Sizilien - Zwischen Olivenheinen und Abfallbergen

 

Hinfahrt:
Schon die Hinfahrt alleine würde wohl ein Buch füllen, aber das lass ich mal beiseite. Die lange Anfahrt über die Autobahn habe ich zu Gunsten einer gut 20 Stunden dauernden (ohne Verspätung versteht sich) Fährüberfahrt fallen lassen. Wobei ich sagen muss, dass ich von der Fähre etwas enttäuscht bin. Weder war sie besonders sauber, noch fand ich einen Ort, wo man sich anständig hätte verpflegen können. Ich bin wirklich froh, dass ich in meinem Gepäck massenhaft Esswaren und Getränke dabei hatte, sonst wäre ich wohl noch fast verhungert.

Das Beste an der ganzen Fährengeschichte war allerdings, dass mich die Leute im Hafen von Genua beinahe nach Marokko eingeschifft hätten. Das heisst, sie haben mich da eingeschifft, mein Motorrad war nämlich schon im Bauch der Fähre parkiert als ich etwas skeptisch wurde. Erst die dritte Person im Bauch der Fähre bestätigte mir, dass die draussen einen Fehler in der Abfertigung gemacht hatten.

Wie dem auch sei, gut 22 Stunden später fahren wir dann in den in gleissendes Abendrot getauchten Hafen Palermos ein. Bis wir allerdings endlich aus dem riesigen Schiff rausfahren dürfen, ist es bereits dunkel. Zum Glück habe ich unsere Unterkunft bereits im GPS einprogrammiert. Es wäre unmöglich, in diesem abendlichen Stossverkehr und in der Dunkelheit die richtige Route aus der grossen, wuseligen Stadt zu finden.

Ausserdem habe ich nicht vor, nach 22 Stunden faulen Rumsitzens einfach schnell ins Agriturismo zu düsen. Ich will schon noch die eine oder andere Kurve mitnehmen. Gesagt, getan. Nachdem die letzten Häuser der Vororte Palermos hinter mir liegen, geht es also endlich los. Die Strasse steigt an und schon bald schraube ich mich auf unbekannten Wegen durch dunkle Gegenden in die Höhe. Eine Kurve jagt die nächste, zumindest kommt es mir in dieser dunklen Nacht so vor. Ein Glück kann ich auf einen guten Schein- und zwei intensive Nebelscheinwerfer zählen.

Mein GPS lotzt mich entlang einsamer, dunkler Strassen. Nur selten traf ich auf Gegenverkehr und wenn, dann konnte ich den auf Grund des Lichtes schon weit vorher ausmachen. Gut eine Stunde später erreichte ich dann unser ziemlich abgelegenes Agriturismo. In der Dunkelheit ist nicht genau zu erkennen, wie es von aussen aussieht, aber von innen ist es schon mal super.

Schnell ist alles abgeladen, die Koffer geleert und das Essen gemacht (eine Küche gehört eben auch zum Zimmer). Natürlich muss noch der Wetterbericht im TV geschaut werden, am kommenden Morgen ist ja früh aufstehen angesagt, um meine Sozia am Flughafen abzuholen und da will ich möglichst nicht nass werden.


Tag 1: 29° C, Castellammare del Golfo – San Vito lo capo – Torre dell impiso

Der Flieger hat zum Glück keine Verspätung gehabt und daher sind wir schon bald wieder im Agriturismo. Schnell ramschen wir alles nötig für unseren Tagesausflug zusammen und schon schnurrt der Boxermotor wieder unter uns.

Heute soll es nur eine kleine Ausfahrt werden, wir wollen uns ja etwas an den Verkehr gewöhnen, von dem man sagt, er sei halsbrecherisch. Nun, ich bin mir da schon so einiges gewohnt, immerhin fahren die Südamerikaner in ihren Städten auch nicht gerade nach europäischem Standard.

Die Fahrt nach Norden führt uns entlang kleiner, verschlungener Strässchen. Besonders entlang dem Lago Poma, einem für einmal malerisch in die Landschaft eingebetteten Stausee, geniessen wir die Fahrt. Diese Strecke ist mit ihren vielen Kurven teilweise sehr unübersichtlich. Auch hat es wie erwartet den einen oder anderen etwas irren Autofahrer, der sich selten auf seine eigene Fahrseite beschränkt. So sollte man die Augen nie zu lange von der Strasse bzw. den anderen Verkehrsteilnehmern lassen, denn die überholen, auch wenn man nichts sieht bzw. voll in den Gegenverkehr hinein. Es ist bekannt, dass Sizilianer sehr religiös sind, aber ein zu starker Glaube an ein vorbestimmtes Schicksal kann die Lebenszeit bei einem solchen Fahrstil massiv verkürzen (und dabei im schlechtesten Fall auch unsere).

Was uns an diesem Tag besonders auffällt, ist dass es überall brennt. Und das ist kein Witz. Entlang der ganzen Strecke werden Felder abgebrannt und der blaue Dunst sucht sich kringelnd seinen Weg in den morgendlichen Himmel. Neben dem Gras dürfte auch der eine oder andere Müllhaufen abgefackelt worden sein, zumindest melden das unsere Geruchsrezeptoren in der Nase.

Auch anderweitig erinnert die Gegend etwas an Südamerika. Überall trifft man auf rumstreunende Hunde, die in Abfallhaufen am Strassenrand nach Essbarem suchen. Unter die üblen Gestänke mischen sich zudem plötzlich starke, aromatische Gerüche von Trauben und Wein. Und das immer, wenn man an einer Traubenverarbeitungsfirma vorbei fährt. Ich nenne diese „Firmen“ bewusst nicht Winzereibetriebe, denn bei der Sauerei, die man meist auf dem Betriebsgelände vorfindet, kann ich mir kaum vorstellen, dass da was Feines daraus entstehen soll.

Zwischendurch rollen wir durch lange Olivenheine oder auch mal Mandelbaumplantagen.
Wer gerade Lust hat, der kann sich am Strassenrand mit feinen, saftigen Honigmelonen eindecken. Diese eignen sich besonders gut als Flüssigkeitsspender, da sie die Kühle gut speichern und somit als angenehme Erfrischung für unterwegs taugen.

Manchmal wundert man sich evtl. über die seltsamen Prioritäten, welche die Sizilianer an den Tag legen (das wird noch öfters der Fall sein auf dieser Insel): Anstatt wirkliche Probleme zu lösen, wie die vielen teilweise gefährlichen Löcher in den Strassen zu flicken, werden die Mannstunden eingesetzt, um vertrocknete Grashalme entlang der Strasse zu mähen. Die dabei haufenweise noch viel besser sichtbar werdenden Abfälle, die sich entlang der Strassen sammeln, ja an manchen Stellen gar auftürmen, lassen sie aber immer liegen.

Wir nehmen die Autobahn nördlich von Partinico nach Westen und zweigen in Richtung Castellammare del Golfo ab. Der mediterrane Ort bietet einen schönen Dorfkern mit kleinem Hafen, der zu einem aromatisch duftenden Capucchino einlädt. Wer jetzt noch keine Pause einlegen will, der sollte sich den Ort für die Rückfahrt merken.

Wir folgen der SS187, die schon kurz nach der Ortsausfahrt anzusteigen beginnt. Besonders am Abend bietet sich von hier aus ein wunderbares Panorama über die Küste Nordsiziliens. Das Meer schimmert und glitzert, als wir es hinter uns lassen, als wollte es uns damit zurückhalten und nicht weiterfahren lassen.

Über einige Hügel kurven wir in Richutng Capo San Vito.  Schon von Castelluzzo aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer. Auch hier funkelt das Mittelmeer wie tausend Diamanten im Sonnenlicht und wir geniessen die salzige Meeresluft, die uns um die Nasen weht.

Zwischen Castelluzzo und Capo San Vito finden sich überall wunderbare Strände, teils mit Sand, teils felsig, aber alle mit absolut klarem, blauem Wasser. Capo San Vito selbst ist dann allerdings eher etwas touristisch. Naja, das ist jetzt eher etwas untertrieben - es ist extrem touristisch!

Wir überlassen das touristische Zentrum den anderen und zweigen schon Eingangs der Ortschaft nach links ab und fahren durch ruhige Olivenhaine hindurch, in denen die reifen, dicken Oliven die Äste biegen, in Richtung Monte Monaco. Besonders schön an diesem Teil Sizilien ist, dass man immer und fast überall Fotomotive findet, die sich später wunderbar als Poster vergrössern und bestaunen lassen. Der Monte Monaco, der etwas östlich von San Vito liegt, passt da ebenfalls gut rein.

Die meisten Leute bleiben in San Vito hängen und vergessen dabei den besten Teil der Strecke – runter in Richutng Tonnarella dell`Uzzo. Rechts der Fels, links weit unter einem das tiefblaue Meer, das im Sonnenlicht blitzt und strahlt. Kurz vor Torre dell`Impiso kann man sogar noch einige Haarnadelkurven mitnehmen, ein wahrer Genuss. Die Landschaft ist hier eher karg, felsig und rau.

Die Strasse ist eine Sackgasse und am Ende wartet eine Zahlstelle, bei der man eine Handvoll Euros abdrücken muss, um zusammengepercht mit einem Haufen Einheimischer in einer an sich schönen Miniaturbucht um einen Platz zu kämpfen. Wir können das nicht empfehlen, zumal wir eine andere Lösung bereit halten: Etwas weiter zurück, noch vor Torre dell`Impiso, gibt es eine kleine Abzweigung, die nach unten ans Meer führt. Sie sieht steiler aus, als sie wirklich ist.

Hier sind wir völlig alleine. Ok, wir haben keinen Sandstrand, aber dafür eine ganze Bucht voll mit  blaustem Wasser und das Motorrad ist erst noch sicher gleich neben uns parkiert. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen und schwimmen etwas mit den Fischen um die Wette (wobei wir leider hoffnungslos verlieren).

Die Sonne brennt derart, dass wir hinter einem Felsen in Sonnendeckung gehen müssen. Der Vorteil aber ist, dass unsere Kleider innert Kürze wieder trocken sind und wir schon bald den Heimritt antreten können

Nach der gemütlichen Heimfahrt doppeln wir in Sachen Badnehmen nach und werfen uns in den Pool des Agriturismo, bis es Zeit ist zum Essen. Und davon kann ich sagen, würde selbst der hungrigste Stahlarbeiter satt. Abgesehen davon ist es extrem fein, so dass wir es kaum übers Herz bringen, etwas stehen zu lassen. Dies wiederum führt dazu, dass wir uns nach dem Essen ins Zimmer rollen müssen und die ganze Nacht kaum wissen, wie wir unsere dicken Bäuche positionieren sollen (eine Schwangere im 9. Monat kann das evtl. nachvollziehen). Aber so gutes Essen darf man einfach nicht stehen lassen!

Tag 2: 31° C, Corleone – Macalube – Scala dei turchi – griech. Tempel Selinunte
Heute geht es erst um 10.00 Uhr los, immerhin mussten wir uns erst noch mit einem feinen Capucchino wach rütteln (nachdem wir dann mit den vollen Bäuchen kurz vor dem Morgengrauen doch noch mal eingeschlafen sind).

Ziel ist heute u.a. das Zentrum der Macht des Organisierten Verbrechens – Corleone. Hoffen wir, dass wir selbst heil aus der Sache raus kommen werden. Immerhin liegt Corleone nur gerade 22 Kilometer Luftlinie von unserer Unterkunft, ein Katzensprung sozusagen entfernt, im Greifweite des Paten, könnte man schon fast sagen.

Trotzdem erreichen wir die Ortschaft alles andere als innerhalb von Minuten. Unsere Route führt uns nach Süden durch teilweise seltsame Mondlandschaften. Abertausende Grillen zirpen am Strassenrand, als wollten sie alle Besucher vor diesem gefährlichen Ort warnen und falls nötig selbst ihr Leben dafür einsetzen. Viele haben ihr heldenmutiges Vorhaben allerdings tatsächlich schon mit dem Leben bezahlt und dementsprechend sieht die Strasse aus, sozusagen „grillengepflästert“.

Die Strassen sind vor Corleone besonders schlecht. Der Asphalt fehlt teilweise ganz und errutschartige Setzungen haben regelrechte Stufen in die Strasse gemacht. Das scheint allerdings niemanden zu kümmern. Ob das wohl damit zu tun hat, dass es einigen Leuten im Ort ganz gelegen kommt, oder diese zumindest nicht stört, wenn die Polizei nicht so schnell voran kommt, wenn sie mal wieder ins Dorf will/muss?

In der Ortschaft selbst muss man sich durch ein ziemliches Gewusel kämpfen. Wir machen kurz Halt an der ortseigenen Tankstelle, sozusagen dem zentralen Treffpunkt aller Leute. Hier tankt neben dem Linienbus auch der Traktor, die Polizei und wohl auch der eine oder andere Mafiosi.

Die Strassenführung ist ziemlich speziell. Als wir einen kleinen Nebenweg befahren möchten, um etwas in die Nebenstrassen zu sehen und ggf. das eine oder andere Foto zu machen, finden wir beinahe nicht mehr raus und die rumlungernden Einheimischen machen uns mit ihren beinahe tödlichen Blicken augenblicklich klar, dass hier nicht der Ort für Ferienrecherchen von Hobbyjournalisten ist. Wir sind heilfroh, als uns die grosse Strasse wieder hat und versuchen aus sicherer Distanz von einem gegenüber liegenden Hügel einige Fotos der Ortschaft zu schiessen.

Auf der Suche nach dem richtigen Aussichtspunkt gelangen wir zu etwas abgelegenen Häusern. Doch auch hier scheinen die nicht auf Fremde gewartet zu haben. Ausnahmslos alle haben scharfe Wachhunde. Die lassen sogar ihre Baustellen von solchen Monstern bewachen.

Auf unserer weiteren Fahrt machen wir eine neue Entdeckung. Wir finden heraus, weshalb die Italiener auf kleine Autos wie Fiat Uno etc. stehen. So überholen die Einheimischen nämlich auch im Gegenverkehr auf einer zweispurigen Strasse. So passen mindestens drei Autos aneinander vorbei. Das verhindert Stau und ermöglicht ein flottes Vorankommen, sofern es denn keinen Unfall gibt. Auf der Gegenfahrbahn hält es der Gegenverkehr ähnlich gleich, weshalb uns manchmal beinahe das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Inzwischen wird es immer heisser und heisser und die Helmpolster sind längst zu saftenden, lauwarmen Schwämmen geworden. Wir folgen der SS188c, welche uns in Richtung Prizzi bringt. Nicht dass es hier wirklich besser würde mit den mörderischen Blicken. Die Ortschaft ist etwas komisch und die dort herumhängenden Polizisten erwecken auch nicht gerade Vertrauen. Obwohl wir Hunger haben und dringend eine Abkühlung brauchen, lassen wir den Restaurantbesuch nach diesen Eindrücken sausen und lassen den Motor aufheulen. Rasch sind wir aus der Ortschaft raus wieder auf freiem Feld und fühlen uns gleich viel besser.

Ausgangs Bivona finden wir dann endlich einen Supermarkt. Wir kaufen eine Flasche Wasser, nur um diese über die Köpfe und Jacken zu leeren, und ich könnte schwören, dabei ein leises Zischen gehört zu haben. Dazu essen wir je ein klirrend kaltes Zitroneneis. Allerdings schmilzt uns das Eis trotz seiner Kälte beinahe unter der Zunge weg. Wir müssen uns schon fast beeilen, um es anstatt auf dem Asphalt in den Mund zu bekommen.

Leider gibt es hier keine eigentlichen Wälder, was schade ist, da diese sicherlich etwas zur Abkühlung beitragen würden. Hat es mal eine kleine Ansammlung von Bäumen, muss man das daher unbedingt ausnutzen, um eine Pause einzulegen, denn darunter ist es meist gleich merklich kühler.

Unser nächstes Ziel sind die Schlammvulkane von Macalube. Leider sind sie auf Grund der mangelnden Regenfälle der letzten Zeit nicht besonders ausgeprägt. Der Schlamm ist kalt und stinken, wie an anderen derartigen Orten, tut es auch nicht. Dafür hat es den einen oder anderen Dieb. Man muss sehr aufpassen, nichts unbewacht stehen oder liegen zu lassen. Da wir das erwartet haben, bemerken wir den Auskundschafter schnell. Man muss dazu wissen, dass diese Schlammvulkane an einer Sackgassenstrasse liegen. Es gibt also für Einheimische keinen Grund die ganze Zeit hier vorbei zu fahren, es sei denn, sie haben etwas anderes vor, als sich die Schlammvulkane anzusehen.

Unser Auskundschafter fährt fünf mal vorbei, schaut sich an, was es so auf dem Parkplatz gibt (neben uns nur noch einen österreichischen Camper). Dabei telefoniert er ausgiebig. Kurz nachdem er sein Telefonat beendet hat, taucht offenbar ein Kollege von ihm auf. Dieser fährt mit einem Supersportler-Moto kurz an uns vorbei, macht auf dem Platz kehrt und düst mit aufheulendem Motor wieder weg. Uns wird die Sache zu heiss. Wir packen schleunigst alles zusammen und fahren los. Davor warnen wir noch den Camperfahrer, doch dieser scheint sich sicher zu sein, dass er bloss sein Auto abzuschliessen braucht. Hoffen wir, dass er Recht behält.

Wir rasen mit hoher Geschwindigkeit über den nahen Hügelkamm, denn eines ist mir aufgefallen, die anderen hatten weder Helm auf, noch Schutzkleidung an. Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich uns bei unserem Tempo in den Weg stellen würden. Kaum auf der Hügelkrete angekommen, kommt uns der Supersportler entgegen, neu mit Sozius hinten drauf und der sieht noch weniger vertrauenserweckend aus. Im Schlepptau ein anderer Biker mit Sozius. Wir geben noch mehr Stoff, so dass uns keiner in den Weg fahren kann und brausen an ihnen vorbei. Die Biker bremsen kurz ab, schauen uns nach und geben dann wieder Stoff, wie ich aus dem Rückspiegel entnehmen kann. Wir können nur hoffen, dass der Österreicher vor Ort auch soviel Glück hatte wie wir!

Ohne einen Halt einzulegen fahren wir fast bis runter ans Meer. Erst da sind wir sicher, dass uns sicher keiner gefolgt ist. Wir geniessen wieder die Sicht auf grosse Frachtschiffe, die lässig im Meer kreuzen. Auch der Strand ist wieder da, wir sind zurück im friedlichen Sizilien, das Dolce Vita hat uns wieder.

Von Porto Empedolce aus folgen wir der Strasse nach Punta Grande. Hier befindet sich die bekannte „Scala dei Turchi“. Dabei handelt es sich um einen Kreidefelsen, der leicht schräg abfallend ins Meer ausläuft. Die Stelle ist auch bei Einheimischen sehr beliebt zum Baden. Allerdings wird auch hier mal wieder die hohle Hand gemacht. Wir umgehen das, indem wir einfach etwas weiter vorne anhalten und zu Fuss dem Strand entlang zur Scala wandern. Das kann ich übrigens jedem empfehlen, denn es ergeben sich so sehr schöne Fotosujets, die man sonst wohl verpasst.

Die weitere Fahrt nach Westen bietet dann leider nicht mehr besonders viel Sehenwertes, zumindest, was die Strassenführung betrifft. Denn die Strasse geht leider nicht ganz der Küste entlang. Da inzwischen schon später Nachmittag ist, machen wir keine weiteren Umwege mehr und steuern direkt die Ruinen von Agrigento an (obwohl es an der ganzen Küste diverse sehenswerte Stellen gibt – Google-Earth hilft da weiter).

Diese Tempelanlagen, welche nach offiziellen Angaben noch von den Griechen stammen, gehen etwa auf das Jahr 500 v. Christus zurück. Die riesigen, wirklich gut erhaltenen Säulen eines ehemaligen Tempels der Griechen stehen in Sichtweite des Meeres, andere Teile der Tempelanlagen sind zerfallen. Man hat aber beim Rumstreunen im archäologischen Fundgebiet das Gefühl, man befinde sich im altertümlichen Griechenland. Wir können diese Tempel trotz Eintrittsgebühr jedem Empfehlen, der in der Nähe ist.

Bevor wir uns wieder auf den Weg nach Norden machen, geniessen wir noch ein Eis, denn es ist immer noch anständig warm. Über die Autobahn geht’s auf den Heimweg, denn inzwischen ist es schon gegen 19 Uhr. Eine gute Stunde später erreichen wir unsere Unterkunft, gerade rechtzeitig zum Abendessen.

Tag 3: bis 32° C, Alcamo – Segesta – Callitello – Camporeale

Da das Eintrittsticket von Agrigento von gestern am Folgetag auch noch zum Eintritt in Segesta gilt, ist unser Ziel für heute klar. Leider ist es zu Beginn etwas bewölkt, aber Regen wird nicht erwartet, weshalb wir uns ohne Regenschutz aus dem Hause wagen.

Die Landschaft, welche wir heute durchfahren, ist um einiges schöner und auch abwechslungsreicher, als gestern gegen Süden. Nicht nur Bäume zeigen sich, sondern sogar ganze Schilfgürtel lassen sich am Strassenrand ausmachen. Die Fahrt führt entlang vieler Weinrebhänge und durch Melonen- und Tomatenfelder und natürlich finden sich auch hier wieder die entsprechend duftenden Destillerien. Kein Wunder fühlten sich schon die Griechen hier sehr wohl. Wie man weiss, waren ja auch die Griechen dem vergärten Traubesaft ganz und gar nicht abgeneigt. Auch wenn sich ein heutiger Weinkenner wohl die Seele aus dem Leib ko... würde, wenn er gezwungen wäre, ein Glas des damaligen „Weines“ zu trinken. Aber bekanntlich sind die Geschmäcker ja verschieden.

Auch hier werden wieder ganze Felder abgefackelt. Auf Anfrage unseres „Tripadvisors“ vom Agriturismo, machen die Bauern dies jedes Jahr so. Warum? Darüber können wir nur spekulieren. Einerseits Landgewinnung, andererseits ergibt sich aus den Feuerrückständen bzw. der Asche auch Dünger fürs Folgejahr. Zu guter Letzt ist es wohl auch eine Frage der Arbeitsmoral. Es ist ja doch viel einfacher Felder abzufackeln, als diese zu mähen. Na gut, dann geht halt der eine oder andere Baum gleich mit drauf und von den kleinen Mäusen und dem Getier gibt es eh zuviel, oder etwa nicht?!? Oder vielleicht sind das alles auch einfach nur Pyromanen, die sich diebisch an den Feuern erfreuen. Immerhin, entlang von Hauptstrassen und Autobahnen werden wir Zeugen, wie altmodisch ausgerüstete Feuerwehrtruppen versuchen, hin und wieder Brandherde in den Griff zu kriegen bzw. zu löschen, wenn sie zu nahe an die Fahrbahn wandern. Diese scheinen auch eher unbeabsichtigt und wurden möglicherweise durch rausgeworfene Zigarettenstummel verursacht, welche das verdorrte Gras wie Zunder innert Sekunden in Flammen aufgehen lassen.

Heute sind die Strassen im Allgemeinen besser als gestern, zumindest auf dem Hinweg nach Segesta. Gott - oder die Mafia - weiss, warum gewisse Strassenabschnitte super, andere wiederum der Natur überlassen sind. Interessanterweise können sich auf derselben Strasse innerhalb weniger Kilometer Streckenabschnitte mit genialem Asphalt und kurz darauf völlig verlöcherte Bereiche abwechseln. Auf jeden Fall kann man absolut kein System erkennen, weshalb ein Abschnitt komplett erneuert, ein daran anschliessender aber verlöchert liegen gelassen wurde.

So geniessen wir so weit möglich und vorhanden die schön geschwungenen Kurven. Es hat nur sehr wenig Verkehr, dies vielleicht auch weil Sonntag ist. Wir winden uns durch die Tälchen und über die Hügel und folgen einer Hügelkette mit unzähligen Windrädern. Immer wieder geniessen wir die Aussicht über die Hügel und Felder und grüssen Einheimische, die einfach tatenlos am Wegrand herumstehen oder sich trotz 30 Grad Hitze und Sonntag auf den Feldern abmühen und Trauben ernten. Vor uns fahren immer mal wieder kleine Laster, deren Ladebrücken vor Trauben überquellen. Das duftet dann so stark, dass man sich vorkommt, als hätte man in Traubengelee gebadet. Nicht übel, das könnte man bei uns auch einführen. Allemal besser, als den Gestank eines Zweitakters ertragen zu müssen.

Je weiter und länger wir fahren, desto heisser und drückender wird es. Die Wolken, die wir heute Morgen noch ärgerlich verscheuchen wollten, wünschen wir uns nun sehnlichst zurück. Doch die lassen sich nicht mehr blicken und wissen wohl warum: Es ist einfach zu heiss! Die Mittagshitze hat uns Unwissende und unbelehrbare Touris wieder erwischt und bricht gnadenlos über uns herein.

Wir durchqueren mal kleinere, mal grössere Ortschaften, wobei die kleinen meist trostlos und ausgestorben wirken und die grossen irgendwie etwas Unheimliches, Fremdes und Schmutziges an sich haben. Geschlossene Ladengitter, Müll an den Strassenrändern, Polizisten, die einen ansehen, als warten sie nur auf einen Grund, einen Geld abknöpfen zu können.

Gegen Mittag erreichen wir die griechischen Tempelüberreste von Segesta. Viele Touristen, einheimische und ausländische, tummeln sich hier. Ganze Reisebusladungen von Franzosen und Deutschen stranden hier. Nach den Anlagen von gestern erscheint uns diese Stätte jedoch nicht mehr sonderlich spektakulär. Aus Sicherheitsgründen kann man hier auch nicht in den Tempel hinein, sondern darf ihn lediglich umrunden. Dafür ist die Aussicht wunderschön. Aber wer einfach mal griechische Tempel sehen will, nimmt besser den Weg in den Süden unter die Räder. Man bekommt dort definitiv mehr geboten.

Auf einem Hügel gegenüber soll es noch ein Amphitheater haben. Doch da die Sonne so unbarmherzig runterbrennt, können wir uns einfach nicht überwinden, wie keuchende Saftbraten den Hügel zu erklimmen, nur um evtl. feststellen zu müssen, dass es die Mühe nicht wert war. Dafür legen wir eine Pause im Schatten ein, kühlen unsere Kehlen und Köpfe mit erfrischendem Wasser.

Von einem ebenfalls pausierenden Deutschen Pärchen hören wir, dass sie in Palermo im Bus ausgeraubt wurden. Die Diebe drängten sich im Bus bis zum Fahrer vor, fragten nach einer Haltestelle, die nicht an der Strecke lag und quetschten sich danach gegen den Strom wieder nach draussen. Dabei klauten sie die Geldbeutel aus Hosensäcken und Handtaschen und entnahmen das Bargeld. Immerhin warfen sie die vom Baren entleerten Portemonaies - zum Glück - wieder in den Bus auf den Boden. So blieben den beiden wenigstens die Umtriebe bzgl. der Ausweise und Kreditkarten erspart.

Nach dem langen Tag gestern und wegen der wiederum extremen Hitze heute entschliessen wir uns dazu, bereits den Rückweg anzutreten. Doch nicht die schnellste Route soll es sein, sondern die kürzeste, was nicht immer das Gleiche sein muss, wie wir feststellen konnten. Für nicht Offroaderprobte ist diese Variante allerdings eher weniger zu empfehlen.

Zuerst geniessen wir noch gemütlich die kurvige Strecke über die grössere, gut ausgebaute Strasse. Später als wir dann von der grossen Verbindungsstrasse abzweigen wird der Belag immer schlechter, bis er teilweise ganz ausbleibt und wir über unbefestigte Kiesstrecken rollen.

Links und rechts des Strässchens sind noch Hügel, teils bewirtschaftet, auf jeden Fall aber fruchtbar. Je höher wir kommen, desto schlechter wird die Strasse. Bald ist jedoch von einer Strasse im eigentlichen Sinne nichts mehr zu sehen. Bei Regen wäre dies nur noch ein einziges Schlammbad. Rund um uns herum befindet sich jetzt nur noch ehemals bewirtschaftetes Land, dass nun von der Natur Stück für Stück zurück erobert wird oder inzwischen ganz verdorrt und vertrocknet ist. Selten treffen wir auf verlassene, zusammenfallende Hausruinen. Der Weg führt durch immer undurchdringlicheres Gelände. Ausgewaschene Erde und grössere Steinbrocken versuchen immer wieder uns vom Weg abzubringen. Die Büsche am Wegrand drängen in den „Weg“ hinein, ja überwuchern den verbliebenen Pfad, als wollten auch sie uns am weiteren Vordringen in dieses Gelände hindern. So müssen wir immer mal wieder den Kopf einziehen und uns klein machen, um nicht im Geäst von Büschen und Bäumen hängen zu bleiben. Dann taucht vor uns endlich eine Strecke auf, etwas flacher und weniger verwaschen und wir denken schon, dass das „Schlimmste“ oder „Beste“, je nachdem, hinter uns liege.

Es wird nun ebener, ja geradezu öde und verlassen. Wir fahren über eine ausgedorrt, einsame Hochebene. Nur lästige Heuschrecken halten als letzte Bastion die Stellung. Fliegende Exemplare dieser grossen Insekten springen auf, wenn man auf sie zufährt. Immerhin sind wir für sie eine Art grosse, knurrende Eindringlinge. Diese Viecher sind aber tatsächlich so gross, dass sie beinahe Dellen auf dem Helm bzw. Visier hinterlassen, so knallt es, wenn sie dagegen fliegen oder springen. Da macht das kühlende Fahren mit offenem Visier nicht mehr wirklich Freude, zumal diese Biester richtig scharfe Krallen haben, mit welchen sie sich an der Haut festkrallen. Einmal muss ich eine Vollbremsung auf den mürben Asphalt brennen, weil sich ein besonders aggressives Teil irgendwie einen Weg unter mein Visier erkämpft hat. Zum Glück hat es hier absolut keinen Gegenverkehr. Irgendwie komme ich dann am linken Strassenrand zum Stehen und schaffe es auch, mir das kratzende und krabbelnde Vieh aus dem Helm und von meinem Gesicht zu bekommen. Später verirrt sich dann noch eine in meinen Motorradstiefel, was mich wiederum zu einem Halt zwingt, da es sich jedesmal noch tiefer in den Stiefel zurück zieht, wenn ich sie mit dem Finger rausbugsieren will.

Die Strasse wird plötzlich, wen wunderts, wieder schlechter. Teils liegt hier in dieser vertrockneten, öden Gegend doch tatsächlich noch Wasser in grossen Pfützen auf der Strasse – woher auch immer das gekommen sein mag. Natürlich nehme ich die Chance wahr, mein verstaubtes Gefährt etwas zu putzen und schon bin ich drin im Wasser. Was für einen Schock, als ich mich am aufspritzenden Wasser beinahe verbrühe, so heiss ist es. Wir kommen uns vor, wie in der Pampa Südamerikas, auf jeden Fall aber irgendwo im Nirgendwo.

Die üble Strecke endet bei einer verlassenen Häuseransammlung (Caltafalsa). Es sieht aus, als wäre der Weiler überhastet verlassen worden. Auf der Treppe stehen noch Wassereimer und Besen. Ein Festerladen knarrt im lauen Windchen und es würde uns nicht wundern, käme in der nächsten Sekunde ein Hofhund um eine Ecke gewatschelt. Ab hier gibt es wieder besseren Asphalt, zumindest stellenweise. Je besser die Strasse ist, desto besser wird die Natur bewirtschaftet stellen wir fest (oder war das Gnaze evtl. umgekehrt?!). So treffen wir nun auch wieder auf Bauern. Diese schauen uns allerdings an, als wären wir Aliens auf der Durchreise. Dass hier nicht viel Verkehr herrscht, ist auch nachvollziehbar, weist die Strasse doch beträchtliche Schäden in Form von Rissen und massiven Absenkungen auf. Immerhin werden diese Bereiche hier wieder mit Verkehrsschildern auf dem Boden markiert bzw. gekennzeichnet. Anhand der starken Rostfrassstellen auf den Schildern – oder was davon übrig ist – kann man allerdings erkennen, wie lange diese schon ihr Dasein in dieser einsamen Gegend fristen. In den Rissen der Strasse hat sich auf jeden Fall schon eine ausgeprägte Flora entwickelt.

Wie aus dem Nichts taucht am Ende des Hügels das Städtchen Camporeale auf. Von hier aus wird die Strasse zusehends besser. Müde aber zufrieden und voller neuer Eindrücke fahren wir zu unserer Unterkunft zurück. Auch wenn man sie nicht sieht, so spüre ich auch jetzt noch die Kratzer auf meiner Haut, welche von den scharfen Krallen dieser grünen Krabbelviecher eingeritzt wurden. Eigentlich wollten wir noch etwas an den Pool hängen, doch an der Sonne ist es einfach zu heiss.

Tag 4: 27° C, Monreale – Palermo – Monte Pellegrino – Carini – Montelepre

Über eine kurvige Strecke erreichen wir Monreale, welches etwas erhöht über Palermo liegt. Aus diesem Grund hat man auch eine wunderbare Aussicht über die tiefer gelegene Stadt und das blaue, glitzernde Meer dahinter. Der Verkehr hält sich glücklicherweise in Grenzen, denn wir sind genug damit beschäftigt, einen Weg durch den Irrgarten der Altstadt zu finden. Die Strassenführung ist sehr unübersichtlich und mit diversen Einbahnstrassen so verwinkelt, dass einem schwindelig werden könnte. Nachdem wir uns einige Male im Kreis gedreht haben, „übersehen“ wir per Zufall und natürlich völlig ungewollt ein Fahrverbotsschild der Fussgängerzone, um an unser Ziel zu gelangen. Naja, interessiert hat es glücklicherweise niemanden der Anwohner, nein, sie haben uns sogar noch gezeigt, wie wir schneller vorwärts kommen und zu guter Letzt haben sie uns gar noch einen idealen Parkplatz in der Nähe des Domes angeboten. Da soll mal einer schlau werden.

Im Nachhinein stellen wir allerdings fest, dass man eigentlich auf der Umfahrungsstrasse um den Stadtkern herum fahren könnte bzw. sollte, um dann von Nordosten (also von Palermo her) an die Rückseite des Domes zu gelangen. Da kann man sein Moto sozusagen an die Rückwand des Doms parken und in aller Ruhe ohne Parkplatzsuche und Labyrintbesuch den Dom besichtigen (ist ausgeschildert, braune Schilder, Duomo Monreale).

Der Duomo Monreale wurde in den Jahren 1172-1176 erbaut, was doch schon einige Jährchen zurück liegt. Ok, an die Tempelanlagen der Griechen kommt er vom Alter her nicht ran, dafür haben die hier andere Marketingtools eingesetzt. Auch hat das Alter an seiner Ausstrahlung nichts verändert. Kein Wunder, im Innern wird der Besucher von mehr als 6000 Quadratmetern vergoldeter Mosaikbilder erwartet. Der Westflügel kann dann nur noch gegen Bezahlung besichtigt werden, aber auch wer sich das Geld sparen will, hat schon eine interessante und lohnenswerte Besichtigung.

Nach dieser ersten Pause, bei welcher man übrigens sein Portemonnaie sehr gut im Auge behalten sollte (besonders, wenn man mit öffentlichen Busen anreist), geht es für uns weiter runter nach Palermo. Ein wahres Gewusel à la alarmiertem Ameisenhaufen empfängt uns. Ein immenser Verkehr wälzt sich durch schmale Strassen, überall hupt und quitscht es. Mit dem Motorrad sind wir allerdings nicht allein. Der einzige Unterschied zu den einheimischen „Bikern“ ist die Grösse bzw. die Breite unseres Bikes. Fast alle anderen schwören auf kleine, schmale Roller. Und ich muss gestehen, hier wo es wirklich auf Zentimeter ankommt, um sich zwischen Autos und Bussen durchzuquetschen, sind diese kleineren Zweiräder eindeutig im Vorteil.

Der Versuch dieses Manko mit entsprechendem Fahrkönnen auszugleichen ist ein aussichtsloser Kampf. Immer dichter wird der Verkehr und als ein Unfall etwas weiter die Hauptachse runter den Fahrzeugfluss definitiv zum Kolabieren bringt, gibt’s nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder gute Nerven bewahren, warten und sich im Kombi garkochen lassen, oder sich dem italienischen Rollerfahrstil anpassen und sich der etwas gewöhnungsbedürftigen Flucht via Bürgersteig anschliessen. Quetschen, drängeln, hupen – wird schon gut gehen! Mit unserem Bumble-bee, fühlt man sich schon eher wie ein Elefant im Porzellanladen. Irgendwie schaffen wir es dann doch noch heil aus der Umklammerung des städtischen Verkehrs herauszukommen. Das Ganze erinnert mich stark an südamerikanische Verkehrsverhältnisse und ich kann eine Fahrt in die Stadt nur jenen empfehlen, die entweder entsprechend geübt sind oder jenen, die Geduld haben und sich den Spass dieses kleinen Abenteuers gönnen wollen. Ach ja, so nebenbei: Wer an einem Bus vorbei will, der sollte nicht vergessen, dass ein Bus hinten ausscheren kann, wenn er abbiegt. Das könnte in den in Palermo herrschenden engen Verhältnissen sonst evtl. problematisch werden.

Unsere Tour führt uns mehr oder weniger direkt an den Wahrzeichen der Stadt vorbei. Duomo, Theater und Palast. Wir sind auf Grund des langsamen Verkehrs und der runter brennenden Sonne dem schleichenden Überhitzungstod näher als wir wünschen, als wir es endlich bis zum Meer schaffen. Ein eiskaltes Gelati wäre jetzt genau das Richtige. Was für ein Glück, dass wir gerade vor uns auf eine Gelateria stossen. Noch bevor das Motorrad richtig angehalten hat, sitzen wir schon an einem kleinen Tischen, haben bestellt und  schauen uns nun gelassen den vor uns dahin quellenden Verkehr an und diskutieren über diesen oder jenen Biker, der gerade die Strasse entlang tuckert. Dabei geniessen wir auch noch gleich den Ausblick über den Hafen und lassen das Eis genüsslich im Mund zergehen.

Die Strecke über den Mt. Pellegrino nach Mondello soll wirklich schön sein und wurde uns empfohlen. Doch leider verpassen wir die richtige Abzweigung und landen auf dem Hügel nebenan. Einen schönen Ausblick gibt es da zwar auch und die Zufahrtsstrasse ist auch sehr interessant, weil sie unter anderem sehr steil ist. Dass wir aber auf dem „falschen“ Berg gelandet sind, finden wir dann etwas später auf eindrückliche Weise heraus: Vor uns türmen sich riesige Abfallberge, rund um uns herum haben sich Plastiksäcke in den Zweigen der Olivenbäume verfangen und unsere Nasen werden von heimtükischen, gemeinen Gerüchen belästigt. Nein, so haben wir uns den als besonders schön beschriebenen Aussichtspunkt nicht vorgestellt.

Aber trotzdem interessant, mal zu sehen, wie das mit der Müllabfuhr hier funktioniert. Eine Müllverbrennung gibt es auf Sizillien, so viel ich weiss, nicht. Wäre wohl schlecht für das Geschäft der Mafia, wer weiss. Unser Kurztripp in die Höhe endete daher abrupt in einer stinkenden Sackgasse.

Die Abfahrt über verlotterte, enge Strassen führt uns dann zuerst durch eine Art Villenquartier, dann in der Ebene lässt sich der Stadtteil schon eher mit einem Slum vergleichen, bevor wir wieder in die „normale“ Stadt eintauchen.

Nach etwas Suchen finden wir den richtigen Weg dann doch noch. Und tatsächlich, die Strecke diesen Berg hinauf ist wunderschön kurvig. In den Kurven sollte man vor allem bei feuchter Witterung allerdings Vorsicht walten lassen, den diese weisen meist einen Pflastersteinbelag auf. Dafür ist gerade an diesen Stellen die Aussicht über Stadt und Meer meist am eindrücklichsten. Verkehr hat es heute kaum, allerdings finden wir auf der Passhöhe touristische Stände und Restaurants, was darauf schliessen lässt, dass dies wohl eher die Ausnahme als die Regel ist. Wer will kann hier noch rechts abzweigen und noch etwas weiter hinauf. Irgendwann macht aber ein Fahrverbotszeichen dem legalen Spass ein Ende.

Die Abfahrt führt uns dann häufig durch Wald. Das ist gut, ist es da doch etwas kühler. Plötzlich öffnet sich vor uns eine phantastische Aussicht über die Bucht von Mondello. Der kleine, gelbe Sandstrand läuft aus in ruhiges, himmelblaues Wasser. Leider liegt dort aber Badetuch an Badetuch, nicht gerade das, was wir uns von einer ruhigen Bucht erträumen.

Wer nun lieber zurück möchte, der kann entlang dem Meer zurück nach Palermo cruisen, ebenfalls eine lohnenswerte Route. Wir hingegen fahren nach Carini. Dabei geht es vorwiegend über kleine Strässchen und durch viele Olivenheine und durch schöne, gemütliche Küstenörtchen, wobei man immer wieder Aussicht auf das Meer geniessen kann. Zum Abschluss der Tour gibt’s auf dem Weg nach Montelepre noch ein Pässchen, das an Steinbrüchen vorbei führt. In Montelepre verfährt man sich sehr leicht, da nicht gerade eine eindeutige Verkehrsführung herrscht. Aber dafür kann man sich bei einer kleinen Stadtrundfahrt ein Bild von den vielen kleinen, engen und mittelalterlich anmutenden Gässchen des Ortes machen. Zu Guter letzt finden wir aber auch da nach einer Weile wieder raus.

Anstatt über die Umfahrungsstrasse zu gehen, bevorzugen wir für einmal die Fahrt quer durch die Stadt, die man sonst wohl meist links liegen lässt. Die vielen Schleichwege, welche alle über keinerlei Signalisation verfügen, ergeben auf Grund der diversen Rechtsvortritte ein regelrechtes Stop and go. Dabei muss man auch hier extrem auf den Belag achten. Der ist absolut glatt und schmierig wie Seife, wenn er leicht feucht ist. Aber auch wenn er trocken ist, bietet er kaum gute Haftreibungswerte! Am Ausgang des Ortes gelangen wir wieder auf die Strasse nach San Guiseppe Jato, wo wir im Famila-Supermarkt noch das Nötigste besorgen, bevor wir uns im Agriturismo auf einen typisch sizilianischen Abend freuen dürfen. Gestern haben wir nämlich den Koch, der übrigens auf Grund seines mehrjährigen Schweiz-Aufenthaltes auch Deutsch spricht, gebeten uns für einmal mit sizilianischen Spezialitäten zu verwöhnen – und das hat sich gelohnt. Wir können gar nicht beschreiben, wie gut das Essen war! Das muss man selbst erlebt haben.


Tag 5: 25° C, Palermo – Autobahn nach Capo d'Orlando – Randazzo – Francavilla di sizilia – Graniti

Schweren Herzens nehmen wir Abschied von unserer Unterkunft. Da wir aber auch die Ostseite der Insel noch gerne etwas genauer unter die Lupe nehmen möchten, haben wir vor, uns in der Region um den Äthna ein Plätzchen zu suchen.

Über die Schnellstrasse sausen wir los in Richtung Palermo. Wem es zu langsam vorwärts geht, der überholt auch über doppelte Sicherheitslinien. Teilweise kommen auch wir nicht darum herum, geistern auf der Autostrasse doch auch Uraltsizilianer mit ihren altersschwachen Fiats oder gar Traktoren rum, die es gerade mal noch auf 30 Stundenkilometer bringen.

Die zweite Spur der bergfahrenden Seite wird allerdings auch vom talfahrenden Verkehr zum Überholen verwendet. Wer wann den Vortritt hat, können wir nicht genau nachvollziehen. Gehört man als Motorrad nicht entweder zu den Schnellsten oder zwängt sich anderenfalls nicht an den äussersten rechten Strassenrand, so dass man auch zu viert nebeneinander noch überholen könnte, so wird man gnadenlos ausgehupt. Die temperamentvollen Sizilianerinnen halten sich da keineswegs zurück, das durften wir am eigenen Leib erfahren, als wir einer solchen offenbar etwas zu anständig unterwegs waren.

Die Autobahn entlang der Küste ist leider kostenpflichtig, dafür wartet sie trotz schnellem Vorankommen immer wieder mit schönen Aussichten über das Meer und Küstenörtchen auf. In den vielen Tunnels entlang der Strasse stinkt es teilweise so intensiv, dass man vermuten könnte, die Mafia habe in Seitenstollen der Tunnels Abfall abgelagert. Da die Tunnel aber so schlecht beleuchtet sind, kann dies bei der Durchfahrt nicht verifiziert werden. Einen massiven Vorteil hat die Autobahn allerdings: Auf Grund des verhältnismässig geringen Verkehrs, kommen wir sehr schnell voran, weshalb wir schon bald unser erstes Zwischenziel erreichen: Capo d'Orlando.

Von nun an schrauben wir uns auf kleinen Strässchen längere Zeit aufwärts. Erstaunlicherweise hat es hier auf diesen unübersichtlichen Wegen deutlich mehr Verkehr als auf der Autobahn. Ob das etwa mit der Kostenpflicht der Autobahn zu tun hat? Wir sind inzwischen hungrig geworden und würden gerne eine Pause einlegen und dabei das schöne Panorama über die Küste und das Meer geniessen. Was so einfach klingt, stellt sich als schwieriger dar, als gedacht. Viele alleine und freistehende Häuser mit privaten Zufahrtstrassen am Hang verunmöglichen es uns lange, irgendwo am Strassenrand anhalten und picknicken zu können. Zu guter Letzt finden wir doch noch ein kleines Plätzchen in einer Kurve mit Aussicht. Leider müssen wir uns aber selbst da bald vor besonders aggressiven „Strassen“-Verkehrsteilnehmern in Sicherheit bringen. Ok, es handelt sich nur um Benutzer einer Ameisenstrasse, aber die jagen uns doch immerhin riesige Chipsreste ab.

Die folgende Strecke über Naso und Floresta bis nach Randazzo wird dann sehr kurvig, dafür ist sie etwas breiter und übersichtlicher. Was nicht heisst, dass man die eigene Strassenseite für sich alleine hätte bzw. beanspruchen sollte, ganz im Gegenteil. Man muss einfach immer mit gefährlichem, kurvenschneidendem Gegenverkehr rechnen. Aber diese Strecke eignet sich einfach wunderbar mal wieder ins Kurvenfieber zu verfallen und das ganz ohne Geschwindigkeitslimiten zu überschreiten.

Die Kretenstrasse mit wunderbarer Aussicht über die hügelige Landschaft, erinnert in der Höhe teils sogar etwas ans Bündnerland. Wir können diese Route jeglichen Kurvenfreaks nur empfehlen. Von den Kehren runter bis nach Randazzo türmt sich bereits zum ersten Mal direkt vor uns der stolze Äthna auf. Zwar ist es etwas dunstig, aber wir meinen ein Rauchwölkli erspäht zu haben.

In Randazzo queren wir die Alcantara, den Fluss im gleichnamigen Tal, ein erstes Mal und folgen dann dem Tal nach Osten. Nun hat es auch wieder mehr Verkehr. Wir fragen uns allerdings, wie die hier fahren, wenn es einmal pressiert, denn schnell vorwärts kommen ist hier nicht! Wir haben es zum Glück ja nicht eilig und daher finden wir auch schon bald eine gemütliche (wenn auch nicht mit dem ersten Agriturismo vergleichbare) Unterkunft.

Tag 6: 15-29° C: Francavilla – Castiglione – Linguaglossa – Mareneve-Strasse – Fornazzo – Riposto – Giardini Naxos - Graniti

Nach Francavilla schrauben wir uns in die Höhe bis Castiglione, ein kleines Provinznest mit schöner Aussicht. Etwas erhöht über der Ortschaft geniessen wir die Fernsicht über das Alcantara-Tal. Durch grössere Haselnuss-Heine erreichen wir Linguaglossa. Hier beginnt die Panoramastrasse „Mareneve“, welche die Nord- und Südstrasse um den Ätna verbindet. Ausgeschildert ist diese wirklich empfehlenswerte Strecke anfangs jedoch nur mit „Etna nord“. Erst wenn man sich bereits auf der richtigen Strasse befindet, findet man auch Schilder mit der entsprechenden Bezeichnung „Mareneve“.

Die Strasse bietet viele wunderschöne, schwingende Kurven. Sie sind rund und selten schliessend, also ideal zum Durchziehen. Dies erlaubt dann auch mal etwas tiefere Kurvenlagen, zumal die Strasse gut ausgebaut ist. Wir haben aber gehört, dass man sich nicht zu nah an die eigenen Grenzen der Schräglage wagen sollte, da sich auf der Strasse auch Vulkanasche ablagern kann. Diese verhält sich in etwa so wie Seife. Da kann man sich ja denken, was passiert, wenn man etwas zu tief in der Kurve auf eine solche Fläche gerät.

Wir sind fast ganz alleine unterwegs, Gegenverkehr Fehlanzeige. Langsam schleicht sich der Mittag an und so halten wir Ausschau nach einer geeigneten Verpflegungsstelle. Will man Pizza, sollte man sich an ein Restaurant halten, welches dies entsprechend kommuniziert. Des öfteren findet man nämlich Restaurants mit Schildern an der Strasse auf denen steht: „Pizza for lunch“. Wir haben dem zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet und erwischen doch tatsächlich eines ohne solches Schild. Zwar finden sich auch hier die berühmten Pizzas auf der Speisekarte, doch tagsüber werden diese nicht angeboten, da der Pizzaofen bis zum Abend kalt bleibt. Und so lange wollen wir dann doch nicht mehr auf unser Essen warten. Wir bestellen daher Spaghetti. Die sind dann zwar gar nicht auf der Karte, trotzdem können wir die freundliche Bedienung (und den Koch) überzeugen, uns mit Pasta zu versorgen.

Während wir unsere Teigwaren verdrücken, entdecken wir eine kleine Quad-Gruppe draussen, die nach einem kurzen Zwischenhalt die Strasse zögerlich wieder unter ihre vier Räder nimmt. Grundsätzlich wäre ein Quadausflug in der Region ja interessant. Doch leider müssen wir feststellen, dass die Quads etwa soviel Saft haben, wie ein altes Velosolex mit lahmendem Motor. Es ist geradezu lächerlich, wie die sogar von Schnecken in den Schatten gestellt würden, liessen sich die Schnecken denn herab, sich mit diesen motorisierten Saugnäpfen zu vergleichen.

Uns zieht es auch wieder weiter. Allmählich kommen wir aus dem Wald heraus und die Kurven werden weniger. Bald erblicken wir ein erstes, riesiges, schwarzes Lavafeld. Mit seinem tiefen Schwarz zeigt es vor dem Hintergrund des Waldes einen extrem starken Kontrast. Am Rand zu den Wäldern sind jeweils die Gerippe toter Bäume zu sehen. Ein paar Meter weiter jedoch ist alles in ein intensives Grün getaucht, als wäre hier noch nie etwas geschehen. Das breite Asphaltband der Strasse schlingt sich unbehelligt über das Feld hinweg und passt so gar nicht ins Bild. Man kommt sich im Bereich der scharfkatigen Lavagesteine wie auf einem anderen Planeten vor.

Die stark dunkle Lava lässt darauf schliessen, dass das Feld wohl vom letzten Ausbruch von Herbst 2002 stammen wird. Kommt man „oben“ am Ende der Strasse an, so trifft man auf eine kleine Hochebene mit Hotels, Hütten und Seilbahnen. Die Kiefernwälder, welche früher einmal alles bedeckten, wurden unter Lavamassen begraben bzw. verbrannten beim unaufhaltsamen Voranschreiten der Lavamassen. Souvenierstände und der Parkplatz sind nach dem letzten Ausbruch bereits wieder intakt neu hingestellt worden. Wir können nicht anders. Still setzen wir uns an den Rand des grossen, schwarzen, alles unter sich begrabenden Lavafeldes und lassen das surreale Bild auf uns wirken. Ein Glück, wohnen wir nicht im Einflussbereich eines aktiven Vulkanes.

Ganz oben, am Ende der Strasse könnte man auf einem Lava-Kies-Weg den Berg weiter erklimmen. Leider ist das Profil unseres Strassenpneus absolut ungeeignet für diesen Untergrund, weshalb wir unseren Vorstoss leider frühzeitig abbrechen müssen. Nach einigen hundert Metern geht nichts mehr und wir bzw. unser Pneu muss sich dem dünnen, glitschigen, schlammähnlichen Ascheuntergrund geschlagen geben. Ein Versuch war es allemal wert. Hier würden dann wohl die Quads weiter kommen, wenn auch sehr, sehr langsam.

Wieder zurück auf Asphalt geht es runter in Richtung Fornazzo. Die Strassenbauer haben auch hier eine schön kurvige Strecke an den Berg gepflastert. Sie ist zwar nicht mehr so schwingend und weniger übersichtlich, aber eindeutig fahrenswert.

Nachdem wir nicht ganz so schnell voran gekommen sind, wie geplant, beschliessen wir hier abzubrechen und „Etna süd“ ein anderes Mal zu befahren. Dafür besuchen wir in Sant'Alfio den grössten Baum Siziliens, den „Centocavalli“ an der Via cento cavalli. Eine auf 1200 Jahre geschätzte Edelkastanie, unter deren Blätterdach früher arme Familien ihre Hütten aufschlugen. Man sollte aber nicht zu viel erwarten. Es handelt sich immer noch nur um eine Art Anhäufung von Bäumen (die aber alle die gleichen Wurzeln teilen).

Auf einer steilen Strasse stechen wir runter an die Küste. Trotz Wolken geniessen wir eine grosse Aussicht auf das Meer. Wir fahren bis zum Strand und folgen der Küstenstrasse dann nach Norden. Diese schlängelt sich der Küste entlang durch verlassen wirkende Touristenorte, die im Sommer wohl Badeorte mit „Rambazamba“ sind. Doch heute ist alles sehr ruhig, richtig angenehm. Mit Giardini Naxos erreichen wir eine der schöneren Ortschaften. Hier gibt es auch einen Internet-Point, wo man mal die Mails und Wetter checken kann, bevor man sich wieder ins Hotel zurückzieht.

Tag 7: 20-28° C, Abend lau und schön
Für fanatische Motorradfahrer gänzlich aussergewöhnlich und wohl kaum vorstell- und sicher nicht nachvollziehbar, ist bei uns heute ein motofreier Tag angesagt. Von unserem Hotel wandern wir entlang der Hauptstrasse zur Alcantaraschlucht, welche nur gerade drei Kilometer entfernt liegt. Wer es einfacher haben will, der nimmt dafür natürlich das Motorrad, einen Parkplatz hat es vor Ort (wie sicher der ist, kann ich allerdings nicht sagen).

Es ist heiss und auf Grund der Feuchtigkeit drückend. Vorsicht ist zu Fuss auf jeden Fall geboten, denn es herrscht hier der berühmt berüchtigte süditalienische Fahrstil. Vor allem Kurvenbereiche sind auf Grund der „Kurvenschneiderei“ prekäre Punkte und einen Fussgängerweg gibt es hier im land der Motoristi logischerweise nicht. Heil und munter erreichen wir doch noch den Eingang zur „Gole di alcantara“. Dabei handelt es sich um einen botanischen und geologischen Garten. Hier ist aber auch der Ausgangspunkt für Quadtouren, Canyoning oder Fluss-Trekking. Wem das alles nicht zusagt, der kann auch einfach an der Mini-Fluss-Beach sein Badetuch ausbreiten und die Sonne geniessen. Sonnencreme ist allerdings sehr empfehlenswert, da es kaum Schatten hat.
Auch ein Restaurant und ein Souvenier-Shop stehen zur Verfügung. Der Weg durch den botanischen Garten oberhalb der Schlucht bietet eine Handvoll schöner Aussichtspunkte in die Schlucht hinab. Und das Beste: Der Eintritt ist dank der Zusammenarbeit mit unserem Hotel sogar kostenlos.

Nachdem wir über eine schmale Steintreppe bis in die Schlucht runtergestiegen sind, haben wir unser Badetuch schnell im Bereich des letzten Schattens ausgeworfen und nehmen zur Abkühlung ein erfrischendes Bad im (eis-)kalten Fluss und während die Sonne uns wieder aufwärmt verdrücken wir ein kleines Picknick. Einige Einheimische wandern barfuss durch die Schlucht, was ich mir kaum als Vergnügen vorstellen kann, denn nach spätestens 10 Minuten im eisigen Wasser handelt es sich bei den ehemaligen Füssen wohl nur noch um eisige, gefühllose Klumpen aus Gefrierfleisch. Wer will, kann daher Regenstiefel mieten. Schuhe sind aber auf jeden Fall sinnvoll, und sie sollten nass werden dürfen. Leider ist ein Grossteil der Schlucht nur mit Guide bewanderbar. Wer aber Zeit und Interesse mitbringt, der wird auch dabei seine Freude haben.

Ach ja, wir empfehlen die Treppe in die bis 50 Meter tiefe Basaltschlucht runter, aber wer sich das nicht antun will oder kann, dem steht auch ein Aufzug zur Verfügung.

Der Rückweg zum Agriturismo zu Fuss verläuft zuerst noch im Trockenen, ab der Hälfte des Weges beginnt es leider zu regnen. Und wie es regnet! Schon nach ein paar Minuten sind wir komplett durchnässt. Wir müssen ein derartig eledes Bild abgeben, dass ein Autofahrer sogar Erbarmen mit uns hat und uns triefende Geschöpfe bis zum Hotel mitnehmen möchte. Da wir aber nicht mehr so weit haben und ihm nicht das Auto unter Wasser setzen wollen, lehnen wir dankend ab.

Zurück im Hotel endet der Regen schon bald und nachdem wir uns abgetrocknet und wieder aufgewärmt haben, wird es uns im Zimmer allmählich langweilig. Es zieht uns nach draussen, immerhin sind wir heute ja noch nicht Motorrad gefahren. Somit ist der Entscheid schnell gefällt, wir machen doch noch eine kleine Abendausfahrt. Sie soll nach Taormina gehen, dem meistbesuchten Ferienort Siziliens. Das dieser Ort sehr vom Tourismus lebt, merkt man auch an den besser gepflegten Hotelanlagen und Häusern. Und natürlich auch an den vielen Reisecars, die sich entlang der kleinen Strasse vom Meer auf den Hügel hinauf durchkämpfen. Taormina selbst liegt nämlich auf einem Felssporn mit wunderschöner Sicht über die Küste und auf das Meer. Der alte Stadtkern ist völlig touristisch, ein Souvenierlädeli reiht sich an das nächste. Hier kann man sich sogar deutschsprachige Bücher kaufen, was in Italien etwas heissen will.

Wir kämpfen uns durch zum Teatro greco-romano, dem antiken Theater, welches in den Fels gehauen wurde. Im Sommer dient es noch heute der Aufführung von klassischen Theatern und Musikdarbietungen (vor allem im August). Der Eintritt von 8 Euro hält jedoch so manchen von einem Besuch ab, wie wir feststellen konnten. Ob es einem das Wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Wir bummeln noch etwas durch das Städtchen und genehmigen uns an einer der Hauptkreuzungen der Zufahrtsstrassen (der Stadtkern selbst ist glücklicherweise autofrei) eine feine Pizza. Dabei kann man an diesem Ort wunderbar das Treiben beobachten.

Danach fahren wir der Küste entlang und durch Giardini Naxos zurück. Nachdem die Ortschaften tagsüber beinahe ausgestorben sind, kommen nach Sonnenuntergang nun alle aus ihren Löchern gekrochen. Kein Wunder ist es doch endlich auch etwas angenehmer bezüglich der Temperaturen. Die Rollläden werden hochgedreht und die Lichter in den Läden eingeschaltet, jetzt läuft alles auf Hochtouren. Und zwar so sehr auf Hochtouren, dass wir tatsächlich im Stau stecken bleiben und für die Rückfahrt fast 45 Minuten länger haben, als für die Hinfahrt. Aber was solls, wir haben ja Ferien und da kann man sich ja sogar einmal ab einem Stau freuen.

Tag 8: 12-25° C: Calatabiano – Autobahn bis Santa Venerina – Zafferana – Etna / Refugio Sapienza – Ragalna – Paterno – Autobahn bis Giardini Naxos – Graniti

Zum Glück sind wir heute etwas früher aufgestanden, denn wir wollen den Etna Süd besuchen, also jene Region, welche wir letztes Mal ausgelassen haben. Die Wettervorhersage ist zwar schlecht, da es aber heute Morgen noch trocken ist, wagen wir es trotzdem. Die Anfahrt selbst wäre schon ein Highlight, würde aber selbst soviel Zeit benötigen, dass wir ggf. unser Ziel erst spät am Nachmittag erreichen würden. Daher nehmen wir bis nach Santa Venerina die Autobahn und folgen von ab der Strasse nach Zafferana.

Dieses Ort ist ziemlich touristisch. Wer allerdings Honigfanatiker ist, der wird hier sicherlich sein Paradies finden. Überall gibt es Honig in den unterschiedlichsten Sorten zu kaufen. Honig mit Melone, mit Mandel, mit Mandarine oder Erdbeere oder auch eine Kombination verschiedenster Geschmäcker (z.B. www.montecarlodolciumi.com). Im Ort herrscht viel Verkehr und darunter befinden sich auch viele Touristencars, die sich durch die Strassen zwängen. Die Zufahrt zum Etna ist dann zwar etwas weniger mit Verkehr „belastet“, in der Hochsaison muss es aber sicherlich schlimm sein, Auto an Auto bzw. dann eben auch Car an Car.

Die Strasse hinauf auf den Vulkan bietet uns Motorradfahrern eine wunderbare Strecke. Schwingende Kurven kombiniert mit gut ausgebauten Strassen. Die Aussicht konnten wir leider nicht geniessen, da wir mitten in Wolken steckten, dafür reizten wir die Schräglagen etwas mehr aus.

Je höher wir kommen, desto kühler wird es und desto mehr Lavafelder sieht man. Weiter unten sind sie noch etwas heller. Dabei handelt es sich meist um ältere Felder von früheren Ausbrüchen. Weiter oben sind sie dann schwärzer bzw. teilweise tiefschwarz. Wie wenn es sich um den Vorhang vor einer grossen Bühne handeln würde, reisst beinahe zuoberst die Wolke urplötzlich etwas auf und die Sicht auf die grossen, scharfkantigen und tiefschwarzen Lavafelder und Hügel wird frei. Die Lava ist so schwarz, dass man meinen könnte, man schaue in ein Loch. Die Flächen sind uneben, teils fast wie schwarzer Sand, teils wie Fels, doch auch hier kommt die Natur bereits zurück. Kleine Grasbüschel sind Vorreiter und strecken ihre kleinen Halme wie Palmen auf einsamen Inseln in einem schwarzen Ozean in den Himmel.

Wenn man die Anhöhe beim Rifugio Sapienza erreicht, befindet sich zur Linken ein erster kleiner Krater, der Crateri Silvestri (1986 m.ü.M.). Um ihn herum führt ein kleiner Wanderweg, der zumindest zur Zeit, begangen werden kann. Wer mehr sehen will, muss tief in die Tasche greifen. Bei unserem Besuch wären 52 Euro pro Person fällig (27 Euro für die Seilbahn, der Rest für einen obligatorischen Führer und die Mitfahrt in einem Offroad-Auto) geworden, für die Sicht auf weitere Krater und je nach staatlicher Erlaubnis bzw. Wetterlage Sicht auf aktive Lava (was nicht garantiert wird). Angst um sein Motorrad muss man hier grundsätzlich nicht haben, denn der Parkplatz unter der Talstation wird von einem Einheimischen „bewacht“. Gegen kleines Trinkgeld (1-5 Euro) schaut er zum Rechten (wobei es in der Hauptsaison wohl etwas schwierig werden dürfte, alles im Auge zu behalten). Daher würde ich trotz Bewacher nichts ungesichert zurück lassen.

Rund um die Talstation haben sich viele kleine Touristenläden mit 1001 Souveniers angesiedelt. Allerdings sind die Souveniers einiges teurer als z.B. in Zafferana. So kostet hier derselbe Honig wie in Zafferana statt 3 bereits 5 Euro. Anstatt eines Honigs, den wir ja schon in Zafferana gekauft haben, gönnen wir uns im Restaurant einen heissen Kaffee, wärmen uns für die Weiterfahrt auf und geniessen die schöne, fast etwas unheimlich wirkende Umgebung. Der kühle Wind schleift Wolkenfetzen dicht über den Boden und über den Kraterrand und taucht die Landschaft in ein surreales Ambiente. Grundsätzlich soll morgens die Aussicht eher besser sein, als nachmittags, doch fehlt dann eben diese Stimmung.

Nach dem Latte Macciato aus dem Becher (trotz Italienbonus mit erheblichem Steigerungspotential) schwingen wir uns wieder auf den Sattel und nehmen die Abfahrt Richtung Nicolosi in Angriff. Auch hier bieten sich uns schön schwingende Kurven und eindrückliche, schwarze Lavafelder links und rechts der Strasse. Dazwischen mischen sich immer wieder grüne Kastanien-Waldabschnitte, welche durch Zufall dem heissen, alles verbrennenden Lavaströmen entgangen sind.

Ca. 6 Kehren unterhalb des Rifugio findet sich übrigens ein spezieller Anblick. Und zwar ist im Kurveninneren ein Haus zu sehen. Es handelt sich dabei eigentlich mehr um die Überreste eines Hauses, das von einem Lavastrom umschlossen und fast bis zum Dach zugedeckt wurde. Doch das Dach ragt noch aus dem erkalteten Lavagestein und bietet ein sehr gutes Fotomotiv.

Leider wird das Wetter schlechter. Bevor der Regen einsetzt, erreichen wir Etnapolis (angeblich das grösste Einkaufszentrum von Italien - 120 Läden, jedoch jeweils nur sehr kleine). Günstige Einkaufsmöglichkeiten für schöne Kleidung kann man hier jedoch trotz Italienfaktor lange suchen. Während wir drinnen im Trockenen shoppen, prasselt starker Regen aufs Dach. Und erst als die fette Regenwolke abgezogen ist, treten wir in deren „Schatten“ die Heimfahrt an, immer schön im Trockenen.


Tag 9: 12-27° C: Francavilla – Randazzo – Cesaro – Parco Nebrodi – San Fratello – S. Agata di Militello – Capo d'Oralndo – Falcone – Terme vigliatore – Novara di sicilia – Francavilla – Graniti

Wir fahren bei Sonnenschein los, ab Randazzo ist es dann durchzogen bewölkt und die Strasse ist nass. Es scheint, wir fahren dem Regen hinterher. Ein Blick nach links und rechts verheisst allerdings nichts Gutes, dicke, schwere, dunkle Wolken kleben an den Hängen und scheinen nur darauf zu warten, uns einzufangen.

Die Strecke nach Randazzo ist sehr kurvig, führt uns durch locker stehende Olivenheine und ist zudem gut ausgebaut. Danach zieht sich die Strasse Richtung Cesaro in die Länge, und bietet leider nicht mehr so enge Kurven. Dafür ist dann die Auffahrt hoch nach Cesaro schön, kurvig und bietet eine stetig zunehmende Aussicht auf hügelige Landschaften.

Ab Cesaro durchqueren wir auf der S289 den Parco Nebrodi, Nebel und Regen kündigen sich an. Diese Drohung nehmen wir erst und schlüpfen am Strassenrand schnell in unsere Regenschütze. Schon bald prasselt heftiger Regen auf unsere Visiere. Der Nebel hüllt uns ein, die dicken, schweren Wolken haben uns eingefangen und scheinen uns nicht mehr gehen lassen zu wollen. Die Sichtweite beträgt teils nicht einmal mehr ca. 30 Meter, entsprechend sinkt unsere Fahrgeschwindigkeit auf ca. 20-30 km/h. Es wird zum Teil so dunkel, dass es uns vorkommt, als wäre es am Eindunkeln. Wir kreuzen öfters mal andere Autos, aber auch die fahren nicht schnell, die Suppe ist einfach zu dick. Man muss sich schon konzentrieren, will man den Strassenrand noch erkennen. Ausserdem sind die Kurven teils glitschig. Soweit ich erkennen kann, ist der Wald rechts und links licht, und ausserdem hat es teils frei weidende Ochsen oder Schafe, was die Sache auf der Strasse auch nicht leichter macht. Die Temperatur sinkt auf 12 Grad und das Visier läuft an. Zu sehen gibt es hier leider nichts ausser weisser, undurchdringlicher Suppe. Schade, denn eigentlich wäre dies eine sehr schöne Strecke. Die Kurvenführung ist gut, der Belag ist in Ordnung und gemäss Beschrieb im Internet ist dies eine Strasse über eine Hochebene mit Weitblick. Oberhalb S. Fratello lichtet sich der Nebel und der Regen hört auf. Nun endlich sehen wir sogar bis zum Meer und damit die Nordküste Siziliens. Wir stechen hinunter ans Meer. Diese Suppenfahrerei hat uns hungrig gemacht. In S. Agata di Militello finden wir direkt an der Küstenstrasse eine kleine Tratoria, die sich auf Meeresspeisen spezialisiert hat.

Gestärkt und nach einem wirklich superfeinen Cappuccino schwingen wir uns wieder auf das Motorrad. Nehmen die S113 parallel zur Autobahn entlang der Küste Richtung Messina. Wunderschöne Strecke, auf welcher man immer wieder durch das Panorama über das Meer geniessen kann. Nur die LKWs sind etwas mühsam zum Überholen. Den Blick immer auf das tobende Meer gerichtet schlängeln wir uns der Küste entlang nach Osten. In Tinadri gibt es eine antike Sehenswürdigkeit, wie ein Vermerk auf unserer Karte und einige Wegweiser uns mitteilen. Neugierig folgen wir ihnen. Aber nur bis zum Parkplatz, denn da ist Endstation. Dieser liegt aber soweit vom alten Dom entfernt, dass man es sich sehr gut überlegen würde, zu Fuss zu gehen. Will man das also nicht, so ist wieder einmal Abzocke angesagt. Die Weiterfahrt zum Dom ist nur mit einem kostenpflichtigen Bus möglich.

So aussergewöhnlich sieht die Kirche aber auch nicht aus. So kehren wir ihr den Rücken und fahren weiter bis nach Terme Vigliatore. Dort schwenken wir auf die S185 Richtung Novara di Sicilia ein. Inzwischen brennt die Sonne wieder vom Himmel, wie ich das in Sizilien eigentlich erwartet habe. Der Regenschutz, den ich aus Angst vor Durchnässung zwischenzeitlich hervor geholt hatte, muss weichen, obwohl wir im Osten weiterhin bedrohliche Wolken sichten. Anderenfalls würden wir wohl in unserem eigenen Saft durchgaren, was definitiv nicht zu meinen Lieblungsbeschäftigungen zählt.

Die Strasse selbst ist eine super Motorradstrecke. Es ist echt ein Wunder dass wir nicht auf mehr Biker treffen. Lediglich drei Stück verirren sich hierher. Wir gondeln, schwingen und schrauben uns gemächlich nach oben. Neben der tollen Aussicht hat es auch sonst wenig Verkehr. Kurz nach der Passhöhe rückt eindrücklich der Ätna ins Blickfeld, wo er nicht so schnell wieder verschwindet. Heute hat er eindeutig ein Käppi auf.  

Trotz schlechtem Start aufgrund des Regens, war es eine herrliche Tour, die wir allen Motofans empfehlen können.

Und schon sind unsere Ferien wieder vorbei. Uns bleibt nichts anderes übrig, als im Hotel zu packen und am nächsten Tag die Rückfahrt anzutreten. Schade, denn Sizilien hätte vor allem im Süden so viel zu bieten, das wir noch nicht gesehen haben. Aber man muss das positiv sehen, so haben wir wenigstens einen Grund ein anderes Mal wieder vorbei zu schauen.