Vom Gardasee ueber Umwege nach Verona


Tag 1
Nach einer ruhigen Nacht sitzen wir schon um 9.00 Uhr auf dem Moto und cruisen in Richtung Chiasso. Noch kurz vor der Grenze tanken und schon sind wir in Italien. Anfangs läuft es wie geschmiert. Der Verkehr ist flüssig und wir kommen gut voran. Doch schon kurz nach Como beginnt sich der Verkehr zu „verklumpen“ und das Fliessen des normalen Verkehrs ändert sich in ein langsames Ruckeln. Mal schneller, mal langsamer. Immer kurz vor den Ausfahrten beginnt der Verkehr zu fliessen und so hoffen wir jedesmal, dass es nun vorbei sei mit dem Stau. Ja denkste! Es wird immer schlimmer. Nach der Abzweigung Milano in Richtung Venedig wird es erst richtig übel und da ich keine Ausfahrten mehr entdecke, ausser in Richtung Milano-Zentrum gibt es auch keine Alternative. So mogeln wir uns mehr oder weniger legal zwischen den Autos nach vorn, immer darauf bedacht mit den Alukoffern keinem die Karosserie zu zerkratzen.

Plötzlich nehme ich hinter mir das Martinshorn war. Weit entfernt und nicht wirklich näher kommend. Ich schaue mich um, aber ich sehe nichts. Vorsichtshalber fahre ich mal ganz links an den Rand. Nach gut 2-3 Minuten sehe ich dann, wie sich eine Ambulanz ganz langsam zwischen den stehenden Autos nach vorn schiebt. Der Krankenwagen kommt aber nur so langsam vorwärts, dass ich noch lange Zeit habe, in einigem Abstand zwischen den stehenden Autos selbst nach einer Lücke zu suchen. Erst als das Notfallfahrzeug etwa 20 Meter hinter mir ist, schere ich erneut nach links aus, wohl bemerkt, als erster. Die anderen warten jeweils, bis das Fahrzeug direkt hinter ihnen ist, bevor sie reagieren. Der arme Kerl, der da auf Hilfe wartet, denke ich mir. Noch lange höre ich die Sirenen vor mir, bevor sie irgendwann verstummen. Evtl. hat sich der Verletzte ja inzwischen selbst helfen können, wünschen tät ich’s ihm und wennich eins wüsste, dann, dass ich nie während der Osterferien einen Unfall auf der Autobahn in der Nähe von Milano haben möchte!

Irgendwann hat aber auch der grösste Stau sein Ende und wir gelangen mit gut zweieinhalb Stunden Verspätung nach Brescia. Endlich kann unsere KTM richtig durchschnaufen und sich ihrem Unmut über das langsame geholper Luft verschaffen. Mit dröhnendem Motor lassen wir den Asphalt unter uns dahin fliegen und donnern in Richtung Salo am Gardasee. Erst als wir das glitzernde, blaue Nass zu Gesicht bekommen, strömt wohlige Wärme durch unsere Adern und die wohlbekannte Ferienentspannung stellt sich ein.

Wir folgen der Seestrasse nach Gargnano, wo wir im Dorfzentrum nach links den Berg hinauf abbiegen. Der Belag ist griffig und ohne viele Schlaglöcher, die Kurven ideal rund und so gönne ich den Anwohnern das kratzende Geräusch meiner auf dem Asphaltboden schleifenden Aluschutzplättchen der Tech-8-Stiefel. Rechts und links der Strasse wachsen dunkelgrüne Pappeln in den Himmel, dazwischen winken uns Palmen mit ihren Zweigen zu. Es ist grün und warm, hier hat der Sommer nun also definitiv schon Einzug gehalten. Das merke ich spätestens, als ich mein Visier von den vielen kleinen Insekten reinigen muss, die es mit mir aufnehmen wollten – und verloren haben.

Zwischendurch versuche ich die Kurven zu zählen, doch dieses Unterfangen lasse ich schon nach Kurzem sein. Denn einerseits sind es viel zu viele, als dass ich mit zählen nachkäme und andererseits brauche ich meine Konzentration, um sicher auf der Strasse zu bleiben. Wie wir feststellen, verändert sich die Gegend, sobald man etwas Distanz zum Gardasee hat. Wenn man von der Seeküste etwas ins „Landesinnere“ bzw. ins erste Tal hinter den hohen Bergkämmen gelangt, wird es trockner und vor allem eins fällt uns auf: Man ist meist allein auf weiter Flur! Genau dies gefällt uns, suchen wir doch nicht Toursitenhochburgen, sondern etwas Abstand vom hektischen Alltag. Wir machen an einem kleinen Seitensträsschen Mittagsrast und geniessen das Zwitschern der Vögel und das noch leise Zirpen der Grillen im hohen Gras.

Am Eingang Costas, einem für unsere Verhältnisse winzigen Dörfchen schon weit oben am Berghang, nehmen wir gleich die erste Abzweigung rechts. Nun wird der Weg immer schmaler und auch seine Qualität nimmt stetig und rapide ab. Irgendwann habe ich dann nur noch Kies unter den Rädern. Das ginge noch, aber als der „Belag“ dann auf groben Schotter wechselt und ein Umkehren auf Grund seiner Schmalheit schwierig wird, mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich die Karte richtig gelesen habe. Eigentlich sollte eine durchgehende Strasse, wenn auch eine kleine, über den Passo d`Ere gehen, aber wie es scheint, ist dem nicht so.

Ich möchte kurz abbremsen, um mein ABS abzuschalten und trete, da auf Kies, die Hinterradbremse. Welch ein „Schock“, ich trete ins Leere! Sie reagiert nicht. Ich trete nochmals, nichts! Adrenalin schiesst mir durch die Adern. Au backe, was mache ich nun. Mit der Motorenbremse und viel Gefühl am Vorderrad bringe ich die vollbeladene KTM zum stehen. Meine Hinterradbremse bewegt sich tatsächlich nicht mehr. Nun beginnt sich die Sache zu verschärfen. Dieselbe Strecke hinunter, die ich eben hoch gefahren bin, wird definitiv zum Abenteuer ohne Hinterradbremse. Ich kann nur hoffen, dass die Strecke auf der anderen Seite runter besser ist.

Wir holpern also weiter den Berg hoch. Meine Sozia wird auf der Rückbank ungewollt heftig durchgeschüttelt und gewalkt. Diese Strecke ist definitiv nichts mehr für Strassenmaschinen. Ohne viel Federweg und etwas Endurofahrkenntnisse ist hier nichts mehr zu machen. Als uns irgendwann einige Mountainbiker entgegenkommen, machen wir kurz Halt und diskutieren den Weg. Sie ma-chen uns Mut und meinen, dass es für uns zu machen wäre, allerdings sollten wir uns immer in Richtung Refugio Piemp halten. Gesagt, getan. Ab der Passhöhe geht es dann nur noch im ersten Gang und unter feinster Verwendung der Vorderradbremse in Richtung Tal. Glücklicherweise ist der Weg hier weniger steinig, was einerseits meinen Adrenalinspiegel absinken lässt und andererseits die ganze Aktion sicherer macht. Nach einer unendlich lange dauernden Schlitterpartie taucht vor uns plötzlich ein kleines Gebäude auf, das Refugio Piemp. Dieses kleine, unbemannte Gebäude ermöglicht Wanderern und Bikern kostenlos in den Bergen zu nächtigen (allerdings muss man alles, was man braucht, selbst mitbringen, inkl. Matte und Schlafsack).

Für uns ist dieses Refugio aber auch sonst noch ein glücklicher Ort. Von hier aus läuft nämlich wieder ein asphaltieres Strassenband hinunter ins Tal. So kommen wir doch noch ziemlich bald und vor allem heil unten in Gardola an.

Bis nach Tremosine folgen wir einer gut ausgebauten, nichts desto trotz teilweise tückischen Strasse. Viele Kurven sind nicht einsehbar und so verwundert es uns nicht, als wir nach einer Kurve auf einen vor kurzem in die Böschung geknallten BMW Z3 stossen. Die Insassen sind aber schon wieder munter und dabei ihre Sachen zusammen zu sammeln. Als wir weiter fahren, kommt uns auch schon der Abschleppwagen entgegen. Sorgen brauen wir uns also keine mehr zu machen.

Eigentlich wollten wir vor Tremosine einen Umweg über den Passo di Tremalzo machen, aber die Strasse nach San Michele ist für Motos gesperrt. So fahren wir dann über eine endlos scheinende, kurvige Abfahrt hinunter nach Limone sul Garda. Das ziemlich touristische Dörfchen kann auf eine lange Tradition in Sachen Limonenzüchten zurückschauen, daher auch die Ortsbezeichnung.

Nach einem gemütlichen Rundgang durch das Zentrum mit seinen vielen kleinen und kleinsten Lädelchen, gönnen wir uns eine saftige Pizza in einem der vielen guten Restaurants entlang dem See. Beim Rückweg gelangen wir durch die Via Mons. di Gamboni. An den Wänden finden wir in regelmässigen Abständen Schneckenhäuschen angeklebt. Darauf hervor lugt ein Docht. Auf Nachfrage erfahren wir, dass zu Ostern jeweils eine Prozession am Abend des Karfreitags stattfindet und die Schneckenhäuschen den Weg markieren sollen. Wir sind allerdings zu müde um bis spät in der Nacht wach zu bleiben und machen uns weiter auf den Heimweg. Im Parco Publico mit seinen Zitronenbäumen, gleich neben unserem Hotel, verdauen wir noch etwas, während wir die Geschichte von Limone studieren.

Tag 2:
Schon um 7.40 stehen wir auf, um vor unserer Fahrt vom grosszügigen Frühstücksbuffet des Hotels zu profitieren und uns die Bäuche voll zu schlagen, bevor wir um 9.00 Uhr voller Unternehmungsdrang die Fähre nach Malcesine auf der anderen Seeseite nehmen. Wir gondeln entlang der Strasse einige Kilometer nach Süden dem See entlang durch noch verschlafene Dörfer, bevor wir in Sommavilla steil nach oben abzweigen. Die Passfahrt hinauf zum Passo di Telégrafo ist mal wieder ein echtes Highlight. Die Strecke führt steil bergan und wir kommen kaum über den 2ten Gang hinaus. Büsche und Sträucher verhindern ein schönes Foto der Serpentinen, aber die Fernsicht ist dafür umso besser. Ausser zwei Motorräder treffen wir hier auf keinen Verkehr. Eigentlich verwunderlich, liegt diese Strasse doch gleich beim Gardasee und weist gut 20 Spitzkehren auf.
Unterschätzen sollte man die Strasse dennoch nicht, wie ein einsames, etwas verstecktes, 20 Meter unterhalb der Strasse in den Bäumen verkeiltes Fahrzeugwrack bezeugt. Wir lassen uns die Freude aber nicht nehmen und geniessen die vielen Kehren an diesem kühlen Morgen.

Nachdem wir eine atemberaubende Steilwand entlang gefahren sind, erreichen wir nach einer kurzen, fast geraden Abfahrt eine Hochebene. Hier machen wir eine erstaunliche Entdeckung: „Prada“, den meisten bekannt als Edel-Kleidermarke, ist eigentlich eine kleine, idyllische und absolut unmoderne Ortschaft östlich des Gardasees. Natürlich muss in diesem Fall das Ortsschild für ein obligates Beweisfoto herhalten.

In Caprino schlängeln wir uns durch das sonntägliche Marktgewusel im Stadtkern, denn wir wollen wieder nach Norden. Unser Ziel ist der „Bocca di Naverne“. Die Strasse bis hinauf nach Spiazzi ist geradezu gemacht um in den Kurven dem Boden sehr nahe zu kommen. Langgezogende Kehren mit feinstem Belag ermöglichen es, dauerhaft am Gashahn zu ziehen. Ok, mit unserer Enduro ist dies nicht ganz das gleiche, wie mit den vielen italienischen Supersportlern, die uns um die Ohren sausen, daher lassen wir es lieber ganz sein und geniessen die Strecke und das tiefe und mächtige Brummen der 1000-Kubik-Rassemaschinen in angemessenem Tempo und überlassen das Rasen den anderen.

Kurz nach dem Rifugio Novezza ist allerdings Schluss mit fahren. Schon kurz zuvor mussten wir unsere 990er durch kleine Schneeverwehungen dirigieren, doch nun geht nichts mehr. Die Frühlingssonne ist hier noch zu schwach, um den sich erst langsam zurückziehenden Winter die restlichen Zähne zu ziehen. Bevor auch wir uns im Schnee verbeissen und nicht mehr rauskommen, kehren wir um.

Über Spiazzi geht es südlich bis nach Rivoli, wo uns die Burg „Wohlgemuth“ beim Vorbeifahren ins Auge sticht. Die Burg, die 1850 erbaut wurde, gehörte zu Radetzkys erweitertem Festungsviereck und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Interessanter für uns Biker ist allerdings die Strasse SS12, die von Sega her den Flusslauf der „Fiume Adige“ begleitet. Beidseitig ragen riesige Felswände empor, bevor man nun zu seiner linken erneut die Festung „Wohlgemuth“ zu Gesicht bekommt. Wer auch noch Badesachen dabei hat, kann sich an einem der kleinen „Strandabschnitte am Fluss ein kleines Erfrischungsbad gönnen. Da wir leider nicht mit dieser Möglichkeit gerechnet haben, folgen wir der fein gewundenen Strecke bis nach Peri, wo wir rechts den Hügel hinauf abbiegen.  

Offiziell sind es 11 „Tornati“, die sich den Hang hinaufschrauben, aber unter uns gesagt, da ist mehr drin, als „draufsteht“! Kein Verkehr, der einen stört, guter Belag und viele Kurven und Kürvchen. Inzwischen hat auch der Hunger seinen Weg in unsere Mägen gefunden und das mächtige Knurren aus der Bauchgegend macht dem Motorenbrummen happige Konkurrenz. Nur leider ist von einem feinen Restaurant weit und breit nichts zu sehen.

Wir fahren also mit offenen Augen weiter, immer Ausschau haltend nach dem nächstbesten Hungerkiller. Ausgangs Sant`Anna d`Alfaedo werden wir fündig. Ein eher unscheinbares Arbeiterrestaurant avanciert nach dem ersten Bekanntmachen zu unserem Favorit dieser Tour. Ist der Eingangsbereich noch etwas rauchig, dunkel und wenig einladend, so werden wir nach Kurzem eines Besseren belehrt. Auf die Frage nach warmem Essen werden wir in einen hinteren, grossen Esssaal geführt. Schön dekorierte Tische in einem klimatisierten Raum erwarten uns. Das Menu wird noch mündlich vorgetragen und auf Grund fehlender, ausschweifender Italienischkenntnisse bestellen wir auf Empfehlung des Kochs das Tagesmenu und werden äusserst positiv überrascht. Für gerade mal 10 Euro gibt es einen Dreigänger, und was für einen! Das Getränk ist da sogar inklusive. Besser und haben wir für einen solchen Preis kaum je gegessen.

An blühenden Kirschbäumen vorbei geht es nach dem gelungenen Mittagessen mit vollem Bauch über Fane und Negrar bis nach Verona. In Verona haben wir bereits vor der Tour ein kleines Zimmer gebucht, denn an Ostern erwarteten wir hier zu recht viele Touristen. Das Hotel Piccolo liegt zwar sehr zentral gleich neben dem Bahnhof, aber es ist trotzdem etwas schwierig zu finden, da in Verona, wie in Zürich, an vielen Orten Einbahnverkehr gilt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten finden wir es dann doch noch. Das Hotel sieht von aussen schlimmer aus, als es eigentlich ist. Innen sind die Zimmer sauber und in gutem Zustand, aber der Gegend trauen wir dennoch nicht so ganz und so zahlen wir gerne noch 4 Euro drauf, um unser Moto in einer sicheren Garage verstaut zu wissen.

Kurze Zeit später machen wir uns auf Entdeckungstour durch Verona. Knappe 15 Minuten zu Fuss benötigt man bis ins Zentrum. Neben der bekannten „Arena“ verfügt die Stadt aber auch noch über andere Attraktionen. Was aber am meisten auffällt sind die vielen, freundlichen Leute. Überall finden sich Gruppen, die gemütlich zusammensitzen und über dies und das diskutieren, Kaffee trinken oder einfach die Sonnenstrahlen geniessen.

Mit müden Beinen, platten Füssen und vielen neuen Eindrücken im Rucksack der Erinnerung gelangen wir bei eintretender Dunkelheit zurück ins Hotel. Mit einer erfrischenden Dusche und eini-gen Seiten in einem interessanten Buch lassen wir den Tag auspendeln.

Tag 3:
Heute geht es leider schon wieder heimwärts. Doch anstelle über die öde Autobahn an Milano vorbei zu ziehen und dabei auch noch Stau zu riskieren, wollen wir für den Rückweg vor allem auf Nebenstrassen setzen. Von Verona aus peilen wir also zuerst mal Peschiera del Garda an. Dies ist eine kleine „Hafen“stadt mit einer grossen Festungsanlage, die vor allem im Krieg zwischen Österreich und Italien unter General Radetzky Verwendung gefunden hat. Ausserdem liegt der Ort im Ablussgebiet des Flusses Mincio aus dem Gardasee und bietet den Besuchern eine hübsche Altstadt. Wer Lust auf Wochenmarkt hat, findet jeweils montags die typischen Produkte der Gegend im Angebot der „Stände“.

Von Peschiera bis nach Bergamo führt die Strecke zunächst entlang der extrem touristisierten Gradaseeküste mit vielen Hotels und Restaurants, bevor sie später parallel zur Autobahn ebenfalls zweispurig an Brescia vorbei führt. Bis Bergamo nehmen wir das einzige Mal auf der heutigen Etappe die Autobahn, denn der Verkehr wird immer dichter und irgendwann wollen wir heute ja noch in Bellinzona ankommen.

Ab Bergamo folgen wir der P342, wobei es für Kurvenfanatiker und solche die es gerne werden wollen, auch die Möglichkeit gäbe, über Brembilla und Vedeseta nach Norden zu fahren. Details über diese Gegend bzw. Route sind auch in der Tour „Schräglagentraining zwischen Locarno und San Pellegrino“ zu finden. Wir kennen diese Strecke allerdings vom letzten Mal und wissen auch, dass sie einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Leider hat sich aber der Himmel etwas verdunkelt und es haben sich gar schon einige Regentropfen auf meinem Visier festgekrallt. So entscheiden wir uns dagegen und bevorzugen in diesem Fall die direktere Heimreise.

Am Lago di Garlate vorbei, der eigentlich ein erweiterter Teil des Lago di Como ist, passieren wir Lecco. Die Strasse dreht sich jetzt nach Westen auf Como zu. Nach einem kurzen Regenguss hat sich der Himmel inzwischen glüklicherweise wieder etwas aufgehellt und wir hoffen, dass es so bleibt. Die Luft ist allerdings immer noch ziemlich kühl, weshalb ich vom kühleren Held Phantom auf die wärmeren IXS Handschuhe wechsle, um so meine Bremsfinger immer bereit zu haben, denn meine Hinterradbremse funktioniert immer noch nicht.

In Como ist es dann wieder derart warm, dass wir uns am See eine Pause gönnen und etwas Sonne tanken. Einige kleine Wiesen bieten geradezu ideale Verhältnisse für ein Picknick und da wir noch einige Kleigkeiten im Topcase verstaut haben, packen wir diese aus.

Nach diesem erholsamen Break freuen wir uns auf die meist vereinsamt daliegende Strecke dem Luganersee entlang von Méride bis hinauf nach Lugano. Die allermeisten benützen hier die Auto-bahn, doch dies ist eigentlich schade, denn die Strasse entlang des Sees, vorbei an den kleinen Dörfchen, um kantige Felsen herum dem See folgend, hat sehr wohl etwas für sich.

Von Lugano, wo sich noch ein Spaziergang der Seepromenade entlang anbieten würde, geht es dann zu guter Letzt noch über den Monte Ceneri. Leider ist dieser „Pass“ aber von Süden her nicht so interessant wie von Norden her. Erst wenn man plötzlich steil hinunter nach Bellinzona sticht, merkt man, dass man soeben die Passhöhe hinter sich gebracht hat. Viele Kilometer waren es heute nicht gerade und so nutzen wir die restlichen Sonnestunden, um Bellinzona etwas zu erkunden. Die meisten Leute kennen Bellinzona ja nur also Autobahnausfahrt. Aber wer sich etwas Zeit nimmt, der findet im Zentrum Bellinzonas neben einer hübschen Altstadt eine gut erhaltene Burg mit kleinem Grotto sowie wunderbarer Aussicht über das Tal vom Burgturm herab. Ausserdem ist diese Gegend ein geniales Wandergebiet.

Fazit dieser Tour: Der Gardasee hat weit mehr zu bieten als eine Küstenstrasse mit touristischen Pizzerias und es lohnt sich sicherlich einige Tage mehr in eine Tour in diese schöne Region zu investieren, als nur ein Wochenende, sofern man eben Zeit hat. Vor allem die neben dem See steil ansteigenden Berge bieten viele noch kaum befahrene, kleine und schmale Strässchen, die sich ideal für die Tourer eignen. Daneben bietet die Region aber auch Interessantes neben der Strasse, was vor allem auch den Sozias gefallen wird.