Übung macht den Meister

 

Ein Erfahrungsbericht über eine Sicherheitsmassnahme, die eigentlich jeder von uns Moped Junkies viel häufiger verdient hätte, als wir uns das gemeinhin zumuten…

Allgemeine Informationen:

Kurs Betzholz TCS Moto Basis Kurs
Teilnehmer ca. 10 Personen (inkl. Nick Werner von moto-adventure.ch)
Ziel (von Nick) Ausmerzen von eingeschlichenen Faulheitsfehlern
Leiter Walti Bänninger
Ablauf Trial, Handling (8, Slalom, Spurgasse, Kurvenparcour), Mittag, Bremsen, Waldstrecke, Kreisbahn für Legen, Drücken, Aktiv, Schlussübung auf Brems-Waldpiste
Foto / Filmaufnahmen Nick Werner / Severin Werner (wird üblicherweise nicht gemacht)



Die Anfahrt aus dem Zürcher Unterland gestaltet sich an diesem Morgen ganz entspannt, der Verkehr fliesst anständig die A53 entlang zur Anschlussstelle Aathal und sogar Wetzikon lässt sich heute flüssig passieren. So erreiche ich das TCS Verkehrssicherheitszentrum Betzholz bei Hinwil ganz entspannt mit einigen Minuten Reserve.


Eine gemütliche Gruppe Motorradbegeisterter und sogar zwei Rollerfahrer haben sich für diesen Kurs eingefunden und unser Instruktor Walti Bänninger leitet die Vorstellungsrunde ein. Es stellt sich schnell heraus, dass wir eine gut durchmischte Gruppe sind; vom Zweiradfrischling mit einigen Lenzen auf dem Buckel bis zum Halbprofi, der inzwischen zum sechsten Mal dieses Training absolviert. Ebenso unterschiedlich sind die Fahrzeuge: Vom Roller über die Harley und die schnellen Supersportler spannt sich das Spektrum bis zur schweren Enduro, die mir persönlich am besten liegt.


Ein wesentlicher Teil des ersten Theorieblocks besteht in der Formulierung der Erwartungen, die jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin an den heutigen Tag mitbringt. In meinem Fall geht es mir darum, dass mich der Profi genau beobachten soll, um die bei mir im Verlauf der letzten Jahre eingeschlichenen „Faulheitsfehler“ zu finden, damit ich sie nicht noch eine Saison ins Hirn einbrenne.
Bald ist es dann soweit, dass wir wieder raus dürfen; Walti macht uns ja auch darauf aufmerksam, dass man Erfahrungen nicht im Theoriesaal sammelt, sondern sie im wörtlichen Sinn erfahren muss. Um uns auf spielerische Art an einen Teil der folgenden Übungen heran zu führen, lässt uns Walti in zwei Gruppen erst mal auf ganz leichte Trial Maschinen steigen. Mit denen zwitschern wir in gemächlichem Tempo über den kleinen Teil des Zentrums, der uns die Freude des Fahren auf losem Untergrund ermöglicht. Als Endurofahrer hat man in dieser Übung sicher einen kleinen Startvorteil, was sich zu Beginn in der etwas verkrampften Körperhaltung einzelner Teilnehmer wiederspiegelt. Walti schafft es aber, den Teilnehmern schon in den ersten Minuten ein Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten einzuflössen, so dass auch diejenigen, die normalerweise nie stehend auf ihren Mopeds unterwegs sind, sich im Verlauf der Übung trauen im „Damensitz“, auf einem Bein stehend oder stehend einhändig auf Kies ihre Runden zu drehen, als hätten sie nie was anderes gemacht.

Nach einer kurzen Kaffeepause geht es dann auf den eigenen Maschinen zur Sache. Die Acht, ein Slalom, die Altbekannte Spurgasse und ein Schlangen-Parcours sind zu absolvieren. Die Übungen bringen uns das Verhalten der eigenen Maschine in langsamen Tempo wieder einmal ins Bewusstsein. Walti und Fredy, der Auto-Instruktor des TCS in Umschulung, beobachten uns genau, und können uns sehr individuelle Tipps geben. Bei mir beispielsweise sind es Instruktionen für das bessere Zusammenspiel von Gas, Kupplung und Hinterradbremse in der Spurgasse und im Schlangen-Parcours.


Viel zu schnell ist es schon Mittag und wir kehren zurück zur Kantine. Die Verpflegung ist ansprechend und die Mittagspause halten wir zum Glück recht kurz. Wir treffen uns direkt wieder bei den Mopeds für die nächste Übung – das Bremsen.
Meiner Ansicht nach ist dies der Bereich des Motorradfahrens, bei dem man ohne regelmässiges Training am meisten Fehler machen kann, die schnell zu ernsten Konsequenzen führen können. Denn sind wir doch mal ehrlich, wer von uns geht den regelmässig auf ein abgesperrtes Gelände und übt still für sich allein das Bremsen mit maximaler Verzögerung, also mit kürzest möglichem Bremsweg. An dieser Stelle sei auf die Publikation des „BÜRO SATTELFEST“ verwiesen. Martin Hauswirth hat als verantwortlicher Redaktor eine erstklassige Abhandlung über die Eigenheiten des Motorradfahrens und speziell des Bremsen gemacht. Sie kann hier (http://www.moto-adventure.ch/theorie/fahrphysik.html) als PDF heruntergeladen werden.


Walti und Fredy demonstrieren das Bremsen mit nur Vorder- oder Hinterradbremse und mit beiden zusammen. Die Eigenheiten der verschiedenen ABS Typen werden besprochen (z.B. die Unterschiede zwischen den Teilintegral-Philosophien von Honda und BMW, die sich erheblich unterscheiden, und doch beide ihren Sinn haben).


Wir üben und üben, auf der linken Bahn für uns selbst und rechts, wenn es frei ist, unter Beobachtung von Fredy und Walti. Immer mal wieder merke ich sogar selbst, dass meine Blickführung nicht optimal ist, was sich sofort in schlechterer Kontrolle über das Motorrad bemerkbar macht. Es sind genau diese Details die ich hier ausmerzen will. In einer zweiten Phase werde ich von Walti darauf gedrillt, so nahe wie möglich an die Blockiergrenze zu gehen, ohne das ABS auszulösen. Und da machen sich bei mir die wirklichen Faulheitsfehler bemerkbar, die sich in den letzten Jahren eingeschlichen haben. Ein ums andere Mal ziehe ich zu hart am Hebel und verlasse mich einfach auf die elektronischen Helferlein; ohne ABS hätte ich das Guetzli wohl mal wieder weggeworfen. Erst in der zweiten Hälfte der Bremsübung beginnt es besser zu laufen und ich taste mich immer näher an die Blockiergrenze heran, ohne dass das ABS etwas zu regeln hat.


Und schon ist es wieder Zeit für eine Pause. Im anschliessenden Theorieblock geht es nun um die Linienführung im Kurvenfahren, der Kopfhaltung und der Blickführung, die erst eine regelmässige Linie durch die Kurve ermöglicht. Und ja, auf der Position 2 liegt erfahrungsgemäss einfach am meisten Dreck…


Dann geht es zum letzten Mal raus auf die Anlage. Zuerst fahren wir uns etwas warm. Und dann können wir die Bremspiste und die Landstrasse nutzen, unsere Kurvenfahrstile zu schleifen. Ich weiss von mir, dass ich speziell in Linkskurven eine Tendenz dazu habe, gegen Kurvenende nahe, wahrscheinlich zu nahe an die Mittellinie zu ziehen. Der Theorieblock zu diesem Thema hat mir eine Indikation gegeben, dass dies an meiner Blickführung liegen könnte – zu weit über die Gegenfahrbahn nach vorn. Also versuche ich nun die tangentiale Blickführung über die Mittellinie. Und in der Tat lässt sich die Sache so schon viel besser an.


Walti versucht uns die Linienwahl verinnerlichen zu lassen, indem er in der „gemeinsten“ (weil zu machenden) Kurve am Ende der Bremspiste sich selbst oder seine Handschuhe so in der Kurve platziert, dass wir automatisch gezwungen sind eine saubere Linie zu fahren, wenn wir ihm keine Kopfnuss verpassen wollen.


Im nächsten Block geht es auf die Kreisbahn. Es geht um die verschiedenen Kurventechniken Legen, Drücken und milde Formen des Hang off. Hier findet Walti schon den nächsten Fehler. Ich habe mir irgendwann mit einem Vorgänger meines aktuellen Gefährts angewöhnt, meine Füsse in den Kurve etwas auszustellen, damit ich mit den Fussspitzen den Boden in der Kurve kommen spüre, bevor die Seitenkoffer aufsetzen. Das hätte ich mir längst wieder abgewöhnen können oder sogar sollen. Aber eben, die Gewohnheit. Jedenfalls wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sichtbar bei allen Teilnehmern. Inzwischen bringen sogar die Rollerfahrer die Bodenbleche zum Funkensprühen, so legen sie ihr Gefährt in die Kurve.


Die Schlussübung steht an. Dazu werden wir mit dem anderen Kurs vereint. Alle Elemente der bisherigen Übungen können dazu vereint werden zu einem grossen Parcours. Die Instruktoren der beiden Gruppen legen ihr Hauptaugenmerk auf die kurvige Landstrasse. Damit es uns nicht langweilig wird stellen sie sich in der einen oder anderen Kurve auf, um uns anzuhalten, auch in der Schlussübung die saubere Linienführung beizubehalten.


Bei der Schlussbesprechung müssen wir jedoch feststellen, dass wir in der Schlussübung viel vom heute (wieder-) erlernten fallen liessen und wieder in unsere bisherigen Verhaltensmuster zurück fielen. Trotzdem ist die Teilnahme sehr wertvoll, wir sind uns bei unseren nächsten Ausfahrten sicher häufiger der aktuellen Situation bewusst, als wenn wir nicht auf Waltis Coaching hätten zählen dürfen.


Fazit: Dank dem Frühbucherrabatt (Der Fond für Verkehrssicherheit unterstützt die Teilnahme an Trainingskursen bis 30. Juni mit CHF 200) bietet der Preis für einen Tag Coaching sehr viel Mehrwert pro Franken.
Für mich ist klar, dass ich nach der Teilnahme an diesem Kurs noch viel häufiger ein breites Grinsen unter dem Helm habe.