklich traurig sind, dass unsere Tagesetappe noch nicht zu Ende ist. Aber Achtung, plötzlich kann im noch so schönen Asphalt auch mal eine haarige Bodenwelle auftauchen, die vor allem bei gutem Wetter kaum zu sehen ist und einen fast aus dem Sattel hebt. Daher ist vor allem bei schnelleren Tempi immer höchste Konzentration gefordert.

Die Sonne scheint herrlich über die Gebirgskämme, die vor und neben uns in der Ferne zu bestaunen sind. Während wir also so gemütlich die Stimmung auf uns wirken lassen, folgt die Strasse mit leichtem Gefälle einem Abhang, ein ideales Fotogebiet. Sevi scheint das auch gesehen zu haben und fährt bei der nächst besten Gelegenheit raus und erklimmt eine kleine Wiese, wo gerade jemand am Grillen ist. Es stellt sich heraus, dass wir genau an einer guten Pension angehalten haben. Eine kurze Abklärung später sind wir für eine Nacht stolze Besetzter einer kleinen Hütte mit fantastischer Aussicht über einen grossen See und die dahinter liegenden Berge.

Die beiden einheimischen Pärchen, welche sich hier ebenfalls als Gäste niedergelassen haben, sind auf „Heimaturlaub“. Sie arbeiten normalerweise in Spanien. Sie laden uns spontan zum Essen ein. Wir bringen allerdings alles, was unsere Tankrucksäcke zu bieten haben mit an den Tisch und so schlemmen wir bei herrlichstem Wetter und lustiger Unterhaltung in Rumänisch-Spanisch-Englisch-Deutsch-Handzeichen-Kauderwelsch bis spät in die Nacht hinein. Irgendwann wird es dann aber zu frisch und wir verkriechen uns in unsere gemütlichen Hütten.

Tag 7: Mittwoch, 27.08.2008
Wetter: Hochnebeldecke. Immer schöner, bis sehr schwitzig

Heute Morgen scheint Petrus nicht gerade gute Laune zu haben, es ist neblig und dunstig und so lassen wir uns Zeit mit aufstehen. Als wir dann irgendwann trotzdem aufbrechen, reisst plötzlich die Wolkendecke auf und noch bevor wir auf unseren Bikes Platz nehmen können, ist es bereits wieder derart heiss, dass wir zu schwitzen beginnen. Auch der Asphalt kommt schnell in Wallungen und so versinken unsere Bikes bzw. vorerst nur deren Ständer langsam aber sicher in der dünnen Asphaltdecke. Gut dass wir kein Zelt dabei haben, denn so sind wir beim Bepacken viel schneller.

Wir folgen der Strasse dem See entlang und erwarten nach der jeweils nächsten Kurve auf die grosse Schlucht zu treffen, die wir eigentlich besuchen wollten. Doch irgendwie scheinen wir diese verpasst zu haben, denn sie taucht nie auf.

Die Strasse an sich hat sich inzwischen in eine normale, eher kurvenarme Strecke verwandelt und ist keineswegs mehr speziell. Wir zweigen deshalb kurz vor Brosteni auf eine kleine Alternativroute ab, in der Hoffung auf etwas mehr Kies und Dreck. Eigentlich dachten wir, dass wir das hier in Rumänien überall finden würden, aber das ist definitiv ein Irrglaube! Die Strecke der Dj174e führt uns zuerst südlich dann westlich einem Flüsschen entlang. Plötzlich sind wir wieder allein. Kieselsteine prallen an unseren Motorschutzblechen ab und wir fahren möglichst parallel neben einander, um dem aufgewirbelten Staub des jeweils anderen so gut wie möglich auszuweichen. Sobald es in waldiges Gebiet geht, bekommen wir dann auch noch unsere erste richtige Schlammpackung ab. Wofür andere ein Heidengeld ausgeben erhalten wir hier gratis, wenn auch evtl. mit gewissen Nebenwirkungen. Auf den ewignassen Holzfällerwegen ist es rutschig und der braune Schlamm spritzt so richtig schön die Bikes zu. Ob das allerdings auf deren Schönheit einen positiven Einfluss hat, mag ich zu bezweifeln. Schon nach kurzer Zeit ist es schlicht unmöglich unsere Nummernschilder nur Ansatzweise zu entziffern. Genau so gefällt uns das. Was vor allem Sevi weniger gefällt ist dann der Moment, als sich sein Vorderrad bei einer tieferen Wasserpfütze verselbstständigt und von der doch so wichtigen Bodenhaftung verabschiedet. Glück im Unglück, er hat es irgendwie erwartet und konnte zuvor seine Geschwindigkeit stark drosseln und fuhr so kaum noch mit Schritttempo. Da Schlamm weich abfedert und sonst nichts passiert ist, ist das Bike auch rasch wieder auf den Rädern und bei einem neuen Durchfahrversuch gelingt alles ohne Absteiger.

Über ausgewaschene Holzfällerwege geht es weiter bis nach Vatra Dornei. Nach der kleinen Passüberfahrt, welche uns oben mit einer schönen Strecke über staubigen Kalkstein belohnt. Als Sevi mal wieder ein schönes Fotomotiv gefunden zu haben glaubt und etwas zurück bleibt, fahre ich auf eine Pfütze zu, die man auf Grund eines in die Strasse hineinragenden Baumstammes nicht umfahren kann. So halte ich dann also voll drauf zu. Blöderweise steht kurz dahinter in einem Busch gut getarnt eine grosse Kuh, die mich etwas aus dem Konzept bringt. So mache ich dann einen kleinen Ausflug ins Grüne, wobei ich das Bike und mich selbst allerdings gut auffangen kann und so keine nähere Bekanntschaft mit dem feuchten, grasigen Grund machen muss. Einmal mehr eine Warnung immer voll auf alles in der nächsten Umgebung zu achten, auch wenn alles ruhig erscheint, kann sich hinter dem nächsten Busch eine böse Überraschung verbergen.

Bald schieben wir derart Kohldampf, dass wir das erstbeste Ladenlokal in Vatra Dornei ansteuern und uns mal wieder mit feinen Konditoreiprodukten den Magen voll schlagen. Danach füllen wir auch noch unsere Lebensmittel- und Wasservorräte auf.

Inzwischen ist es ziemlich warm und wir bevorzugen eine etwas weniger anstrengende Strecke. Wir fahren also weiter der E576 dem Tal entlang in Richtung Viseu de Sus. Schon nach kurzem allerdings haben wir genug von der langweiligen normalen Strasse und so machen wir nach Carlibaba, bei der Ortschaft Rotunda eine kleine Pause an einem kleinen Flüsschen. Da wir bisher kaum grössere Gewässer durchfahren mussten bzw. durften, macht Sevi extra für eine Fotosession eine kleine Durchfahrt durch das kleine Flüsschen. Da das Motorrad dann aber doch etwas schwerer ist, als gedacht bzw. der Boden leichter nachgibt, als erwartet, wird die kleine Funeinlage dann zu einem Test, wieviel Kies und Schlamm der TKC80 wegschaufeln kann und wieviel Vorschub er auch in weichem Untergrund erzeugen kann. Gücklicherweise soviel, dass ich nicht eingreifen muss.

Nach der Pause geht es kaum 200 m weiter der Strasse entlang nach links bzw. Süden auf über eine kleine Brücke in Richtung Pasul Rotundo. Auf Kiesstrecken heizen wir den Berg hinauf und wir fühlen uns mal wieder richtig pudelwohl. Wir ziehen dicke Staubfahnen hinter uns her und erfreuen uns daran, richtig frei zu sein. Gute eineinhalb Stunden geniessen wir die Abgeschiedenheit, gondeln von der einen auf die andere Strassenseite immer auf der Suche nach dem idealen Weg zwischen all den Bodenwellen, Auswaschungen und Schlaglöchern hindurch, bevor wir wieder in stärker bewohntes Gebiet kommen. Nach Nasaud biegen wir bei Salva nach Süden ab.

In Chiuza, gute 12 km nach Salva, folgen wir der Dj170a. Wieder suchen wir eine Alternativ-Route über die Hügel, denn die gefallen uns um einiges besser, als die meist stärker befahrenen Talstrecken.

Leider versagt hier nun aber sämtliches Kartenmaterial und wir bleiben auf einem Feldweg stecken. Weiter geht es einfach nicht. Als wir umkehren, kommt uns ein Bauer entgegen. Er winkt uns mit unwirschem Gesicht zu sich heran, als wollte er uns an den Ohren nehmen und eine Standpauke halten. Ich überlege zuerst gar noch, ob ich einfach an ihm vorbei düsen soll, halte dann aber im Vertrauen auf meine Grösse und meine breite Statur (Textiljacke bzw. Protektoren sei Dank) trotzdem an.

Er will wissen, was wir hier wollen und wir machen ihm klar, dass wir eigentlich nur den direktesten Weg nach Baia Mare gesucht hätten. „Baia Mare“ versteht er. Sein Gesicht hellt sich auf und sofort beginnt er uns auf Rumänisch vollzuquaseln. Wir wissen gar nicht wie uns geschieht, und versuchen vom nuschelnden Bauern soviel Infos wie möglich zu verstehen.

Ausser „Padure“ (Wald) und Baja Mare (der Ortschaftsname), Begriffe, die wir inzwischen deuten können, verstehen wir aber nicht allzu viel. Dank Sevis Spanischkenntnissen sowie unserer ausgezeichneten Interpretationsfähigkeiten im Deuten seines wilden Rumgestikulierens wissen wir zu guter Letzt so mehr oder weniger wo es durch geht.

Wir folgen dem schmalen Kiesweg, der uns weg vom Dorf hinauf in Richtung Wald führt. Ab da wird es teilweise ziemlich anspruchsvoll. Wir sind einmal mehr froh, dass wir einen guten Draht zu Petrus haben, denn gewisse Teilstrecken wären bei nassem Untergrund kaum befahrbar, auf jeden Fall nicht mit unseren schweren Maschinen.

Als wir endlich auf der „Passhöhe“ ankommen, präsentiert sich uns eine fantastische Aussicht. Ein Weg ist kaum mehr auszumachen, mehr als eine leicht dunklere Grasnarbe, anhand der wir einen Weg erahnen und der wir folgen könnten, gibt es nicht. Dafür wirkt die Gegend mehr als verlassen. Wir kommen uns vor, als befänden wir uns im Mittelalter.

Leider drängt die Zeit, schliesslich wollen wir noch bis Baja Mare und je nach Strassenverhältnissen kann das noch dauern. Die Abfahrt ins Tal führt teilweise über stark ausgewaschene Spurwege, was vor allem mit schweren Motorrädern auch schon mal etwas anspruchsvoll werden kann. Aber was Büffelwagen fertig bringen, auf solche treffen wir während unserer Weiterfahrt, das schaffen auch wir.

Bauern schuften auf ihren Feldern und winken uns zu, als wir langsam an ihnen vorüber fahren. Als wir wieder im Tal ankommen, folgen wir der einzigen Strasse, die es dort gibt. Die Leute, aber auch die Strassen und Häuser kommen uns teilweise vor, wie in Peru. Die Strassen sind aus Kies, selten aus Asphalt, dann aber mit vielen Schlaglöchern. Hühner rennen um die Häuser und mehr als einmal gibt es beinahe Hühnersuppe zum Nachtessen, weil sich das Federvieh zu spät von der Strasse macht.

Über Suciu de Sus geht es nach Westen in Richtung Rogoz. Nun beginnt ein Speed Race gegen die Uhr, denn wir wollen unbedingt vor der Dunkelheit in Baja Mare sein. Selbstverständlich kann es Sevi selbst unter diesen Umständen nicht lassen, hin und wieder ein Foto dieser super Gegend zu schiessen.

Als die Sonne gerade untergegangen ist und es merklich abkühlt, tauchen hinter dem nächsten Hügel die Lichter der Stadt auf und wir können unser Tempo merklich senken. Etwas gemütlicher gondeln wir durch die in nächtlicher Stimmung nicht besonders attraktive Stadt und halten dabei immer Ausschau nach einer geeigneten Unterkunft. Im Zentrum treffen wir auf ein sehr angenehm aussehendes Gasthaus, wohl so ca. das Beste am Platz. Obwohl die Preise nicht gerade an Rumänien erinnern, machen wir keine langen Diskussionen, sondern nehmen ein gutes Zimmer. Die Bikes werden einfach neben dem Eingang platziert.

Nach einer fantastisch schmeckenden Pizza und jeweils einem grossen Volumen Cola lassen wir den Tag ausklingen.

Tag 8: Donnerstag 28.8.2008
Bevor wir uns wieder auf die Sättel schwingen, besorgen wir uns auf dem lokalen Gemüsemarkt noch eine grosse Menge scharfer Paprikas und Gogosar. Die werden dann zu Hause für ein „Nachzucht“-Programm verwendet, auf dass wir in Zukunft mit scharfer Ware gut versorgt sein werden.

In Richtung Westen verlassen wir Baja Mare und folgen der E58 nach Westen. Wie gewohnt scheint auch heute die Sonne und es wird innert Kürze ziemlich warm. Die Gegend ist sehr flach und wir nähern uns in riesigen Schritten der Grenze zu Ungarn. Etwa 12 Kilometer nach Satu Mare verlassen wir Rumänien über einen kleinen Zoll bei Csenger, welches nördlich von Debrecen liegt. Wir wollen die öde Flachlandebene möglichst umfahren, denn einfach Autobahn blochen, können wir auch anderswo.

Zuerst folgen wir der 49, dann ab Vaja der 41. Bis nach Miskolc ändert sich nicht viel. Es ist flach, heiss und trocken. Aber immerhin bleibt uns die Autobahn erspart. Indem wir uns immer auf Nebenstrassen bewegen, kommen wir beinahe besser voran, als auf der Autobahn, und etwas abwechslungsreicher ist es auch.

Ein Leckerbissen ist dann aber die Strecke zwischen Miskolc und Eger durch den Bükki Nemzeti Park. Eine Kurvensensation, die ihresgleichen sucht! Wir kommen kaum zum Geniessen der Natur, so müssen wir uns auf die meist sehr kurz aufeinander folgenden Wenden achten, um ja keinen Bremspunkt zu verpassen.  

Doch das war es nicht etwa schon, nein. Wir folgen der Strasse Nr. 24, welche über Matrahaza nach Gyöngyös führt. Eine wahre Trainingsstrecke für Tieflagenfanatiker. Das erkennen wir spätestens, als wir im Parallelflug um eine langgezogene Linkskurve flitzen und auf dem dort liegenden Parkplatz eine ganze Herde Supersportlerfahrer schnellst möglich ihre Helme montieren, um uns zu zeigen, wer hier der Platzhirsch ist. Allerdings werden die Herren schnell merken, dass gegen uns mit unseren rund 2000km Fahrerfahrung innerhalb der letzten sieben Tage sowie dem ausgezeichneten Leistungsgewicht unserer KTMs auch ein Supersportler (Fahrer) seine Mühe bekundet. Auf jeden Fall sehen wir die Bikes nicht mehr bis wir auf der Passhöhe angekommen sind. Allerdings haben wir auch anderes zu tun, als andauernd in den Rückspiegel zu glotzen, nur um evtl. festzustellen, dass sich da jemand anzuschleichen versucht.

So heizen wir mit den Titanbelegten Endurostiefeln am Boden schleifend, funkensprühend und Angsträndervernichtend um die Kurven, geniessen jede noch so kleine Biegung, um unseren Enduropneus das Strassenleben so aufregend wie möglich zu gestalten, indem wir ihnen das Letzte abverlangen und lassen dabei die Gegend so an uns vorbei sausen.

Von der Passhöhe aus machen wir auf der Suche nach einer Unterkunft noch einen kleinen Abstecher auf den kleinen Aussichtpunkt „Kekesteto“, schliesslich lassen sich so auch noch einige Kurven dazu geniessen. Allerdings spricht uns die Unterkunft so überhaupt nicht an, dass wir es etwas weiter unten bei einem anderen Hotel nochmals probieren.

Als wir wieder auf die „Rennstrecke“ Matrahaza – Gyöngyös gelangen, treffen wir erneut auf die Rennergemeinde, welche sich wohl gewundert hat, wo wir abgeblieben sind. Nun machen sie sich erneut in beinahe rekordverdächtiger Zeit Startklar, um sodann wie Vollkranke völlig blind in Rechtskurven an uns vorbei zu düsen, wohl etwas deprimiert, dass wir sie auch noch höfflich vorbei winken und dabei Platz machen. So ein Mist, jetzt vermiesen wir denen auch noch ihr hochriskantes Überholmanöver indem wir gar nicht gegen sie „antreten“.

Im Hotel Ozon finden wir mal wieder einen alten Kommunistenbunker, der uns für die letzte Nacht in den „Bergen“ als Herberge dienen soll.

Tag 9/10: Freitag 29.8.2008
Auch heute, wie könnte es anders sein, scheint die Sonne schon früh morgens auf unsere verdreckten Bikes und es macht nicht den Anschein, als würde sich die Situation so schnell ändern.

So verlassen wir die Unterkunft erst relativ spät und geniessen dafür noch etwas die Sonne. Es steht heute auch nicht mehr so viel auf dem Programm. Wir folgen der Strasse etwas zurück und zweigen dann nach Westen in Richtung Paszto ab. Die Strecke führt heute glücklicherweise wiederum viel durch Wald, was uns vor allem wegen der dortigen Kühle sehr behagt. Ausserdem gibt es wieder so einiges an Kurven zu geniessen. Zwischendurch eröffnen sich wunderschöne Aussichten auf die nahe liegende Tiefebene Ungarns. Die Sonne brennt und wir sind jedes Mal wieder froh, wenn wir wieder unter das kühle Blätterdach eintauchen können. Anderer Verkehr ist beinahe inexistent, was für uns den Genuss verdoppelt.

Kurve um Kurve zieht unter uns vorbei. Teilweise sind die Kurven ziemlich schlecht einsehbar und trotz des kaum wahrnehmbaren Gegenverkehrs gehen wir keine Risiken ein, schliesslich macht man einen groben Fehler nur einmal. Intensives Grün, weit in die Strasse reichende Buschäste und unzählig viele Kurven sind die Erinnerungen, welche ich nach der Tour der letzten zwei Tage in der Zukunft mit der Strecke zwischen Miskolc, Matrahaza und Paszto in Verbindung bringen werde.

Da wir heute allerdings noch an den Hungaroring wollen, folgen wir ab dort der 21 nach Süden. Nun wird es wieder so drückend heiss, wie wir das von der Hinfahrt schon kennen. Doch da wir diesmal nicht auf die Autobahn sind, nutzen wir die Gelegenheit und halten in einem kleinen Ort und genehmigen uns je einen grossen Eisbecher und viel Kühlem zum trinken. So lassen wir die heisseste Zeit des Tages an uns vorbei ziehen und lassen dabei genüsslich frisches Eis auf der Zunge zergehen.

Wer sich übrigens für Geschichte interessiert kommt nun nicht umhin, den bekannten Palast des Kaisers von Österreich-Ungarn in Gödöllö zu besuchen. Wer es mehr mit Motorsport hat, der muss nicht viel weiter fahren, um sich am Hungaroring den massigen Sound von Ferraris oder hochdrehenden Porschemotoren anzuhören und ggf. anzusehen.

Nach einer gemütlichen Nachmittagspause am Hungaroring, bei welcher wir einem Ferrariclub beim Verdunsten von Vermögenswerten zuschauen konnten, machen wir uns auf in Richtung Budapest. Wer Zeit hat, sollte es sich nicht entgehen lassen und dieser wirklich sehr schönen Stadt einen Besuch abstatten. Übernachtungen lasen sich per Internet auch noch kurzfristig relativ günstig von einem Internet-Cafe buchen, wobei man dann auch noch wirklich gute Hotels zu Schnäppchenpreisen bekommen kann.

Nach einem Abend voller neuer Eindrücke und einem Tag gemütlichen Stadtbummelns zieht es uns weiter in Richtung Heimat, schliesslich wartet ja der Nachtzug für die Rückfahrt auf uns. Doch die gut 250 Kilometer nach Wien zum Auto- bzw. Moto-Verlad spulen wir dann am späteren Nachmittag bzw. Vorabend zwar an einem Stück, aber nicht ganz ohne Komplikationen ab. Nach einem Tankstopp gelingt es Nick plötzlich nicht mehr den ersten und zweiten Gang einzulegen. Da ich schon abgefahren bin, folgt er mir und rollt mit schleiffender Kupplung im dritten Gang an. Das Problem lässt sich dann leider nicht so schnell aus dem Weg schaffen. zu einem späteren Zeitpunkt, schon in Österreich klappert und rumort es im Getriebe und nach einem kurzen Halt, um nachzusehen, ob wir selbst Hand anlegen können oder nicht, lässt sich der erste und zweien Gang wieder reinschalten, dafür sind alle oberen Gänge weg. So eine Sch.. aber auch!!! Auf dem Pannenstreifen stehend diskutieren wir, wie wir weiter vorgehen sollen. Immerhin wäre unser nächster Termin der Autozug in Wien noch diesen Abend. So entschliessen wir uns trotz mühsamer Art, im ersten und zweiten Gang entlang der Autobahn auf dem Pannenstreifen weiter zu hottern. Ein Glück, dass wir viel Reserve eingeplant haben. Mit viel Glück erreichen wir eine Stunde vor Abfahrt des Autozugs Wien und verladen das mühsame Vehikel. Langsam aber sicher habe ich einen richtigen Koller auf KTM. Nicht nur das meine Kati immer mal wieder aufbegehrt, jetzt fängt Nicks auch noch an... Immerhin, wir sind auf dem Zug. Morgen werden wir weiter sehen.

Am nächsten Morgen schaffen wir es gerade noch bis über die Grenze in die schweiz, wo wir Nicks KTM vom TCS abholen lassen und auf meiner nach Hause fahren. So haben wir uns die Reise zwar nicht vorgestellt, aber immerhin haben wir etwas lustiges (wenigstens zum Teil) zu erzählen. Wie sich herausstellt, hat Nicks KTM einen Motoren- und Getriebeschaden eingefahren. Da dies aber nicht sein Fehler war, übernimmt KTM fast die ganzen die Kosten. Es scheint, als würden in Bezug auf Abenteuer-Ausfahrten KTMs Werbung nicht mit dem übereinstimmen, was man danach tatsächlich er"fährt" mit den Österreichischen Zweirädern.

Eins aber ist dennoch sicher, in Rumänien gelten bis heute andere Verkehrsregeln als bei uns – wie lange noch, das bleibt abzuwarten, denn dieses Land befindet sich im Umbruch und es dauert vielleicht nicht mehr lange, bis man bis in die Ukraine fahren muss, um das wahre Abenteuer zu finden. Wir hatten zwar unseren Spass, aber auch wir fanden nicht mehr das so oft dargestellt ursprüngliche und unberührte Rumänien. Nichts desto trotz können wir Rumänien als Motorradland zur Zeit nur empfehlen.