Über Dänemark nach Norwegen - in 2 Wochen Ferien 4 Wochen Erholung

Tag 1 - Wie lange haben wir uns darauf gefreut, endlich wieder einmal in den Norden zu fahren. Seit meinem letzten Besuch ist mir der Norden einfach nicht mehr aus den Gedanken gegangen. Damals war ich noch in Schweden und Finnland unterwegs, heute soll es aber in Richtung Norwegen gehen.  


Mit dem Nachtzug der DB-Autozug wollen wir heute noch ab Lörrach bis nach Hamburg aufbrechen. Inzwischen haben wir alles Notwendige in unseren Koffern verstaut. Karten sind ausgedruckt und die gewünschte Strecke rot markiert. Es kann also losgehen.

Es kribbelt in den Fingern, als ich endlich Gas geben kann und die Autobahnstrecke bis nach Lörrach liegt viel zu schnell hinter uns. Die Sonne scheint unbarmherzig auf die Bahnwagen und mir schwant böses. Soll ich auch diese Nacht wieder nicht schlafen können? Beim letzten Mal hatten sich die Schlafwagen in der Sonne derart erhitzt, dass sie noch nachts um 23.00 Uhr über 25°C hatten. Bevor wir aber ganz in unserem Abteil Platz nehmen dürfen, muss das Moto auf den Zug verfrachtet werden. Neben uns haben sich noch eine Handvoll anderer Biker eingefunden.

Wir entnehmen den Boxen alles, was wir für die Nacht benötigen, bevor wir gemeinsam und mit eingezogenem Kopf auf den Bahnwagen rollen. Verzurrt werden unsere Bikes professionell von den Angestellten der DB-Autozug.

Erst um 20.00 Uhr geht es endlich schwankend und rumpelnd los. Im Abteil sorgt diesmal glücklicherweise eine leistungsfähige Klimatisierung für angenehme Kühle. Ich kann es trotzdem kaum erwarten, bis die Nacht endlich um ist und wir per Bike weiter reisen können.  

Tag 2 - Richtig gut haben wir beide nicht geschlafen, dafür hat es im Wagen viel zu sehr geschüttelt, aber immerhin angenehm kühl wars. Doch nun fahren wir in den Bahnhof Hamburg-Altona ein. Ich weiss vom letzten Mal, dass wir beim Ausfahren aus dem Bahnwagen in einer Art Parade durch einen Teil des Bahnhofs fahren müssen, um auf die Strasse zu gelangen. Ich werde auch diesmal nicht enttäuscht, denn es sammelt sich eine ganze Horde Zuschauer an, die das wuselige Treiben am Autozug interessiert beobachten. Kaum bin ich mit der KTM aus dem Bahnwagen, sitzt meine Sozia auf und es geht endlich los.

Mittels GPS finden wir die Autobahn aus der Stadt in Richtung Nordwest schnell. Die Stadt verschwindet bald in unseren Rückspiegeln und uns überkommt nun vollends das Ferienreisegefühl. Die unglaubliche Weite dieser Region, kaum Hügel, viele Bäume und Sträucher, überall weidende Kuhherden und ein gemütliches Schnurren unter dem Sattel sagen uns: „Nun bist du endlich wieder unterwegs“.

Einige Fahnen mit dänischem Wappen, die sich gemütlich im sanften Wind hin und her wiegen deuten den eben passierten Zollübergang bei Tönder an. In der Ortschaft selbst biegen wir ab von der Hauptverkehrsachse. Unser Ziel ist das malerische Städtchen Mögeltönder. Keine fünf Minuten entfernt bietet es einen kleinen Geheimtipp.

Bevor man die kopfsteinpflasterne Dorfstrasse erreicht, an der man viele, kleine und hübsch herausgeputzte Häuser antrifft, fährt man an einem grosszügigen Schloss vorbei, das mit einem grossen Schlossgarten aufwarten kann. Wer zur rechten Zeit ankommt, kann das Schloss auch besuchen.

In Hojer machen wir ein erstes Mal Pause. In dem kleinen Ort gleich am Wasser herrscht emsige, aber nichts desto trotz gemütlich wirkende Betriebsamkeit. In kleinen Gartenrestaurants wird die ganze Palette an Fischen und Meeresfrüchten angeboten, welche jeweils morgens im eigenen, zentral gelegenen Hafen eintrifft. Auch wir setzen uns dazu und geniessen das Gekreische der vielen Meeresvögel, die sich im zur Zeit ebben Hafenbecken um die Schlammwürmer balgen. Riesige Silbermöwen schleichen gierig um uns herum, immer in der Hoffung, dass auch für sie ein kleiner Happen abfallen möge.

Die anschliessende Fahrt hinauf bis zum Abzweiger nach Römö führt meist hinter einem Damm direkt dem Meer entlang. Der Damm selbst, der vom Festland auf die Nordseeinsel Römö hinaus geht, ist unabhängig von Ebbe und Flut befahrbar, eines der Kriterien, weshalb wir Römö gewählt haben und nicht eine per Fähre anfahrbare Insel.

Sobald man Inselboden unter den Rädern hat, ändert sich die Vegetation. Es riecht stark nach Baumharzen und überall hat es Wald und Gebüsch. Knorrige alte Nadelbäume scheinen vom harten Leben auf der windigen Insel erzählen zu wollen und das harte, stachelige Dünengras, dass sich hier überall verbreitet hat, spricht Bände über das Klima.

An der Westküste, also quer auf der anderen Seite der Insel, liegt unser heutiges Tagesziel, der Zeltplatz Lakolk. Die Insel mit ihren 360 Quadratkilometern und 3-4 Kilometern Breite bietet nicht gerade überrissene Ausmasse, kann aber mit Europas grösstem Strand aufwarten. Mit 18 Kilometern Länge und bis zu zwei Kilometern Breite findet sicher jeder ein Plätzchen zum Sonnen. Ansonsten ist die Insel aber nicht gerade riesig und so sind wir in Nullkomanichts da. Schnell erhalten wir an der Anmeldung unseren Platz zugewiesen und schon kurz darauf steht unser Zelt auf einer kleinen Wiese in Mitten anderer Camper.

Bald sitzen wir in unseren gemütlichen Schlafsäcken vor einer lustig vor sich hin köchelnden Suppe und lassen die Sonne schlafen gehen.

Tag 3 - Völlig erholt und noch halb verschlafen lotst uns der Geruch frisch gebackener Brötchen direkt in einen kleinen Laden vor den Toren des Campings. Neben Brot bietet er beinahe alles, was des Campers herz begehrt. Mit knurrendem Magen zieht es uns schnell zurück ins Zelt, wo wir zu feinem Brot und frischem Joghurt Pläne für den heutigen Tag schmieden.

Für einmal soll die 990er sich eine Pause gönnen können. Nach der Morgentoilette machen wir uns auf die Erkundung des Zeltplatzes. Neben den bereits erwähnten Shop gibt es auch eine Hand voll Souvenirshops, Schnellimbisse und Pizzabäcker. Im Camping selbst bietet das Beachvolleyballfeld eine Abwechslung zum nahe gelegenen Strand und den Dünen.  

Frisch gestärkt packen wir unsere Badesachen und schlendern quer durch die Dünen in Richtung Strand. Der Dünengürtel ist nicht breit und schon bald sehen wir weit draussen das grünliche Meer. Da gerade Ebbe ist müssen wir fast einen Kilometer laufen, bis wir ans Wasser gelangen. Inzwischen ist Anfang September und nicht mehr hochsommerlich warm, trotzdem ist es derart warm, dass wir einem Bad im kühlen Meer nicht widerstehen können.

Danach folgt ein obligater Dünenspaziergang. Man muss einfach einmal erlebt haben, wie einem der kühle Sand zwischen den Zehen hindurch quillt, während man bei der Besteigung einer Düne zwei Schritte vorwärts und zugleich einen zurück macht. Dabei trifft man nicht selten auf die wahren Urbewohner der Insel, den Kaninchen, die sich meist geschickt zwischen den harten Gräsern zu verstecken wissen. Zwischen den Dünen finden sich aber auch einzelne Ferienhäuser und Bungalows, die man mieten kann. Für Leute, die länger hier bleiben möchten eine ideale und kostengünstige Alternative zum Campen.

Allerdings ist die Insel zu gross, um sie zu Fuss in so kurzer Zeit zu erkunden, daher klettern wir erneut auf unseren Skunk (so heisst unsere KTM, weil sie manchmal etwas seltsam riecht) und fahren erst mal etwas nach Süden. Nachdem wir zwischendurch unsere Lebensmittelvorräte in einem kleinen, einheimischen Markt aufgefüllt haben, besichtigen wir an der Südspitze der Insel, bei Havneby den Hafen. Wellen klatschen an die kühlen Leiber der Fischkutter, die einer am anderen vertäumt vor sich hin gondeln. Rostige Flecken und überall herum hängende Fischernetze machen das idyllische Bild der Hafenanlage komplett.

Da der Strand in Römö an vielen Orten befahrbar ist, lassen wir natürlich auch das nicht aus. Allerdings ist dabei etwas Vorsicht geboten, denn an manchen Stellen ist der Sand nicht hart gedrückt, sondern wandelt sich in ein tiefes Bett, dass einem zweirädrigen Gefährt schnell mal zum Verhängnis werden kann.

Nach der anspruchsvollen Strandtour ziehen wir auf einfacheren Fahruntergründen, parallel zur Westküste, wieder nach Norden. Die Kiesstrecken sind verlassen und bieten eine wunderbare Abwechslung. Die eine Strassenseite wird von Nadelwald gesäumt, während uns auf der anderen Seite die im Wind schaukelnden Gräser weiter Wiesen entgegen winken.

Auch der Norden will erkundet sein. Nach der grossen Kreuzung zum Festland dauert es nicht lange und man gelangt in ein kleines Örtchen. Allerdings weiss man nicht so genau, wo es aufhört und das nächste anfängt. Vereinzelt stehen einige Häuser zusammen und erscheinen mehr als ein etwas grösseres Gehöft, denn als Ortschaft. Schon kurz nach Juvre, eben jener Häuseransammlung, ist Endstation. Ein kleiner Aussichtpunkt auf dem Damm markiert den letzten, für uns legal befahrbaren Punkt der Insel. Eine Militärzone verbietet jegliches weitere Vordringen.

Je mehr der Tag voranschreitet, desto drückender wird es. Bevor wir es nicht mehr aushalten in unseren Lederkombis, brausen wir zurück, zum nicht weit entfernten Zeltplatz. Gemütliches rum-trödeln lässt den Rest den Tages im Sauseschritt vergehen.

Tag 4 - Vom nächtlichen Tau ist das Zelt noch ziemlich nass, als wir um 6.30 Uhr aufstehen. Trotzdem packen wir es zusammen, denn heute soll es wieder weiter gehen. Es ist etwas bedeckt, also ideales Reisewetter. Nach einigen Croissants geht es dann auch schon los in Richtung Norden. Überlandstrassen führen uns durch noch schlaftrunkene Orte und obwohl Sonntag ist, rüsten sich einige Ladenbesitzer, um ihre kleinen Geschäfte aufzumachen.

In Ribe machen wir kurz Halt, um einen kleinen Happen zu essen, bevor wir auf der 11 bis hinauf nach Varde fahren, wo wir auf die 181 wechseln. Diese 181 begleitet uns von nun an bis an unser Tagesziel. Der Verkehr hält sich sehr in Grenzen und so kommen wir flüssig voran. Die 181 führt uns auf der äussersten, westlichsten Strasse der Insel nach Norden.

Ab Norre Nebel wird die Landschaft erst so richtig interessant. Zwischen den Dünen verstecken sich kleine Wohnhäuser, deren Dächer kaum über die Dünen hinausragen, nur landestypische Fahnen markieren ihre Position. Eine schmale Landzunge trennt hier das offene Meer vom Ringköbing Fjord. Auf Grund einer Schleuse in Hvide Sande weist dieser Fjord spezielle Eigenschaften auf. In der Nähe der Schleuse kann man im Fjord Salzwasserfische angeln, etwas weiter weg dann Brackwasserfische und im Bereich der Skjern-Au-Müdung zu guter letzt Süsswasserfische. Wer es ausprobieren möchte, findet hier mehr Infos: http://www.hvidesande.dk

Kaum haben wir den Fjord hinter uns gelassen, da springt uns eine andere Attraktion ins Auge. In Söndervig findet zur Zeit das Internationale Sandskulpturen Festival statt, das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Mit Höhen bis 4.20 m ist von kleinen Sandburgenbauern keine Rede mehr. Künstler aus der ganzen Welt sind dafür angereist und mussten ihr Bestes zum Thema „Wi-kinger und nordische Mythologie“ in „Sand“ umsetzen. Sprachlos bestaunen wir, was man mit Sand und etwas Wasser alles hinbekommen kann. Da kann jeder Hobbystrandburgenbaumeister noch einiges dazu lernen!

Vor uns liegt der Limfjord, die Meeresverbindung zwischen Nord- und Ostsee. Während wir uns dem Nissum Bredning, dem westlichsten Teil des Fjords, nähern, weht uns eine feuchte, kühle Meeresbrise um die Nase. Doch uns interessiert hier nicht so sehr das Meer, als das als Insider-tipp gehandelte „Sneglehuset“ (Schneckenhaus) am „Sneglevej“ (Schneckenweg) in Thyborön, der kleinen Ortschaft am nördlichen Ende der Landzunge. Kleine Hinweisschilder im Ort weisen den Weg in der Ortschaft.

Gemäss Überlieferung soll ein Fischer seiner Frau versprochen haben, ihr ein einzigartiges Haus zu bauen, das Leute aus der ganzen Welt anschauen kämen. Nun, Recht hat er behalten. Immerhin hat er offenbar über 25 Jahre daran gearbeitet. Das Haus ist innen wie aussen überall mit Muscheln und Schneckenhäusern verzieht und inzwischen ein kleines Museum.

Mit der Fähre setzen wir von der südlichen Landzunge nach Norden über. Hier kann man noch nicht per Kreditkarte bezahlen, was uns beinahe in Verlegenheit gebracht hätte, aber in einer kleinen Jackentasche finden wir noch einige Münzen, immerhin kostet uns die Fahrt inklusive Moto gerade mal 10 Euronen. Nun führt uns die Strasse immer weiter weg von den grossen Touristenströmen. Der Gegenverkehr wird seltener, dafür wird das Wetter immer besser. Hin und wieder dreht sich ein Rad einer Windmühle müde im flauen Wind, selbst die Gräser scheinen zu müde zu sein, um sich im Wind zu wiegen.

Die Sonne neigt sich langsam den Horizont zu, als wir in Hanstholm, unserem heutigen Ziel, angelangen. Der Hafen ist schnell gefunden und mit dem Moto werden wir wie fast überall bevorzugt behandelt und fast als erste rein gelassen. Wir binden unsere Kati mit Spannsets an, dass sie im Falle von starkem Seegang während der Überfahrt auch sicher keinen Schaden nimmt und beziehen unsere Kabine. Das Essen sollte man hier aber besser selbst mitbringen, die Kantine scheint sogar schon bei Spaghetti zu kapitulieren und unsere Mägen rebellieren.

Tag 5 - Es ist herrlich, den Wind in den Haaren und das Möwengekreische in den Ohren fahren wir in den Raunefjord ein. Zwischen unzähligen, felsigen Inseln schlängelt sich unsere viel zu grosse Fähre in Richtung Bergen. Das ganze Spektakel dauert sicherlich eine Stunde, denn mit voller Fahrt ist hier nichts. Wir sitzen gemütlich auf dem Oberdeck und geniessen die bereits ziemlich hoch stehende Sonne. Ein gewichtiger Vorteil, wenn man im Spätsommer in den Norden in die Ferien fährt, die Tage sind immer noch länger als bei uns in der Schweiz!

Kaum haben wir die letzte von zwei grossen Brücken knapp unterquert, kommt endlich Bergen in Sicht. Da wir bereits alles verstaut haben, können wir es geruhsam angehen lassen und während andere hektisch in ihre Kabinen verschwinden, können wir die Einfahrt in den Hafen von Bergen geniessen.

Am bekannten Stadtteil Bryggen vorbei kurven wir nach dem Verlassen der Fähre ins Zentrum Bergens, wo wir ein Doppelzimmer in einer kleinen, relativ günstigen, nichts desto trotz einladenden Unterkunft vorreserviert haben. Günstig ist hier selten. Wer sich für Norwegen als Feriendestination entscheiden sollte, der sei vorgewarnt: Hier ist alles, einfach alles, schweineteuer!

Als erstes besuchen wir natürlich Bryggen mit seinen gut 58 Häusern, auf das wir beim Vorbeifah-ren ja schon gestossen sind. Weiss, rot, braun und teilweise etwas schräg stehen die alten „Speicher“-Häuser am Wasser. Immerhin zum UNESCO-Weltkulturerbe wurde es bereits 1979 ernannt. Enge Gässchen lassen einen erahnen, wie es früher mal war. Die Enge erklärt aber auch, weshalb es seit Bestehen der Siedlung bei zwei Bränden zu grossen Zerstörungen kam. Beim ersten Brand im Jahre 1702 wurden fast alle Häuser zerstört, als der Brand vom einen auf die anderen Häuser übergriff. Beim Zweiten im Jahre 1955 brannten erneut viele Häuser ab. Glücklicherweise wurden die Gebäude beide Male im alten Stil neu errichtet.

Zum ersten Mal machen wir mit dem teuren Norwegen Bekanntschaft. Beim Blick auf die Preise bei einigen Restaurants entscheiden wir uns spontan unser Abendessen auf unserem Zimmer selbst zu kochen. Schliesslich haben wir im Zimmer eine eigene Kochnische und noch einige Vor-räte und die sind soviel billiger, dass wir den Qualitätsunterschied und den Aufwand gerne in Kauf nehmen.

Eigentlich haben wir hier Regen erwartet, gilt Bergen doch als regenreichste Stadt Europas mit rund 250 Regentagen pro Jahr. Seit unserer Ankunft können wir allerdings nichts davon feststellen. Die Sonne scheint als wär’s nie anders gewesen und auch die Wettervorhersage verkündet weiterhin nur Sonnenschein und warme Temperaturen. Auf unserem Abendspaziergang durch Bergens Zentrum entdecken wir beim Fischmarkt an der Zachariasbryggen eine grosse Ansamm-lung von Motorrädern. Klar, dass ich in so einem Moment keine Augen mehr habe für die Sonne, die sich langsam dem Horizont nähert.

Die Biker erklären uns, dass es hier keine festen Tage gibt, an denen sie sich treffen (weil es so oft regnet), sondern dass sie sich einfach jeden schönen Sommerabend hier zu einer gemeinsamen kleinen Ausfahrt treffen, um danach noch zusammen zu sitzen und über Gott und die Welt zu diskutieren. Und das kann bis in die späten Abendstunden dauern, denn die Tage im Sommer sind lang!

Tag 6 - Heute wollen wir uns den Fischmarkt ansehen. Dieser befindet sich in der Nähe von Bryggen und soll eine Attraktion sein. Glücklicherweise liegt genau gegenüber unserer Unterkunft ein kleiner „Coop“, der eine stattliche Auswahl an Lebensmittel anbietet und so gibt es zum Frühstück frische Brötchen mit Frischkäse.

Der Fischmarkt ist nicht gerade der Hammer, ziemlich klein und mit wenig Abwechslung. Dafür kann man gleich vor Ort frische Lachsbrötchen erstehen, die einem dann auch fast auf der Zunge vergehen. Da freuen sich die Geschmacksnerven!

Als nächstes steht der Besuch des Aquariums auf dem Plan. Gemütlich spazieren wir über den Fredriksberg, eine kleine Erhöhung mit vielen kleinen Einfamilienhäuschen. Touristen findet man hier in diesen ruhigen Gebieten kaum noch.

Das viel beworbene Aquarium ist nicht wirklich sehenswert. Die Tiere leben in viel zu kleinen Platzverhältnissen, haben kaum Abwechslung. Nach 100NOK (20CHF) Eintritt muss man für eine kleine 3D-Brille aus Papier und Plastik gleich nochmals 20 NOK (5CHF) drauf legen, wenn man den 3D-Film nicht ohne solche Brille ansehen will. Wir verzichten gerne darauf und stellen fest, dass der Zürich-Zoo ein viel besseres Preis-Leistungsverhältnis hat.

Der Nachmittag wird auf drängenden Wunsch meiner Sozia für das obligate Frauenshopping investiert. Ideal eignet sich dafür das Einkaufszentrum Galleriet mit über 70 Läden, wo Frau sicherlich alles findet, was ihr Herz begehrt.

Nach so einem erschöpfenden und stressigen Einkaufs“bummel“ muss ich mich dringend wieder erholen. Wir besorgen uns aus einer Buchhandlung noch neuen „Lesestoff“ und verbringen den restlichen Abend im Bett beim gemütlichen Essen und Lesen.

Tag 7 - Um evtl. aufkommenden, erneuten Shoppinggelüsten meiner Sozia im Vornherein vorzubeugen, ist es höchste Zeit, weiter zu ziehen. Es juckt auch schon wieder in den Fingern, ein eindeutiges Zeichen, dass die Zeit für die Weiterfahrt gekommen ist. Über die E16 erreichen wir schon nach kurzem die ruhigere Strasse in Richtung Granvin. Immer wieder tauchen wir kurz in kühle, feuchte Tunnels ein, bevor wie wieder durch felsiges Gebiet steuern. Trotzdem ist es überall grün, waldig und dazwischen von Seen und Fjorden durchzogen. Ab Norheimsund folgt die Strasse dem Hardangerfjord und wir fühlen uns in der strahlenden Sonne, als ob wir dem Lago Maggiore entlang kurven würden, mit dem kleinen Unterschied, dass wir hier kaum auf Gegenverkehr stossen.  

Nach einem kurzen Tankstopp in Granvin geht es weiter in Richtung Voss. Ein langer Taleinschnitt führt uns ins Gebirge. Über eine Handvoll Serpentinen gelangen wir immer höher hinauf und bald erzwingt ein in die waldigen Felshänge eingebetteter, grosser Wasserfall einen Fotostopp. Der Skiervefossen gehört eher zu den weniger bekannten Wasserfällen Norwegens, nichts desto trotz liegt er für ein schönes Foto mit Bike geradezu ideal neben der Strasse.

An Wasserfällen mangelt es Norwegen wahrlich nicht. Kaum zehn Kilometer nach Voss drängt sich schon wieder ein grosses Exemplar in den Vordergrund der Strassenumgebung. Der Tvinnefossen liegt ebenfalls gleich neben der Strasse gleich vor einigen typisch nordisch roten Häusern. Je nach Wetter und Jahreszeit ist es sogar möglich, etwas in den Felsen unterhalb des Wasserfalls herum zu turnen.

Von Vinjo, das sich tief im Tal an einem kleinen aber gemütlich wirkenden See versteckt, folgen wir dem kleinen Flüsschen Strondaelva immer höher in die Bergen hinauf. Schon von weitem sieht man das halbe Dutzend Kehren, die sich die Bergflanke hinauf drehen. Zur Linken sucht sich das Wasser über einen weiteren Wasserfall einen Weg in die Tiefe. Die Gegend ähnelt zunehmend dem Grimselpass in der Schweiz und es sind nur noch vereinzelt Häuser zu sehen. Hinter der einen oder anderen Kurve tummeln sich Schafe auf der Strasse und so ist Vorsicht angesagt. Gerade als sich die Kühle unangenehm unter der Kleidung bemerkbar macht, ist die Passhöhe erreicht und wir jagen wieder wärmeren Gefielden zu.

In Vik ist dann das erste Mal Kultur angesagt. Ein kleines Schild weist uns den Weg zur alten, hölzernen „Hoppestad Stavkirke“, die seit zwölften Jahrhundert da steht. Wer 45 NOK auspackt, der kann sich dann ganz den Wikinger Hinterlassenschaften zuwenden. Die Stabkirchen gehen nämlich auf den Einzug des Christentums in die Kultur der Wikingern zurück, die bis dato ausschliesslich heidnischen Göttern huldigten. Beim Einzug des Christentums im Mittelalter wollten und/oder konnten die Wikinger nicht gleich vollständig auf einen anderen Glauben umsteigen und um auf Nummer sicher zu gehen und durch den Glaubenswechsel keinen ihrer bisherigen Götter zu beleidigen, bauten sie in die kunstvollen Schnitzereien an und in den Kirchen kurzerhand viele heidnische Symbole ein.

Mit 62 NOK schlägt die zehnminütige Fährüberfahrt von Vagnses nach Hella zu Buche. Allerdings für zwei Personen und Motorrad zusammen. Dank eines netten Kapitäns müssen wir keine halbe Stunde warten, sondern schlüpfen als Letzte noch auf die bereits abfahrbereite Fähre.

Wir folgen dem Sognefjord nach Osten. Die Sonne ist warm und die Gegend ist ruhig und verbreitet eine gemütliche Stimmung. In Hafslo, einem kleinen Ort abseits der Durchgangsstrasse folgen wir dem schmalen Weg in Richtung Jostedalsbrenn-Nationalpark. Das einspurige Strässchen schlängelt sich eingeklemmt zwischen dem lang gezogenen Gletschersee und den Felsen immer weiter in unbewohntes Gebiet hinein.

Inzwischen ist es später Nachmittag und wir halten Ausschau nach einem geeigneten Schlafplätzchen. Doch so einfach es Anfangs noch schien einen geeigneten platz zu finden, so schwierig stellt es sich inzwischen heraus. Neben dem dünnen Weglein, das uns in die Berge führt, findet sich kaum einmal eine unbewachsene Fläche, auf der unser Zelt Platz finden würde. So folgen wir dem Strässchen Kilometer für Kilometer. Wie gerufen kommt uns da gleich nach einem kurzen Tunnel eine Art Ausfahrt mit einer kleinen aber weichen, moosbewachsenen Wiese. Idealerweise bieten auch noch gleich einige Birken und Büsche einen idealen Blickschutz zur Strasse, so dass wir nahezu ungestört bleiben. Nicht, dass wir hier mit viel Verkehr zu rechnen hätten, passiert doch gerade mal etwa ein Auto pro Stunde diese Stelle, aber Schutz ist Schutz.

Unterhalb der Strasse befindet sich gleich der See, welchem wir bis hierher gefolgt sind. Nach einer solchen Tagesfahrt gönnen wir uns dann auch ein kurzes Bad. Kurz vor allem deshalb, weil es sich beim Wasser um eiskaltes Gletscherwasser handelt, welches das Thermometer wahrscheinlich nicht weit über die Nullgradgrenze anheben würde.

Nach einigen Sekunden Intensivbadeerlebnis rette ich mich prustend wieder an Land.... Einen Vorteil hat das eiskalte Bad allerdings, ich habe die ganze Nacht nie mehr nur den Hauch eines Kältegefühls!

Es knackt und knarrt um uns herum und wir werden etwas unruhig, denn einem schlecht gelaunten Elch möchten wir hier echt nicht begegnen und Bären soll es ja in Norwegen auch noch geben. Daran möchten wir nun hier in dieser Einsamkeit nicht wirklich denken. Nach einer Weile kommen wir dem Rätsel allerdings durch logisches Überlegen auf die Spur. Im nahen Tunnel hat es Metall-verstrebungen und Leitplanken, die sich nun, da die Sonne weg ist und es kühler wird gegenein-ander verschieben und so diese komischen Geräusche verursachen. Beruhigt sinken wir in einen tiefen Schlaf.

Tag 8 - Früh stehen wir auf und beginnen unser Zelt vom nächtlichen Frost zu befreien. Bald kriecht die Sonne hinter dem Horizont hervor und sie verheisst uns einen schönen Tag. Nachdem wir in Hafslo noch kurz das nötigste an Vorräten eingekauft haben und unseren Skunk mit entsprechender Flüssigkeit gefüttert haben, geht es los.

Wir folgen dem Lustrafjorden nach Norden. Die Strecke ist wenig befahren und es wäre geradezu eine Schande, keine der vielen kleinen Stellen am Fjord für eine gemütliche Pause zu nutzen und dabei die schöne Aussicht auf den Fjord und den gegenüberliegenden Feigumfoss (Wasserfall), zu geniessen.

Wers nicht erwarten kann, mal wieder einen Pass zu fahren, der sollte allerdings weiterfahren, denn gleich nach Fortun befindet sich der Sognefjell, ein wunderbar lang gezogener Pass, mit genialen Aussichten auf majestätische Gebirgszüge. Smaragdgrüne Gebirgsseen und herrlich türkisblaue Gletscherzungen, die sich ihren Weg zwischen den spitzen, alpin anmutenden  Berggipfel suchen, machen diese Fahrt zu einem wahren Augenschmaus. Überall findet man kleine aufeinander gestapelte Steintürmchen. Früher dienten die bekannten „Steinmännchen“ als Wegweiser auf dem Saumpfad über die Berge, wo Fisch, Salz, Leder oder Eisenwaren transportiert wurde. Heute ist die Strasse als Touristenattraktion allerdings längst asphaltiert und gut ausgebaut. Bei dem Ausblick, der sich uns bietet, fällt es richtig schwer, den Blick konzentriert auf der Strasse zu belassen. Wer dies allerdings problemlos schafft, erreicht bald einmal Lom.

Bevor man das nächste Highlight Norwegens erreicht, fährt man durch eine herrlich nach Fichten duftende Gegend. Irgendwie fühlt man sich plötzlich wie in den Rocky Mountains, vor allem wenn einem dann auch noch die Sonne mit voller Power ins Gesicht scheint. Die Strasse führt nur ganz leicht aufwärts, dafür aber meistens ziemlich geradeaus.

In Grotli halten wir nach rechts in Richtung Geiranger. Dalsnibba ist unser nächstes Ziel. Die Steigung hat zwar etwas zugenommen, aber so richtig kurvig wird es nicht mehr, bis wir etwas enttäuscht die „Passhöhe“ erreichen. Dort stellen wir etwas westlich der Strasse an einem ruhigen Plätzchen gleich in Sichtweite zum Gletscher unser Zelt auf. Da ich von hier aus Geiranger noch nicht gesehen habe und Dank lagen Tagen noch auf einiges Sonnenlicht vertrauen kann, mache ich mich mit vollkommen entladenem Bike auf die Abfahrt hinunter nach Geiranger.

Wer seinem Motorrad auf einer Norwegenreise einmal richtig die Sporen geben will, sollte diese Strecke sicherlich nicht auslassen. Allerdings sollte man sich die Strecke abends vornehmen, da muss man kaum mehr mit Verkehr rechnen und kann so richtig am Gashahn drehen. Polizei ist da eh nicht unterwegs.

Man, das geht echt ab. Allein die Vorstellung, die knapp 1400 Höhenmeter gleich wieder hochzudüsen, lässt einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Nach gut 20 Minuten erreiche ich eine Zwischenebene, von wo ich bis hinunter nach Geiranger sehen kann. Soviel soll für heute genügen. In vollen Zügen geht’s nun wieder bergaufwärts und da ich die Strasse für mich alleine habe, kann ich die Strecke voll auskosten. An Drehmoment mangelt es meiner 990er auf keinen Fall, da ist schon eher mal der holprige, vom Winter geschundene Strassenbelag der Grund, etwas mässiger am Gashahn zu drehen. Gute 11 Minuten Kurvenfieber reichen aber aus, mich für den restlichen Abend glücklich zu stimmen.

Nach einem feinen, auf dem Kocher zubereiteten Risotto, einem Bad im kleinen, von der Sonne erwärmten Privatseelein vor dem Zelt und einigen Kapiteln im meinem Buch ist es dann Zeit, gleichzeitig mit der Sonne schlafen zu gehen.

Tag 9 - Man glaubt es kaum, aber selbst neben einem Gletscher kann es Mücken haben. Als ich um 7.00 Uhr das Zelt öffne, um der Sonne, die gerade eben über die Krete blinzelt guten Tag zu sagen, wimmelt es im Vorzelt nur so von kleinen, surrenden Blutsaugern. Schnell ist der heisse Kakao getrunken und schon sitzen wir wieder auf. Wir wollen zu den ersten gehören, welche die Aussicht vom „Dalsnibba-Aussichtpunkt“ geniessen. Für 40 NOK sind wir dabei. Über eine unbefestigte, aber trotzdem sehr gut befahrbare Strecke fahren wir die knapp drei Kilometer hinauf. Die Aussicht nach Norden wie nach Süden ist fantastisch. Die Sonne glitzert uns vom See hinter uns nach und vor uns tut sich ein riesiges Tal auf. Der blaue Horizont vervollständigt das perfekte Postkartenbild. Neben dem Parkplatz zuoberst hat sich eine ganze Armee von Steinmännchen versammelt und begrüsst mit uns den neuen Tag.

Irgendwann haben sich dann aber neben uns zu viele Touris eingefunden und so machen wir uns auf den Rückweg, um unser Zelt noch einzupacken, das wir zuvor noch stehen gelassen haben. Erneut, diesmal gemeinsam machen wir uns auf hinunter nach Geiranger. Der Verkehr ist zu dieser Tageszeit schon einiges stärker als noch gestern Abend, trotzdem ist die sehr kurvige Talfahrt einfach herrlich.

Geiranger selbst ist dann aber gar nicht wie wir es uns vorgestellt haben. Neben einer Tankstelle, einigen Hotels und einem Camping ist hier eigentlich gar nichts. So bleiben wir denn auch nicht lange. Auf der anderen Talseite lockt ein gutes Dutzend Spitzkehren, die uns auf über 600m ü.M. hochkatapultieren, um uns auf eine lange, gemächliche Abfahrt in Richtung Eidsdalen zu schicken.

Kaum sind wir auf der anderen Fjordseite angekommen, fahren wir durch ein grünes Tal mit einem Erdbeerfeld am anderen. Überall sind die Bauern an der Erdbeerernte und dem feinen Geruch nach den frischen, aromatischen Früchten können auch wir nicht widerstehen.

Kurz darauf erobert eine kleine Schlucht unsere Aufmerksamkeit. Die „Gudbrandsjuvet“, eine etwa 5 Meter breite und gut 20 Meter tiefe Spalte öffnet sich vor uns. Donnernd und spritzend pressen sich tausende von Kubikmeter Wasser durch die schmalen Öffnungen von einem Pool in den nächsten. Wer sich das Ganze länger ansehen will, für den steht gleich nebenan ein Campingplatz zur Verfügung.

Die nächste Attraktion, eine der bekanntesten Norwegens, die Trollstiegen, kündigt sich kaum an. Eine lange, ziemlich gerade, unspektakulär durch kahles, waldloses Gebiet führende Strecke leitet uns, kaum merklich ansteigend, bis auf eine Hochebene. Eine grössere Anzahl Souvenirshops zusammen mit einem Parkplatz voller Touristenbusse markieren dann die Passhöhe. Nun, der eigentliche Pass ist leider nur von der Nordseite her als Pass erkennbar. Dafür ist jene Seite umso beeindruckender. Viele grosse Wasserfälle stürzen sich gleich neben der Passstrasse über kahle, kantige Felswände in die Tiefe. Gleichzeitig offenbart sich einem eine wunderbare Aussicht auf ein breites, grünes Tal.

Da hier jedoch ziemlich viel Verkehr herrscht, ist beim Fahren Vorsicht geboten. Es kommt schon mal vor, dass vor einem plötzlich ein Auto voll in die Eisen tritt, nur um dann kurz die Kamera aus dem Fenster zu halten und ein Foto zu knipsen.

Wir lassen die Touris weitre knipsen und fahren weiter in Richtung Molde. Das letzte, aber sicherlich das beunruhigendste Highlight des Tages ist neben der ziemlich stark dem Wind ausgesetzten Brücke über den Fannefjord mit Sicherheit der gleich anschliessende Tunnel nach Molde. Da ich weiss, was Salzwasser bei einem einsenarmierten Beton bei längerer Einwirkung anrichten kann, wird mir schon etwas mulmig zu Mute, als wir im Tunnel beinahe zugeregnet werden – mit Salz-wasser! Überall tropft es von der Decke und ich habe wohl auf dieser Reise nie dringender das Bedürfnis gehabt, möglichst schnell wo anders zu sein.

Beinahe glücklich sind wir, als wir endlich auf der anderen Seite das Tageslicht erblicken. Da können uns die horrenden Hotelpreise kaum mehr richtig schocken. Trotzdem übernachten wir dann aber in einer kleinen „Hytten“ für 350NOK auf dem Camping. Molde selbst ist eigentlich kaum ein Besuch wert, da hätten wir uns wohl eher Alesund aussuchen müssen, denn einerseits finden wir in Molde weder schöne, im Reiseführer angekündigten Rosenbeete noch andere Attraktionen und andererseits liegt Alesund wirklich schön und verteilt auf verschiedenen Inseln und kann mit schöner Architektur Punkten.

Tag 10 - Nach einem gemütlichen Morgen im Bett ziehen wir erst gegen Mittag los. Heute sollen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise erreichen. Nach einem kleinen Pässchen mit gerade mal 240 Höhenmetern folgen wir der 664 nach Bud. Dieses kleine, verschlafene Dörfchen liegt auf einer Landspitze direkt am Meer. Viel zu bieten hat es neben seiner Namensverwandtschaft mit einem bekannten Bier allerdings nicht. Vereinzelt gondeln einigen Möwen im ruhigen Wasser zwischen den kleinen Fischerbooten, aber selbst die scheinen irgendwie gemütlich und so hört man nur ganz selten ein Kreischen.

Wir folgen der Strasse ganz nah dem Meer entlang. Es hat kaum Verkehr und die Wolken ver-schwimmen am Horizont mit dem Meer. In der Nähe des Ufers ragen überall kleine felsige Inselchen aus dem Wasser und vermitteln uns das Gefühl, ganz im Norden angekommen zu sein.
Erst die Strasse von Vevang bis nach Averoy die sogenannte „Atlantiksveien“, ist dann wieder ein Highlight. Wenn auch nicht ganz so speziell, wie ich mir das zuvor vorgestellt hatte, so machen die gut sieben Brücken, die sich von Inselchen zu Inselchen ziehen doch etwas her. Vor allem eine dieser Brücken scheint es zumindest bautechnisch in sich zu haben. Sie ist so stark gebogen, dass man fast das Gefühlt hat, die Brücke müsste eigentlich zusammenbrechen. Doch unser Moto hat sie auf jeden Fall getragen.

Von Bremsnes erreicht man Kristiansund für 70 NOK per Fähre. Die Stadt verteilt sich auf einige Inselberge und man weiss eigentlich gar nie richtig, auf welcher Insel man sich gerade befindet. Auf jeden Fall ist die Stadt interessanter als Molde und wir bereuen, nicht mit unserer gesamten Ausrüstung hierher gefahren zu sein. Hier hätten wir gerne einmal genächtigt. Die ideale Verpflegung bringen die feinen Pizzas eines türkischen Griechen. Die Portionen sind gross und schmackhaft, während der Preis zahlbar bleibt.

Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang und dem Besuch eines gleich nebenan liegenden Einkaufszentrums, welches ich leider nicht mehr vor meiner Sozia verstecken konnte, geht es dann wieder retour. Diesmal nehmen wir die 70, welche uns zuerst während fünf Kilometern unter einem Meeresarm hindurch leitet, um uns danach in windiger Höhe über eine Mautpflichtige Brücke zu führen. Die Strecke im Allgemeinen ist eher etwas öde. Meist ist die Geschwindigkeit auf 60km/h beschränkt. In den Ortschaften verkrampfe ich schon beinahe die Hand, als wir nur noch mit 40km/h durchholpern dürfen. Während wir für die Hinfahrt noch gut 2,5 Stunden brauchten sind wir nun nach 40 Minuten schon wieder in Molde.

Zum Tagesabschluss öffnen sich die Wolken noch ganz und wir können einen schönen Sonnenuntergang am Wasser geniessen, während die Wolken hinter den vorgelagerten Inseln verstecken spielen.

Tag 11 - Ab heute geht es heimwärts und irgendwie zieht es uns richtiggehend südlich. Anstatt über die Trollstigen folgen wir der grossen E136. Die Strasse führt uns durch ein Tal in der Art, wie wir uns Kanada vorstellen. Gewaltige Felsen ragen auf beiden Seiten in die Höhe und in der Talmulde fliesst ein hellblauer, kalter Fluss. Einige Stromschnellen und zwei grosse Wasserfälle machen das Bild der wilden Gegend perfekt. Je länger wir fahren, desto ruhiger und flacher wird das Gewässer und bald glitzert es uns türkis entgegen.

In Lesja zweigen wir von der grossen Strasse ab und nehmen eine kleine, nicht asphaltierte Strasse nach Süden direkt nach Vagamo. Anfangs führt die Strecke über einige Kehren steil hinauf, doch bald erreicht man eine grosse, weite Hochebene. Die unbefestigte Kiesstrasse ist sehr gut befahrbar und ist auf jeden Fall empfehlenswert. Mich erinnert die Strecke sogar etwas ans das bolivianische Hinterland. Auf jeden Fall hat es kaum Verkehr und neben den Schaffen finden sich schon mal Kühe auf der Fahrbahn. Da ist dann eine gute Bremstechnik gefragt.

Nach diesen gut 30 Kilometern Kiesweg, tanken wir in Vagamo an einer teuren Tankstelle wieder auf. Von hier aus folgen wir der 15 in Richtung Bygdin. Die Strecke ist viel befahren und hat dementsprechend viele Campingplätze anzubieten. Doch für uns ist es noch zu früh, ausserdem wollen wir partout nicht auf einen Campingplatz, gilt hier doch das Jedermanns-Recht. Dies besagt, dass eben jedermann gewisse Rechte bei der Nutzung der Natur hat. In unserem Fall heisst es, dass wir überall zelten dürfen, sofern wir einen Minimalabstand von 150m zu den nächsten Häusern einhalten. Und darauf bestehen wir!

Langgezogene Kurven ziehen sich durch den lichten Nadelwald und so können wir problemlos überholen und kommen gut voran. Die Strecke selbst ist aber rein fahrerisch uninteressant. Dafür  breitet sich vor uns bald eine Hochebene aus und die Sonne blinzelt uns aus vielen glitzernden Seelein entgegen. Die Waldgrenze liegt nun schon einiges unter uns und wir entscheiden uns, bald mal nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten.

Auf der Passhöhe des Valdresflya suchen wir vergeblich nach 4 Quadratmetern ebener Fläche für unser Zelt. Entweder haben Kühe den Boden zertreten, oder die Fläche ist mit kleinen Wasserlöchern durchzogen oder von schwammnassem Moos durchwachsen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu fahren. Erst als wir von Bygdin auf die kleine, ebenfalls wieder unbefestigte Strasse nach Osten in Richtung Vinstra einbiegen, sehen wir auf Anhieb unseren neuen Schlafplatz. Eine kleine Fläche gleich neben einem ruhigen Flüsschen. Davor eine kleine Feuerstelle und sicherlich kein Platz für ein zweites Zelt.

Schnell sichert meine Sozia die Stelle, während ich die KTM vorsichtig durch einen grabenförmigen Trampelpfad in dessen Richtung bugsiere. Nachdem unsere Behausung steht, nehme ich die Gelegenheit wahr und nutze die nahe Wasserquelle für ein erfrischendes Bad. Nach einem feinen Znacht von unserem kleinen Kocher geniessen wir die letzten Sonnenstrahlen bei einem guten Buch und viel Ruhe.

Tag 12 - So schön es gestern Abend noch war, so regnerisch und nass ist es heute Morgen. Fein trommelt der Regen seine feuchte Nachricht auf unser Zelt, während wir uns noch gemütlich in unseren warmen Schlafsäcken einkuscheln. Nun gut, dann warten wir halt noch ein Weilchen, bis das Wetter wieder auftut. Wir drehen uns also um und machen es uns noch einmal gemütlich. Irgendwann melden sich dann aber unsere Mägen und wollen gefüttert werden. Während wir mit feinen Bröt-chen und Früchten ein schmackhaftes Frühstück geniessen, mache ich mir langsam Sorgen über die Rückfahrt über den schmalen Wanderpfad. Immerhin ist der Boden nach einer ganzen Nacht Regen ziemlich aufgeweicht. Während meine Sozia alles im Zelt verpackt, bewaffne ich mich mit einem Regenschutz und schlittere und zirkle so gut wie möglich auf dem holprigen Weglein auf die Strasse zurück. Wir haben uns schon fast damit abgefunden, unser Zelt vollkommen nass in den Sack verstauen zu müssen, hat Petrus endlich ein Einsehen und legt eine Regenpause ein. Sofort trocknen wir das Zelt zu gut es geht ab, verpacken es und verstauen auch alle anderen Sachen. Als wir endlich soweit wären, unsere Regenschütze auszuziehen, beginnt es erneut leicht zu tropfen. Na gut, dann fahren wir halt mal einen Tag im Regenschutz.

Wir folgen der nassen Kiesstrasse nach Osten. Der Himmel ist grau verhangen und es trommelt auf meinen Helm. Es hat merklich abgekühlt und mein Visier läuft teilweise an. Nicht dass ich kalt hätte, meine Kleidung ist genial warm, aber eigentlich hoffte ich auf schönes Wetter. Schon Gestern, nach unserer letzten Off-Road-Passage habe ich mich auf diese Strecke gefreut und natürlich auf einige schöne, sonnige Fotos gehofft, dass kann ich nun begraben.

Schon kurz nach Haugseter scheint die Gegend verlassen. Zu unserer Rechten taucht immer mal wieder ein See auf, der sich idyllisch in die Natur einbettet. Wir fahren durch eine Art Steppe, grössere Büsche sind das Einzige, was uns die freie Sicht versperrt. Die Wolken kleben an den sanften Hügeln. Hier ist Norwegen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Kaum vertieft man sich gedanklich in diese fantastische Natur, schon wird man von einem Schlagloch in die Realität zurück katapultiert. Auf dem nassen Kies und Dreck hat man auch nicht gerade die beste Haftung mit den Pneus und so komme ich mir irgendwie nach Südamerika zurück versetzt vor, wo wir auf Kies auch immer mit einem stark verlängerten Bremsweg rechnen mussten. Immerhin begegnen wir hier kaum Gegenverkehr und so können wir es dennoch geniessen.

Eigentlich wollten wir parallel zur grossen E6 von Vinstra aus über Gala, Veidarvon und Gausdal bis nach Tretten hinunter über den „Peer-Gynt-Veien“. Diese rund 66 km lange Parallelstrecke hätte uns über einige schöne Aussichtspunkte geführt und gemäss Reiseführer hätten wir dort eine grosse Chance gehabt, endlich mal einen dieser Riesenelche zu Gesicht zu bekommen. Nun, bei diesem Sauwetter ist mit Aussicht ohnehin nichts und die Elche werden sich sicherlich eher unter irgendwelchen Bäumen verstecken, als uns vors Rad zu springen und würden wir wieder leer ausgehen. Zudem wissen wir nicht, wie die Strassenverhältnisse sind. So lassen wir dies halt und ziehen von Vinstra nach einem Tankstopp die E6 hinunter.

Als Petrus mal wieder so richtig die Sau raus lässt, machen wir beim Restaurant Fryatun ca. 6 Kilometer nördlich von Ringebu Halt. Das panierte Flunderfilet schmeckt bei diesem nassen und unwirtlichen  Wetter draussen gleich noch viel besser.

Bis Lillehammer prasselt der Regen derart auf uns nieder, dass wir schon fast das Gefühl haben, in ein Aquarium gefallen zu sein. Dass nicht noch Fische vor unserem Visier rumschwimmen ist schon fast verwunderlich. Der Regen wird derart stark, dass ich bald das Gefühl habe einen Kahn anstelle eines Motorrades zu steuern. Spätestens, als ich bei einem Überholmanöver durch eine Spurrinne beinahe Aquaplaning am Vorderrad erfahre, gebe ich meine Geschwindigkeitswünsche auf und plane schon mal eine Stunde zusätzliche Fahrzeit ein. Von nun an heisst es, hinter langsamen LKWs hergondeln und dabei kräftig durchnässt zu werden.

Von Lillehammer selbst sehen wir von der E6 gerade mal die grossen Skisprungschanzen, bevor die Stadt ziemlich schnell in der Gischt des Gegenverkehrs aus unserem Rückspiegel verschwindet. Immerhin klart es nun langsam wieder auf und sogar die Sonne beginnt durch die dicken Wol-ken zu drücken.

Als wir endlich in Oslo ankommen, sind auch unsere Kleider wieder trocken. Nun geht’s an die Suche nach einer anständigen Unterkunft. Nach diesem Sauwetter wollten wir uns eine richtig edle Bleibe suchen, doch als wir die Preise sehen lassen wir den Wunsch gleich wieder tief im Keller verschwinden. Unglaublich, was die Leute hier für ein schäbiges Zimmer verlangen. Anständige Zimmer kosten ab 850 NOK, also gut 190 CHF aufwärts. Das ist uns zu teuer und wir checken in eine kleine Pension mit Innenhof ein, wo wir unseren nun für einmal sauberen Skunk (entspricht unserer etwas geruchsintensiven KTM) parken können.

Nachdem wir uns die neu angewachsenen Schwimmhäute weggetrocknet haben, geniessen wir den sonnigen Abend im quirligen und gleich ein paar Strassen nebenan liegenden Zentrum Oslos bei einer feinen Pizza (bei welcher wir uns leider fast am Preis verschlucken).

Tag 13/14 - Die folgenden zwei Tage verbringen wir ohne Langeweile in Oslo. Oslo, die mehr als 1000 Jahre alte Hauptstadt Norwegens hat nämlich einiges für Touristen zu bieten. Heute bietet sich unter anderem die „Akershus festning“ als Besuchsziel an. Wobei „Hus“ in diesem Zusammenhang etwas verniedlichend wirkt, handelt es sich dabei doch um eine stadtliche Burg, die zwischen 1299 und 1304 erbaut wurde und auch heute noch in gutem Zustand besichtigt werden kann.

Daneben können wir jedem den Besuch des „Folkemuesums“ empfehlen. Es handelt sich dabei um ein Freilichtmuseum im Stile des Ballenbergs mit gut 170 alten Häusern, aus verschiedenen Zeitepochen und Regionen Norwegens. Auch eine Kopie der Stavkirke von Gol kann besichtigt werden.

Auf der der Burg gegenüberliegenden Hafenseite liegt „Akerbrygge“, das In-Viertel Oslos. Viele Einheimische schlendern in der tief liegenden Abendsonne dem Quai entlang und geniessen die letzten Sonnenstrahlen des Tages bei einem feinen Drink oder einer guten Pasta.

Am letzten Abend in Oslo haben wir dann auch noch das Glück auf eine riesige Motorrad“versammlung“ zu treffen. Wie wir im Gespräch herausfinden, findet dieses Moto-Treffen jeden Mittwoch im Sommer statt. Einige der Biker nehmen tatsächlich eine zweistündige Hin- und auch wieder Rückfahrt in Kauf, nur um dabei zu sein. An schönen Tagen im Hochsommer sind es schon mal an die 1000 Biker, die sich an der Karl-Johanns-Gate auf Höhe des „Friday“-Pubs beim Parlamentspark treffen. Natürlich mischen wir hier mit. Wir sind wohl die am weitesten angereisten Biker an diesem Abend.

Im hübschen Restaurant Brunello an der Rosenkrantzgate 16 geniessen wir eine letzte gute Pasta mit einer gesalzenen Rechnung, denn auf der Speisekarte waren die 25% Mehrwertsteuer nicht aufgeführt. So ziehen wir zwar mit vollem Bauch dafür mit leerem Portemonnaie Bilanz über unseren Norwegenbesuch:

Die Skandinavier sind bekannt für Ihre Gastfreundlichkeit und auch wir konnten uns selbst davor überzeugen. Allerdings hat sich wie bereits erwähnt auch ein anderes Vorurteil bestätigt: Die Preise lassen sogar uns an teure Preise gewohnten Schweizer fast das Blut in den Adern gefrieren. Am allermeisten jedoch hat uns das abgeschiedene Hinterland mit den verlassenen Gehöften und den einsam daliegenden Anwesen gefallen. Die Landschaft und die extra langen Tage vermittelt Weite und Ruhe und lassen aus 2 Wochen Ferien 4 Wochen Erholung werden.

Tag 15 - Nach dem späten, aber dennoch feinen Frühstück machen wir uns als erstes daran, Verpflegung für die weitere Reise zu besorgen und danach packen wir wieder einmal alles auf unseren Last-Skunk, denn heute geht es in grossen Schritten der Heimat entgegen. Nach kurzen 2 Kilometern durch das Zentrum von Oslo haben wir unser Tagesziel per Moto bereits erreicht, den Hafen, von wo aus unsere Fähre nach Kiel ablegt. Naja, Fähre ist wohl eine kleine Untertreibung für diesen 224 m langen Koloss. Dabei handelt es sich immerhin um die Color Fantasy, dem weltgrössten Kreuzfahrtschiff mit Fahrzeugdeck. Das riesige Schiff mit 15 Decks wird immerhin mit 42`400 PS angetrieben, also ein paar wenigen mehr als meine KTM.

Schnell ist mein Moto hochseetauglich verzurrt und wir beziehen unsere schöne Kabine mit Sicht auf die zur Zeit noch unbelebte, 160 Meter lange Promenade im Innern des Bootes. Da wir bereits wissen, dass sich an Bord ein Aquapark mit Sauna, Sprudelbad und künstlichem Flussbad befindet, grapschen wir rasch unsere Badehosen hervor und noch bevor das Schiff ablegt, um fortan mit 22 Konten in Richtung Süden zu gondeln, sitzen wir im wohlig warmen Wasser und lassen uns von kühlen Luftblasen massieren.

Nach dem erfrischenden, mittäglichen Bad machen wir uns dann auf Erkundungstour im Schiff. Unglaubliche acht Restaurants in verschiedenen Preisklassen buhlen mit Köstlichkeiten um die Gunst der Reisenden. Aber Hunger verspüren wir noch nicht, lieber geniessen wir von Deck 13 aus den fantastischen Überblick über die Bucht von Oslo, aus welcher der Kapitän sein Vehikel herausmanövriert. Auf Deck ist es zu Beginn der Fahrt verständlicherweise proppenvoll und so verziehen wir uns vorerst noch ins Innere. Das bordeigene Casio lockt vergeblich mit Gücksspielen, da kann bei uns der Tax-Free-Shop schon mehr punkten.

Den ganzen Nachmittag verbringen wir mit Sonnen auf dem Deck, gemütlichem Lesen, Aussicht geniessen, herumschlendern auf den riesigen Ozeanriesen. Zwischendurch verköstigen wir uns mit frischem Brot und feinem geräuchertem Schinken, den wir heute Morgen noch gekauft haben.

Als es eindunkelt füllt sich die Promenade und wir können von unserem Fenster hinunter die ganzen Leute beim Flanieren beobachten. Irgendwann ist die Verlockung der zwar nicht gerade üppig grossen, dafür aber weichen Betten aber stärker.

Tag 16 - Schon um 9.30 Uhr kommen wir in Kiel an. Bis aber alle Fahrzeuge, voll beladen immerhin 750 Stk., draussen sind, geht’s eine Weile. Der Zoll ist eher eine Farce und so ist der erste richtige Halt erst an der ersten Tankstelle in Richtung Autobahn.

Endlich kann man mal wieder Gas geben. Die 100 Kilometer lange Strecke von Kiel ins Venedig des Nordes, also Hamburg, legen wir in weniger als einer Stunde zurück. Eigentlich müsste ja Venedig als „Hamburg des Südens“ bezeichnet werden, weist Hamburg doch mehr Brücken auf als Venedig. Unser Hotel, das wir extra nahe dem Bahnhof Altona organisiert haben, ist schnell gefunden. Es liegt gleich neben einer Kirche im einem Wohnviertel in der Nähe der Königstrasse, also schnell und einfach erreichbar, aber trotzdem ideal ruhig gelegen.

Geplant früh sind wir im Hotel, damit wir noch genügend Zeit finden, die schöne und interessante Stadt Hamburg zu erkunden. Als erstes wandern wir zu Fuss vom Hotel ins Zentrum. Auf unserem Weg liegt die Reeperbahn, das berühmt berüchtigte Rotlichtviertel, dass man einfach mal gesehen haben muss. In letzter Zeit ist es von der Stadt wieder neu entdeckt worden und man hat viel gemacht, um das schäbige Image dieses Stadtteils zu verbessern. Sexshops liegen neben Theatern und Snackbuden neben Peepshowschuppen. Einfach eine bunte Mischung. Die Leute sind anständig, die Schnorrer wünschen einem sogar noch einen schönen Tag, auch wenn sie nichts bekommen haben.

Inzwischen hat sich die Zeit ganz heimlich an uns vorbei geschlichen und es ist bereits wieder Mittag. Mit zunehmend knurrendem Magen halten wir Ausschau nach geeignetem Futter. In einer Seitengasse finden wir ein feines, vietnamesisches Restaurant, das uns mit seinen feinen Düften ins Innere lockt. Dazu kommen extrem günstige Preise. Nun ja, Deutschland ist bzgl. Essenspreisen einfach eine andere Welt als Norwegen! Für knappe 10 Euro bekommen wir da eine grosszügige Vorspeise, einen üppigen, schmackhaften Hauptgang und dazu ein Getränk. So lässt es sich leben!

Im Zentrum finden wir dann endlich das Paradies für Sozias! Einkaufsmeile an Einkaufsmeile. Immer nur fahren, das stellt wohl keine Sozia wirklich zufrieden. Hamburg ist neben Oslo wohl der beste Ort auf dieser Reise, wenn’s um die Shoppinglust einer Frau geht. Eigentlich ist es sogar um Meilen besser als Oslo, denn hier sind die Sachen auch noch erschwinglich.

Erst gegen Abend schlendern wir am alten, imposanten Rathaus vorbei zurück zum Hotel, Ziemlich erschöpft lassen wir uns dann ins Bett fallen und geniessen die herrliche Ruhe.

Tag 17 - Das reichhaltige Frühstück verhilft uns zu einem gelungenen Start in den Tag. Da es heute Abend bereits wieder weiter geht, müssen wir schon jetzt packen. Die Sachen lagern wir im Keller des Hotels bis heute Abend ein, während wir uns noch einmal die Stadt anschauen. Heute wollen wir uns den Hafen näher ansehen. Von den Landungsbrücken aus machen wir die „grosse Hafenrundfahrt“ für 10 Euro. Sie wird uns eine Stunde lang durch einen Teil des riesigen Hafenarelas führen.

Per Schiff werden wir als erstes durch die alte Speicherstadt gefahren. Wo die Hanseaten früher ihre Handelsgüter zwischengelagert hatten, werden heute in den alten Gebäuden moderne, schöne Wohnungen eingebaut. Sogar eine Schleuse zwischen Norder- und Suderelbe müssen wir durchqueren. Die ist dazu da um das Sandgeschiebe zwischen den beiden Flussteilen zu unterbinden. Es ist offenbar billiger diese uralte Schleuse zu betreiben, als immer mal wieder die Fahrtrinnen auszubaggern und so vom Sand zu befreien.

Und als wir neben riesigen, beladenen Containerschiffen vorbei tuckern, wird uns wieder einmal bewusst, wie klein wir doch sind. Da kommt man sich doch glatt wie eine Ameise daneben vor. Der Kapitän unseres Miniböötchens versorgt uns derweil die ganze Zeit mit interessanten Informationen. So hat Hamburg, obwohl 100 km weg vom Meer, immer noch einen Wasserpegelunterschied zwischen Ebbe und Flut von fast 3,5 Metern. Nach dieser Infoflut erkunden wir erneut das Hamburger Zentrum.

Um 18.00 Uhr fahren wir seitlich in den Bahnhof Altona. Neben uns sind noch etwa 6 andere Biker vor Ort, die auf einen Transport nach Lörrach warten. Wir verladen pünktlich und auch diesmal kann ich eine Beule beim Einfahren auf den Zug erfolgreich umgehen.

Gut ausgestattet mit Magazinen aller Art sowie einigen Büchern lassen wir den Abend im sanft schauklenden Bahncoupé ausklingen.

Tag 18 - Schon als wir aussteigen, regnet es und es hört leider auch nicht mehr auf. Als erstes müssen wir daher die Regenausrüstung montieren. Nun gehen unsere Ferien also doch noch richtig nass zu Ende. Nun, was solls, zu Hause kann ja alles wieder trocknen. Auf der Heimfahrt regnet es nur einmal und das ziemlich heftig, trotzdem erreichen wir unser Heim glücklich und zufrieden, wenn auch etwas wehmutig. Es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir Skandinavien besucht haben!