Australien - Erste Fahrversuche im Südwesten

 

Autor: Dominique Werner 

2005 hatte ich zweimal die Gelegenheit im Anschluss an geschäftliche Verpflichtungen ein paar Tage Motorrad zu fahren. Die jeweils zur Verfügung stehende Zeit war sehr knapp bemessen, eine grosse Abenteuerreise im Stile einer Canning Stock Route lag deshalb natürlich nicht im Bereich der Möglichkeiten. Das rettet mich davor, zugeben zu müssen, dass ich wahrscheinlich fähigkeitsmässig auch bei ausreichenden Zeitverhältnissen nicht in der Lage gewesen wäre diese Hardcorestrecke zu meistern. Was sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen anbot, waren beim ersten Aufenthalt im April verschiedene kürzere Touren, Start und Ziel in Sydney, dazwischen aber mit Canberra als Basis. Beim zweiten Besuch im Dezember startete ich in Melbourne und fuhr in mehreren, nicht ganz gradlinigen Etappen nach Sydney.

Die Berichte sind in Abschnitte unterteilt, die sich einzeln und in wenigen Tagen fahren lassen; die meisten von uns haben ja nicht monatelang Zeit, sich „down under“ zu vergnügen.
Allgemeine Infos finden sich separat.

Trotz der Kürze des Aufenthaltes hat es sich gelohnt, um ein paar Erfahrungen reicher bin ich wieder in die Schweiz zurück gekommen.

Bluemountains National Park

Um von Sydney aus flüssig in die Bluemountains zu kommen, sollte man spätestens auf Höhe von Leonay auf den Highway 4 (Great Western Highway) in westlicher Richtung (Katoomba) auffahren.

Die Strecke bekommt bald ländlichen Charakter, leider herrscht fast überall mittels doppelt gezogener Sicherheitslinie Überholverbot. Der Verkehr ist aber flüssig, und rasen muss man ja auch nicht.
Bei Bullaburra mache ich eine kurze Pause und schaue mir die Buschfeuerwehr an, die hier eines ihrer Depots hat. Wenige Kilometer später, am Ortseingang von Leura, biege ich in südlicher Richtung auf die Tablelands Road ab. Ein paar hundert Meter weiter gelange ich via Chester Road auf den Little Switzerland Drive. Anfangs wundere ich mich noch über den Namen, nichts hier gleicht hier der Schweiz, wie ich sie kenne; Buschland, heiss, trocken und flach. An verschiedenen Austellpätzen fahre ich vorbei, bis ich schliesslich am letzten der Parkplätze um ein Holzgatter herum auf einen Trampelpfad fahre. Der wird kleiner und kleiner und geht von sandigem auf felsigen Grund über. Aus dem Augenwinkel bemerke ich eine Sonnenreflexion, beim Hinsehen entdecke ich einen im Fels eingelassenen Ring. Das kenne ich von einer andern Sportart: Klettern. Stopp! Ich hätte beim Zirkeln über den Fels fast übersehen, dass hier der Grund für den Strassennamen verborgen liegt. Absteigen, Helm weg und ein Redbull geöffnet, nun habe ich Zeit umher zu sehen. Fantastisch. Ich stehe keine 5 Meter vor einem Abgrund, den zu übersehen und zu überfahren sowohl mich wie das Moped ernsthaft überfordert hätte…
Die Aussicht über die bewaldeten Blue Mountains ist wunderbar, und weit in der Ferne sieht man den nächsten markanten Hügelzug, der die vor mir liegende Senke abschliesst. Natürlich muss ich kurz testen, wie der Fels beschaffen ist. Am Rand des Plateau’s, auf dem ich schliesslich parkiert habe, lässt sich die Steilstufe überwinden. Es gibt, verursacht durch Jahrmillionen der Erosion, ganz kurlige Felsstrukturen zu bewundern.

Bald habe ich mich von meinem selbsverschuldeten fast-Freiflug erholt. Nun will ich weiter in diese unpassierbar scheinende Wildnis vordringen. Dies gestaltet sich weniger schwer, als vom Ausguck her betrachtet. Der Weg ist auf der Karte zwar als 4WD-ONLY bezeichnet, es handelt sich aber um eine ordentliche Piste, wenn auch ab und zu mit etwas tieferem Sand gerechnet werden muss.

Diese Beschreibung gilt nicht im gleichen Ausmass für Autos. Natürlich hat der Weg Verschneidungen, Versetzungen und, ich bin erstaunt, Auswaschungen. Das stört auf dem Moped wenig, während es die Autos hin und her schüttelt. So kommt es, dass ich diverse Jeeps und Land Rover als mobile Hindernisse betrachten muss. Meist sind sie aber so langsam unterwegs, dass ich mir schon lange vorher die geeignete Stelle für ein Überholmanöver aussuchen kann. Nur mit dem Gegenverkehr muss man auch auf dieser Strasse ins Nirwana immer rechnen. Zwischendurch bekomme ich immer wieder eigenartige Felsstrukturen zu sehen, manche erinnern mit etwas Fantasie an Tiere.
Nach einigen stehenden Kilometern auf dem Moped erreiche ich schliesslich mein Ziel, den Aussichtspunkt McMahon (Mc Mahons Lookout). Dort wird nun erst einmal Pause gemacht. Allein bin ich nicht, es hat diverse andere Touristen hier, die aber alle mit mindestens 4 Rädern angereist sind. Da es sich hier um eine Sackgasse handelt ist zu erwarten, dass die überholten Fahrzeuge auch über kurz oder lang hier eintreffen werden. Nach einer halben Stunde mache ich mich auf den Rückweg, und begegne in der Tat den ersten Jeeps nach wenigen Minuten Fahrt.
Bei einem grösseren Gehöft nehme ich nun aber nicht den direkten Weg zurück zur Hauptstrasse, sondern biege südwestlich auf die Kedumba Valley Road ab. Dies in der Hoffnung, dass noch die eine oder andere etwas anspruchsvollere Stelle mich erwarte. Die Abfahrt ins Tal ist aber ebenso problemlos zu meistern wie die bisherigen Strecken.
Irgendwann ist dann aber plötzlich Schluss mit lustig, die Strasse ist ebenfalls eine Sackgasse. Da die Aussicht hier auf den See weniger gut ist als vorher, bin ich mutterseelen allein. Ich bin auch gute 500 Höhenmeter tiefer als der McMahon Aussichtspunkt.
Es bleibt mir nun nichts anderes, als definitiv wieder den Rückweg in die Zivilsation unter die Räder zu nehmen. Bergwärts ist diese Strecke übrigens ziemlich cool zu fahren, obwohl das Mietmotorrad wenig profilierte Strassenreifen aufgezogen hat.
Als ich wieder den Great Western Highway erreiche, kommt mir die Fahrt zurück nach Sydney. Dort angekommen kann ich müde auf einen wirklich guten Tag zurückblicken.

Canberra und Umgebung

Bei Basierung in oder um Canberra – ein paar Aufwärmziele für „vor dem Frühstück“. Canberra ist für einen Schweizer enorm weitläufig. Am liebsten würde man den fahrbaren Untersatz schon bemühen, um kurz beim Nachbarn einen Kaffee trinken zu gehen. Mindestens ein Fahrrad muss sein, sonst gerät schon beim Brötchen holen die Zeitplanung ausser Kontrolle.

Nun gut. Widmen wir uns den wichtigen Dingen, dem Moped-Fahren. Canberra ist eine Retortenstadt, aber im Unterschied zu den amerikanischen Pendants, von halbwegs vernünftigen Leuten angelegt – wichtig: ausserhalb der Reichweite der Schiffsartillerie; das war damals ein Argument für seinen heutigen Standort. Sogar an einen künstlichen See, auf dem man rudern oder segeln kann wurde gedacht und er trägt in der Tat stark zur Lebensqualität bei.
Fürs Motorrad aber gibt es nicht wirklich interessante Strecken, zu breit und zu gerade sind die Strassen.

Die drei befahrbaren Erhebungen an den Stadträndern lassen sich in wenigen Stunden (inklusive vieler Pausen) besichtigen.

Tagesrundfahrt durch den Kosciuszko National Park

Wenn also die nähere Umgebung Canberras nicht so viel hergibt, so kann die relative Nähe zum Mount Kosciuszko, der höchsten Erhebung Australiens (Berg würde ich es noch nicht nennen…) zu einer interessanten Tagesrundfahrt verhelfen.

Im Bemühen, die grossen Strassen zu umfahren, die sind nun wirklich langweilig, ziehe ich es vor, kleinere, auf der Karte fast nicht erkennbare Routen zu finden und zu befahren. Dazu verlasse ich, mit genügend Sprit und Trinkwasser dabei, Canberra an seinem westlichen Ende in südlicher Richtung.

Über Schotterpisten gelange ich nach Shanons Flat. Anhand der Karte erwartete ich hier zumindest ein Dorf. Doch weit gefehlt. Genau ein einziges, offenbar nicht bewohntes Gebäude finde ich, neben einer Kreuzung. Um nicht zu früh wieder auf geteerte Strassen zu stossen nehme drehe ich nach Nordwesten. In einem grossen Halbkreis, der mich über Yaouk nach Adaminably führt geniesse ich die breiten, flachen unbefestigten Strassen. Nun ist erst mal fertig mit den Schotterpisten. Der Snowy Mountain Highway (18) ist befestigt und bringt mich in nordöstlicher Richtung rasch voran zu meinem nächsten Etapenziel, dem Three Mile Dam, ein kleiner Stausee, der den Namen höchstens vom Umfang und nicht von Länge oder Tiefe hat, auch der Staudamm selbst ist etwas zu klein, als dass er als Namensgeber legitimiert wäre.

Eine recht interessante Strecke führt mich nun an einem weiteren Stausee entlang Richtung Khancoban, wo ich dringend wieder mal tanken und Pause machen muss. Die Tankstelle an bietet für genau diesen Zweck auch einen Picknick Platz an.

Die nun folgende Strecke entlang des Alpine way ist sehr schön zu fahren. Insbesondere die Geschwindigkeitsempfehlungen vor den Kurven haben es mir angetan. Ich komme nicht umhin, mich zu fragen, wie wohl die Alpen aussehen würden, müssten wir vor jeder Kurve an einem Susten Pass eine Tafel mit Geschwindigkeitsempfehlung aufstellen. Ausgelegt sind die Geschwindigkeiten denn wohl auch auf überladene Road Trains, mit dem Moped lege ich mich konstant 50 oder gar 100% schneller als empfohlen in die Kurve und finde das durchaus als den Verhältnissen angepasst. Bei den Schutzhütten Tom Groggin mache ich bei rund einer Milliarde ausgehungerter Fliegen nur sehr kurz Pause, suche dann sofort wieder das Weite, d.h. den Dead Horse Gap. Von dieser Passhöhe geht es nun flüssig am Wintersportort Thredbo vorbei nach Jindabyne, nochmals aufgetankt, sofort weiter nach Middingbank und über die Schotterpiste nördlich bis ich wieder auf den Snowy Mountain Highway treffe. Diesem folge ich über Adaminably bis zur Kreuzung Rules Point wo ich wieder auf Schotter wechsle, auf die Long Plain Road.

Mit einer grossen Staubfahne geht es erst etwas östlich, hauptsächlich aber nördlich durch die Pampa. Ganz so plain ist die Road dann doch nicht. Zwischendurch erreicht man Höhen von über 1400 Meter über Meer. Inzwischen ist das offene Gelände in Busch- und Waldland übergegangen und die Long Plain Road folgt in etwa einer Feuerschneise. Dies sind diese Schneisen, die durch die Vegetation geschlagen werden, dass im Falle von Busch- und Waldbränden, das Weiterspringen des Feuers etwas erschwert wird und die Brandbekämpfung in diesem hügeligen Gelände möglicherweise etwas besser von Statten geht.

Als die Strasse von Schotter wieder in Teer übergeht, bin ich richtig froh, für heute habe ich es gesehen. Aber noch bin ich nicht zurück. Es folgt noch gut eine Stunde Kurvenfahrt bis ich zurück in Canberra bin.

Tagesrundfahrt durch den Great Dividing Range südöstlich von Canberra

Die heutige fahrt geht primär in süd-südöstlicher Richtung in den Great Dividing Range. Das ist die Hügelkette, die zwischen der Küste und Canberra liegt und mit einigen 4WD Strecken aufwartet. Ich habe mir erneut einige Pfade aus der Karte herausgesucht, die unter Vermeidung der grösseren Verkehrsträger möglichst viel Schotter bieten.

Nachdem ich die Hügel um Canberra passiert habe, bin ich nun auf der bezeichnenden Captains Flat Road unterwegs, später auf der Krawarree Road, der Snowball Road, der Badja Road und der Tuross Road.
Obwohl ich hier fast ausschliesslich auf Schotterpisten unterwegs bin, ist es nur der immer wieder wechselnden Vegetation der einen oder anderen Schafherde zu verdanken und, dass man nicht einschläft… Schliesslich komme ich an die Kreuzung, die (gemäss Karte) eine spannendere Weiterfahrt verspricht – die Wadbilliga Road. Schon nach wenigen Hundert Meter kommt die erste Furt, die es zu queren gilt. Ich schaue mir mal an, wie tief der Spass hier ist, ich schätze 30, maximal 40 cm. Das sollte zu machen sein. Die Durchfahrt klappt denn auch vorbildlich. Nur irgendwas muss trotzdem schief gegangen sein. Etwa hundert Meter nach der Durchfahrt stirbt mir der Motor der 660er Tenere ab. Und er ist auch nicht mehr zum leben zu erwecken. Ich habs wirklich versucht. Bevor die Batterie hinüber war, habe ich sogar die Fahrzeugelektrik getrocknet, in der Hoffnung der Fehler liege da. Die Tenere hat kein einsehen.

Was nun?

Seit ich hier bin ist noch kein Fahrzeug vorbei gekommen und die letzten Anwesen, die ich passiert habe liegen auch schon ein paar Kilometer zurück. Natel Empfang – null, Wasservorrat – 3,5 Liter, Sprit – noch sicher für ca. 150 km.

Ich entscheide mich für einen Spaziergang – zurück zur letzten bewohnten Behausung, an die ich mich erinnern kann. Es werden gute 6 km, in Motorradmontur, bei sehr warmem Wetter. Ich werde aber nicht enttäuscht. Der Hof, den ich im Vorbeifahren gesehen habe, ist tatsächlich bewohnt, eine ganze Gruppe Leute ist versammelt. Ich schildere mein Problem, Vater und Sohn packen mich in ihren Pick-up und gemeinsam fahren wird meine Wanderstrecke von über einer Stunde in wenigen Minuten zurück. Zusammen schauen wir nach der Ursache. Irgendwann fragt er ob ich den Tank kontrolliert hätte. Auf meine Antwort ja, 150 km sollten noch zu machen sein, meint er, nein, ob ich vielleicht Wasser im Tank hätte. Ich wüsste nicht wie, ich hätte die Maschine nicht hingelegt, entgegne ich. Trotzdem hängen wir den Benzischlauch ab, und siehe da, Wasser. Es wir mir ewig ein Rätsel bleiben, wie das sonst so willkommene, kühle Nass in den Tank gelangen konnte…

Wir lassen also das Wasser ab, leeren den Vergaser. Die Batterie hab ich mit den erfolglosen Anlassversuchen natürlich getötet. Ich muss die Maschine anziehen lassen. Dazu befestigen wir ein Seil am Pick-up. Das andere Ende führe ich über den Lenkkopf zur Gashand, so lasse ich mich vom Jeep anschleppen. Die Tenere braucht eine ganze Weile, fast anderthalb Kilometer, bis sie wieder läuft. Ich gebe dem Bauer und seinem Sohn als Dank meine letzten zwei Tafeln Schweizer Schokolade, die beiden kehren zurück und ich spute mich meine Tour fertig zu kriegen. Jetzt habe ich doch etwas Verpätung.

Pausen hab ich ja jetzt genügend gemacht, also heisst es nun erst mal vorwärts kommen. Ich pflüge mich durch die Hügel, mich immer noch wundernd, wie das Wasser reingekommen ist. Hat wahrscheinlich mit der allgemeinen Qualität des Fahrzeuges zu tun…

Nach erneut sehr einsamer Fahrt auf den Schotterpisten erreiche ich schliesslich den Princess Highway, die Verbindungsstrasse, die einige Kilometer landeinwärts der Küste folgt. Ich drehe nach folge dem Highway erst bis Mystery Bay, doch noch mal eine Pause, und weiter bis Moruya. Dort wähle ich die Araluen Road in Richtung Braidwood. Kurz ausserhalb Moruyas endet die Befestigung und ich habe wieder Schotter unter den Reifen. Ich folge dieser abwechslungsreichen Strecke durch die Hügel bis kurz vor Braidwood, biege auf die Captains Flat Road ein um nach Canberra zurück zu kehren.

Am darauf folgenden Tag fahre ich zurück nach Sydney und dann ab nach Hause!