Moderne GPS-Navigation

Eins vorab, hier gehe ich nicht auf alle Details des Navigierens mit GPS ein, dafür gibt es genügend viele gute und ausführliche Bücher. Nein, ich möchte Ihnen hier lediglich einige Einblicke in die Anwendung des GPS auf tatsächlichen Reisen aufzeigen. Im speziellen möchte ich Ihnen hier erklären, wie ich mit einem GPS auf meiner mehrmonatigen Tour durch Südamerika oder aber auch auf meinen Touren in Europa unterwegs war respektive bin.

Kurze Einführung / Grundlagen
GPS
Das GPS ist ein Gerät, dass Impulse von diversen Positionstreuen Sateliten aus dem All aufnimmt und diese in einer Art verarbeitet, damit daraus eine ziemlich genauen Ortsangabe entsteht. GPS heisst denn auch „Global positioning system“, also globales Positionierungssystem.

GPS-Koordinaten
GPS-Koordinaten geben die genaue Position eines Ortes auf dem Globus an. Man gibt einen Ort immer in zwei Zahlenreihen an. Diese beziehen sich auf ein gedachtes Kartennetz auf dem Globus. Es überzieht den Planeten in jeweils rechten Winkeln mit Längen- und Breiten-Kreisen. Die Breitengrade werden dabei vom Äquator aus gezählt (die Pole liegen dabei 90° Nord, bzw. 90° Süd). Die Längengrade werden von einem willkürlichen Nullpunkt (Meridian) aus, jeweils 180° nach Ost und nach West gemessen. Der Nullmeridian liegt heutzutage in Greenwich (Sternwarte in London).

Beispiel:
N45° 20’ 22.45“ = 45°, 20 Bogenminuten und 22.45 Bogensekunden Nördliche Breite
E009°56’ 41,01“ =  9°, 56 Bogenminuten und 41.01 Bogensekunden Östliche Länge

Inklination
Die Inklination gibt den Neigungswinkel der Erdmagnetfeldlinien in Bezug auf die Horizontale an. Dies ist deshalb wichtig, weil nicht alle Kompasse bei allen Inklinationen korrekt arbeiten. Bei zu starker Inklination können gewisse Modelle die Richtung nicht mehr angeben. Daher ist darauf zu achten, im Falle von Reisen in Gebiete mit starker Inklination, einen Kompass dabei zu haben, der dieses Problem ausschliesst.

Deklination
Die Deklination gibt die Missweisung zwischen magnetischem und geographischem Nordpol an. Man muss dazu wissen, dass der geographische Nordpol nicht genau mit dem magnetischen Nordpol übereinstimmt. Je nachdem, wo man sich auf der Erde befindet, ist die Fehlweisung eines Kompasses also anders. Da der Kompass (nicht aber das GPS) aber auf dem magnetischen Nordpol basiert, die Karte aber auf dem geographischen, muss man dies im Kompass korrigieren. Mit Hilfe der Isogonen-Karte kann man dies tun.

Hier kann man übrigens die Deklination an irgendeinem Ort der Welt berechnen lassen: Mehr Info (Englisch)

Isogonenkarte
Isogonen sind Linien welche Punkte mit gleicher Missweisung (Deklination) in Bezug auf den geographischen Nordpol miteinander verbinden. Vor einer Reise durch unbewohnte Gebiete, sollte man sich über diese Angaben informieren, will man sich nicht nur auf das GPS verlassen. Im Internet gibt es auch Seiten, auf welchen man sich eine eigene Isogonenenkarte für eine Region berechnen lassen kann, um diese danach auszudrucken und mit auf die Reise zu nehmen.

Vorbereitungen
Auf vielen Strecken Südamerikas, vor allem wenn es in die hohen, abgelegenen Andenregionen geht, gibt es keine Richtungsschilder mit Distanzangaben mehr. Deshalb ist es ein muss, sich immer vor einer Reise intensive mit der zu befahrenden Strecke auseinander zu setzen. Sei dies nun, ob man daheim die Karte studiert, oder ob man unterwegs im letzten eingezeichneten Dorf noch nach dem richtigen Weg fragt. Hätten wir dies nicht getan, wäre es hin und wieder zu sehr kritischen Situationen gekommen.

Vor der Reise zu beachten
Das sollte man also vor einer Reise alles beachten, um danach möglichst optimal navigieren zu können:

  • Karte mit möglichst guter Auflösung von der zu befahrenden Region organisieren und diese studieren und kopieren, sofern man diese mitnehmen will. Idealerweise (insbesondere, wenn man alleine reist), eine Kopie inkl. eingezeichneter Route bei einer Vertrauensperson hinterlegen. Die Karte sollte wenn möglich (zumindest am Rand) globale, geographische Koordinaten zeigen, als Gradeabmessungen auf der Seite der Karte aufzufinden
  • Navigationsgerät (ob Kompass oder GPS) einwandfrei kennen und beherrschen. Sollte man vor der Abreise noch nicht 100% sicher sein, so sollte man auf jeden Fall die Gebrauchsanweisung für das Gerät mitnehmen
  • Übungen in Sachen Navigation zu Hause ausprobieren
  • Im Internet nach zusätzlichen Infos zur Strecke/Route suchen (z.B. in Reiseforen)

 
Navigieren mit Karte und Himmelsrichtung im Gelände
Wie geht man also vor, ist man schon mal unterwegs und hat alles Mögliche im Vornherein getan und ist sich nicht mehr sicher, wo man sich befindet:

  • Hat man im GPS eine genügend detaillierte karte, so nimmt man sich diese zur Brust und schon weiss man wieder wo man ist. Da dies vor allem in Bereichen, die sehr abgelegen sind meist eher Wunschtraum ist, geht man anders vor. Jedes GPS kann neben einer graphischen Darstellung auch die reinen GPS-Koordinaten anzeigen. Und genau diese sind in einem solchen Zeitpunkt gefragt. Man schreibt sich also diese Koordinaten in der gewünschten Form heraus, Meist ist es sinnvoll, sich anstelle von Bogenminuten Grade mit Kommastellen anzeigen zu lassen, diese sind dann einfacher in der Karte anzuwenden.
  • Nun nimmt man die Karte von dem Gebiet, in welchem man sich zu befinden glaubt und vergleicht mal die ersten zwei Zahlen der Koordinaten, also die ganzen Grade mit jenen auf der Karte. Passen diese, so kann man mit den Kommastellen weiterfahren.
  • Jetzt nimmt man den Kompass zur Hand. Beim Kompass ist darauf zu achten, dass die Deklination (Nordpol-Missweisung) angepasst wird bzw. vor dem Verwenden schon angepasst wurde. Auf den meisten Karten ist Norden oben. Also legt man den Kompass mit dem Nordzeichen auf die Karte, so dass beide nach Norden zeigen. Nun dreht man sich solange, bis die Kompassnadel mit dem Nordzeichen übereinstimmen. Nun stimmt die Karte mit der Umgebung überein.
  • Beim GPS-Gerät ist das etwas anders: Die meisten Geräte kann man so einstellen, dass die momentane Fahrtrichtung nach oben angezeigt wird. Eine Anpassung der Deklination ist hierbei allerdings überflüssig, da beim GPS die Daten nicht von den Magnetfeldlinien abhängen. Hat man das gemacht, dreht man die Karte, bis Kartenrichtung mit der Fahrtrichtung des GPS übereinstimmen.
  • Da die meisten Karten auf Fernreisen allerdings nicht überaus genau sind, dass man dann mit absoluter Sicherheit sagen kann, wo man sich gerade befindet, kommt nun ein gutes Auge für die Umgebung, Intuition sowie logisches Denken hinzu. Meist finden sich auf der Karte Angaben zu Erhebungen (Hügel), Flüssen oder anderen grösseren Eigenschaften (Kirchen, Minen, Ortschaften, Seen, etc.). Zudem sind gewisse Strassen auch eingetragen.
  • Anhand dieser Informationen, kann man nun festlegen, wie die Strasse, auf welcher man sich befindet, (im groben) verläuft. Es ist dabei darauf zu achten, sich nicht von Kleinigkeiten ablenken zu lassen. Denn ob die Strasse nun gerade an diesem Ort eine Kurve um 5° macht oder nicht, kann man auf der Karte wohl eh kaum sehen. Es geht bloss um die Grobrichtung.
  • Mit all der Information sollte es nun mögliche sein, sich auf der Karte selbst zu finden, bzw. seine Position festzustellen. Gelingt dies nicht, so sollte man sich vor einer Weiterfahrt bewusst sein, dass die Strasse auch ins Abseits führen und eine Sackgasse sein könnte. Man muss also immer wissen, wie viel Benzin noch im Tank ist und wie weit es noch bis zur nächsten bzw. zur letzten Tankstelle ist.