Martigny - San Remo: Über die höchsten Pässe der Alpen



Tag 1

Das Wetter bzw. der Regen hält sich heute Morgen vornehm zurück, ganz im Gegensatz zur Wettervorhersage. Die hatte uns mit üblem Regen gedroht und unsere Reisevorfreude etwas gedämpft. So geniessen wir nun aber die wunderbare Aussicht vom Col de Forclaz über Martigny und das Unterwallis, das sich um diese mogrendliche Tageszeit noch unter einem leichten Nebelschleier zu verstecken versucht.

Die Sonne drückt immer stärker, je weiter wir in die Höhe kommen. Schon früh trifft unser brummender Bumble bee heute auf Spielkameraden. Gleich eine Dreiergruppe anderer Biker will sich das Vergnügen der früh am Morgen noch spärlich befahrenen Strassen ebenfalls nicht entgehen lassen. Es scheint allerdings, dass diese drei Biker den Tag sehr ruhig angehen lassen. Zu ruhig für unser Verständnis. Ich treibe unsere Schlachthummel an und wir verlassen die Spielgruppe in Richtung Gorges de Trient. Hier ist es noch kühl, dafür ist die Aussicht auf die schneebedeckten Berge bei Argentière grandios.

Bei Megeve sind wir so ans schnelle Vorärtskommen über die Autobahn gewohnt, dass wir doch glatt die Ausfahrt verpassen. So bleibt uns nicht anderes übrig, als von Norden her wieder zurück zu fahren. Ein Missgeschick bzw. Umweg, der sich für einmal lohnt. Die Strecke von Norden her über die D1212 hinüber nach Megeve ist mit Kurven nur so gespickt.

Am Ortseingang von Megève tanken wir kurz auf, wobei das in Frankreich, und an einem Sonntag erst recht, ja immer eine Art “Gambling” ist. Die Franzosen lieben besonders und teilweise ausschliesslich die Bank- und Tankkarten der “Grande Nation”. Oftmals eben so sehr, dass gar keine anderen Karten akzeptiert werden, es sei denn, man bezahlt bar, was bei geschlossenen Tankstellen mit Automat nicht immer funktioniert.

Glücklich schätzen kann sich in so einem Moment jener, der über einen grossen Tank verfügt - z.B. wir. Wäre die Tankstelle nähmlich geschlossen gewesen, so hätte uns unsere Adventure noch etwa weitere 200km getragen (ganz im Gegensatz zu unserer ehemaligen KTM 990, da hatten wir nähmlich oft genau das beschriebene Tankproblem wegen der geringen Reichweite).

Mit vollem Bauch schwankt die BMW gemütlich weiter in Richtung Flumet, wo wir über den Col des Saisses auf die Strecke zum Roselend zufahren. Der Roselend gehört schon zu den grösseren Pässen und die BMW fühlt sich auch sofort wohl auf seinem Aspahlt. Er ist griffig, meist in gutem Zustand und bietet alles, was man von einem richtigen Alpenpass erwarten darf. Da es ausserdem kaum Verkehr zu berücksichtigen gibt, können wir voll auf Geniessen schalten. Einige Zückerchen finden sich immer noch auf der Strecke, z.B. einige alte, dafür aber umso gepflegtere Karossen, u.a. alte Corvetten und ein paar Aston Martins, die an der Rally de Mont Blanc mitmachen.

Oberhalb des Stausees muss man einfach Halt machen. Wir wählen eine Stelle, wo wir wirklich ein geniales Pano über den glizernden See und auf die kommenden Kurven haben. Schnell einige Chips und ein kühles Getränk aus dem Topcase gezaubert und schon kanns los gehen mit dem Geniessen. Als Bonus knattern hin und wieder einige Motos an uns vorbei, die wir uns in aller Ruhe anschauen können.

Als wir wieder weiter gondeln, kommen uns ganze Rotten bayrischer Boxertierchen entgegen. Unser Bumble bee gerät beinahe aus dem Häuschen, so viele Artgenossen hatte er seit seiner Entlassung aus dem Werk noch kaum zu sehen bekommen. Alle sind auf dem Weg nach Norden. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist. Oder flüchten da etwa alle vor der heissen Sonne in den kühlen Norden. Das möchte ich zumindest hoffen, denn an Regen will ich auf keinen Fall glauben (oder sollte der Wetterprophet zum Schluss doch noch recht erhalten?)!

Nach der eher unspektakulären Passhöhe des Roselend auf 1968 Metern geht es runter nach Bourg Saint Maurice. Wer übrigens den Roselend schon kennt und ihn nicht nochmals fahren möchte, hat stattdessen die Möglichkeit, über den grossen und den kleinen St. Bernhard auszuweichen, um ans gleiche Ziel zu kommen.

Von dort geht alles im Tal in Richtung Val d`Isere. Hier kann man “Zeit gut machen". Immerhin habe ich auf Grund der verpassten Abzweigung von heute Morgen ein paar Minuten einzuholen. Kurz nach Viclaire kommen dann einige Kehren, in denen man, Dank guter, regelmässiger Kurvenradien, wirklich schön tief reinliegen kann. Mit Beladung und Sozia kann es dabei auch schon mal vorkommen, dass die Fussraste mit dem Aspahlt auf Tuchfühlung geht.

Val d`Isere mutet im Sommer immer eher verlassen und aus meiner Sicht eher unwirtlich an. Der durstige Biker findet aber auch hier die eine oder andere noch offenen Bar, um sich zu stärken. Das braucht er wohl auch, denn es folgt der Col de l`Iseran.

In Val d`Isere sehen wir dann auch zum ersten (und nicht letzten) Mal "Glühwürmchen". Das sind Biker mit Motorradbekleidung, die eben genauso leuchtet, wie das Blinken der kleinen Insekten. Auch wir haben seit einiger Zeit darauf umgestellt und hatten seither nie mehr das Pech, von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen zu werden. Interessanterweise handelt es sich bei den anderen beiden Insektenimitatoren um Sportmaschinentreiber. Bisher haben wir solcherart "erleuchtete" Motorradfahrer nur mit Tourenmaschinen oder hin und wieder Chopperfahrer gesehen. Viele Biker mögen uns als "komisch" betrachten, so leuchtgelb durch die Gegend zu kurven, aber wir legen unsere Priorität anstatt auf die Ästetik halt eher darauf, auch noch die nächste Moto-Saison geniessen zu können.

Je höher wir kommen, desto dunkler wird es. Wolken sammeln sich um die Berghänge und kleben sich an den Wiesen fest. Jetzt erinnere ich mich wieder an die flüchtenden BMW-Herden vom Roselend. Ob das wohl der Grund war?

Man hat gar das Gefühl, es werde bald wieder einnachten. Ausserdem wird es so richtig unangenehm kühl. Das Thermometer droht uns schon mit rekordtiefen Werten um den Nullpunkt, als wir uns vor das Schild der Passhöhenbeschriftung stellen, um das obligate Foto zu schiessen. Der Wind zerrt heftig am Helm und würde uns wohl bis unter die Unterwäsche kriechen, könnten wir uns nicht auf unsere superwarme Ausrüstung verlassen. Besonders froh bin ich nun um die einfache Art, wie ich aus einer winddurchlässigen Jacke ein Bollwerk gegen die hinterhältige Natur errichten kann. Einfach ein paar Reisverschlüsse ziehen und fertig ist es mit dem kalten Wind. Da haben sich die Namensgeber je einen passenden Namen für die Jacke ausgesucht (Montevideo). Immerhin liegt diese Stadt in Südamerika und da kann es ja auch schon mal heiss oder eben ziemlich kalt werden.

Es ist trotz wunderbarer Isolation einfach zu ungemütlich auf der sehr windigen Passhöhe, weshalb wir schnell wieder unsere Hummel zur Arbeit rufen. Schon kurz nach der Passhöhe lässt der mühsame Wind, der immer nur böenartig auf uns los geht, schon nach.

Während ich mich hauptsächlich auf die Strasse konzentrieren muss, beobachtet meine Sozia eine Gruppe Murmeltiere, die sich unweit der Strasse an den letzten Alpenblumen vergreifen. Immerhin wartet auf die kleinen Kerle hier oben wohl eine eher kältere, ziemlich ungemütliche Jahreszeit.

In Lanslebourg geht es dann nach Süden über den Mont Cenis. Der Mont Cenis ist von Süden her eigentlich interessanter zu fahren, aber auch von hier aus kann man die Pneus ganz schön auf Temperatur bringen. Hinter dem jadefarbenen Stausee trohnt stolz das Jahrhunderte alte "Ancienne Fort de Variselle" und davor blinzelt uns das Wasser entgegen. Langsam macht sich allerdings Hunger breit, immerhin ist es inzwischen schon fast 15 Uhr. So gibt es keinen Halt am schönen See und auch das Fort lassen wir links liegen.

Hunderte Kurven (einen direkteren Weg gibt es zum Glück nicht) führen uns runter nach Susa. Wir haben zwar nicht mitgezählt, aber so in etwa kommt es schon hin. Auch merkt man sofort, dass man in Italien angekommen ist. Hier mischen wieder bevorzugt Rennmaschinen italienischer Marken sowie deren Besitzer bzw. Treiber (im Stile von Möchtegern-Rossis) im Verkehr mit. Fast schon unangenehm riskant rasen sie den Pass hoch, überholen in völlig uneinsehbaren Kurven. Einer schiesst uns doch auch noch beinahe ab - in der Mitte unseres Fahrstreifens!

In Susa ist daher erst mal eine Mittagspause angesagt. Es muss Pasta nachgebunkert werden. Um unseren Bumble-Bee brauchen wir uns keine Gedanken zu machen, dem reicht der Sprit noch weit. Ist ja noch nicht mal ganz Halbzeit im Tank. Irgendwie ähnelt die BMW der Africa Twin. Mit der hatten wir auch immer eine angenehme Reichweite. Ausserdem war auch die AT immer sehr konfortabel zu fahren und zudem sehr zuverlässig.

Anstelle über den Paso del Finestre, den ich vor allem allen Liebhabern von engen Passsträsschen empfehlen kann (Achtung teilweis ungeteert), folgen wir der Autobahn runter zum Col de Mongenevre. Abgesehen von ein paar gemütlich vor sich hin tukernden Cabrios hat es auch hier kaum Verkehr. Der September ist diesbezüglich wirklich ideal. So können wir uns besser den schönen Gegenden und der super Aussicht rund um uns herum widmen. Schon von weitem sehen wir auf die gewaltigen Burgen, die oberhalb von Briancon auf den Felsen thronen. Obwohl Briancon mit seinem mittelalterlichen Flair punkten kann, geht es gleich weiter in Richtung Col d`Izoard. Pässe ziehen zur Zeit einfach mehr als altertümliche Burgen.  

Auch dieser Pass liegt beinahe verlassen da. Hier muss es allerdings vor kurzem noch ziemlich geregnet haben, denn die ganzen Strassen liegen glänzend nass vor uns. Da man ja nie weiss, wann es das letzte Mal geregnet hat, sollte man entsprechend vorsichtig zur Sache gehen, denn Pneuabrieb und Öl können eine feuchte Strecke schnell in eine seifige und rutschige Piste verwandeln.

Ab Cervieres wird die Passstrasse dann besonders kurvig. Rund vierzig Haarnadelkurven erwarten einen dann, bis man auf der anderen Seite wieder auf die erste Häuseransammlung trifft. Allerdings kann man zuvor vor allem auf der Südseite eine Art Mondlandschaft geniessen, die schon kurz vor der Passhöhe beginnt. Vor allem auf der südlichen Hälfte trifft man auf einige riesige Felsnadeln, die teilweise gleich neben der Strasse in die Höhe wachsen. Das ist unbedingt ein Halt wert!

Der Col de Vars, der nach Guillestre als nächster Pass folgt, ist nicht so besonders. Viel interessanter ist da eigentlich die Anfahrt nach Vars. Danach folgt nur noch wenig Spezielles! Dafür ist dann die Schlucht entlang des l`Ubaye sehr schön und teilweise sehr eindrücklich. Die Strasse schmiegt sich an gewissen Stellen zwangsläufig an steile Felswände.

Während wir heute oft riesige Wolkentürme aus der Ferne beobachten konnten (die wohl den einen oder anderen Biker mit einer heftigen Dusche zurück liessen) sind wir selbst nie auf richtigen Regen gestossen. Gegen Abend glauben wir zwar nicht mehr so richtig daran, dass Petrus sich gegen uns stellt, trotzdem trauen wir der leicht grauen, etwas schummrigen Wolkenzusammensetzung vor uns nicht und ziehen zum Schluss doch noch die Regenkombis an. Es ist schliesslich nichts unangenehmer, als am nächsten Morgen in noch kaltfeuchte Motorradklamotten zu steigen. Das weiss ich spätestens seit meiner Südamerikatour.

Da unser Bumble-Bee so oder so mal wieder nach einem kleinen Schluck Öl verlangt, kombinieren wir beides bei einem kurzen Zwischenstopp.

Um 19.00 Uhr und damit eine knappe halbe Stunde später, treffen wir trocken und guter Laune in Jausiers ein. Wir erwischen glücklicherweise gerade noch die Receptionistin, die sich eben aus dem Staub machen wollte und können so gleich unser Zimmer in Beschlag nehmen. Danach gönnen wir uns noch ein heisses, erholsames Bad im Jacuzzi, und in der Sauna machen wir auch noch Halt. Als wir gerade aus dem Bad kommen, sehen wir die beiden, uns bestens bekannten Glühwürmchen vor dem Hotel. Die Receptionistin ist leider schon gegangen und da die beiden Zürcher nicht reserviert hatten, gibt es für sie kein Zimmer, obwohl es eigentlich Platz hätte im Hotel. Sie müssen weiter suchen und das trotzdes inzwischen heftigen Regens.

Da sind wir doch glücklich trocken und zufrieden ins warme Bett steigen zu können.


Tag 2

Nachdem wir uns gestern etwas über die nicht ganz optimale "Hygiene" im Zimmer gewundert hatten, hält der Morgen dann noch eine weitere kleine Enttäuschung auf Lager. Nicht nur, dass unser Zimmer nicht im Schloss war, immerhin wirbt das Hotel mit "Chateau Magnans" - Schloss Magnans), das Frühstück darf man gerade mal im fensterlosen Keller des Schlosses zu sich nehmen. Uns scheint, da nützt jemand gnadenlos das "Schloss" als Lockmittel aus, ohne jedoch wirklich die Vorzüge eines Schlosses zu bieteg!

Nach dem kurzen, enttäuschenden Intermezzo im Schlosskeller, beladen wir das Motorrad. Nachdem wir gestern Abend die anderen Motorradfahrer in üblem Regen verschwinden sahen, scheint Petrus sein Pulver (bzw. Regen) für heute bereits verschossen zu haben (oder ist er bloss zu faul aufzustehen?). Auf jeden Fall lässt er das Wetter Wetter sein. Das ist ganz in unserem Sinn und eigentlich so, wie ich es mir sonst auch gewohnt bin. Es ist strahlend blauer Himmel und angenehm warm. So lob ich mir das.

Wir möchten heute Morgen noch kurz auftanken, weshalb wir die gemäss GPS im Ort befindliche Tankstelle ansteuern. Diese finden wir dann aber leider ausser Betrieb vor. Wir sparen uns die 6 Kilometer zum nächsten Ort, wo es bestimmt eine hat. Das wissen wir von einigen Cabriofahrern, die genau dieses Spielchen heute Morgen bereits hinter sich gebracht haben. Ausserhalb Jausiers halten wir nochmals kurz, um den Ölstand von gestern nochmals zu kontrollieren. Alles im Butter, es kann losgehen.

In einigen engeren Haarnadelkurven lasse ich den Boxer laufen und wir erklimmen die ersten Höhenmeter des höchsten auf Asphalt erreichbaren Passes in Europa. Die Sonne kitzelt an der Nase und frische Luft weht in den Helm. Unter uns schnurrt die Hummel und scheint absolut in ihrem Element zu sein.

Den Verkehr kann man auch hier an einer Hand abzählen, den Gegenverkehr mit eingerechnet. Insgesamt werden wir bis oben ganze 3 Motorräder und ebensoviele Dosen sehen. Ok, es ist nicht Hochsaison und ein Werktag, aber dennoch würden wir zu dieser Zeit die Schweizer Pässe wohl kaum so gemütlich und für uns alleine geniessen können. Vereinzelt rauscht ein Murmeltier über die Wiesen, bleibt ob des unbekannt neuen, daherfliegenden, leuchtgelben Blümchens am Strasserand stehen, um es näher zu inspizieren. Es verzieht sich allerdings schleunigst in eine uns bisher nicht aufgefallene Höhle, als wir anhalten und es fotografieren wollen. Kaum rollen wir weiter, schleicht es hervor und wartet, bis wir sein Revier ganz verlassen haben und es sich wieder über die anderen, leuchtenden Blümchen hermachen kann.

In unserem Fahrtwind wiegen sich die vertrockneten Grashalme, die sich in der Sonne braun verfärbt haben. Wir können es nicht lassen, und machen das eine oder andere Foto. Die Gegend ist einfach zu genial, um einfach durchzusausen. Etwas weiter oben ist auch noch ein kleiner See mit blaugrünem Wasser zu finden. Wäre es jetzt noch so warm wie vor einigen Wochen, so hätten wir wohl einen kleinen Badestopp eingelegt. Allerdings ist die Temperatur heute Morgen nicht warm genug, um mich aus meiner warmen Kleidung zu locken, zeigt das Thermometer doch nur noch 11 °C an. Knapp zu kühl für ein erfrischendes Bad. Zumindest lässt mich das mein innerer Schweinehund unmissverständlich wissen.

Bald ist das alte Militärfort erreicht, um welches sich die Strasse herum windet. Leider darf es aber wegen seines schlechten Zustandes nicht betreten werden. Weit ist es nicht mehr. Schon sehen wir den leichten Einschnitt um den „Cime de la Bonnette“, der als Zusatzschlaufe erst dazu geführt hat, dass Frankreich den höchsten Pass Europas sein Eigen nennen kann.

Noch zwei, drei Kurven entlang des schieferartige „Hügelkopfes“ und wir geniessen ein wahrlich erhabenes Panorama. Weit zieht sich der Horizont hin, zeigt unzählige Alpengipfel, die uns meist alle zu Füssen liegen. Etwas weiter unten führt eine kleine Kiesstrasse vorbei. Diese könnte man benutzen, um von Pont Haut wieder nach Norden zu gelangen und so drei weitere Pässe ins Pässebuch eintragen zu können: den Col de la Cayolle, den Col de la Braisse und den Col de la Moutiere.

Inzwischen zeigt das Thermometer noch knappe 3 Grad Celsius und am Himmel haben sich die ersten Wolken zusammen gebraut, was nicht gerade zum langen Verweilen einlädt. So sitzen wir also schon bald wieder im Sattel und geniessen die lange Abfahrt nach Süden. Über unzählige Kurven geht es wieder den Berg hinunter. Höhenmeter für Höhenmeter merkt man fast direkt an den Fingern, wie es wärmer wird. In Isola biegen wir dann von der Talstrasse ab und halten in Richtung Col de Lombarde. Nicht dass wir uns umentschlossen hätten, wir wollen auch weiterhin nach Süden, aber für eine Pause eignet sich einfach eher eine schwach befahrene Passstrasse, wo man hin und wieder das tiefe zufriedene Brummen eines Motorrades zu hören bekommt, als eine Strecke, wo sich vornehmlich Franzosen in ihren kleinen, stinkenden, dreirädrigen 2-Takt-Lastenträgern rumzwängeln. Zwar riecht man diese Stinker zwar schon 10 Kurven bevor man sie sieht, dafür kann man sie umso einfacher überholen, was auch etwas für sich hat.

Der Pass beginnt, so wie er sich danach auch gibt, mit vielen, meist sehr engen Kehren. Dazu kommt dann noch die eine oder andere steinerne Brücke. Da das Tal, durch welches sich die Strasse hochwindet, im Schatten liegt, kühlt es schnell ab. Der meist starke Wind, der das Tal hinauf weht, tut das seine dazu. Da fällt mir spontan der Name eines Amerikanischen Canyons ein, der passen würde: "Refrigerator-Canyon"!

Die Pause verbringen wir an einem kleinen, lauschigen Plätzchen auf einer weichen Wiese in der Nähe der Passstrasse. Die Bergspitzen verstecken sich im Nebel, als ob Zeus da oben eine Konferenz abhielte. Naja, die Götter sind halt auch langsam global tätig. Bevor wir wieder ins Tal verschwinden zieht noch eine Herde Ziegen und Schafe, dem Hirten wie Geissenpeter aus Heidi gleich folgend an uns vorbei.

Wir röhren weiter der Strasse und damit dem Tal entlang. Die Schlucht wird immer enger, sie krallt sich regelrecht an den Felsen, um noch Platz zu finden. Was besonders auffällt, ist der Fels. Er hat sich langsam aber sicher immer stärker ins rötliche verfärbt. Inzwischen ist er richtig weinrot. Doch allzu viel kann man sich da gar nicht darauf konzentrieren, denn die Strasse fordert sonst sofort ihren Tribut. Eine unübersichtliche Kurve folgt auf die Nächste und es vergehen kaum 50 Meter ohne eine schöne Wende. Am besten man hält da ein gewisses Tempo, dann kann man so richtig schön wedeln. Allerdings sollte man sich nicht vor grösseren Schräglagen fürchten, denn solche gibt es dann ohne weiteres Zutun.

Etwas vor La Bolinette zweigen wir dann auf den Col de St. Martin ab. Dies ist der Zugang zum Col de Turini und sollte auf keinen Fall ausgelassen werden. Schon nach einigen kurzen Kehren finden sich nach den kleinen Tunnels eine Hand voll wirklich sehr schöner Passagen. Es wäre geradezu eine Schande, diese nicht zu fotografieren. Eine Seite wird durch eine senkrechte Felswand, die andere durch einen entsprechenden Felsabhang begrenzt. Wer hier zu schnell unterwegs ist, oder sich schlicht einmal heftig verkalkuliert, sollte besser einen schnell öffnenden Fallschirm anhaben (und diesen auch zu benutzen wissen!).

Auf der Abfahrt ins Tal machen wir nochmals kurz Halt und erfrischen unsere trockenen Kehlen mit kühlem Wasser. Es ist inzwischen wieder deutlich wärmer geworden. Keine 10 Minuten später allerdings klopfen offensichtlich verirrte und zum Glück nur vereinzelte Regentropfen auf den Helm. Trotzdem dauert es nicht lange und die Strasse ist nass. Da heisst es dann mal etwas Gas geben, um dem nassen Übel zu entgehen.

Diese Taktik funktioniert glücklicherweise. Während sich das kleine Gewitter nach Norden in die Berge verzieht, können wir uns getrost den nächsten Leckerbissen vornehmen. So zweigen wir südlich von Roquebilliere nach links ab und starten damit offiziell zur Eroberung des bekannten Col de Turini.

In vielen Kurven und Kürvchen windet sich auch diese Strasse wie das zu einem Knäuel verwickelte Band einer Kasette in die Höhe. Ein Glück verfügt unsere GS über entsprechenden Hubraum, so entgehen wir dem Schicksal aller kleinhubigen Maschinen, dem andauernden Rauf- und Runtergeschalte vor und nach jeder Kurve. Wir fahren meist einfach im Zweiten in die Kurve rein und lassen die BMW am Gas hängend aus der Kurve rausbeschleunigen. Da freut sich auch das Getriebe über die Entlastung.

Ausser einer Hand voll Bauarbeiter hat sich heute offenbar kaum jemand auf diesen wirklich schönen Pass verirrt. Nach gefühlten 1000 Kurven kommen endlich auf der eher unspektakulären Passhöhe an. Dort treffen wir einerseits auf eines der Glühwürmchen (das uns ja nun sozusagen schon eine Weile begleitet), andererseits sehen wir zwei Fahrer von 990er-KTMs. Die werden sich wohl Sorgen um den Zustand ihrer Motos machen. Kein Wunder müssen sie sich im Restaurant Mut antrinken. Immerhin stellt sich die Frage, ob es ihre beiden Fahrzeuge noch bis zum Meer, geschweige denn wieder nach Hause schaffen werden (natürlich ohne Hilfe eines Mechs, versteht sich). Da wir den beiden aus eigener Erfahrung kaum Hoffnung machen könnten, lassen wir es lieber ganz sein. Wir wollen ja nicht die Spielverderber sein. So fahren wir gleich weiter und lassen sie mit ihren orangenen Sorgen alleine.

Die Abfahrt in Richtung Sospel ist zur Zeit nur über den Col de Braus möglich, da die andere Verbindungsstrecke auf Grund eines grossen Felssturzes verschüttet, ja teilweise sogar ganz weggebrochen sein soll. Aber ich muss auch sagen, dass mich die Abfahrt bis zur Abzweigung zum Col de Braus besonders beeindruckt. Das heisst, die anfängliche Strasse bis Peira-Cava ist noch nichts spezielles. Erst die Strasse danach, zwischen Baisse de la Cabanette und der Abzweigung auf die D54 (Pas de l`Escous), wird wirklich interessant. Die Kehren, die hier in den Fels gehauen wurden, und wie sie sich von oben betrachten lassen, sind wirklich einen Abstecher wert. Dazu kommt die Stimmung, die durch den leicht mit Wolken verhangenen Himmel irgendwie mystisch wirkt. Wirklich "ERFAHRENswert".

Die Verbindungsstrecke zum Col de Braus hinterlässt dann ebenfalls einen bleibenden Eindruck bei uns bzw. vor allem bei unseren Mägen. Der Col de l`Ablé, wie er heisst, wird uns ob seines besonders schlechten Asphaltbandes wohl eine Weile in Erinnerung bleiben. So ein Geholper wäre wohl für Bolivien angemessen, aber selbst da sind die meisten Wellblechpisten besser bzw. angenehmer zu befahren, als dieses bituminöse Etwas. Es zieht sich zwischen den Bäumen hindurch und man hat das Gefühl, es zeichne jede noch so kleine Wurzel auf seiner Oberfläche x-fach verstärkt ab.

Ab der Ortschaft Col Saint Jean führt uns der Weg dann auf gutem Belag bis runter nach Sospel, vor allem an Feigen- und Olivenbäumen vorbei. Ich kann es mir nur schwer verkneifen, hier einen Halt einzulegen, um einige dieser süssen Früchte zu stibizen und danach genüsslich im Mund zergehen zu lassen. Mir läuft schon beim Anblick das Wasser im Munde zusammen. Daher ist es nur verständlich, dass wir im kleinen Zentrum Sospels einen kurzen Zwischenhalt einlegen und uns ein feines Sandwich bereiten lassen. Besonders gut sind hier übrigens die Sandwiches mit Ziegenkäse!

Mit neu aufgefüllten Kräften geht es auf den letzten Abschnitt des Tages. Wir verlassen Sospel nach Osten und zweigen ca. einen Kilometer ausserhalb nach rechts auf die D93 ab. Diese eher schmale Strasse führt uns parallel zur Küste über die Französisch-Italienische Grenze (auch wenn diese heutzutage nur noch dank einem kleinen EU-Schild zu erkennen ist). Hierbei handelt es sich um einen Schleichweg, der wenig befahren ist und mit dem wir einen Teil der meist mit Verkehr verstopften Küstenstrasse auslassen können. Für diese kleine Abkürzung werden wir auch noch mit einem kleinen Pass-Strässchen belohnt, dem Col de Vescavo. Kurz vor Olivetta San Michele reihen wir uns wieder in den breiten Abendverkehr ein, der sich vom Tendepass her kommend nach Italien durchschlägt. Um nicht auch noch in den "Küstenstrassenstau“ zu gelangen, bzw. diesen soweit möglich zu umgehen, nehmen wir gleich noch eine kleine Umfahrung.

Um die Strasse, oder besser gesagt das äusserst schmale und ziemlich steile Asphaltbändchen, heil zu überstehen, ist es sinnvoll, mit offenem Visier zu fahren. Warum? Nun, ganz einfach: Vor jeder völlig uneinsehbaren Kurve hupen die Einheimischen Fahrzeuge kurz (meist zweimal). Sollte nun also ein Fahrzeug in entgegengesetzter Richtung kurz vor der Kurve unterwegs sein, wird es sich durch kurzes Hupen zu erkennen geben. Man selbst sollte dies auch anwenden, damit auch das entgegenkommende Fahrzeug weiss, dass es mit Gegenverkehr rechnen muss. So wird das Kreuzen vereinfacht und man minimiert das Risiko einer Kollision - und das besteht auf solchen Strässchen immer!

In Dolceaqua lassen wir die schöne Kulisse kurz auf uns wirken, dann stürzen wir uns in Getümmel. Drängeln, hupen, quetschen, Sicherheitslinien absichtlich übersehen, einfädeln, ausscheren, reindrücken, Slalom fahren, beschleunigen, brüsk bremsen, nach vorn mogeln und zwischen Fahrzeugen rumbalancieren. Alles möglichst ohne irgendwo oder irgendwas mit dem Motorrad, geschweige denn mit den Metallkoffern, zu berühren. Naja, man tut halt, was man kann, um sich dem italienischen Fahrstil anzupassen.

So sind wir dann schon bald in San Remo angekommen. Heftige Winde haben das Meer aufgepeischt. Gischttröpfchen versammeln sich auf meinem Visier zu einem kleinen Stelldichein, ich schmecke salzige Luft im Mund und freue mich, das blaue Nass vor mir zu sehen. Schnell kaufen wir in einem Supermarkt am Wegrand noch schnell das Nötigste ein, dann stehen wir auch schon vor unserer Unterkunft.

Diese ist zwar nicht gerade ideal zu erkennen, dafür sind wir mitten im Zentrum San Remos und das Bike können wir auch noch gleich vor der Tür kostenlos parkieren. Ok, keine überdachte Garage und bewacht ist es auch nicht, aber erstens regnet es eher selten in San Remo und zweitens sind mir die 25 Euro pro Tag, für die man das Moto in der Parkgarage an der Piazza Colombo einstellen könnte, zuviel. Dafür haben wir ja eine massive ABUS-Sicherheitskette sowie unsere Alarmanlage am Bike und ausserdem ein Sicherheitskamera. Naja, die gehört zur Bank, die gleich hinter dem Parkplatz steht. Wird schon gut gehen!


Tag 3:

Die Nacht war etwas unruhig. Immer wieder wachte ich kurz auf und dachte, ich hätte jemand an meinem Moto rumhantieren gehört. Was natürlich völlig unsinnig ist, denn würde sich jemand daran zu schaffen machen, so hätte die Alarmanlage ja zu schrillen begonnen. Der erste Blick am Morgen geht dennoch gleich aus dem Fenster hinunter zum Bike. Ja, die BMW steht noch friedlich da und mit ihr eine Handvoll anderer grosser Motos. Erleichtert gehts runter in die Kaffeebar, wo wir uns einen leckeren Latte Macchiato und dazu frisches, süsses Gebäck gönnen. Sogar ich, der ich im Allgemeinen keinen Kaffee trinke, geniesse hier dieses Getränk. In Italien schmeckt es einfach immer besser als zuhause.

Dann gehts ab ans Meer. Kein Wunder, die Sonne scheint herrlich über das Wasser zu uns herüber, da können wir einfach nicht widerstehen und müssen das Glitzern auf dem Wasser aus der Nähe sehen. Wir packen unser Moto und runter geht es an die Küstenstrasse. Wir folgen dem Duft des Meeres nach Osten, immer so, dass wir das Funkeln in den Augen haben.

Zu unserer Rechten klatschen die Wellen an die Küste, zu unserer Linken steigen sanfte Hügel empor und verlieren sich in leichtem Dunst. Nicht lange und in unseren Köpfen schleicht sich der Gedanke ein, dass es von oben wohl eine noch viel bessere Aussicht über die Küste zu sehen geben muss. Getrieben von der Gier, die besten Aussichtspunkte der Gegend zu erkunden, zweigen wir kurz vor Bussana nach links ab und folgen einem kleinen Quartiersträsschen ins Landesinnere.

Nicht lange und der Weg steigt wie erwartet rasant in die Höhe. Schon bald schwenken wir in die grössere und auch schönere SP55 ein, die sich in unzähligen Kurven etwas gemächlicher ins Landesinnere zieht. Unweit der Glitzer- und Glamorstadt San Remo findet man hier in Ceriana ein kleines, in unseren Augen noch typisches, ursprünglich ligurisches „Alpen“dorf.  

Leider hat sich mit steigender Höhe der Dunst zu kleinen Wolken verdichtet, die zeitweise sogar die Sonne etwas zu verdrängen vermögen. Doch da es angenehm warm ist, lassen wir das trotzdem noch als schönes Wetter durchgehen.

Dann geht es immer mehr in die Höhe, was man an der sinkenden Temperatur schnell feststellen kann. Das mag zwar etwas seltsam klingen, aber wenn man sich bewusst ist, dass sich gleich hinter der Küste Berge bis zu 1500 Meter Höhe auftürmen, so ist das dann wieder einleuchtend.

Wir gondeln durch teilweise dschungelartige Wälder, in denen Lianen von den Bäumen runter hängen, als wären wir in Tarzans Urwald. In Anbetracht des äusserst spärlichen Verkehrs kommt man sich hier, kaum 15 Kilometer vom Strand entfernt, vor, als wäre man weit ab jeglicher Zivilisation unterwegs.

In vielen kleinen Kehren erkämpft sich unser Boxer langsam aber stetig seinen Weg auf den Passo Ghimbegna. Nichts Besonderes eigentlich, denn die meiste Zeit fährt man wie gesagt im Wald. Unsere Suche nach besseren Aussichtpunkten wurde bisher nicht von Erfolg gekrönt. Daran ändert auch das Schild „Strada Panoramica“ nichts, das sich auf die darauf folgende Strasse, die SP54 bezieht. Man sieht zwar immer mal wieder zwischen den Bäumen und Ästen hindurch, dass man sich in etwa auf einer Krete nach Osten bewegt, vom Meer aber sieht man hier leider auch nichts. Dafür ist es wieder um einiges frischer.

Auf dem höchsten Punkt, auf immerhin 1516 Metern über Meer, kaum ein Dutzend Meter unterhalb des Monte Ceppo, machen wir dann kurz Halt. Eine kleine Schlange fühlt sich durch unsere Anwesenheit auf ihrem Wohn“felsen“ etwas belästigt und verzieht sich, leicht verärgert züngelnd, in ihr kleines Loch. Dies wiederum hat zur Folge, dass ich nun meine Sozia auf keine erdenkliche Art mehr zu einer gemütlichen Pause auf dem Felsen überreden kann, dabei hat sich doch das kleine Vieh davon gemacht.

So verkürzt sich unsere Pause auf die Dauer, die man zum Leeren einer Red-Bull-Dose benötigt, denn diese war halt schon offen, bevor dieser zu gross gewachsene Regenwurm aufgetaucht ist, um mir meine Pause zu versauen.

Die nächste Kreuzung dürfte dem einen oder anderen „Wanderenduristen" bekannt sein. Es handelt sich um den Colle di Langan, wo die Strasse abzweigt, die zur oder von der Ligurischen Grenzkammstrasse führt.

Da ich die LGKS erst vor einigen Wochen unter die Räder genommen habe, lassen wir es für dieses Mal gut sein, schliesslich will ich meine Sozia nach der „Schlangenpause“ nicht schon wieder „stressen“. So rollen wir gemütlich dem Tal zu. Dabei heisst es, immer auf der Hut zu sein, denn es befinden sich des öfteren freilaufende Tiere, wie Ziegen oder Schafe, auf der Fahrbahn.

Die Landschaft hat sich inzwischen markant verändert. Anstelle der satt grünen, mit Büschen durchsetzten Wälder ist es hier, etwas hinter den ersten Bergkuppen, schon ziemlich trocken. Feigenbäumen fühlen sich in der meist trockenen Atmosphäre sichtlich ohl. Auch findet man viele Olivenbäume auf dem sonst eher braunen und trockenen Boden.

Über viele kleine Kurven und eine handvoll 180-Grad-Kehren geht es runter bis nach Pigna. Wer übrigens etwas Geld übrig hat, der kann sich hier im Grand Hotel Pigna antiche Terme einquartieren (http://www.termedipigna.it). Wie gut das Hotel tatsächlich ist, weiss ich nicht, die saftigen Preise lassen aber einiges erhoffen.

Wir folgen der Strasse bis runter nach Camporosso, um danach ein weiteres Mal dem Glitzern des Meeres zu folgen. Diesmal in Richtung der Schönen und der ganz schön Reichen – in Richtung Monaco.

Diese Strasse muss man einfach mal gefahren sein. Nicht, dass sie mit wahnwitzigen Kurvenorgien locken könnte. Nein, es ist eben das genannte Glitzern, das sich fast automatisch in jedermanns Augen zurückspiegelt, der sich dem mediterranen Feeling hingibt. Palmen wedeln mit ihren Fächern Luft zu und Agaven protzen stolz mit ihren überdimensionalen Blütenständen, die sie der Sonnen entgegen strecken. Daneben findet des Bikers Auge typische italienische Villen am Hang und mit jedem Kilometer spürt man etwas mehr von dem „Dolce far niente“-Gefühl in sich selbst.

Vorbei am Strand von Menton, mit Hotelklötzen, die mich wohl nie in ihren Bann werden ziehen können. Etwas später um das Cap Martin, wo sich die Strasse durch das Quartier der wirklich Privilegierten windet. Kurz darauf blinzelt Monaco durch das Geäst der Bäume. Riesige Betonklötze unterhalb des Hausberges, des Tete de chien. Kaum hat man die Stadt erreicht, landet man von Dolce far niente im städtischen Staustress; eine wahrhaft harte Landung. Überall schielen gemeine Polizisten darauf, endlich einen Sünder an der Kandare zu packen. Besonders haben sie es auf ahnungslose Ausländer abgesehen. Es scheint allerdings, dass je mächtiger und bonziger das Fahrzeug, desto weniger müssen die Gesetze beachtet werden.

Das mussten auch wir erfahren, als wir vor einem Haus, wo zwar kein Haltverbot stand aber halt normaler Verkehr fuhr, ein Foto machen wollten. Der einheimische Rolls-Royce, der dagegen nebenan klar in einem Parkverbot abgestellt war, interessierte den Polizisten nicht. Wir aber wurden sofort zur Weiterfahrt "angehalten". Naja, wir mit unserem Motorrad sehen halt auch nicht wie grossartige Millionäre aus, die ihr Geld in einem der Casinos liegen liessen.

Auf das Foto und auch auf einen längeren Aufenthalt in dieser Betonwüste verzichten wir danach. Allerdings nicht nur deswegen, sondern vor allem, weil die Stadt ziemlich hässlich, stinkend und überaus lärmig ist. Der Verkehr kollabiert ob der komischen, durch die Polizei nicht geahndeten Parkerei der Reichen und so sind wir nach kaum einer halben Stunde Stopp-and-go mehr als froh, als wir diese unfreundliche Betonmetropole wieder verlassen können. Die Erfahrung, einmal selbst einem Teil der F1-Strecke in Monaco entlang gefahren zu sein, war den Ausflug auf jeden Fall nicht wert.

Über die Autobahn geht’s zurück nach San Remo. Bei Sonnenuntergang eignet sich übrigens auch die Strasse, die etwas erhöht der Küsten entlang führt. So spart man sich die Staus in den Städten und kann gleichzeitig wunderbare Panoramen geniessen sowie das eine oder andere Foto schiessen, ist ja klar!

Am Hafen beim Eingang von San Remo lassen wir den Tag und damit leider auch unseren Kurzurlaub ausklingen und schlürfen dazu den Schaum eines heissen Capucchino. Morgen gehts zurück in die Schweiz.