Durch die Weinberge des Piemont ans Mittelmeer

  

Nach einem knappen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Heute wollen wir uns das Meer mal näher anschauen.

Wir verlassen das einsam gelegene Agriturismo und folgen den schmalen und engen Strässchen auf den nächsten Hügel. Rechts und links wird die Strasse von blühenden Holunder und Feigenbäumen gesäumt.

Als wir an den ersten, ausgedehnten Rebbergen vorbei tuckern, wissen wir, nun sind wir endgültig im Piemont angekommen. Genau das haben wir gesucht, die Gemütlichkeit, die diese Region ausstrahlt.

Auf den kleinen Strässchen treffen wir wie erwartet kaum auf Verkehr. Dies verhielte sich allerdings ganz anders, wenn wir den grossen Strassen in den Tälern folgen würden.

Während wir den oft über die Hügelkreten verlaufenden Wegen folgen, steigt uns der Duft unbekannter, süss riechender Blumen in die Nase. Kleinere und grössere Canyons am Strassenrand, entstanden durch Auswaschungen des Regens im feinen, grausilbrigem, schiefrigen Gestein, wecken unser Interesse. Und da dieses spezielle Gebiet zusätzlich auch gleich noch mit einer wunderbaren Aussicht brillieren kann, legen wir kurz eine Pause ein und erfrischen uns mit einem kühlen, prickelnden Cola.

Als wir wieder aufsteigen wollen trifft eine Gruppe Schweizer Mountainbiker bei uns ein, mit denen wir inas Gespräch kommen. Sioe sind nun eine Woche in der Region und erklimmen all die Hügel mittels Muskelkraft. Da lobe ich mir doch die 100 PS, die mich wie auf Flügeln durch die Kurven tragen. Ausserdem kommen ich in einem Tag runter ans Meer und wieder zurück, was mir wohl auch mit dem besten Fahrrad nicht gelingen dürfte.

Rot blüht der Mohn am Strassenrand und es ist manchmal schwirig, seinen Blick vom Panorma zu lösen, um sich wieder auf die kurvige Strasse zu konzentrieren. Kein Wunder also, dass wir des öfteren einfach mal kurz am Strassenrand anhalten und die Gegend auf uns wirken lassen.

Trotz vereinzelten Wolken am Himmel ist es drückend heiss. Wo die Sonne hinfällt, brennt sie sich sofort ein. Wir haben unsere Jacken Helme und Hosen auf Sturmlüstung geschaltet. Wer dachte, auf den Hügeln etwas Abkühlung zu erhaschen hat sich leider getäuscht. Trotzdem würden wir unsere hitzige Situation gegen nichts auf der Welt eintauschen mit der zur Zeit einmal mehr äusserst regnerischen Schweiz (auch wenn es da sicherlich weniger schweisstreieben zugeht!).

Unzählige Hügelgruppen überwinden wir und schon bevor wir das Meer zu sehen kriegen, haben wir das Gefühl, es riechen zu können. Ein leicht salziger, frischer Gerucht liegt in der Luft. Einige kleine Kühelkuppen später erspähen wir das erste mal das tiefe Blau des Meeres weit unter uns.

Eigentlich war geplant von hier aus nicht direkt ans Meer runter zu fahren, sondern nochmals über eine kleine, vesteckte Strasse die Zahl unserer heute erfahrenen Kurven massiv in die Höhe zu treiben. Doch der Sog an die blaue Küste ist einfach zu gross, als dass wir ihm widerstehen könnten.

Wir legen einen Zahn zu, folgen der Strasse durch das Tal, die je näher wir der Küste kommen immer mehr befahren wird. In Varazze liegt es endlich vor uns, das tiefblaue Meer. Es ist zwar schillernd blau, aber doch ziemlich unruhig.

Auf einer Parkbank mit unbehinderter Sicht aufs Meer machen wir Rast. Manuela legt sich der Länge nach hin und lässt sich durch das Rauschen der ans Land schlagenden Wellen in einen erholsamen Schlaf wiegen. Ich dagegen machen mich über die Amaretti her, die sich noch in meinem Tankrucksack finden.

Die Sonne brutelt uns auch hier,als wären wir Bratwürste auf der Glut. Allzulange halten wir das ncith durch. Das nächste Ziel ist nach meiner Attacke auf den Verpflegungsbeutel ist ein nahe gelegener Supermarkt,wo wir unsere Vorräte auffüllen. Platz in den Kisten ist ja reichlich vorhanden, haben wir doch alles unwichtige in der Unterkunft gelassen.

Wir gondeln der Küstenstrasse entlang bis nach Savona, wo wir wieder ins Landesinnere Abzwqeigen. Am Ausgang des Ortes liegt eine alte Transportbahn für Eisenerz, die quer über das Tal führt. Strassenüberdachungen sichern die unter den schweren, mit Erz gefüllten Wagen die Autofaherer, sollte einmal ein Stein aus einem Wagen fallen.

Als wir uns in Richtung Norden die küstennahen Hänge hinauf arbeiten zieht ein starker Wind mit uns ins Landesinnere. Dunkle, unheilvolle Wolken begleiten uns nun und es wird gleich merklich kühler. Auf einer Zwischenhöhe machen wir kurz halt und ziehen eine Isolationsschicht über. Dabei fällt uns auf, dass die Wälder hier ähnlich wie in Schweden extren still sind. Kaum ein Vogelgezirpe, oder ein Rascheln können wir ausmachen.

Was uns aber noch mehr auffällt, ist die Tatsache, dass der erste grössere Pass speziell (nur) für Motorradfahrer auf 50km/h reduziert. Hier düsten an den Wochenenden die Biker von Savona wohl etwas zu zügig die Hügel hoch. Während der Zeit, in welcher wir die Strasse befahren, treffen wir weit und breit keinen einzigen anderen Motorradfahrer an.

Von Meereshöhe aus steigt die Strasse bis auf über 800 Meter über Meer und das in relativ kurzer Zeit, was zu einer interessanten Steigung führt. Klar, sie ist nicht zu vergleichen mit den Alpenpässem, aber dennoch nicht übel. Ausserdem ermöglichst der schnelle Höhenanstieg, dass man des öfteren sehr schöne Aussichtspunkte findet

Die Autofahrer verhielten sich vor allem meiner Sozia gegenüber immer sehr zuvorkommend und mit Respekt, wenn sie mit dem Fotoapparat am Strassenrand stand. Ob sie evtl. auf Grund ihrer leuchtgelben Kleidung  davon ausgingen, dass es sich bei ihr um eine Polizisti handelte, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, aber es ist ja schlussendlich auch nur das Resultat das zählt.

Lässt man die grossen Strassen aus und folgt den Nebenstrassen, so gelangt man des öfteren in kleine, verwinkelte Ortschaften. Neben abbruchreifen Lotterhütten findet man da auch wunderbar hergerichtete Villen. Je nach Lokalität des Ortes trifft man uach auf Dörfer mit den für das Piemont so typischen Türmen. Meistens trifft man solche Türme nähmlich in Ortschaften, die sich auf Hügelkuppen befinden.

Zu Guter letzt will es der Regendoch tatsächlich noch wissen. Als wir in Canelli ankommen, beginnt es leicht zu regnen. Schnell düsen wir den letzten Kilometer die Strasse hinauf. Dabei empfihelt es sich aber aufzupassen, es soll ja nicht noch etwas passieren. Leider sehen das nicht alle so. Ein Geländewagen schiesst uns in einer uneinsehbaren Kurve fast ab, weil er mit etwas zuviel Überschussgeschwigigkeit unterwegs ist udn auf Grund seiner Trägheit über die eigene Fahrbahn hinaus kommt. Glück muss man haben! Wir kommen ungeschoren an den quitschenden Reifen vorbei.

Allgemeine Anmerkung:
Etwas muss man sich allerdings bewusste ein, wenn man eher die kleinen, kaum befahrenen Waldstrecken befährt. Man trifft unweigerlich auf mehr Natur. Damit meine ich vor allem Rehe, Widlschweine und anderes Geteir, dass im Wald Lebt. Auch wir mussten das eine oder andere Mal stark in die Bremsen Greifen, um z.B. ein Reh oder einen Greifvogel entkommen zu lassen.