Rauchzeichen aus Kroatien

Tag 1 - VOM REGEN GEPEITSCHT
Bülach – Zürich – Chiasso – Mailand – Triest – Rijeka – Dramalj bei Crikvenika


Pünktlich bzw. mit rund 5 Minuten Verspätung treffe ich Severin wie verabredet bei der Tankstelle in Bülach. Wir koppeln die Gegensprechanlage und los geht’s. Sevi hat das Tagesziel in Kroatien im Navi gespeichert, aber bis etwa Venedig weiss ich den Weg auch; und auf den Autobahnen hat es ja auch noch den einen oder anderen Hinweis. In Chiasso nutzen wir nochmals den tieferen Benzinpreis im Vergleich zur italienischen Abzocke – CHF 1.86 in Chiasso vs. EUR 1.69 nach der Grenze…
Leider beginnt es hier in Chiasso etwas mehr zu tröpfeln, als es uns seit dem Gotthard begleitet. Noch aber schrecken wir von der Montage der Regenausrüstung zurück, nach Mailand hin sieht es immerhin auch etwas heller aus. Wir interpretieren das als durchdrückenden Sonnenschein. Mann, wie lagen wir daneben…
Bald geht das Tröpfeln in stetigen, mal stärkeren, mal schwächeren Dauerregen über. Auf Höhe des Gardasees entschliessen wir uns während einer kurzen Trinkpause nun doch das leuchtgelbe Regenkombi unseres Lieblingsausrüsters IXS zu montieren. Doch oh weh, Sevi zieht bei einer Grösse von 1.92m ein Kombi mit der Grösse S aus der Tasche... Sorry liebe Sozia, solltest Du jetzt selbst Dein Kombi benötigen wirst Du in Sevi‘s XL Version ordentlich schwimmen, denn blöderweise hat Sevi doch tatsächlich das falsche Teil aus dem Kasten gezogen. Da bleibt ihm nichts anderes übrig und er fährt also nass weiter. Ich leihe ihm zur minimalen Verbesserung der Sichtbarkeit, inzwischen drängen sich am Himmel dunkelschwarze Regenwolke, wenigstens meine gelbe Leuchtweste. Und wir beschliessen, uns im Raum Triest nach einem Ausstatter umzusehen, damit Sevi doch noch eine Schutzhülle kriegt, da  ihm wohl  ansonsten bald schon Schwimmhäute wachsen würden.
Triest im Regen gibt leider nicht so viel her, wie das an einem sonnigen Frühlingstag sein könnte. Nach einer ersten Runde durch die Stadt auf der Suche nach der Via Valmaura – der Kassier an einer Tankstelle hat uns angegeben, dort wäre mit Moto Charli ein grösserer Ausrüster – stossen wir per Zufall auf ein kleines Geschäft nahe des Stadtzentrums. Bei MotoSprint wird Sevi dann in der Tat innert 10 Minuten fündig und ist nun stolzer Besitzer eines neuen, offenbar gut dichtenden Zweiteilers. Einziges Manko: die Farbe – Schwarz. Also bleibt meine Weste weiterhin bei Ihm im Einsatz.
Wir machen uns auf den Weg, um die letzten 150 km des heutigen Tages auch noch hinter uns zu bringen. Nun geht es aber endlich nicht mehr langweilig auf der Autobahn gerade aus, sondern zuerst auf gut ausgebauten Überlandstrassen durch Slowenien, das wir innert etwa einer Viertelstunde durchqueren. Kaum in Kroatien werden die Strassen dann schmaler. Es ist so schon lustig hier zu fahren, was für ein Traum  wäre es aber auf trockenen Belägen.
Nun gut, es ist unsere Angewohnheit, die Hoffnung nicht gleich nach den ersten 12 Stunden Regenfahrt zu verlieren. Wir erreichen Rijeka, und erhaschen die ersten Blicke auf Kroatiens Adriaküste. Sieht auch bei Regen toll aus, das muss man voller Neid zugestehen. Dann geht es nochmals etwas ins Hinterland, um die Halbinsel Istrien abzukürzen. Gegen halb Sieben, also nach rund 11 Stunden Reisezeit, erreichen wir bei nachlassendem Regen Damalj und unsere Unterkunft, die Casa Bianca. Die Vermieterin des Apartements hat zum Glück die Raumheizung in weiser Voraussicht auf hoher Stufe laufen lassen, sodass unsere durchgenässten Ausrüstungen schnell wieder trocknen.
Das Nachtessen fällt sparsam aus, wir beide verspüren wenig Lust uns nochmals in die Nässe hinaus zu begeben. Sevi hat zum Glück noch Brot und Fleisch und ich noch einiges an Getränken dabei, sodass wir uns grössere Exkursionen schenken können.

Tag 2 - VON DER SONNE VERSÖHNT
Krk


Am morgen früh ist der Himmel immer noch wolkenverhangen und es regnet immer noch leicht. Der Wetterbericht gibt aber Pula auf Istrien und der Insel Krk gute Chancen auf eine Wetterbesserung im Laufe des Tages. Das wollen wir nutzen und machen uns auf den Weg nach Krk.
Wir erreichen die spektakuläre Doppelbrücke vom Festland auf die Insel nach rund einer Viertelstunde Fahrt und dürfen sie nach entrichten einer moderaten Gebühr auch überqueren. Die Landschaft macht einen windgepeitschten Eindruck, grössere Bäume sieht man kaum, die Vegetation besteht im Wesentlichen aus maximal mannshohen Büschen. Sevi findet nach wenigen Kilometern eine unscheinbare Abzweigung auf eine kleine Nebenstrasse und kurz darauf auf eine noch kleinere unbefestigte Piste. Voll verschärft – aber rutschig, naja, irgendwie ja logisch, wir haben ja aufgrund der grossen Autobahnetappen auf Stollenreifen verzichtet und einen Strassengummi, zwar mit möglichst viel Negativ-Profil, aber immer noch ein Strassenreifen, aufgezogen.
Nach ein paar Kilometern kommen wir wieder auf die kleine Nebenstrasse zurück. Ein kleines Stück weiter erreichen wir den Endpunkt dieser Sackgasse auf dem Parkplatz der zur Höhle Biserujka gehört. Wir möchten die Höhle besuchen, stören aber offenbar die ausgedehnte Pause der zwei hauptberuflichen Pausiererinnen. Obwohl wir bei weitem die einzigen Besucher sind, heisst man uns eine Viertelstunde auf die von der einen der beiden geführte Tour zu warten.
Die Besichtigung der Höhle ist sehenswert, wer aber schon mal ein paar Tage im Nidelloch (Weissenstein, SO) oder dem Hölloch im Muotatal zugebracht hat, ja, wer nur mal durch die Beatushöhlen im Berner Oberland oder die Höllgrotten in Baar spaziert ist, hat bereits ein Mehrfaches an Höhlenvielfalt gesehen. Nach Information der Höhlenführerin gibt es in Jugoslaviens Landschaft rund bekannte 14‘000 Höhlensysteme, nur etwa 20 davon sind für das Publikum zugänglich. Netterweise dankt man mir dann sogar noch, dass ich mich an das Verbot von Blitzlicht beim Fotografieren halte.
Es tröpfelt zwar immer noch leicht als wir uns wieder auf den Weg machen wollen, aber zu wenig, als dass es sich lohnen würde, das Regenkombi zu montieren. Unsere Route führt uns weiter über Cizici, Soline. Eigentlich wollen wir zwischen hier und Silo die Freuden unbefestigter Strassen erkunden. Der Spass findet aber an den Verbotsschildern, die jede der möglichen Zufahrten ziert, ein schnelles Ende. Also geht es auf nassem Teer weiter über Hlapa, Gostiniac und Risika nach Vrbnik. Hier haben wir Glück, dass es sowohl einen Bankomaten, eine Bäckerei sowie einen kleinen Kramladen im Umkreis von 50 m von unserem Parkplatz unter der alten Linde gibt. Auf den Kaffee, für den wir gestoppt haben verzichten wir, nachdem wir das Lokal kurz betreten, aufgrund des dichten, fast schneidbaren Zigarettenqualms jedoch umgehend wieder verlassen haben.
Severin hat uns eine Route vorbereitet, die hier am südlichen Ortsausgang von Vrbnik als Kiespiste beginnt. Und die Piste hat es auch gleich ab Beginn in sich. Die feuchte Witterung macht die Sache mit dem zum Teil sehr groben Schotter auch nicht leichter. Aber trotz fehlender Stollen lieben wir es. Endlich eine richtige Herausforderung. Für eine Nachahmung empfehlen wir aber ausdrücklich Stollenreifen, vielleicht ein leichteres Motorrad und wenn es sich einrichten lässt, trockenes Wetter. Dann ist die Strecke purer Genuss. Für uns ist es richtig arbeit, die Mopeds unter Kontrolle zu halten. Und so legen wir auf dem Hochplateau bei der Bank der Denker gerne eine Rast ein.
Von hier sehen wir, dass das Wetter aus Südwesten zunehmend aufklart und die Sonne uns wohl bald erreicht. Wenige Kilometer später führt uns die Route auf die Strasse 102 und wir besuchen die Hafenstadt Baska an deren südlichem Ende.
Da die 102 eine Sackgasse ist fahren wir die ersten Kilometer den gleichen Weg zurück, biegen dann kurz nach Krk Richtung Westen ab, durchqueren Vrh und biegen nach Skrpcici und nach dem Kreuzen der 104 nach Südwesten ab. Wir folgen dem kleinen Strässchen, das uns steil hinunter zur idyllischen Bucht Vela Jana hinunterführt. Dort queren wir über einen Strandabschnitt zur Hafenmole. Nach kurzem Trinkstop nehmen wir die andere Zufahrt zum Hafen, der uns wieder den Berg hoch nach Brzac führt. Dort werden wir am Dorfrand durch einen im Weg stehenden Bagger irritiert. Mit Mopeds können wir gerade so daran vorbei zirkeln. Ein frisch zugeschütteter Graben begleitet uns in Dorf hinein. Und dann ist erst mal Schluss. Hier zwischen den Häusern ist der Graben offen – und rund ein Meter tief. Wir erkunden zu Fuss einen Durchgang und werden entlang einer Hausmauer fündig. Vorsichtiges Manövrieren und Unterstützung vom jeweils anderen sichert das Durchkommen und verhindert das Abrutschen des Mopeds in den Graben.
Nördlich von Brsac wollen wir noch eine Schotterpassage zum Meer runter unternehmen. Nach wenigen Kilometern entscheiden wir uns aber, umzukehren. Der Streckenzustand wird immer schlechter, der Schotter immer gröber und wir befürchten weiter unten nicht mehr kehren und hochfahren zu können. Zurück im Dorf biegen wir nach Osten ab, treffen dann bald auf die 104 und etwas später auf die 102. Der können wir nun bis zur Brücke aufs Festland zurück folgen. Dort biegen wir nach Süden ab und sind nach weiteren 15 Minuten bei unserer Unterkunft. Die Tomatenspaghetti haben wir uns heute aber redlich verdient.

Tag 3 - VOM WINDE VERWEHT
Rijeka – Opatia – Cres – Krk
Wetter: Sonnig und frisch, ab Mittag zunehmender Nordwind (Bura)
Sevi hat für heute eine gemütliche Tour am Rande Istriens und über die Inseln Cres und Krk vorbereitet.
Wir machen uns morgens auf den Weg und können bei der Passage Rijekas feststellen, dass das Städtchen tatsächlich einiges von seinem ursprünglichen KuK Scharm, von dem wir anderswo gelesen haben, bewahrt hat. Dies gilt aber nur für einen kleinen Teil und nur wenn die Sonne scheint. Die Fahrt entlang der Küstenlinie Richtung Opatia ist durchaus abwechslungsreich und zum Teil fast schon spektakulär was die Kulisse betrifft. Eine gemütliche Fahrweise ist aber aufgrund des Fahrverhaltens der lokalen Verkehrsteilnehmer dringend angeraten. Es gibt kaum Autofahrer, die nicht blind in Linkskurven hineinschneiden!
Hier Verweis auf einen Videozusammenschnitt Dummer Autofahrer in HR
Wir lassen den Äffchen die Bananen und nehmen etwas Sicherheitsabstand für eine genussvolle Fahrt über Opatia in Richtung xxx, von wo aus und die Fähre nach xxx auf der Insel Cres bringen soll. Die Halbe Stunde, die wir auf das Boarding warten mussten verbrachten wir mit einem Sonnenbad an der Hafenmauer.
An Bord der Fähre ist der Loadmaster begeistert, dass wir trotz mässigen Wellengangs unsere Spannsets, die wir zum Glück immer mit haben, zur Sicherung der Mopeds verwenden. Die ursprüngliche Anweisung, wir sollten bei den Bikes bleiben, um ein welleninduziertes Umfallen zu verhindern, empfinden wir als etwas amateurhaft – wenn die 240 kg Leergewicht meiner BMW wegen Wellen auf mich zukommen, gehe ich aus dem Weg, die halte ich nämlich nicht mehr auf…
Soweit kommt es zum Glück aber gar nicht und nach etwas über 20 Minuten spukt uns das Schiff auf der Insel wieder aus. Wie üblich herrscht beim Verlassen der Fähre etwas Gedränge, jeder will der erste sein. Auf der Kurvenstrecke, die mehr oder weniger ab der Anlegestelle startet, zeigt sich aber sehr schnell, dass es die einen problemlos hätten ruhig angehen lassen können, sie verhalten sich im Vergleich zu den anderen Verkehrsteilnehmern wie mobile Hindernisse. Ich sage hier bewusst Hindernisse und nicht Verkehrsberuhigungsmassnamen, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Hochmotorisierte Automobilisten wollen die „verlorene“ Zeit von der Fährausfahrt unbedingt auf den ersten 5 Km der zum Teil recht unübersichtlichen Bergstrecke wieder wettmachen.
Als Motorräder ist es in der Situation gut, dass das Überholen, auch von grösseren Fahrzeugen, recht flott von der Hand geht, sodass man eine Sicherheitsdistanz zwischen sich und die „Kontrahenden“ bringen kann. Da bleibt dann sogar Zeit für ein paar schöne Aufnahmen.
Später versuchen wir uns wieder auf einer vielversprechenden Kiespiste. Unser Ausflug wird leider nach wenigen Kilometern durch ein unmissverständliches Verbotsschild gestoppt. Und daran halten wir uns, es gibt schon genügend Strecken, die aufgrund undisziplinierten Verhaltens für Mopeds gesperrt wurden, wir wollen da keinen Grund für weitere Einschränkungen des Zweiradspasses bieten.
Wir Kehren also um und versuchen eine Alternative, ein kleinstes Weglein, in Kies, eingefasst von zwei dieser unzähligen Mäuerchen, die auf den Inseln diese Landwirtschaftswege säumen. Diesmal werden wir vom plötzlichen Ende des Weges eingebremst. Wir entscheiden uns auf dem Rückweg zur Verbindungsstrasse nun halt doch den Weg zur Fähre nach Krk unter die Räder zu nehmen. Die Fahrt dorthin ist kurzweilig und nach rund 25 Minuten kommen wir beim Anleger an. Die Dame am einzigen geöffneten Kaffee zeigt uns den Fahrplan – die nächste Fähre geht leider erst in rund anderthalb Stunden. Wir legen eine Zwangspause ein, schauen den Wellen zu und schlürfen irgend ein Süssgetränk dass unser ausgefallenes Mittagessen kompensieren muss.
Sevi kommt mit einer etwas beunruhigenden Nachricht vom Billetverkäufer zurück – die Brücke von Krk aufs Festland sei wegen des Bura, also des böigen und mitunter Orkanstärke erreichenden Nordwindes für Motorräder gesperrt. Noch nehmen wir das nicht so ernst. Die Fähre fährt ja auch…
Auch hier sind wir wieder froh um die Spannsets, der Wellengang ist schon beim Boadring wesentlich ausgeprägter als noch heute morgen auf der ersten Fähre. Die Fähre rollt und stampft in der unruhigen See und wir geniessen die Sonne während der halbstündigen Überfahrt. Auf Krk verlieren wir keine Zeit. Wir wollen nun wissen, ob das mit der Sperrung nur ein Gerücht war oder nicht. Ein kurzer Stop für den Einkauf des Nachtessens und dann flüssig Richtung Festland. Als wir auf die Brücke zukommen sehen wir auf der Anzeigetafel, dass grosse Lastwagen nicht und alle andern die Brücke mit maximal 30 km/h passieren dürfen. Dann springt aber plötzlich ein Security Guard auf die Strasse und stoppt uns. Eigentlich will ich weiterfahren, er lässt das nicht zu und schreit uns an, wir müssten sofort auf den Parkplatz wegen des Bura, des Windes. Als ich dann zur Seite fahren will, wir stehen ja immer noch mitten auf der Strasse stellt sich der Pflock vor mein Moped und will das verhindern. Mit ein paar schweizerdeutschen Flüchen und einem Ruck am Gas lässt er mich dann doch von der Fahrbahn wegrollen. Was sein Problem mit uns ist, kann die Ausgeburt von reinster Intelligenz allerdings nicht mitteilen.
Alle Diskussionen sind vergebens. Innert einiger Minuten organisieren die Wachleute Verstärkung. Offenbar erwarten sie, dass sie physische Kraft benötigen werden, um uns an der Durchfahrt zu hindern. Mit ein paar ebenfalls dazugerufenen Strassenarbeitern, kann man wenigstens die Problemlage klären. Wir wollten z.B. wissen, wie lange die Sperre gilt, ob es Alternativen gibt, ob die Fähren noch fahren und so weiter.
Im Moment können wir aber nichts tun, ausser in den nächsten kleinen Ort auf Krk zurück zu kehren und uns überlegen, welche Handlungsoptionen wir haben. Zuerst versuchen wir es in xxx, indem wir Fussgänger ansprechen. Dies zeitigt aber keinen Erfolg. Wir gehen deshalb in eine Kaffeebar, trinken mal was und besprechen, ob wir nun auf der Insel eine Unterkunft suchen solllen, oder nicht. Severin ruft dann unsere Vermieterin an und schildert ihr das Problem. Sie sagt sofort zu einen Kollegen mit einem Kombi zu schicken. Kaum eine Dreiviertelstunde später trifft der Kollege ein und der Kombi entpuppt sich als grosser Van. Unsere diesbezügliche Sorge war völlig unbegründet. Der etwa 25jährige Barkeeper kommt uns unaufgefordert zu Hilfe und zu viert verladen wir die zwei Mopeds im nu im Kastenwagen. Damit schaffen wir es problemlos über die Brücke. Wieder auf dem Festland laden wir die BMW’s probremlos aus und machen uns auf die letzten paar Kilometer zur Unterkunft.

Tag 4 Crikvenica – VON KURVEN BEGEISTERT
Zadar – Split

Wetter: sonnig, noch etwas frisch aber wärmer werdend. Bewölkung nach Sibenik, dann wieder aufklarend; Wind ist kein Thema mehr.
Heute morgen stehen wir rechtzeitig auf, Packen ist angesagt. Wir folgen der Magistrale nach Südost bei frischem, aber sonnigem Wetter. Zum ersten Mal seit Triest gehen wir heute bei Senj Tanken. Das ist der Vorteil eines grossen Tanks. Nach Senj verläuft die Magistrale nicht immer direkt am Meer, sondern höher am Hang. Das ist dem Fahrspass aber nicht im Geringsten abträglich. In felsigem Umfeld verläuft die Strecke in langgestreckten Kurven und bietet wunderschöne Blicke auf die vorgelagerten Inseln.
Die Geschwindigkeitsbegrenzungen liegen meist irgendwo zwischen amüsanter Fehlkalkulation und plumpem Abzockerversuch. Denn dort wo sie denn tatsächlich sinnvoll wären, z.B. bei wenig übersichtlichen Gebäudezufahrten, fehlen sie meist ganz. Dies führt dazu, dass sich die Gestaltung der Fahrtgeschwindigkeit der Kroaten sich nicht an den realen Gefahrenquellen sondern an der Wahrscheinlichkeit von Polizeikontrollen orientiert.
Wir geniessen die zunehmend kurvig werdende Strecke, trotz einzelner Baustellen – die Magistrale soll offenbar verbreitert werden, zuvor wird sie aber ampelngeregelt im Pendelverkehr einspurig befahren, damit der allgegenwärtige Fels am Strassenrand abgetragen werden kann.
Bei Starigrad machen wir einen Abstecher in den Paklenica Nationalpark. Wir wollen an einem der Schauplätze der Dreharbeiten zu den Winetou-Filmen ein Päuschen einlegen. Severins Spaziergang das Tal hoch hat dann gezeigt, dass heute weniger die Indianer die Gegend unsicher machen, sondern hauptsächlich Wanderer und allen voran Kletterer die zahlreichen Vertikalen dieser Schlucht bevölkern.
Unsere Weiterfahrt über die Magistrale entwickelt sich von nun an leider ziemlich langweilig. Die Gegend um Zadar ist flach, die Strassen gerade und die Automobilisten eine Plage. Erst in der Gegend von Grebastica bietet sich uns eine Möglichkeit, der Strasse des Trübsals den Rücken zu kehren. Beim Dorfausgang erwischen wir den Abzweiger nach Primosten und Siroke. Über die Hügel kommen wir in den Genuss kleiner, kurviger Strässchen. Die Höhe bietet einen wunderbaren Ausblick auf die Küste und den Ort um den Yachthaven von Rogoznica. Unser Weg führt uns auf dem Weg nach Split zurück auf die D8. Ab Marina folgen wir wieder der Küste. Bei Seget Vranjica verlassen wir die Magistrale zu Gunsten einer mehr oder weniger parallel verlaufenden, unterklassigen Strasse auf der wir weniger Verkehr erdulden müssen. An Trogir vorbei und auf der Seeseite des Flughafens von Split kommen wir unserem Ziel nun rasch näher. Über die Bucht können wir die Nordseite der Stadt bereits sehen; was uns nicht wirklich beeindruckt – viele abgwirtschaftete Industrieruinen säumen die Einfallsachsen. Naja, die Südseite soll ja ganz schön sein. Wir werden sehen.
Unsere Unterkunft haben wir rasch gefunden. Sie liegt unmittelbar an der Grenze zur verkehrsfreien Altstadt. Alles was man erreichen will, liegt in Gehdistanz. Das Zimmer ist zwar klein, aber fein. Die Mopeds stehen direkt unter dem Fenster vor dem Haus. Der Vermieter spricht sehr gut Deutsch (seine Frau Englisch) und empfiehlt uns die Taverne Bayamont in der Altstadt für autentische Spliter Küche. Zum Glück kann ich den Hobbyfischer Severin davon überzeugen, mit mir ein Fleischplättchen mit Steaks und Wurstwaren, Zwiebeln und Sauerkraut zu teilen.
Satt und Müde legen wir uns etwas später hin und sind gespannt was die Stadt uns morgen bietet.

Tag 5 - VON GESCHICHTE ERSCHLAGEN
Split

Wetter: Regen bis ca. 1000 Uhr, danach aufklarend, ab ca. 1400 sonnig und warm
0700 Uhr und es regnet was das Zeug hält. Der Vermieter hat uns das zwar Gestern schon angekündigt, aber wirklich glauben wollte ich ihm das nicht. Sevi kommt das aber sehr gelegen, so kann er sich nochmals umdrehen und ein weiteres Nickerchen anzupfen.
Gegen Zehn verlassen wir dann doch das Zimmer, trotz immer noch anhaltenden Regens. Allerdings lassen wir die Mopeds stehen. Die Unterkunft liegt ja in unmittelbarer Nachbarschaft der Altstadt. Bei der grossen Piazza, auf Kroatisch heisst das zwar sicher anders, ist mir aber egal, flüchten wir uns unter die grosse Markise eines Kaffees und bestellen uns auch welchen. Eine gute Portion Tiramisu rundet das gesunde Frühstück ab. Belustigt beobachten wir die internatioalen Besuchergruppen, die von ihren Guides durch die Stadt geschleust werden und alle paar Minuten aus einer anderen Richtung an uns vorbei ziehen und neidisch auf unser trockenes Plätzchen blicken und sich wohl nur wünschen ebenfalls an einem warmen Latte zu schlürfen.
Schliesslich wird unsere Geduld belohnt. Kurz vor Mittag verziehen sich die Wolken weitgehend und machen schönstem Sonnenschein wieder so Platz wie es sich gehört, wenn Sevi und ich auf Reisen sind. Wir verbringen den Nachmittag mit ausgedehnten Spaziergängen durch die Eingeweide der Innenstadt und finden so noch das eine oder andere Geschäft, das nicht nur EU Massenware feil bietet, sondern lokale Spezialitäten, textile aber auch kulinarische, bereit hält.
Weitere Sehenswürdigkeiten gibt es zuhauf. Angefangen bei verschiedenen Bars und Restaurants an den Buchten, die unmittelbar an die Altstadt angrenzen. Auch der Fischmarkt ist ein Besuch wert; frischer Fang wird täglich angeliefert.
Nach einem Besuch des grossen Yachthafens (Aci Marina) lassen wir in einem der unzähligen Kaffees den faulen Pausentag ausklingen. Der/die geneigte findet aber auch später am Tag verschiedenste Lokale für die Abendunterhaltung.

Tag 6 - VON DER MAGISTRALE GENERVT
Split – Magistrale Richtung Dubrovnik, dann Alternativprogramm

Wetter: Sonnig und warm, am Sveti Jure bewölkt, Wolkenuntergrenze auf ca. 1600 m
Das Wetter hält sich weiter gut und wir beschliessen, heute die Magistrale in Richtung Dubrovnik unter die Räder zu nehmen. In mehreren Reiseberichten haben wir lesen können, dass die Strecke Split – Dubrovnik noch schöner zu fahren sei als der nördlichere Teil, „fahrerisch geht es jetzt ans Eingemachte“ weiss ein Reporter zu berichten. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Wir fahren auf der D8 also via Podstrana und Omis Richtung Makarska. Fahrfreude kommt allerdings nicht wirklich auf. Erstens verläuft die Magistrale häufig nicht dem Meer entlang, sondern irgendwo auf halber Höhe am Hang. Zweitens reiht sich eine Siedlung an die andere, Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Tempo 50, 40 ja sogar 30 km/h jagen sich. Mühsam ist in diesem Kontext ausserdem, dass manchmal eine Begrenzung nach dem Weiler wieder aufgehoben, in anderen Fällen jedoch nicht und man ist formaljuristisch dann eigentlich angehalten, auf einer normalen Überlandstrasse mit Tempo 40 umher zu kullern. Die Bevormundung geht aber weiter. Zwischen Split und Makarska gibt es insgesamt etwa 3 jeweils ein paar hundert Meter lange Abschnitte, an denen das Überholen nicht mittels beschilderten Überholverbots und/oder ausgezogener Sicherheitslinie verboten ist. Ich weiss nicht wo der oben erwähnte Reporter Motorrad fahren gelernt hat; wenn ihm die Strecke ab Split fahrerisch ans Eingemachte geht, sollte er sich überlegen, ob es sinnvoll für ihn und alle anderen Verkehrsteilnehmer ist, wenn er weiter am motorisierten Individualverkehr teilnimmt. Übrigens, es lohnt sich durchaus sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten. Nicht etwa, weil das technisch notwendig wäre, eine mit 40 begrenzte Kurve liesse sich gut mit 80 fahren, sondern weil, genau wie es unser Vermieter angekündigt hat, die Polizei offensichtlich immer dort, wo sich die höchste Wertschöpfung erzielen lässt, mit der Laserpistole auf der Lauer liegt. Dies hat offensichtlich eher den Zweck den Staatshaushalt auszugleichen, und nicht etwa die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Denn kaum aus den Häusern raus beginnen die frustrierten Automobilisten an den unmöglichsten Stellen zu überholen…
Bei Makarska haben wir genug. Wir testen mal kurz unsere Navigationsfähigkeiten mit einem kleinen Abstecher den Hügel hinauf. Leider müssen wir feststellen, dass beim Dorfausgang der von uns gewählte Weg in einen nicht mehr fahrbaren Singletrail übergeht, den man als geübter Wanderer durchaus noch wagen kann. Für uns aber heisst es statt Höhe halten, wieder runter zur Hauptstrasse.
Zum Glück geht beim Dorfausgang dann unsere eigentliche Alternativroute den Berg hoch. Der Naturpark Prirode Biokovo lockt uns an. Den obligaten Obulus entrichten wir beim Parkeingang gerne und wechseln mit dem überaus freundlichen Ranger noch ein paar Worte. Mit ihm klären wir auch gleich alternative Routen aus dem Park heraus; wenn möglich wollen wir nämlich nicht mehr runter an die Magistrale, sondern in Richtung Südost auf der anderen Seite der Bergkette Richtung Bosnien, dem wir auch einen Kurzbesuch abstatten wollen.
Er macht uns auch darauf aufmerksam, dass der 1762 m hohe Sveti Jure ganz oben noch so etwa 3-4 m Schnee hätte. Echt jetzt? Das wollen wir doch selbst sehen. Aber das Restaurant oben bei Sv. Ilia sei auch schon offen, glaube er. Nun das werden wir später dann sehen, erst geht es so weit nach oben, wie technisch möglich. Und tatsächlich, nach abwechslungsreicher Fahrt auf kleinen Strässchen, mit sand- und kiesigen Überraschungen in den Kurven, werden wir zwei Serpentinen unter dem höchsten Punkt von meterhohen Schneemassen gestoppt. Spass hat die Fahrt dahin aber trotzdem gemacht und so kehren wir halt um. Die Rückfahrt geht bis Sv. Ilja auf ca. 897 Meter über Meer. Tatsächlich scheint das Lokal offen zu sein. Es wird von einer ganzen Familie bewirtschaftet, die beiden kleinen Töchterchen erledigen bei unserer Ankunft gerade ihre Schularbeiten im Gastraum, die älteren Damen versorgen eine Stute mit ihrem Fohlen und der Vater ist mit einigen Bekannten dabei dem Gebäude vor der offiziellen Eröffnung nächste Woche den letzten Schliff zu geben. Er und seine Frau sprechen übrigens ein erstklassiges Deutsch, bei dem mancher deutsche neidisch würde.
Unser Mittagessen, lokaler Käse, Brot, Gurken und Getränke nehmen wir beobachtet von einem ausgestopften Bären im Schankraum zu uns. Bald machen wir uns wieder auf den Weg, denn uns erwartet eine rund 8 km lange Kiespiste. Oh Freude. Die Piste in diesem Hochtal ist in einem erstklassigen Zustand. Kaum Schlaglöcher, dafür aber manchmal ganz schön tiefer, rollender Kies. Da muss man dann mit dem Vorderrad nur noch grob zielen, gesteuert wird im Wesentlichen mit Beindruck und der Gashand, gebremst wird kaum, sondern vorausschauend gefahren, dann lässt sich ein Tempoüberschuss meist mit runterschalten ausreichend abbauen.
Auch die Strasse auf der Ostseite der Bergkette runter ins Tal hat es in sich. Wunderbar zu fahren, wenn man die nötigen Reserven einplant. Und die sind wichtig, immer wieder liegen an neuralgischen Stellen Sand und Kies, häufig knapp vor und in Kurven.
Bei Vuletici treffen wir wieder auf eine grössere Hauptstrasse. Der folgen wir für wenige Kilometer in Richtung Südost bis zum Wegweiser nach Zavoiane bei dem wir links abbiegen. Das Dorf ist ziemlich verzettelt und das Navigieren trotz GPS mit lokalen Übersichtskarten fast einfacher. Unsere Route führt uns über ein kleines Strässchen an vielen kleinen Siedlungen vorbei nach Stilja, der letzten kroatischen Ortschaft vor der Grenze. Der Grenzübertritt hier bemerkt man an zwei Dingen, erstens an der Vorrichtung, an der früher mal ein Schlagbaum montiert war, aber vor allem daran, dass ein Strässchen mit vielen Schäden in eine direkte Aneinanderreihung von Strassenschäden übergeht. Dementsprechend aufmerksam muss gefahren werden, um nicht plötzlich von der Piste zu fliegen.
Sipovaca ist das erste bosnische Dorf, das wir erreichen. Wir drehen nach Norden und biegen in Vojnici nach Nordwesten ab, um über die Hügel und die grüne Grenze wieder zurück nach Kroatien zu kommen. Mijaca ist ein für diese Gegend typisches Grenzdorf, die Siedlung liegt offiziell auf kroatischem Boden, jenseits der Grenze stehen aber Wohnhäuser so nah, dass man sie eigentlich zur selben Ortschaft zählen kann. Wir folgen dem Verlauf des Tales vorbei an Siedlungen die zusammen die Ortschaft Slivno und später Krstatice bilden. Einen wirklich witzigen Abschnitt passieren wir dabei – eine eigentliche Berg- und Talbahn. Bei Zagvozd biegen wir wieder auf eine höherklassige Überlandstrasse ein und folgen ihr bis Sestanovac und biegen dort Richtung Stupica (Südwest) ab. Unmittelbar bevor man das Hochplateau in Richtung Meer verlässt, biegen wir nach Norden ab und passieren Slime. Das Strässchen hält ein paar Schmankerl bereit; abwechlungsreiche Umbebung und Serpentienen im Kleinformat. Aber Achtung: Erst wird Severin und zwei Haarnadeln weiter auch ich von einer rutschigen Fahrbanoberfläche überrascht, sodass wir fast die Mopeds wegschmeissen. Hätten wir nicht wie immer ordentlich Reserven eingeplant, hätte das blöd enden können.
Der Weg führt uns eine Bergkette hinter der Magistrale parallel zum Küstenverlauf bis nach Omis. Dort müssen wir bis zur Küstenstrasse aus den Bergen raus, um über die Brücke zu gelangen, biegen aber gleich nach der Brücke wieder rechts ab, denn wir haben auf der Karte eine weitere Serpentinen-Strecke ausgemacht, die uns lohnender erscheint als die eingebremste Küstenstrasse. Über Tugare, Srinjine und Zmovnica erreichen wir recht bald die ersten Ausläufer von Split. Wir gehen kurz einkaufen und finden in der Nähe des Hospitals einen Rastplatz, gleich über dem Strand für eine Picknickpause, bevor wir uns zurück zu unserer Unterkunft begeben.

Tag 7 VON DER INSEL ÜBERRASCHT
Split – Plano – Grebastica – Sibenik – Krka Wasserfälle – A1 Bicine bis Posedarje – Pag – Fähre – Senj – Dramalj

Wetter: Sonnig und warm, gegen Abend zunehmend Schleierwolken, später in der Nacht Regen
Packen geht uns mittlerweile flott von der Hand. Wir sind heute gut in der Zeit, fertig gepackt und bereit zum Auschecken. Da werden wir von unserem Vermieter, der heute mit der selbst restaurierten fast 40jährigen Vespa zur Arbeit kam, zum Kaffee eingeladen. So sitzen wir also in voller Montur am Rande der Altstadt in einem Strassenkaffee und diskutieren über Politik, Energietechnik und so weiter. Kurz nach 10 Uhr sitzen wir dann doch im Sattel und begeben uns nun technisch gesehen auf den Heimweg. Wir folgend der Magistrale nordwärts bis etwa auf Höhe des Flughafens und verlassen die D8 dort um in den Hügeln kleine Strässchen im Hinterland zu befahren, die uns als Mopedfahrer etwas mehr fordern als die Magistrale. So nutzen wir die Gegend zwischen Plano und Grebastica nicht nur für eine Pause an einem Froschweiher sondern für unbeschwerte Fahrt ohne viel Verkehr. An Sibenik vorbei zielen wir nun zum Naturpark der Krka Wasserfälle. Ein wirklich sehenswertes Naturschauspiel. Wir sind froh, sind wir nun im April hier zu sein. Der Grösse des Parkplatzes nach zu schliessen muss es im Sommer hier von Besuchern nur so wimmeln.
Die Weiterfahrt nach Norden kürzen wir nach der Passage über die Brücke bei Skradin über die A1 ab. Wir verlassen die Autobahn bei Posedarje, folgen aber nicht der Magistrale. Wir fahren direkt nach Nordwesten immer weiter auf die Halbinsel hinaus, die uns an ihrer nördlichsten Spitze über die Brücke der Strasse 106 auf die Otok Pag führt. Die Strecke birgt fahrtechnisch keine wirklichen Herausforderungen. Die immer wechselnden Landschaften und vor allem die Aussichten auf die umliegenden Inseln westlich von uns und die von hier aus wieder ganz anders wirkende Steilküste im Osten lassen die Fahrt aber trotzdem kurzweilig bleiben. Die wenigen Dörfer, die die Strecke säumen werden immer spärlicher, die Gegend immer steiniger. Sevi hat offenbar schon etwas weiter südlich als ich das Fahrwasser der Fähre in Richtung Insel gesehen, jedenfalls wird unser Fahrstil zunehmend flüssig, je näher wir dem Fähranleger Zigljen kommen. Ein paar Kehren bevor wir das Zwischenziel erreichen, sehe ich die Fähre auch, die nur noch wenige Minuten vor dem Anlegen ist. Wir überholen die wartende Kolonne bis hinunter zum Ticket Office. Und als Sevi mit den Fahrscheinen wieder beim Moped ist, winkt schon der Loadmaster. Wir sind zwar als letzte angekommen, dafür die ersten an  Bord der Fähre, die uns nach Prizna auf dem Festland bringt.

Tag 8 - VOM REGEN STILL GELEGT
Dramalj – Crikvenica


Wetter: Morgens Regen, ab Mittag auflockernde Bewölkung
Der gestrige Wetterbericht hat sich für einmal tatsächlich bewahrheitet, um 0700 regnet es leicht und so lasse ich Sevi weiterträumen. Wir sind uns zum Glück einig, dass wir genügend erlebt haben, bei besten Bedingungen, sodass wir heute nichts erzwingen müssen, auf nassen und rutschigen Hinterland Strassen. Also lassen wir den Abstecher zu den Seen von Plitvicka sausen. Stattdessen fahren wir nach dem Aufklaren am Mittag ins Zentrum von Crikvenica. Das auf der Magistrale angekündigte Aquarium können wir in dem durchwegs baufälligen Dorf nicht finden. Und so machen wir uns nach dem Auffüllen unserer Vorräte unverrichteter Dinge auf den Rückweg zur Casa Bianca. Als spektakulär fallen mir auf der Rückfahrt ein Robinsonspielplatz auf der positiven Seite und zwei Blöcke, wohl Überreste aus Tito’s Ära, auf der negativen Seite auf. Sonst gibt das Dorf recht wenig her und wir verbringen den Rest des Nachmittages mit dem Ordnen der Filmaufnahmen und Fotos und schliesslich mit diesem Bericht.
Das Nachtessen können wir schon wieder bei Sonnenschein auf dem Balkon zu uns nehmen.

Tag 9 - VENEZIA TI AMO - VON VENEDIG ENTSCHLEUNIGT
Dramalj – Bakar – Lido di Venecia

Wetter : Sonnig und warm.
Gepackt haben wir wohlweislich gestern Abend schon und auch die Rechnung haben wir schon im Voraus bezahlt, damit uns heute morgen nichts aufhalten kann. Die Sonne bleibt uns auch am letzten Tag in Kroatien treu. Wir nehmen die Magistrale nach Norden über Bakar, vorbei an der grossen Raffinerie und eingangs Rijeka’s einmal um die grosse Werft herum, in der mehrere Schiffe im Trockendock liegen.
Nach Rijeka, das früher als Teil Italiens noch Fiume hiess, nehmen wir die Autobahn nach Nord-Nordwest. Wir geben unsere letzten Kuna (Währung Kroatiens) für Benzin aus, das hier deutlich billiger zu haben ist, als in Italien.
Wie schon bei der Hinfahrt ist das Wetter in Slowenien nicht so schön. Auf der Hinfahrt hat es noch geregnet, und auch jetzt ist der Himmel über uns bedeckt und die Strassen nass. Wenigstens bleiben wir von Regen verschont. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Aussenbezirke von Triest. Hier nehmen wir die Autobahn bis Monfalcone. Ab hier wollen wir wieder die Überlandstrassen befahren, das nächste Ziel ist Grado, an der Spitze der Landzunge. Über die 11 km lange Brücke geht es erst zurück in Richtung Monfalcone, biegen dann aber Richtung Latisana ab. Die Strassen hier sind alle sehr lang und gerade, pittoresk von Pappeln gesäumt. Der Wind weht deutlich spürbar, manchmal böig, aus Süden.
Unser nächstes Ziel ist Punte Sabbioni, das liegt an der äussersten Südwestspitze der Landzunge hinter dem Lido di Jesolo. Von hier soll uns die Fähre direkt auf den Lido di Venezia bringen. Die Ahnung, dass wir hier in eine Sackgasse fahren schiebe ich beiseite. Hätte ich doch darauf gehört. Die nette Dame am Schalter des Tourist Office erläutert mir, dass die Autofähre zum Lido di Venezia nur Montags und Freitags verkehrt. So ein Sch... aber auch.
Dies beschert uns weitere knapp 70 km langer, gerader Strassen rund um den nördlichen Teil der Lagune. Vorbei am Flughafen und Mestre fahren wir zum Fähranleger von Venedig. Wenigstens müssen wir an der warmen Sonne nicht lange auf das nächste Schiff warten und schon tuckern wir gemütlichan Markusplatz vorbei, wo sich mal wieder Touristen die Bein e in den Bauch stehen, um Fotos zu machen oder eine der vielen Sehenswürdigkeiten abzulichten.
Vom Anleger brauchen wir weniger als 5 Minuten bis zu unserer gemütlichen Unterkunft. Eine kurze Dusche zur Erfrischung und zum Abschluss der Ferien einen Spaziergang vorbei am berühmten Excelsior Hotel und durch die Fussgängerzone des Lidos.

Tag 10 Rückfahrt - VON DER AUTOBAHN BESCHLEUNIGT
Lidio di Venecia – Mailand – Bülach
Obwohl uns die Hotelangestellte am Abend zuvor versichert hatte, dass wir heute Morgen eine Zwischenverpflegung am Tresen vorfinden werden, war davon keine Spur zu finden, als wir noch in völliger Dunkelheit vom Hotel aufbrechen, um die erste Fähre vom Lido an Land zu erreichen. Immerhin konnte wir uns noch mit einem Espresso aus der Maschine etwas aufwecken, bevor wir in die kalte Nacht starteten.
Pünktlich wie die Zürcher Bahnhofsuhr erreichen wir nach einer noch etwas kühlen Fahrt den Hafen von Venedig. Kaum ist die Rampe unten sausen wir bereits über die Autobahn an Bergamo vorbei in Richtung Milano. Knapp 7 Stunden und ein Tankstopp später erreichen wir Zürich, wo unser ausflug zu Winetou endet.

Fazit:
Kroatien ist sicherlich eine Reise wert. Insbesondere die vor Kroatien liegenden Inseln bieten fantastische Panormanen und führen einen sozusagen direkt in Winnetous Arme. Die Maginstrale ist aus unserer Sicht nur im nördlichen Abschnitt interessant. Dafür finden sich an vielen Stellen etwas abgelegen von der Magistrale wunderbare Orte, die man gesehen haben sollte (Krka-Wasserfälle, Cres/Krk, Altstadt von Split).