St. Gotthard

Die Anfahrt zum Gotthard ist ein grandioses Landschafts- und Fahrerlebnis. Dem Vierwaldstättersee entlang, dann das Tal der Reuss hinauf bis Göschenen und von dort aus durch die Schöllenen nach Andermatt, dem Ausgangspunkt des St. Gotthard Passes. Diese Anfahrt alleine ist eine Reise wert. Hohe Berge, klares Wasser in zahlreichen Seen und viele Burgen säumen die historisch bedeutende Strasse. Hier wird die Geschichte der Schweiz lebendig.

Der Gotthard selbst ist bei den meisten Transit-Motoristen schlicht die schnellste Nord-Süd-Verbindungsachse oder der Punkt, an dem der Oster- und Pfingstverkehr im Stau versinkt. Doch wer so denkt, der verpasst ein Stück super Kurvenstrecke. Diese beginnt nicht etwa erst in Hospental oder Andermatt, sondern bereits in Amsteg. Von dort her nämlich schlängelt sich das kleine Strässchen dem immer enger werdenden Tal entlang in Richtung Gotthard. Zum Teil ist die Strecke ziemlich eng, so dass man schon mal bremsen muss, wenn sich ein Holländer auf diese Strecke verirrt.

Einen grossen Vorteil hat sie auch noch. Während sich zu Ferienzeiten der Autoverkehr auf der immer wieder sichtbaren Autobahn staut, hat man auf der kleinen Nebenstrasse freie Fahrt mit Kurvenspass. In Wassen passiert man dann den Abzweiger zum Susten, um nur kurze Zeit später in Göschenen einzutreffen. Hier gibt es dann ein Zwischenhoch. Nämlich die Strecke die Schöllenenschlucht hinauf. Sie hat nach acht schön zu fahrenden Haarnadelkurven zum Abschluss die Teufelsbrücke zur Krönung. Ein Parkplatz ermöglicht einem, einen kurzen Halt einzulegen und die neue, wie die alte Brücke zu bestaunen.

Durch ein kleines Tunnel erreicht man schliesslich die Hochebene von Andermatt, wo man zum Oberalppass abzweigen könnte. Über eine sich lange hinziehende Hochebene erreicht man schliesslich Hospental, wo man sich für den Furka oder aber eben für den Gotthard entscheiden kann. Will man die Entscheidung vertagen, so bietet sich gleich eine Kreuzung vor der Abzweigung zum Furka eine Jugendherberge zur Übernachtung an.

Eine lang gezogene Linkskurve eröffnet die Strecke zum Pass. Eine wellenförmige Schwingung weiter eröffnet sich die grosse Mätteli-Ebene. Einzige motoristische Abwechslung bietet hier die grosse S-Kurve um das Restaurant Mätteli. Danach zieht sich die Strasse wieder ziemlich gerade den Berg hinauf.

Erst die Abzweigung zur alten Gotthardstrasse bringt wieder Leben ins süsse dahin Fliegen. Allerdings wird man, sollte man sich für die alte Strecke entscheiden (also rechts abzweigen), rasch in die Realität zurück gerüttelt. Die alte Strasse ist nämlich noch aus Kopfsteinpflaster und wer nicht eine gute Federung sein Eigen nennen kann, der wird eine heftige Pomassage erhalten. Kurz nach dem höchsten Punkt kündigt sich auch schon das Hotel-Restaurant Gotthard Hospiz an. Einige Seen darum herum verleihen der Passhöhe ein nordisches Aussehen.

Die Gotthard-Südflanke kann ebenfalls mit zwei Strassen aufwarten. Die eine eignet sich mehr für rassige und eher Kurvenmüde Biker, die zweite eher für Geniesser und solche, die auch gerne mal einen engen Bogen schlagen.

Die erste Strecke von Airolo auf den Pass entspricht einer gut ausgebauten Strasse, welche einen dazu verleitet, bei nicht zu grossem Verkehr, die 80km/h Geschwindigkeitslimite eher mehr als weniger auszureizen. Über lange Geraden und etwa ein halbes Dutzend schöne, runde Kurven, die das Hinausbeschleunigen aus der Kurve fast zu gut erlauben, erreicht man ziemlich rasch die Passhöhe.

Dagegen setzt die alte Gotthardstrecke mit rund 34 Haarnadelkurven z.T. auf Kopfsteinpflaster, sowie einigen S-Kurven, einiges mehr an Schaltvorgängen und benötigter Zeit voraus. Auch sollte man bei schlechter Witterung nicht vergessen, dass Kopfsteinpflaster einen geringeren Reibungskoeffizienten aufweisst und daher beim Bremsen Vorsicht geboten ist. Zum Schluss geht es über die berühmte Tremola in kurzatmigen, steilen Schwüngen rassig dem Ziel entgegen. Gleich neben dem Restaurant kommt man auf die Passhöhe und steht somit schon am See, der, wäre er nicht so kalt, zum Baden einladen würde.