Schuberth S1

Speziell Positives zu erwähnen

  • Im Helm integriertes auf- und abklappbares Sonnenvisier
  • Leistester Helm auf dem Markt
  • Sicherer Helmsitz Dank Anti-Roll-off-System
  • Gute Durchlüftung trotz "Whisper strips"(Akustikkragen)

Speziell Negatives zu erwähnen

  • Die Antifog-Beschichtung macht sich leider nicht nur positiv bemerkbar. Sie kann sich vom Untergrund ablösen. Allerdings bietet Schuberth in klaren Fällen von Beschichtungsfehlern einen unbürokratischen, kostenlosen Austausch des Visiers an.

Produkteübersicht

  • Zu haben bei: Siehe Händlerliste auf der Homepage von Schuberth: www.schuberth.de
  • Preis: Zwischen 400 Euro und 600 Euro, bzw. etwa 800 CHF
  • Gewicht: 1525g (je nach Helmgrösse etwas weniger oder mehr)
  • Geprüft nach allgemein gültiger Norm ECE-R 22.05. Diese Norm garantiert die Einhaltung der Vorgaben bzgl. Stossdämpfung, Durchdringungsfestigkeit, Seitensteifigkeit, Rückhaltesystem und Sichtfeld.
  • Material aussen: Fiberglas Duroplast mit dem einleuchtenden Namen S.T.R.O.N.G.
  • Material innen: Spezial EPS-Schaum (Expandierendes Polystyrol)
  • Innenpolster: Herausnehm- und bei 30°C waschbar, Wangenpolster austauschbar
  • Erhältlich in folgenden Farbvariationen:Unifarben (rot, mattschwarz, tiefschwarz, titansilbermetallic, anthrazitmetallic), Flame (rot, blau, gelb, dark), Nordic dragon
  • Helmtasche (sofern nötig, denn standardmässig wird der Helm in einem Stoffbeutel geliefert)
  • Zubehör:
    • Pinlock-Visier für absolut sicher beschlagungsfreies Visier
    • Atemabweiser
    • Sonnenblende 80% getönt
    • Sonnenblende 60% getönt
    • Sonneblende in Pilotenoptik
    • Visier klarsichtig
    • Kopfpads in verschiedenen Grössen
    • Wangenpolster
    • Kopfband

Der Schuberth S1 gilt als leisester Helm auf dem Markt. Mit knapp 85 db (bei 100km/h und unverkleidetem Moto gemessen) ist er auch wirklich um einiges leiser als der XR1000, den ich zuvor hatte. Immerhin sind das rund 10 db weniger als bei anderen Helmen. Das mag nach wenig tönen, ist es aber nicht. Da die Lärmskala logarithmisch ist, ist eine Zunahme von 10db gleichzusetzen mit einer Verdoppelung der wahrgenommenen Lautstärke. Lärm mindert nicht nur den Fun-Faktor beim Biken, sondern vor allem die Aufmerksamkeit des Fahrers und damit die Sicherheit. Daher war dies ein besonders wichtiger Grund, weshalb ich mich für diesen Helm entschieden habe.


Bei der Lärmminderung hilft dem S1 vor allem auch der serienmässig eingebaute Akustikkragen, der auf der Unterseite beim Kinn den Helm gegen Windverwirbelungen abdichtet. Für andere Helme sind solche „whisper strips“ zwar auch erhältlich, allerdings müssen sie meist extra dazu gekauft werden.

Der S1 verfügt aber auch noch über ein kaum wahrnehmbares Sicherheitsfeature, welches verhindert, dass der Helm bei einem Unfall unabsichtlich über den Hinterkopf abgestreift wird, das sogenannte „Anti-Roll-Off-System“. Dabei handelt es sich um einen im unteren Teil des Helmfutters am Hinterkopf versteckten Gurt, welcher bei geschlossenem Verschluss das Abnehmen des Helms nicht mehr zulässt. Dies ist bei anderen Helmen teilweise möglich und könnte im Fall der Fälle die gesamte Schutzwirkung eines Helms aufheben, was ja nicht gerade sinnvoll wäre.

Bezüglich Verschlossenem Helm ist zu erwähnen, das der Schuberth S1 einerseits mit dem weit verbreiteten Steckverschluss aber auch optional mit dem aus dem Rennsport bekannten Doppel-D-Verschluss ausgeliefert wird. Allerdings muss man den Doppel-D-Verschluss bei der Bestellung explizit verlangen. Für mich, als einer der den Helm oft an und auszieht (für Fotos etc.), hat sich der Steckverschluss als ideal erwiesen, weil er etwas einfacher und schneller zu bedienen ist.

Das Sichtfeld des S1 ist sehr gross, das heisst, man muss nicht immer den ganzen Kopf drehen, wenn man mal auf der Seite etwas kurz checken will. Bzgl. Sicht ist auch das Visier ein Thema. Mit meinem alten S1 hatte ich das Problem, dass sich hin und wieder genau im Mittelstreifen beginnend über der Nase, ein etwa 5cm breiter beschlagener Streifen ausgebildet hatte. Dies vor allem im Winter und bei Regen, allerdings hat mir Schuberth versichert, dass dies nur auf ein nicht optimal beschichtetes Visier zurück zu führen sei und hat es mir auch gleich kostenlos ersetzt. Denn mit dem verzerrungfreien „Anti-fog“ beschichteten Visier soll dies nicht mehr vorkommen. Beim neuen hat sich allerdings nach nur rund 100km Testfahrt ebenfalls am visier die Beschichtung in Fetzen abgelöst. Mit dem neuen Visier, welches mir kostenlos zugestellt wurde, hatte ich danach allerdings keine Probleme mehr. Es ist ausserdem zu beachten, dass die Beschichtung nicht unbeschränkt Feuchtigkeit aufnehmen kann. Sollte mal ein milchiger Beschlag bleiben, so kann er mit einem handelsüblichen Mikrofasertuch abgerieben werden.

Natürlich ist ein klares Visier auch zum Teil abhängig davon, wie die Belüftung im Helm abläuft. Da hat Schuberth nun ganze Arbeit geleistet. Während ich beim alten XR1000 oftmals noch mit leicht geöffnetem Visier fahren musste, um klare Sicht zu behalten, ermöglicht die Kinnlüftung beim neuen Modell automatisch einen genügend starken Luftstrom für einen guten Luftaustausch. Sollte dennoch einmal der Wunsch nach etwas mehr frischer Luft vorhanden sein, so kann eine kleine Klappe eingedrückt und so eine stärkere Durchlüftung ermöglicht werden. Die Entlüftung funktioniert im Prinzip auf Grund des Unterdruckes, welcher am Hinterkopf entsteht. Wegen des physikalischen Strömungsverhaltens entsteht dort mit zunehmender Geschwindigkeit ein Unterdruck und saugt so die „verbrauchte“ Luft aus dem Helm. Mit dem Belüftungsschieber auf dem oberen Helmteil kann dann noch zusätzlich der Kopf gekühlt werden. Dafür ist man vor allem im Sommer dankbar, wenn die Sonne heiss und unbarmherzig vom Himmel brennt. Genau dann braucht man einen kühlen Kopf.

Für weitere Sicherheit sorgen zwei Rückstrahler an der Stirn (auf Grund der Form auch schon mal „Snake Eyes“ genannt). Sie befinden sich ausserhalb des Sichtfeldes, aber unter dem Visier, um deren Haltbarkeit zu verlängern. Ausserdem ist ein dritter Rückstrahler hinten am Nackenpolster eingearbeitet und soll die Sichtbarkeit des Fahrers zusätzlich verbessern. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich ein Sujet von im Handel erhältlichen Rückstrahler-Klebern auf den Helm kleben.

Neben dem normalen Visier bietet dieser Helm aber noch ein weiteres, ausserordentlich interessantes Kaufargument an: Die von aussen einhändig bedienbare absenkbare Sonnenblende. Nicht nur ideal, um abends vom getönten Visier auf ein Klarvisier zu wechseln, sondern auch wenn es um Tunneldurchfahrten geht. Vor allem in Italien und Frankreich, wo sich teilsweise ein Tunnel ans andere reiht und einem zwischendurch die Sonne direkt ins Gesicht blendet, hat mir dieses Feature schon so machen Dienst erwiesen. Noch viel interessanter ist dieses zusätzliche Visier aber für Brillenträger. Wer kennt es nicht, entweder die normale Brille drauf, dann ist es zu hell in der Sonne und gut im Dunkeln oder aber die Sonnenbrille an und dafür Nachteile in Tunnels und in der Nacht in Kauf nehmen. Nicht so mit diesem Visier. Rauf, runter, rauf, runter, wie es einem beliebt. Sollte übrigens mal der Klarlack auf diesem Untervisier abblättern, so liegt dies mit höchster Wahrscheinlichkeit an einem Beschichtungsfehler. Das kann schon mal vorkommen, denn das problemfreie Beschichten von elastischen Teilen ist nicht ganz einfach, geschweige denn, einen Lack zu finden, der so elastisch ist wie das Trägermaterial.

Gute Qualität zieht magisch Personen an, die mit dunklen Machenschaften ebenfalls davon profitieren wollen. Daher sollte man, vor allem wenn man sich das Teil online bestellen will, auf der Homepage von Schuberth die Händlerliste anschauen, denn dort sind fast alle verzeichnet. Bei Unsicherheit hilft der Kundendienst gerne mit einem Bestätigungsemail und bezeugt (sofern der Verkäufer zur legalen Gilde gehört) seine „weisse Weste“ in dieser Sache.

Fazit:

Der Helm mag ein wenig schwerer sein, als einige Konkurrenten, aber dafür bietet er auch viel mehr. Sonnenblende, grosse Rückstrahler, zusätzliche Sicherheitsfeatures und viel weniger Lärm, um dafür mehr die Landschaft geniessen zu können. Allgemein gilt trotz meiner bedingungslosen Empfehlung: zuerst probieren, dann kaufen, denn nicht jeder Kopf ist gleich und das merkt man meistens erst nach einer oder zwei Stunden Fahrt.