BMW R 1200 GS Adventure

Erfahrungs-Testbericht BMW R 1200 GS Adventure

Technische Angaben

Hubraum:  1170 cm3
Leistung: 74,0 kW (101PS) bei 7000 rpm
Drehmoment: 115,0 Nm bei 5500 rpm
Motor: 2-Zylinder, Viertakt, 4-Ventile
Getriebe: 6 Gänge
Kraftübertragung: Kardan
Anlasser: Elektrisch
Gemischbildung: Elektrische Einspritzung
Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung, hydraulisch betätigt
Kühlung: Luft-Ölkühlung
Höchstgeschwindigkeit: 201km/h
Verdichtung: 11:1
Radstand: 1510mm
Bremsen: ABS mit teilintegral (abschaltbar)
Vorne: 305mm Doppelscheibenbremse, 4-Kolben Bremssättel 
Hinten: 265mm Scheibenbremse, 2-Kolben Bremssättel
   
Federung  
Stossdämpfer vorne: Telelever mit Zentralfederbein, Federvorspannung einstellbar
Federweg vorne: 210mm
Stossdämpfer hinten: Paralever mit WAD Federbein, Federvorspannung einstellbar, Zugstufenspannung einstellbar
Federweg hinten: 220mm
   
Gewicht   
Trocken: 223kg
Leergewicht: 256kg (fahrfertig)
 Max. Zuladung: 219 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 475kg
Tankinhalt: 33 Liter (davon 4.0 Liter Reserve)

 

Ausrüstung unserer Bikes (teils seriell, teils als Option dazu gekommen)

  • Traktionskontrolle (abschaltbar)
  • ABS (abschaltbar)
  • Heizgriffe (zweistufen-regelbar)
  • Reifendruckkontrolle
  • Verstellbare Windschutzscheibe
  • Pannenblinker
  • Bordcomputer mit (Gesamt-km, Trip-km 1+2, Temperaturanzeige, Druckluftanzeige in Vorder- und Hinterpneu, fahrbare Restdistanz, durchschnittl. Spritverbrauch, durchschnittl. Geschwindigkeit, Ölsandskontrolle und Ganganzeige)
  • Diebstahlwarnanlage
  • Kofferhalter inkl. 2 Seitenkoffer und Topcase (BMW-Koffersystem)
  • 2 Nebelscheinwerfer
  • Sturzbügel
  • abnehmbare Sitzbank (hinterer Teil separat entfernbar)
  • grosser Reisetank (33 Liter)
  • Auspuffanlage verchromt
  • Zentral- und Seitenständer
  • Motorschutzplatte aus Alu


Testbericht
Wer zuvor eine KTM 990 gefahren hat, der wird sich freuen, denn endlich kann die Visitenkarte des Pannendienstes in die unteren Kistenbereiche verstaut werden. Das Ding ist robust und in Sachen Pannenanfälligkeit nicht mit einer 990er-KTM zu vergleichen.  

Besonders hat uns auch der Kardan gefreut. Anfangs noch eher etwas misstrauisch dieser neuen Antriebsart gegenüber, hat sich das schnell gelegt. So muss man ab sofort nicht mehr an den Kettenspray denken, wenn man nach einer Regenfahrt oder einer längeren Staubpiste nach Hause kommt. Und besonders wer Wert auf eine saubere Maschine legt, wird sich daran freuen. Denn das mühsame entfernen von Kettenfettrückständen an den Felgen und am Rahmen entfällt. So schnell wie heute hatte ich noch nie ein Motorrad geputzt.  

Scheinen auch die Anschaffungskosten im Vergleich mit der zuvor gefahrenen KTM zu Beginn einiges höher, so darf man doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Durch die vielen kleinen Extras, die bei der BMW von Anfang an dabei sind, die man sich als häufig fahrender Tourengeniesser aber sicherlich früher oder später zugelegt hätte, gleichen sich die Preise dann nämlich wieder an.

Ausserdem spart man einiges an Geld im Verlaufe der Zeit zusätzlich ein. Ein grosser Punkt sind die längeren Serviceintervalle bei der BMW. Nicht zuletzt sparten wir vor allem auf Grund der nicht mehr eingetretenen Schäden, die bei der orangenen Österreicherin schon mal das eine oder andere Loch ins Portemonnaie gerissen hatten.

Auch in Sachen Fahrgefühl ist es wohl nicht ganz das Gleiche. Wobei ich auch hier ein Vergleich schwierig wird. Die BMW fährt auf der Strasse auf jeden Fall etwas ruhiger und man fährt auch „schaltfauler“, da man mit mehr Drehmoment im Keller ausgerüstet ist.

Während die KTM eindeutig angriffiger, ja sogar etwas nervös am Gas hing, gleitet die BMW wie auf Schienen durch die Kurven. Dieser Unterschied wird sich beim einen oder anderen evtl. in der Polizeistatistik bzw. der Bussenanzahl bemerkbar machen. Die KTM verführt mit ihrer Aggressivität einfach zum Gasgeben, während man auf der BMW etwas mehr geniesst. Das kommt wohl teilweise auch vom Gewicht der Bayrischen Q, die doch einige Kilos mehr auf die Waage bringt. Dafür hat deren Motor etwas mehr Drehmoment. In Sachen sportlicher Fahrmöglichkeiten kann die BMW (obwohl ich das früher nicht gedacht hätte) eindeutig mit der KTM mithalten.

Im Gelände ist die BMW etwas schwerfälliger, dafür liegt der Schwerpunkt wegen des Boxermotors etwas weiter unten, was das Balancieren vereinfacht. Aber wir konnten auch mit ihr ohne weiteres über die Ligurische Grenzkammstrasse heizen und hatten nie das Gefühl mit einem Elefanten zu reisen. Das Mehrgewicht würde sich aber sicherlich zeigen, wenn man mal irgendwo das Motorrad zu stark kippen würde. Die Zusatzkilos ziehen dann ohne Gnade zu Boden, während man die KTM noch länger in einer heiklen Situation halten kann.

Dafür bietet die BMW-Adventure einen für uns sehr wichtigen Vorteil: Die Reichweite! Mit konstant 90km/h gefahren, würde man mit einem Tank sage und schreibe 750km weit kommen. Das ist beinahe die Distanz von Zürich nach Hamburg. Bei unseren Fahrten, meist vollbeladen und mit zwei Personen pro Motorrad, erreichen wir im Allgemeinen ca. 600 bis 650 Kilometer, was ca. dem dreifachen entspricht, was wir mit der KTM 990 erreichen konnten. Wenn ich mit der Organgenen meist schon lange hysterisch nach einer Tanke Ausschau hielt, gähne ich heute gerade mal, weil ich ja nicht mal die Hälfte des Möglichen ausgereizt habe.

Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt: Der Sound der KTM ggf. sogar noch mit einer schönen Auspuffanlage wird von einer BMW wohl nie erreicht werden. Während die KTM agressiv knurrt, kommt von der BMW bei gleicher Belastung im Vergleich gerade mal ein liebliches Schnurren.

Schlussendlich bleibt nur ein Fazit: Je nach Verwendungsziel eignet sich wohl die eine mehr, als die andere. Für Rundstreckenrennen, wo ein spartanisches, radikal auf Leistung und an die Limiten designtes Bike benötigt wird, wo man auch „jede Runde“ an die Box fahren könnte und ein Mech und Benzin stehen bereit, ist KTM eindeutig der klare Favorit (was KTM ja auch bewiesen hat). Geht es jedoch mehr in Richtung selbstständige, lange und ausdauernde Touren, in denen man erstens mit etwas Fahrluxus liebäugelt, Dauerhaftigkeit der Maschine ein MUSS darstellt und man sich darauf verlassen will, dass man mal eben in einem Zug um die Welt fahren kann, dann, ja dann ist die BMW sicherlich die bessere Wahl (man nehme sich den Anfang des Films „long way round“ zu Herzen!).

Ach ja, weshalb wir keine anderen Reiseenduros mit der BMW verglichen haben, hat einen einfachen Grund: Wir haben bisher ausser der KTM und der BMW keine getroffen. Die einen lassen sich einteilen zu den REISE-Enduro, die anderen eher zu den Reise-ENDURO. KTM liegt klar mehr bei Zweiterem, BMW lässt sich für beides verwenden, liegt ab er näher an der Grenze und alle anderen liegen klar im Bereich „REISE“. Und unsere Motos müssen doch immer etwas ENDURO im Blut haben, sonst passt das nicht!